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Fotos: YEGYU SHIN 

 

Die zum Diplom hin entstandene Gruppe von Arbeiten spiegelt meine Künstlerische Entwicklung während des Kunststudiums an der AdBK wieder. In ihr finden sich sowohl Themen, die ganz am Anfang meines Studiums für mich relevant waren, genauso wie Dinge, mit denen ich mich in den letzten Wochen und Monaten beschäftigt habe. Diese Inhalte haben für mich und mein Arbeiten nach wie vor große Aktualität.

Als in Hongkong geborener Künstler war es für mich ein besonderer Schritt zum Kunststudium nach Deutschland zu gehen. Während meines Studiums in Design in Hongkong Gelerntes ist für mein Arbeiten genauso wichtig wie bestimmte Alltagserfahrungen aus meiner Zeit in Hongkong. Hongkong ist, paradoxerweise, eine zutiefst kapitalistische Stadt: Für viele westliche (deutsche) Firmen wie z.B. Bosch oder ähnliche, die wirtschaftliche Beziehungen in die VR China aufbauen wollen – egal ob als Absatzmarkt für ihre Produkte oder als Produktionsstandort - ist Hongkong ein Brückenkopf. Sie gründen dort Niederlassungen, um von hier aus besser mit China handeln zu können. Auf diese Weise sind diese Firmen und ihre Produkte im Alltag sehr präsent, egal ob durch Werbung, als potentieller Arbeitgeber oder ähnliches.

 

In meiner Wahrnehmung waren diese Firmen immer Erzeuger hoch-technischer Produkte, Repräsentanten einer industrialisierten Kultur, die Formales mit Funktionalem vereinigt. Viele Erfahrungen aus meinem Alltag hier in Deutschland aber auch aus meinem Studium, wie z.B. die Beschäftigung mit der Geschichte des Bauhaus oder ästhetischer Philosophie, bestätigten diesen Eindruck von einer eigenen „mechanischen“ oder „industriellen“ Formensprache.

Auch durch meine Studium in Hongkong bedingt hat mich dieser Art der Formensprache immer interessiert und fasziniert.

Gleichzeitig ist auch die Welt in der ich mich heute als Künstler bewege eine komplett durch-kapitalisierte, auch wenn dies in romantischer Verklärung oft verneint wird - und der pekuniäre Wert von Kunst dient als öffentlicher Gradmesser für den Erfolg, spielt aber auch als Grundlage meiner wirtschaftlichen Existenz eine große Rolle.

 

In meinen Arbeiten versuche ich eine Synthese dieser Themen zu erreichen, einerseits durch die Materialität der Objekte, andererseits und gleich wichtig durch die ästhetische Formengebung der von mir erzeugten Objekte.

 

Der Entstehungsprozess ist, natürlich angepasst an den Maßstab meiner Produktion, ein „industrieller“ Als erstes entsteht ein Konzept, als Verschriftlichung einer Idee, erste Skizzen werden am PC in einem CAD Programm zu technischen Zeichnungen ausgearbeitet, mit Materialangaben und für mich als Informationssammlung zu technischen Spezifikationen und Maßangaben. Im nächsten Schritt erfolgt das Bauen eines kleinen Prototyps aus einfachen Materialien, der wichtige Informationen über einen möglichen Fertigungsprozess liefert. An diesem Prototyp wird, verbunden mit Recherche, das endgültig zu verwendende Material bestimmt.

Wichtig ist für mich, das meine Materialien nicht „Custom Made“ sind, sondern frei verfügbare, nahezu alltägliche Materialien für jedermann - häufigste Bezugsquelle ist der Baumarkt. Maximal wende ich mich für einzelne Bauteile (vor allem Schrauben) an bestimmte Spezialgeschäfte.

 

Aus diesen Materialien versuche ich Objekte herzustellen, die in ihrer Formensprache sowohl an technische Maschinen, an Produktionsmittel erinnern, aber sich gleichzeitig auch einer Art universellen, mechanischen/industriellen Formensprache bedienen.

 

Neben diesen Mechanischen Gegenständen denke ich dabei z.B. an das Layout von grafischen Text-Produkten, wie z. B. Magazinen oder die Textspalten von Zeitungen. Auch hier existiert eine Art intuitive Übereinkunft – im Hinblick auf das Layout – die sehr international ist. Magazine sehen meiner Erfahrung nach überall auf der Welt gleich aus, wie ein Baukastensystem aus Text und Bildblöcken, die nach bestimmten funktionalen Mustern über das Papierformat verteilt werden. Für mich ist dies - auch aus meiner Design-Erfahrung - ein gutes Beispiel, wie diese Funktionalität in unserem Alltag sichtbar wird.

Am meisten nehme ich aber Formen auf, die beim Betrachten an technische Bauteile von Maschinen erinnern und so wirken, als ob sie eine bestimmte mechanische Funktion erfüllen, mit der das statische Objekt in Bewegung versetzt werden könnte. Diese Formen erinnern an Bestandteile von komplizierten Maschinen aus Fabriken, nicht an manuelle Werkzeuge. Sie entsprechen so den von mir verwendeten Industriematerialien und haben mit diesen eine gemeinsame Herkunft in der von wirtschaftlichen Aspekten geprägten Welt, durchdrungen von optimierten Formen die – wie beschrieben - in meinem Empfinden Form und Funktion zu einer eigenen Ästhetik vereinen.

Auf diese Weise entsteht eine, nicht nur durch die verwendeten Materialien, sondern auch in ihrer Formensprache globalisierte Kunst.