1. Einführung in die Ästhetik: Reproduktion, Wiederholung, Aneignung
Prof. Dr. Maria Muhle
E.01.09/E.02.09
Donnerstag, 11.00 – 13.00 Uhr
Beginn: 27. April
Raum: E.O1.23

Die Veranstaltung untersucht grundlegende Texte der Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Perspektive reproduzierender, wiederholender und aneignender Techniken, die sich einem tradierten Verständnis von Kunst als Produktion, Schöpfung und Erschaffung von Neuem entgegensetzt. Kunst soll hier im Zeichen ihrer technischen Reproduzierbarkeit (Benjamin) untersucht werden, um so einen anderen, nicht- oder nach-modernistischen Blick auf die künstlerischen Praktiken des 20. Jahrhunderts zu eröffnen. Zugleich soll in dieser Diskussion um Kunst als Reproduktion die Matrix jener aneignenden Techniken gesucht werden, die sowohl für Pop als auch Appropriation Art und Pictures Generation eine zentrale Rolle spielen und heute unter digitalen bzw. post-digitalen Bedingungen in Begriffen wie Distribution und Zirkulation reformuliert werden.  

Zur Vorbereitung ist die Lektüre von Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: ders., Gesammelte Schriften I.2. Frankfurt/Main 1980, S. 471–508 empfohlen.  

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

Achtung! Die erste Sitzung am 27.4. findet in Museum Brandhorst statt: Gespräch mit Tonio Kröner über die Ausstellung Wade Guyton. Das New Yorker Atelier. Treffpunkt: Foyer im Museum Brandhorst (Theresienstr. 35a) um 11h00

 

 

2. Theorien und Praktiken des Mimetischen
Prof. Dr. Maria Muhle und Prof. Dr. Tobias Döring (LMU)
E.02.09 zugleich Grundlagenseminar für das IDK Mimesis der LMU
Freitag, 11.00 – 14.00 Uhr, zweiwöchentlich
Termine: 28.4., 12.5., 26.5., 9.6., 23.6., 7.7., 21.7.
Raum: E.O1.23

Mimesis ist ein Schlüsselbegriff aller kulturellen Praxis – und zwar auch dann, wenn er, wie es in der Moderne immer wieder vorkommt, ausdrücklich verworfen, verachtet und verlacht wird. Mimesis bezeichnet das Grundlagenkonzept, das überhaupt in Rede steht, seit Literatur- und Kunstproduktion in den Horizont diskursiver Auseinandersetzung gerückt sind, und das noch in der jüngsten Medien- und Kulturtheorie gleichermaßen unverzichtbar ist. Mimesis umfasst ein ganzes Bedeutungsspektrum, das von „Nachahmung“, „Imitation“, „Darstellung“, „Repräsentation“, „Simulation“, „Reproduktion“, „Wiederholung“, „Spiegelung“, „Modellierung“, „Verkörperung“, „Travestie“, „Parodie“, „Kopie“ bis hin zu abstrakten Begriffen wie „Realismus“ oder „Identifikation“ reichen und damit fundamentale Fragen aufwerfen, denen sich jede Arbeit in den Literatur- und Kunstwissenschaften, aber auch die künstlerische Praxis selbst notwendig stellen muss. Diese folgen aus einer unhintergehbaren Doppelheit: sowohl Prozess wie Produkt, sowohl menschliches Vermögen wie gleichermaßen kulturelle Handlung, ist Mimesis immer ein Relationsbegriff, der etwas – zumeist ein Werkstück kultureller Arbeit – ins Verhältnis zu etwas anderem setzt – entweder zu einem anderen Werkstück oder einer Vorstellung von „Welt“, „Wirklichkeit“, „Handlung“ oder „Natur“. Das mimetisch Hervorgebrachte gilt daher als ein Zweites, d.h. oft ein Zweitrangiges und wird traditionell mit Skepsis betrachtet, wenn nicht ausdrücklich verworfen oder gar als gefährlich unzulänglich gleich verbannt. Eine dieser Gefahren betrifft dabei direkt das künstlerische Produzieren, insofern die nachahmenden Techniken das künstlerische Subjekt aus dem tradierten Genie-Paradigma hinausdrängen und dazu zwingen, die Frage seiner Autorschaft immer wieder aufs Neue zu verhandeln. Doch selbst eine Kritik am Mimetischen kann sich ihrerseits nur auf mimetische Techniken wie das Vergleichen stützen und muss sich durch mimetische Verfahren wie Illustration mitteilen. Ob also bewundert oder gescholten, ob gefeiert oder verdammt – Mimesis ist für alle Modi, Medien und Möglichkeiten sämtlicher Künste und Kulturprodukte schlechterdings konstitutiv. Macht und Faszination des Konzepts rühren in erheblichem Maße daher, dass es die Begriffssphäre, die es erschließt, mit jedem neuen Gebrauch neu entwirft und also ständig zur Begriffsverschiebung und -erweiterung beiträgt.

