Seminar Einführung in die Ästhetik: Digitale Ästhetik

(Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

Die sogenannte „Digitale Revolution“ hat nicht nur die Produktionsweise von Kunst bzw. die Arbeitsweise der Künstler stark verändert, sondern ebenso die Zirkulation und Rezeption der künstlerischen Arbeiten verändert: „Bilder“ sind generell nicht nur schneller zu produzieren, sondern zirkulieren in feiner verzweigten Netzwerken und sind, so die Unterstellung, dadurch auch ein­facher zu konsumieren. Anhand zentraler theoretischer Positionen des 21. Jahrhunderts soll dieser „digitalen Revolution“ nachgedacht und ihre Bedeutung für den Begriff der „Ästhetik“ ausgelotet werden. Dabei sollen zunächst die Unterschiede zwischen einer prä-digitalen, einer digitalen und der sogenannten „post-digitalen“ Ästhetik untersucht werden, sowie zentrale Begrifflichkeiten der digitalen oder post-digitalen Ästhetik (Netzwerk-Kunst, Aggregation, Zirkulation, Auflösung, HD, Remediation, Post-Media, …) geklärt werden; hieran anschließend sollen theoretische und künstlerische Positionen untersucht werden, die sich spezifisch in einem digitalen Milieu verorten lassen und derart Virtualität, digitale Reproduzierbarkeit, erhöhte Sichtbarkeit qua sozialer Netzwerke etc. in ihren Produktionen explizit adressieren und, auf unterschiedliche Art, kritisieren oder subversiv unterlaufen – oder aber diese gerade affirmieren. Damit wird in dieser Debatte ein grundlegendes Problem zeitgenössischer philosophisch-ästhetischer Reflexion in Gestalt der Kritik an tradierten Dualismen (Virtualität vs. Körperlichkeit; Originalität vs. Reproduzierbarkeit; Autonomie vs. Heteronomie; Freiheit der Kunst vs. ihre Marktförmigkeit) aktualisiert.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); je nach Größe des Seminars entweder Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3 Seiten) eines Referats oder Anfertigung eines Essays zu einem im Seminar behandelten Thema (5 Seiten).


Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr.-Stefan Apostolou-Hölscher

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016, weitere Termine: 28.04., 12.05., 25.5., 02.06., 16.06., 30.06.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.



Seminar Fremde Bilder (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 15.04.2016, weitere Termine: 29.04., 13.05., 03.06., 17.06., 01.07.

Im Lektüreseminar „Fremde Bilder“ steht die Frage nach der Darstellung des Fremden sowie die damit verbundene Infragestellung des Eigenen oder Alltäglichen im Mittelpunkt. Theoretische Problematisierungen der Figur des Fremden und damit verbunden der Bilder des Fremden treten zunächst im kolonialen Kontext auf, in dem das Fremde in der Fremde von einem eurozentristischen Blick konstituiert wird. Die spezifische Asymmetrie, die hier zwischen dem Zivilisierten und dem Fremden, Wilden, Barbaren, entsteht, führt dabei einerseits zu einer erhöhten Identitätsbildung des zivilisierten, aufgeklärten Europäers; sowie abhängig davon andererseits zu einer spezifischen, clicheehaften, hochgradig rassistischen Bildproduktion: der/das Fremde wird im ethnographischen Bild festgehalten, kategorisiert, diszipliniert. In einem zweiten Schritt soll dieser post-koloniale Komplex aus eigenem und fremden Bild bzw. aus Bildern vom Eigenen und Fremden vor dem Hintergrund der aktuellen Situation reflektiert werden. Ein wesentlicher Unterschied ist dabei die Verortung des Fremden, der nicht mehr woanders, sondern, in Gestalt von Migranten/innen und Flüchtenden, nun „bei uns“, in „Europa“ begegnet: Was geschieht, wenn das Fremde zu uns kommt? Welche (mythologischen) Bilder werden herangezogen, um fremdenfeindliche Übergriffe zu rechtfertigen? Wie ist der Wandel bzw. Umschlag der Bilder der Fremden seit dem letzten Sommer (2015) zu deuten: Von den vielzähligen Bildern überbordender Solidarität und sogenannter „Willkommenskultur“ (Stichwort Münchener Hauptbahnhof) hin zu der Dämonisierung des jungen männlichen Asylbewerbers (Stichwort Kölner Hauptbahnhof) und den rassistischen Übergriffen des letzten Jahres und speziell in Sachsen im Februar 2016.

