Interdisziplinäre Vortragsreihe „Hybride Ökologien“
Ein Kooperationsprojekt des cx centrum für interdisziplinäre studien und dem Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie
Weitere Informationen sowie alle Termine der Vortragsreihe finden Sie hier.

 

Seminar Einführung in Ästhetik und Massenkultur von 1900 bis heute (Modul E.01.09)
Jenny Nachtigall, M.A.
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 20.10.2016
Kontakt: nachtigall@adbk.mhn.de

In aktuellen kunsttheoretischen Debatten herrscht Uneinigkeit darüber, ob man heute noch von einer ‚Avantgarde’ in der Kunst sprechen kann oder ob die digitale Entgrenzung von Kunst und Massenkultur dieses modernistische Konzept obsolet macht (Foster, Joselit). Während der modernistischen Ästhetik und Kunsttheorie ein größtenteils antagonistisches Verhältnis von Kunst und Massenkultur zu Grunde liegt, auf dem zentrale Konzepte wie Avantgarde, Autonomie, Kritik oder Medienspezifik u.a. fußen, haben sich die Grenzziehungen zwischen Kunst und ihrem Außen heute stark verschoben. Welche Konsequenzen hat dies für unser Verständnis von Kunst sowie für die Rolle von Ästhetik und Kunsttheorie? In der „Einführung in Ästhetik und Massenkultur seit 1900 bis heute“ werden zentrale Begriffe der Ästhetik und Kunsttheorie des 20. und 21. Jahrhunderts sowie die unterschiedlichen Denkschulen, von denen sie mobilisiert werden anhand von einschlägigen theoretischen und künstlerischen Positionen vorgestellt und auf ihre Relevanz für das Verständnis von Kunst heute befragt. Neben der Einführung in klassische Positionen zu Kunst und Massenkultur im Umkreis der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (z.B. Benjamin, Bürger) wird deren einflussreiche Revision in der poststrukturalistisch geprägten Ästhetik und Kunsttheorie der 1980er und 90er Jahre (z.B. Foster, Krauss) diskutiert. Das Seminar wird darüber hinaus in alternative Zugänge zu Kunst und Massenkultur in einer sozial erweiterten Ästhetik in Deutschland (z.B. Gorsen, Draxler), einer an den Cultural Studies geschulten amerikanischen Kunsttheorie (z.B. Crimp, Owens) sowie in feministische (z.B. Bovenschen, Lippard) und postkoloniale Perspektiven (Mercer) einführen. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, Grundlagen für das Verständnis aktueller ästhetischer und kunsttheoretischer Debatten sowie ein Basiswissen zu Ästhetik und Massenkultur seit 1900 bis heute zu vermitteln.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); Referat oder Essay zu einem im Seminar behandelten Thema (3-5 Seiten).

 

 

 

Seminar Krise und Form in der Gegenwartskunst: erweiterte Perspektiven (Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M.A.
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11-15.00 Uhr, Beginn: 21.10.2016
Weitere Termine: 28.10.,  11.11., 25.11., 9.12., 16.12., 13.01., 27.01.
(+ Workshop Termin wird bekannt gegeben)
Kontakt: nachtigall@adbk.mhn.de