Dies wollen wir in diesem Seminar durch einschlägige Textlektüren, die von Platon und
Aristoteles über Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Erich Auerbach bis zu Michael Taussig, Judith Butler, Homi K. Bhabha sowie Roger Caillois, Jacques Derrida und Gabriel Tarde reichen, eingehend erkunden und mit ausgewählten Beispiele aus der ästhetischen Praxis – vornehmlich Literatur und Bildender Kunst – kritisch konfrontieren. Für alle Teilnehmenden ist daher nicht nur erhebliche Lesearbeit unerlässlich, sondern für die Teilnehmenden des IDK Mimesis auch ein eigener Diskussionsbeitrag – im Sinne einer Fallstudie – Voraussetzung. Die Texte werden in einem Reader bereitgestellt sowie digital zugänglich gemacht.

Zur vorbereitenden Orientierung ist folgendes Buch nützlich: Gebauer/Wulf, Mimesis:
Kultur-Kunst-Gesellschaft (Rowohlt 1992).

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

 

3. Infofiction
Dr. Jenny Nachtigall
Modul E.02.09
Freitag, 11.00 – 13.00 Uhr bzw. 14.00 – 17.00 Uhr (zweiwöchentlich)
Termine: 28.4. (14-17.00), 12.5. (14-17.00), 19.5., 2.6. (Workshop), 23.6. (14-17.00), 30.6., 14.7.
Raum: E.O1.23

Das Seminar „Infofiction“ möchte ausgehend von der aktuellen Diskussion um „alternative Fakten“ und eine „post-faktische“ Politik die Potentiale ästhetischer und künstlerischer Wissensproduktion in den Blick nehmen. Ursprünglich der Titel einer Ausstellung von Lee Lozano (1971), die sich u.a. dem Protokollieren ihres Lebens als künstlerischer und politischer Form widmete, erhält „Infofiction“ heute eine neue Lesbarkeit und Aktualität, denen dieses Seminar nachgehen möchte. Im Fokus steht dabei die These, dass in Zeiten politischer Repression ästhetische Formen der „Informationsverarbeitung“ immer schon Konjunktur hatten. Als alternative Orte der Wissensproduktion und -zirkulation, in denen ästhetischer Praxis eine politische Funktion zukam, fungierte insbesondere das Magazinformat häufig als zentrales Medium der politischen Artikulation und Positionierung von Künstler_innen selbst: von den Dadaisten, die um der Zensur zu entgehen unter dem Deckmantel eines Jugendmagazins (Neue Jugend) anti-nationalistische Satire verbreiteten, über Tropiques, offiziell ein Journal für Westindische Folklore, das eine surrealistischen Kritik am Kolonialismus praktizierte, bis zu aktuellen Formaten an den Rändern des westlichen Kunstdiskurses (z.B. die englische/arabische Zeitschrift makhzin). Durch die Diskussion historischer wie auch aktueller Praxisbeispiele, untersucht das Seminar künstlerischen Formen von „Infofiction“, ihre theoretischen Grundlagen und Implikationen sowie die Frage nach den ästhetischen und politischen Perspektiven, die sie im Zeitalter „alternativer Fakten“ eröffnen können.

„Infofiction“ bietet Studierenden außerdem die Möglichkeit einer Beteiligung an der internationalen Gruppenausstellung „Klassensprachen“, die sich der künstlerischen Entfremdung, Enteignung und Aneignung von Sprache in der Gegenwartskunst widmet. Die vom Hauptstadtkulturfonds Berlin geförderte Ausstellung ist von Manuela Ammer, Eva Birkenstock, Jenny Nachtigall, Kerstin Stakemeier und Stephanie Weber initiiert und eröffnet im Juli 2017 in Berlin. Im Rahmen des Seminars soll in Kooperation mit Studierenden der AdBK Nürnberg ein gemeinsamer Beitrag zur Ausstellung erarbeitet werden. Weitere Informationen werden bei der Einführungsveranstaltung besprochen.

