Maximilian Haas, Vortrag und Workshop
Mittwoch, 8. Juli, 15-20 Uhr, A.02.51 (Altbau, Mehrzweckraum Klasse Nicolai)

 

 

Ein kurzer Blick in das Feld belegt: Die zeitgenössische Kunst ist auf das Tier gekommen. Zunehmend bestimmen auch non-human animals die Werke. Warum ist das so? Woher rührt das gegenwärtige Bedürfnis, sich neue Bilder vom Tier zu machen? Vielleicht weil wir derzeit gar nicht so genau wissen, was ein Tier eigentlich ist. Unsere, typisch modernen Begriffe sind durcheinander geraten. Performances eignen sich besonders, um das gegenwärtige Verhältnis von Mensch und Tier zu erforschen und sich neue Begriffe zu bilden, denn hier überlappen sich zwei Repräsentationsräume: die Black Box als Ort der Aufführung lebendiger, menschlicher Darsteller und den White Cube als Ort der Ausstellung unbelebter, nicht-menschlicher Dinge. In Performances gelangen menschliche und nicht-menschliche Akteure in eine prekäre Nähe. Lebende Tiere treiben das auf die Spitze: Weder (ganz) Performer noch (ganz) Exponat verwandeln sie das Museum in einen Zirkus und das Theater in einen Zoo.
Der Vortrag möchte zeigen, inwiefern Tiere als Protagonisten von Galerie- und Bühnenperformances die typisch modernen Unterscheidungen von Subjekt/Objekt, Person/Sache sowie Kultur/Natur in Frage stellen. Dazu sind Konzepte von künstlerischer Handlung und ästhetischer Bedeutung vonnöten, die diese nicht allein der subjektiven Intention von Künstlern und Rezipienten zuschreiben, sondern als Gegenstände der Verhandlung zwischen Menschen und Nicht-Menschen begreifen. Begriffe aus dem Umfeld von Posthumanismus (Haraway, Barad), Actor-Network-Theory (Latour) und Pragmatismus (Whitehead) sind dabei nützlich.
Tiere stellen einen besonderen Fall von nonhuman agency dar, prinzipiell ist der hier umrissene Diskurs aber auch auf andere nicht-menschliche Akteure übertragbar. Für den Workshop-Teil des Tages sind die Teilnehmer eingeladen, Beispiele (aus der eigenen Arbeit) mitzubringen. Anhand von Fotos, Videos und Berichten soll das Themenfeld erweitert werden. Zudem sollen kurze Ausschnitte theoretischer Texte diskutiert werden.
Bei Interesse bitte Email an maximilian.haas@gmx.de.

 

Maximilian Haas ist Dramaturg und Kulturwissenschaftler und lebt in Berlin. Er studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und war zuletzt an der Volksbühne Berlin engagiert. Zudem kollaboriert er mit KünstlerInnen wie David Weber-Krebs, Hannah Hurtzig/mobile academy berlin, Martin Nachbar und Jeremy Wade. Künstlerisch-wissenschaftliche Promotion zum Thema „Tiere auf der Bühne: Eine ästhetische Ökologie der Performance" (KHM Köln, GK Lebensformen+Lebenswissen Frankfurt/O). Im Rahmen dieser Auseinandersetzung entstand eine Serie von Performances für einen lebendigen Esel und eine Gruppe menschlicher Darsteller unter dem Titel „Balthazar" (mit David Weber-Krebs). Wissenschaftliche Vorträge und Artikel u.a. zu Fragen der Animal Studies und Performanceästhetik sowie zu Poststrukturalismus, Actor-Network-Theory, New Materialism und Pragmatismus.

 

Eine Veranstaltung des Lehrstuhls für Philosophie und Ästhetische Theorie.