„Moving monuments“


Denkmäler haben seit jeher große Relevanz in gesellschaftspolitischen Diskursen und rücken gerade wieder verstärkt in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. So erregten beispielsweise die Denkmalstürze im Zusammenhang mit der Antirassismus- bzw. Antikolonialismus-Bewegung besonderes Aufsehen. Es entstand eine hitzige, medial begleitete Debatte um Erinnerungskultur und Geschichtsumgang, welche zwischen Bildersturm und wissenschaftlicher Betrachtung ausgefochten wird. Ein Spannungsfeld, in das die Diplomarbeit „moving monuments“ mit einer künstlerischen Suche nach Bedeutung und Symbolgehalt zweier historischer Statuen der Akademie tritt.

 

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Die zwei Abgüsse römischer Statuen befinden sich seit über 200 Jahren in der Sammlung der Münchner Kunstakademie und sind gezeichnet von ikonoklastischen Übergriffen. In ihrer fragilen Verfassung führen sie die Wendungen der Geschichte bildhaft vor Augen. Für die Ausstellung wurden die zwei überlebensgroßen Gipsfiguren in aufwendiger Feinarbeit aus dem Untergeschoss der Akademie in den Kolosssaal transportiert. Einen Raum, der eigens für die Inszenierung einer Kolosssaalstatue entworfen und gebaut wurde. Mit ihrer repräsentativen, aber leer stehenden Apsis an der Ostseite wird der Raum zu einer Bühne, auf der die Wirk- und Handlungskräfte der Skulpturen in einem Spiel zwischen Erhöhung und Ironisierung befragt werden. In stetig wechselnden Konstellationen werden die Skulpturen von den Performer*innen choreografisch auf den Raum Bezug nehmend ausgerichtet, wobei sie auf immer wieder neue Weise in Interaktion mit den Besucher*innen treten.

 

 


Dem Titel der Ausstellung „moving monuments“ liegt eine Doppelbedeutung inne: Dieser beschreibt sowohl eine physisch vollzogene Bewegung der Skulpturen als auch eine von ihnen ausgehende Wirkkraft. Ins Deutsche als „bewegende Skulpturen“ übersetzt, ist damit der Einfluss dieser Bildwerke auf die Rezipient*innen gemeint, der sich sowohl im Positiven, etwa einem Gefühl von Rührung oder Stolz, als auch im Negativen, etwa einer Erniedrigung, äußert. Gefühle, die mittels Mechanismen hervorgerufen werden, die bewusst in den Bildwerken angelegt wurden.
Mithilfe ihrer Körper erforschen fünf zeitgenössische Tänzer*innen die zwei Gipsabgüssen in Sofort- Kompositionen durch Bewegungssequenzen hervorgehen aus

Spiegelung, Wiederholung oder Perspektivwechsel, um Möglichkeiten eines Ausbruchs und eines Unterlaufens der Mechanismen zu entwickeln. Durch die physische Bewegung der Statuen sollen „Denkbewegungen“ ermöglicht werden, die neue Perspektiven auf den Umgang mit historischen Artefakten und Denkmälern zulassen und gängige Repräsentationsmodi politischer und bildungspolitischer Verhältnisse vor Augen führen.

 

 

 

 

 

 

Performance:
Clara Hilscher
Elke Haldmaier
Morgan Lespagne
Sofia Pomeroy Fernández


Film:
Konzept, Produktion und Regie: Dominik Bais


Performer*innen:
Clara Hilscher
Elke Haldmaier
Morgan Lespagne
Sofia Pomeroy Fernández
Emmanuelle Rizzo


Kamera: Justin Urbach


Die Realisierung der Arbeit wurde mit der intensiven Unterstützung des Museum für Abgüsse
(MfA) und dem Archiv der Akademie ermöglicht.
Weiterer Dank geht an die vielen Helfer*innen, ohne die dieses Projekt nicht umgesetzt hätte werden
können:
Caroline Sternberg
Dieter Rehm und das Präsidium der Akademie
Nele Schroeder-Griebel
Andrea Schmölder-Veit
Horst Ziegler
Daniel Wunderlich
Robert Oeckl
Stefania De Luca
Daniel Bräg
Thomas Sebening
Allen beteiligten Hausleuten
Lukas Schreiber

Julia Wittmann
Alexandra Baringer
Felix Schmid
Flo Schumacher
Max Zorn
Lukas Hoffmann
Janina Totzauer
Mariella Weiß
Ariane Wicht
Jorina Wicht
Sonja Wahler
Sarah John