Szenen der politischen Ästhetik I (Lektüreseminar) (auch Modul E.01.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Dienstag 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 08.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Der Bezug von Kunst und Politik wird zuletzt vermehrt innerhalb einer eigenen Disziplin, der „politischen Ästhetik", untersucht: politisch ist die Ästhetik insofern, als sie die politischen Verfasstheiten, Intentionen und Effekte künstlerischer Praktiken untersucht. Dies geschieht auf sehr unterschiedliche Weise, denn Kunst kann entweder indirekt, in ihrer Darstellung oder Nicht-Darstellung, als politisch gelten, sie kann aber auch direkt in die politische Wirklichkeit eingreifen, um diese zu verändern.

 

Im Seminar sollen diese verschiedenen Positionen politischer Ästhetik untersucht werden. Ausgehend von Positionen des frühen 20. Jahrhunderts (Benjamin, Brecht) über die Untersuchung militanter Bildpolitiken der 1960er und 1970er Jahre (Debord, Godard) soll eine Genealogie zeitgenössischer Positionen (Rancière, Badiou, Bourriaud) erarbeitet werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den soeben übersetzten Szenen des ästhetischen Regimes von Jacques Rancières, in denen Rancière selbst eine transmediale Geschichte der Anfänge der politischen Ästhetik entwirft.

 

Zur Vorbereitung: Jacques Rancière, Aisthesis. Vierzehn Szenen, Wien: Passagen Verlag 2013. Der Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Anfang des Semesters verteilt.

 

 

 

Szenen der politischen Ästhetik II (Interventionen) (auch Modul E.01.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Dienstag 14.00 - 16.00 Uhr | Beginn: 08.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Neben der Lektüre der Texte werden im zweiten Teil des Seminars klassische und zeitgenössische künstlerische und filmische Arbeiten präsentiert und besprochen. Die Auswahl dieser Arbeiten wird in Absprache mit den Studierenden vorgenommen. Außerdem sind die Studierenden aufgefordert, ihre eigenen bereits existierenden oder gerade entstehenden Arbeiten zu präsentieren, um sie hinsichtlich ihrer politisch-ästhetischen Potentiale hin zu diskutieren. Dabei sollen nach Möglichkeit alle künstlerischen Medien – malerische, skulpturale, fotografische, performative, filmische etc. Arbeitsformen – gleichermaßen präsent sein. So ließe sich ebenfalls zeigen, dass das „Politische" der Kunst nicht an ein spezifisches Medium gebunden ist, bzw. ließe sich fragen, ob es sich in unterschiedlichen künstlerischen Medien je anders entfaltet. Diese Verbindung von theoretischem und künstlerischem Arbeiten soll die im Lektüreseminar erarbeiteten philosophischen Texte zugleich für die Konzeption und Ausarbeitung der künstlerischen Arbeiten fruchtbar machen.

 

Eine Teilnahme an diesem Seminar setzt die Teilnahme am Lektüreseminar „Szenen der politischen Ästhetik I" voraus.

 

 

 

studienwerkstatt PHILOSOPHIE

Dr. Karin Hutflötz

 

Seminar | Dienstag 16.00 - 19.00 Uhr | Beginn: 8.4.2014

Raum: A.EG.01

Kontakt: hutfloetz@adbk.mhn.de

 

Die „studienwerkstatt PHILOSOPHIE“ bietet inhaltliche und methodische Anregungen, um aktuelle Diskurse und theoretische Zusammenhänge komplexer verstehen und kompetenter mitgestalten zu können.


Analog zu den anderen Studienwerkstätten im Haus handelt es sich um ein freies Angebot für Studierende, die sich in Bezug auf ihre eigene Arbeit mit philosophischen Fragen ihrer Wahl, aber auch mit Texten, Denkweisen und Diskursen der Philosophie und Ästhetischen Theorie auseinandersetzen wollen. Im gemeinsamen Textstudium und sokratischen Gespräch wird Theorie als Praxis des Denkens und Philosophieren als Einüben in selbstreflexives Denken erfahren und kann sich stärker in der künstlerischen Praxis der Studierenden verankern.


Dies bietet auch Raum zum performativen Arbeiten mit Philosophie und Literatur im Medium von Bild/Klang/Szene und Bewegung. Selbst schwierige Texte und abstrakte Denkfiguren erschließen sich dem Verständnis vielschichtiger und je neu, wenn sie leibhaftig zur Präsenz und verkörpert im Raum in ihrer impliziten Bildhaftigkeit und Narrativität sichtbar werden.

 

 

 

Biopolitik und Kunst (auch Modul E.02.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Mittwoch 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 09.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Laut Michel Foucault bezeichnet Biopolitik jene moderne Machtform, „deren Organisation eher auf der Verwaltung des Lebens als auf der Drohung mit dem Tod beruht" und deren zentrale Zielscheibe „der Sex am Kreuzungspunkt von ‚Körper' und ‚Bevölkerung'" ist. Sie ist eine Form der Macht, die das Leben vollständig durchsetzt, um es zu steigern und zu vervielfältigen, anstatt es zu unterdrücken und zu bedrohen. Biopolitik ist in der Folge Foucaults zur paradigmatischen Beschreibung zeitgenössischer politischer Bedingungen avanciert, sei es hinsichtlich der immer stärker in den Vordergrund rückenden biologisch-medizinischen Verbesserung des menschlichen Lebens, die eine möglichst fehlerfreie Vermehrung der Gattung gewährleisten soll, sei es hinsichtlich der Selbstverbesserung jenes „unternehmerischen Selbst", das die Ansprüche des post-fordistischen Kapitalismus vollkommen verinnerlicht hat, sodass jede Äußerung individueller Kreativität zu einem Moment biopolitischer Lebenssteigerung wird. Dabei ist es ein wesentlicher Zug der biopolitischen Machttechniken, dass sie sich indirekt, also vermittelt oder medialisiert auf die Bevölkerung beziehen – u.a. durch die Produktion von Dingen, Milieus oder Bildern des Lebens, die zu biopolitischen Machtdispositiven werden.