Das Lektüreseminar wird gegenwärtige künstlerische Tendenzen vor dem Hintergrund einer Kritik an Universalismus und Homogenität dominanter westlicher (Kunst)Theorien und Philosophien diskutieren. Während aktuell eine kritische Revision verengter modernistischer Vorstellungen künstlerischer Formen und Subjekte im Zeichen des Digitalen steht, werden wir uns dieser Problematik aus der Perspektive einer sozial erweiterten Ästhetik, Philosophie und Kulturtheorie nähern: Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert haben Theoretikerinnen und Künstlerinnen darauf verwiesen, dass es nicht nur eine (westliche) Moderne gibt, und dass die Formen und Subjekte von Kunst dementsprechend weder homogen noch puristisch, sondern von Antagonismen und Widersprüchen durchzogen sind. Diese Perspektive scheint vor dem Hintergrund der heutigen politischen und sozialen Krisen und des Wiedererstarkens von Rassismen in Europa und den USA aktueller denn je und wird im Zentrum des Seminars stehen. Inwiefern ist die (post-digitale) Gegenwartskunst dominanten und damit auch imperial geprägten Modernismen verhaftet? Ist unser eigenes Verständnis von Kunst ein genuin westliches?
In dem Seminar werden wir uns sowohl mit der philosophischen Kritik an Universalismen befassen, wie z.B. der Theorie einer Widerständigkeit von „kleinen Formen“ (Deleuze & Guattari), sowie mit frühen kunsttheoretischen und -kritischen Ansätzen einer Politik der Form jenseits von dominanten Vorstellungen moderner Kunst, die sich verstärkt auf ethnographische und anthropologischeForschung beziehen (z.B. Märten, Einstein, das surrealistische Magazin Documents). Im Fokus des Seminars wird insbesondere die umfassende Erweiterung solcher frühen Kritik an Universalismus und Homogenität in unterschiedlicher postkolonialen Theorien stehen (z.B. Fanon, Spivak). Neben klassischen Ansätzen postkolonialer Theorie werden wir aktuellere Tendenzen wie u.a. Afro-pessimismus und -optimismus (z.B. Moten, Sexton) diskutieren und sie mit dem Zukunftshype, den Subjektivitätsbildern und dem Formverständnis post-digitaler Gegenwartskunst konfrontieren. Ein Teil des Seminars wird in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunsttheorie und -vermittlung der ADBK Nürnberg stattfinden (Kerstin Stakemeier), im Rahmen dessen ein gemeinsamer Workshop (München) mit Studierenden aus München und Nürnberg sowie ein Vortrag (München) zu Krise und Form in der Gegenwartskunst aus postkolonialen Perspektiven stattfinden wird.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion künstlerischer Praktiken. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (ca. 10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.

Für die Planung des Workshops wird um Anmeldung bis zum 28.10.2016 gebeten: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

 

Seminar Museumstanz (Modul E.02.09)
Dr. Stefan Apostolou-Hölscher
Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 16.00–19.00 Uhr, Ausnahme: Mittwoch, 2.11. (dann 13.00-16.00 Uhr)
Einführung: 19.10.2016, weitere Termine: 2.11., 16.11, 23.11., 7.12., 18.1, 1.2.
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

In den letzten Jahren zeichnet sich die Tendenz ab, dass die internationale Museumsprogrammierung zunehmend bestrebt ist, Tanz aus dem Theaterdispositiv herauszulocken und in Ausstellungsräumen zu präsentieren. Das Interesse des Kunstbetriebs am vermeintlich ‚konkreten‘ Körper und seinen Tätigkeitsformen korrespondiert dabei mit dem Drang mancher zeitgenössischer Tanzschaffender, erweiterte und eher abstrakte Konzepte von Choreographie zu entwickeln, die weit über modernistische Verständnisse im Sinne einer reinen Komposition von Bewegung hinausgehen (expanded choreography). Ebenso hängt es mit einer Reihe von Problematiken zusammen, als deren Symptom es im Verlauf des Seminars skizziert werden soll: So lässt sich z.B. hinsichtlich der Arbeiten von Boris Charmatz oder La Ribot fragen, inwiefern Tanz im Museum das tradierte Medium der Skulptur ‚verlebendigt‘ und welche ideologischen Vorannahmen damit einhergehen, wie die musealen Interventionen Tino Sehgals mit postfordistischen Produktionsweisen zusammenhängen, warum William Forsythe ungewöhnliche Perspektiven auf die Sammlung des Frankfurter MMK wirft, um ebenso sein eigenes Œuvre wie jene dort umzuschreiben oder ob, wenn das New Yorker MoMA PS1 und der Pariser Palais de Tokyo Veranstaltungen organisieren, in denen die jüngsten Choreographien von Mårten Spångberg und Anne Imhof miteinander konstelliert werden, nicht eine im Bereich des Tanzes schon länger ad acta gelegte Idee von ‚Liveness‘ wiederbelebt wird, obwohl sie auch ein neues Arrangement sowohl von Choreographie als auch des Ausstellungsdispositivs vornehmen, indem sie gleichzeitig Tanz zum Objekt machen und den Ausstellungsraum mobilisieren, oder warum die Londoner Tate mehr an experimenteller Forschung zur Choreographie interessiert ist als die meisten der freien europäischen Theaterhäuser, wo diese noch in den späten 1990ern und 2000ern vornehmlich stattfand.
Neben solchen Fragen wird es um die Ausstellung Danse-Guerre gehen, die 2013 von Bojana Cvejić und Cosmin Costinas im Musée de la Danse in Rennes kuratiert wurde und sich mit den eng miteinander verflochtenen Genealogien kriegerischer und tänzerischer Praktiken befasste. Insgesamt besteht die Veranstaltung aus einer Kombination von Videosichtungen einerseits und damit verbundenen Textlektüren (u.a. Buren, Cvejić, Groys, Kunst, Lepecki, O´Doherty, Spångberg) sowie gemeinsamen Diskussionen andererseits.

