Nicole Wermers hat zum Wintersemester 2017/18 den Ruf auf einen Lehrstuhl für Bildhauerei angenommen.
Sie leitet in der Nachfolge von Prof. Norbert Prangenberg die Klassen für Keramik und Glas.

 

Die Arbeiten von Nicole Wermers verbinden eine Auseinandersetzung über urbanen Raum mit seinen soziologischen, ökonomischen und psychologischen Aspekten mit Überlegungen zur Formensprache der Moderne und ihrer Materialien.

In Skulpturen, Collagen und Fotoarbeiten thematisiert Wermers das tägliche Verhandeln von Volumen und Material, von Grenzen, Besitzverhältnissen und architektonischen Hierarchien zwischen privatem und öffentlichem Raum.

Sichtbare und unsichtbare Strukturen der Stadt und ihre Manifestationen in Architektur und Objekten, die unsere Bewegungen und Tätigkeiten bestimmen, bilden das Referenzsystem ihrer Arbeit. Sie beschäftigt sich mit der Art und Weise wie in unserem durchgestalteten Leben durch reale und reproduzierte Materialien, Oberflächen und Räume, Begriffe wie Begehren und Macht kommuniziert werden, und welche Möglichkeiten es gibt, vorgegebene Strukturen zu unterlaufen und Handlungsspielraum zurückzugewinnen. Durch De- und Rekonstruktion von Objekten und Raumzusammenhängen untersucht Wermers wie unser Umgang mit Gegenständen und Materialien in diese eingeschrieben ist und uns gleichzeitig permanent von ihnen vorgegeben wird. So werden in ihren Skulpturen Grade der Funktionalität von Gegenständen ausgelotet, Improvisation und bewusste Zweckentfremdung werden als neue Objekteigenschaften manifestiert.

Wermers Arbeiten entschlüsseln Strategien der urbanen Konsum- und Alltagskultur, wie zum Beispiel die Appropriation von Kunstgeschichte als einer Form von kulturellem Kapital und verfolgen die Entwicklung von komplexen Erscheinungen der Moderne zu homogenen Design Oberflächen. Sie untersucht wie durch die zunehmende Abwesenheit von Materialität und gleichzeitiger Beschleunigung des Bildrecyclings in der heutigen Digitalmoderne unsere Sehnsüchte sich auf Oberflächenästhetiken und Trigger fixieren, die als leicht konsumierbare Platzhalter für Identität, Geschmack und Klassenzugehörigkeit dienen und zur Grundlage von Urteilen und Handlungen werden.

Nicole Wermers hat bei bei Sigmar Polke und Klaus Böhmler an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg studiert und am Central St. Martins College of Art and Design, London. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen war sie 2015 für den Turner Prize nominiert.

Aktuell bereitet sie eine Einzelausstellung vor, „Women Between Buildings“, die im kommenden Jahr im Kunstverein Hamburg gezeigt wird. Nicole Wermers lebt und arbeitet in London und München.