Anmeldung bis zum 20. April 2017: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

4. Kunst und Gesellschaftskritik ‚nach‘ Hegel
Dr. Svenja Bromberg
E.02.09
Blockseminar, Termine: Fr. 05.05., 14.00 – 18.00 Uhr, Sa. 06.05., 10.00 – 17.00 Uhr und Fr. 9.06., 14.00–18 Uhr und Sa. 10.06., 10.00 – 17.00 Uhr
Raum: Wird noch bekannt gegeben

Das Blockseminar nimmt seinen Ausgangspunkt in einer Problematik, die sich mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts und einer damit einhergehenden Einschreibung der kapitalistischen Logik in alle, auch die künstlerischen, (Lebens)Bereiche, immer deutlicher stellt: nämlich die Frage, inwieweit (und ob) Kunst unter diesen Umständen als Instrument von Gesellschaftskritik dienen kann und welcher Modus von Kritik in diesem Kontext möglich und wünschenswert ist. Um uns dieser Fragen auf grundsätzliche Weise zu nähern, wollen wir in diesem Seminar zunächst die Engführung von Kritik und Kunst, wie sie prominente Ästhetische Theorien, wie diejenige von Theodor W. Adorno, kennzeichnen, auf ihre Wurzeln in der Hegelschen Dialektik zurückführen. Wir widmen uns Hegel somit als einer häufig übersehenen Grundlage derjenigen ästhetischen Theorie des 20. Jahrhunderts, die einen gesellschaftskritischen oder explizit gesellschaftsverändernden Anspruch formuliert. Dazu gehört, dass wir uns Weiterentwicklungen und Kritiken der Hegelschen Dialektik widmen und dabei vor allem auf die Rolle der Negativität, der Differenz und des Werdens fokussieren, wie sie nicht nur in der Kritischen Theorie, sondern auch von den französischen Interpreten Hegels, wie Alexandre Kojève, Gilles Deleuze und Jean-Luc Nancy, hervorgehoben wurden. Dabei stellt sich die doppelte Frage, inwieweit mit diesen Hervorhebungen die geschichtsphilosophischen Tendenzen in Hegels eigener Philosophie produktiv überwunden werden und inwiefern eine solche Öffnung des Absoluten zum Singulären und zur Differenz einen neuen Begriff von (künstlerischer) Kritik an Gesellschaft ermöglicht. In einem letzten Teil wollen wir die Potentiale und Begrenzungen eines Hegelschen Kritikbegriffs für die künstlerische Kritik an unserer zeitgenössischen Gesellschaft ausloten und dessen Rolle innerhalb des Gesamtverhältnisses von Kunst, Gesellschaft und Philosophie untersuchen.

Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 20. April 2017 per Email unter svenja.bromberg@gmail.com anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

5. Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall
Donnerstag, 17.00 – 20.00 Uhr
Termine: 27.4., 11.5., 18.5., 1.6., 22.6., 29.6., 13.7.
Raum: E.O1.23

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

6. Entwicklung einer Publikationsreihe
Konzept, Theorie, Inhalt, Gestaltung, Lektorat, Ökonomie, Produktion
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck)
1. Termin: 9. Februar; weitere Termine werden per Mail bekannt gegeben
Raum: Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12)

Entwicklung einer kleinformatigen Publikationsreihe als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Veröffentlichung ausgewählter Vorträge, Diskussionen, Veranstaltungen etc. der Akademie funktionieren. Die Inhalte der einzelnen Publikationen werden gemeinsam ausgewählt bzw. generiert und die grafische Gestaltung in Auseinandersetzung mit dem inhaltlichen Konzept in einem Workshop (Philosophie / Typografie) mit den Studierenden erarbeitet. Die Studierenden sollen den Herstellungsprozess eines Buches von der thematischen und grafischen Konzeption, über die formale Textbearbeitung und grafische Umsetzung bis zur Drucklegung begleiten. Es sind vorerst drei Ausgaben geplant, die in anliegenden Galerien und Buchläden vertrieben werden. Neben der praktischen Arbeit an Grafik und Texten ist ebenfalls die Diskussion unterschiedlicher Buchformen (Katalog, Künstlerbuch, Catalogue raisonné, Theoriebuch...) und ihrer Rolle für die künstlerischere Arbeit geplant sowie die gemeinsame Lektüre einzelner Texte, die sich mit Fragen des Verlegens als spezifische Wissensform auseinandersetzen.

Verbindliche Anmeldung per Mail (muhle@adbk.mhn.de und schmidl@adbk.mhn.de) bis zum 6.2., Auftakt- und Planungssitzung am 9.2., 11h00, Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12). Bei dieser Sitzung sollen bereits erste Vorschläge für Texte und grafische Konzepte diskutiert werden. Weitere Termine folgen im Sommersemester 2017. Eine Booklaunch ist beim Rundgang 2017 vorgesehen. Max. Teilnehmerzahl: 15

 

7. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)
Prof. Dr. Maria Muhle
Mittwoch, 11.00 – 15.00 Uhr
Termine: 24.5., 28.6., 12.7.
Raum: E.02.08

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.
 
Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter muhle@adbk.mhn.de