In einem ersten Teil untersucht das Seminar den Begriff der Biopolitik in der Machtanalytik Foucaults anhand seiner Unterscheidung vom souveränen und disziplinären Machtregime. Neben der Position Foucaults sollen weitere zentrale Positionen der biopolitischen Debatte (Deleuze, Agamben, Negri) erörtert werden. In einem zweiten Teil soll anhand von Beispielen aus der Bildenden Kunst, den performativen Künsten sowie aus Film und Video gefragt werden, wie sich diese biopolitische Verfasstheit der Macht auf die zeitgenössischen künstlerischen Praktiken sowie auf ihre Kreativitätsbegriffe auswirkt.


Zur Vorbereitung: Thomas Lemke, Biopolitik zur Einführung, Hamburg: Junius 2007.


Der Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Anfang des Semesters verteilt

 

 

 

Zur Philosophie der Verführung (auch Modul E.02.09)

Dr. Thomas Steinforth (Lehrbeauftragter)

 

Blockseminar | Mittwoch 16.00 - 19.00 Uhr | Beginn 30.04.2014

Raum E.O2.29

Kontakt: Thomas.Steinforth@t-online.de

 

Verführen und Verführt-Werden scheinen Grundvollzüge menschlichen Lebens und Zusammen-Lebens zu sein. Was genau aber tun und erleben wir, wenn wir jemanden verführen oder wenn wir verführt werden? Werden wir im Verführt-Werden eher manipulativ und entfremdend von dem weg-geführt, was wir „eigentlich" wollen, oder werden wir durch den Verführer erst zu unserem „wahren" Wollen und Begehren hin-geführt? Ist also das Verführen eher ein diabolisches Verleiten zum Bösen, vielleicht auch eine Strategie nicht-repressiver Machtausübung oder aber eher ein subversiv-befreiender Akt, der uns hilft, dem eigenen Begehren und damit vielleicht sogar der eigenen „Identität" erst auf die Spur zu kommen? Und wie „funktioniert" das Verführen – worin gründet und besteht Verführungskraft?
Die Frage, was das Verführen eigentlich sei und für den Menschen als freies, vernunftbegabtes Wesen bedeute, wird ebenso im Mittelpunkt der philosophischen Diskussion stehen wie die Frage nach Typen, Techniken, Medien und Settings der Verführung. Da in der neueren Philosophie insbesondere Zeichen und Bildern eine spezifische Verführungsmacht zugeschrieben wird, stellt sich auch die Frage nach der Verführung im Kontext der Kunst und der ästhetischen Erfahrung. Und nicht zuletzt wird gefragt, ob nicht auch die Philosophie selbst – wie es einst Sokrates vorgeworfen wurde – eine eigene Verführungskraft besitzt.
Im Mittelpunkt stehen der Austausch zu philosophischen und psychoanalytischen Theorien des Verführens (z. B. Kierkegaard, Freud, Baudrillard) und die Auseinandersetzung mit der Inszenierung des Verführens in literarischen Texten, in der bildenden Kunst und im Film.

 

 

 

DAS ICH IM WIR? Soziale und kulturelle Identitäten im Umbruch

(auch Modul E.01.09)

Dr. Karin Hutflötz

 

Seminar | Donnerstag 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 10.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: hutfloetz@adbk.mhn.de

 

Im Hinblick auf die aktuelle Problematik fragiler Identitäten geht es in diesem Seminar um die Rolle des sozialen Umfelds, der politischen Voraussetzungen und der kulturellen Deutungsmuster für Bildung und Transformation von Identität(en).


Im Mittelpunkt der Diskussion und Textlektüren werden vor allem Begriff und Bedeutung von Zugehörigkeit und Anerkennung für Identitätskonzepte und deren Dynamik stehen. Zu fragen ist, wie sich personale und kollektive Identitäten erst in sozialer Interaktion bilden, wie das Korrespondenz-Verhältnis zur Umwelt und einem Du als Gegenüber dem Ich erst Selbststand und Handlungsspielraum verleihen, und weshalb aus heutiger Sicht das intersubjektive „Spiegeln" (und nicht das monologische Reflektieren) die grundlegende Matrix der Subjektivität sein soll.


Damit treten auch die politischen und soziologischen Dimensionen des Themas in den Blick: die Rolle von Migration, Sprache und Politik für Zugehörigkeitsdiskurse und Identitätskonstruktionen; die Fragwürdigkeit von kultureller Identität in einer (markt-) globalisierten Welt; aber auch die dem Kapitalismus inhärente Tendenz zu organisierter Selbstverwirklichung und die daraus resultierenden Paradoxien der Individualisierung in der digitalen Massengesellschaft werden auf ihre philosophischen Bedingungen und denkbaren Alternativen hin diskutiert.


Alle Texte und ergänzende Literatur werden im Seminar zur Verfügung gestellt.