 

 

 

Blockseminar Kants Ästhetik: Das Schöne, das Erhabene und die Kunst in der Kritik der Urteilskraft (Modul E 02.09)
Dr. Dirk Setton
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Termine: 02.12, 10-18 Uhr; 03.12, 10-15 Uhr; 13.1., 15-19 Uhr, 14.1., 10-15.30 Uhr
Kontakt/Anmeldung setton@em.uni-frankfurt.de

Im ersten Teil der „Kritik der Urteilskraft“ widmet sich Kant einer kritischen Analyse der sogenannten Geschmacksurteile. Diese Urteile haben einen merkwürdigen Charakter – denn sie tragen nichts zum Erkennen von Gegenständen oder zum Handeln bei, sondern betreffen nur die Weise, wie sich urteilende Subjekte im Angesicht von besonderen Gegenständen und in je spezifischen Situationen selbst „fühlen“. Dass diese Urteile dennoch nicht bloß subjektiv und mithin beliebig sind, dass sie im Gegenteil sogar eine eigene Form allgemeiner Gültigkeit in Anspruch nehmen, macht sie zu einer besondere Art von Urteilen – nämlich: „ästhetischen“ Urteilen.
Im Seminar soll es darum gehen, die zentralen Passagen von Kants Theorie ästhetischer Urteile zu verstehen und produktiv zu diskutieren. Das bedeutet nicht nur, dass wir uns gemeinsam um eine Rekonstruktion und Deutung der „Analytik des Schönen“, der „Analytik des Erhabenen“ und der Theorie der „schönen Kunst“ bemühen werden; es bedeutet auch, Kants Begriffe des Schönen, des Erhabenen und der Kunst auf „Beispiele“ aus dem Bereichen des Films (Dogville, Mad Men, Safe) und der bildenden Kunst (Abstract expressionism, Minimal art) zu beziehen – und dabei zu versuchen, uns eine interessante und instruktive Perspektive sowohl auf diese „Beispiele“ als auch auf Kants eigene Theorie zu erarbeiten.

Das Seminar wird in zwei Blockveranstaltungen durchgeführt, die an jeweils 2 Tagen im Dezember 2016 und Januar 2017 stattfinden werden. Teilnahmevoraussetzung ist nicht nur die vorbereitende Lektüre der gemeinsam zu diskutierenden Textpassagen aus der Kritik der Urteilskraft, sondern auch die Bereitschaft zur Übernahme einer Diskussionseinleitung (kein Referat!) für eine Sitzung. Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 17. Oktober 2016 beim Seminarleiter per Email unter setton@em.uni-frankfurt.de anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr. Stefan Apostolou-Hölscher
Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 20.10., weitere Termine: 02.11., 17.11., 24.11.,8.12., 19.01., 2.2.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de


Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung
darstellt.
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.