Vor dem Hintergrund der Lektüre einschlägiger Texte zu Flucht, Rassismus, Fremdheit, Gastfreundschaft u.a. aus Philosophie, Ethnologie und Politikwissenschaft (Hanna Arendt, Michel Foucault, Jacques Derrida, Edward Said, Julia Kristeva, Bernhard Waldenfels u.a.) sollen Arbeiten der zeitgenössischen Kunst, aber auch aus Film, Fernsehen und den Medien diskutiert werden, die kritisch auf die gegenwärtige Situation reagieren; zugleich soll auch die Frage der Darstellung von Fremdheit im Allgemeinen diskutiert werden, die sich genealogisch sowohl zu exotistischen Repräsentationen (Segalen, Gauguin) und Reiseliteratur (Loti) als auch zu Völkerschauen und Dioramen sowie kolonialen Fotoarchiven zurück verfolgen lässt. „Fremde Bilder“ sind dabei sowohl Bilder vom Fremden als auch Bilder, die nicht vom Künstler stammen, die also fremd weil appropriiert, gefunden und kopiert sind – von Merkels Flüchtlings-Selfies bis zu den auf den sozialen Netzwerken zirkulierenden Handyvideos rassistischer Übergriffe. Sie werfen u.a. die Fragen auf, ob das Dokumentieren und Darstellen hier eher einem Aufklären, einem Ausstellen oder einer Festschreibung gleichkommt bzw. was „eigene“ Bilder diesen fremden Bildern hinzufügen. Diese Fragen stehen im Zentrum zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzungen mit der Flüchtlingsfrage, wie bspw. in Philip Scheffners Film „Havarie“ (2016) oder Tobias Zielonys Arbeit „The Citizen“ (2015), aber auch in Dokumentation (Rosi, „Fuoccoamare“, 2016) und reportageartigen Bearbeitungen (z.B. Navid Kermani). Neben diesen und anderen Arbeiten sollen auch eigene Arbeiten der Studierenden, die im direkten Zusammenhang mit dem Seminar stehen, vor dem Hintergrund der Textlektüren diskutiert werden.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion praktischer studentischer oder anderer Arbeiten. Eine kontinuierliche Teilnahme ist absolut gewünscht. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.


After critique? Aesthetics of the low in contemporary art

Jenny Nachtigall, M. A.
(+ trip to 9th Berlin Biennale) (Modul E.02.09)
(Seminar in English and German)

Room E.ZG.04, E.O1.23, Akademiestr. 4
Dates Reading seminar: Thursday, 09.06., 14.00–20.00, Friday, 10.06., 11.00–19.00, Saturday, 11.06., 12.00–20.00
Trip to 9th Berlin Biennale: Friday, 17.06. – Sunday, 19.06.
Contact nachtigall@adbk.mhn.de

In the last couple of years the paradigm of ‘critique’ (and the notion of the ‘avant-garde’) have been waning as reference points within the contemporary art discourse. Whereas a strand of art theory and criticism denounced this development as “post-critical” (Hal Foster), seeking in turn to re-establish a rigorous understanding of critique, a younger generation of artists and writers calls it into question altogether. Artist collectives like DIS, for instance, locate their practices within the mainstream, in corporate culture and in fashion, with digitality as the matrix of their activities. In this seminar we want to discuss the premises and the consequences of what could be called an aesthetics of the low in contemporary art as well as how it differed from previous iterations. If the paradigm of critique were in fact obsolete, what replaces it?

In order to develop possible responses to this question the first section of the seminar will introduce key theories of mass culture, commodification and the low (e.g. Adorno, Greenberg, Foster, Crimp, Deleuze). We will look into how the premises of these earlier (post)modernist debates shifted in the present, and how current aesthetics, art theory and practice react towards this shift. Is it sufficient to understand “the zany, the interesting, and the cute “(Ngai) as the new aesthetic categories of the present or do we rather have to rethink the functions of aesthetics and of art in the face of digitality (e.g. Wark, Joselit)? How does contemporary art operate within a field – and how is it operated – in which the boundaries between artistic and social production became porous? The second part of the seminar will consist of a field trip to the 9th Berlin Biennale (curated by DIS) in which we will approach the problems and questions raised in our readings through the concrete framework of the Biennale and the practices that it chose to showcase.

Places are limited. In order to sign up for the seminar + trip to the Berlin Biennale, and for further information, please email nachtigall@adbk.mhn.de


Blockseminar Repräsentationskritik und Unsichtbarkeit (Modul E.02.09)
Marina Martinez Mateo

Raum E.EG.28 und E.O1.23 (nur 01.06.), Akademiestr. 4
Termine 30.05. und 31.05. jeweils 10.00–18.00 Uhr, 01.06. 9.00–14.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung marina.martinezmateo@normativeorders.net

Wird über Repräsentation gesprochen, denken wir schnell – und offenbar aus guten Grün­den −, dass darin etwas sichtbar würde. Als Darstellungen leisten Repräsentationen eine Materialisierung oder Veräußerung eines inneren Ausdrucks; oder aber sie bilden eine Realität ab und führen sie uns dadurch noch einmal neu, vielleicht klarer, vielleicht verschoben vor Augen. Sichtbarmachung bildet den unveräußerlichen Kern von Repräsentation.
Darin liegt nicht nur eine Beschreibung ihrer Funktionsweise, sondern auch ihr normatives Fundament: Das Versprechen der Sichtbarkeit liegt ihr legitimierend zugrunde – Repräsentation soll sichtbar machen. Impliziert wird damit die Annahme, dass Sichtbarkeit anzustreben sei, dass Unsichtbarkeit einen Mangel bedeutet, eine Passivität oder gar Handlungsunfähigkeit. Dies ist insbesondere dann das Narrativ, wenn Repräsentation in einem stärker politischen Sinne verstanden wird: Nur wer repräsentiert ist, gilt als Teil der Gemeinschaft und politische/r Akteur/in.

Dies wird immer wieder aus verschiedenen Perspektiven in Frage gestellt: Was machen Darstellungen tatsächlich sichtbar – und was belassen sie dabei notwendig im Verborgenen? Gibt es möglicherweise Gegenstände oder Themen, die nicht repräsentierbar sind, die man verfälschen oder gar zerstören würde, wollte man sie abbilden? Und was für (politische wie ästhetische) Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es im Verborgenen oder im Spiel mit der Verbergung, die in der Dominanz der Sichtbarkeit verloren gehen? In diesen Kritiken wird Unsichtbarkeit entweder zum Außen der Darstellung (das Ausgeschlossene, der Rest), das sie stark machen, um Möglichkeitsräume jenseits der Repräsentation aufzuzeigen; oder aber Unsichtbarkeit wird als notwendiger Bestandteil von Repräsentation hervorgehoben. Dadurch wird das Versprechen der Sichtbarkeit insofern in Frage gestellt, als es scheinbar nie erfüllt werden kann.

Diesen verschiedenen Positionen und Argumentationsweisen sowie ihrem Verhältnis zueinander soll im Seminar anhand genauer Textlektüren nachgegangen werden, um die komplexe Interaktion von Repräsentation und Unsichtbarkeit richtig zu fassen. Dabei wird es auch immer wieder um die politischen Implikationen dieser Fragen gehen. Im Zentrum sollen u.a. Texte von Jacques Rancière, Michel Foucault, Hannah Arendt und Axel Honneth stehen.

Wichtig ist: Die Veranstaltung wird als Blockseminar stattfinden. Der Seminarplan und die behandelten Texte werden im Vorhinein per Mail zugänglich gemacht. Daher wird um vorherige Anmeldung (an: marina.martinezmateo@normativeorders.net) unbedingt gebeten.