Die hier dokumentierten Vorträge stammen aus den interdisziplinären Vortragsreihen des cx. Sie bilden diese nicht komplett ab, da nicht alle Referent*innen der Veröffentlichung zugestimmt haben. Die vollständige Liste der Referent*innen finden Sie hier nach Jahresthemen geordnet:

https://www.adbk.de/de/lehrangebot/cx-centrum-fuer-interdisziplinaere-studien/archiv-jahresthemen.html

 

Listening Session

Datum: 09.11.2018 | 19:00 Uhr - 02.00 Uhr 

Ort: Kunstverein München | Kino/Foyer, Galeriestr. | München

ACHTUNG: die Listening Session beginnt pünktlich um 19:30 Uhr und wird nur ein mal abgehalten. Einlass ins Kino nach 19:30 kann nicht gewährleistet werden.

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Das Projekt „Corps-à-Corps feat. MC Nancy“ untersucht die affektiven Beziehungen zwischen elektronischer Musik und dem (inter-)subjektiven Körper. Konzipiert als Listening Session wird die Arbeit im abgedunkelten Kino gezeigt und verzichtet dabei gänzlich auf visuelle Reize. ‚Corps-à-Corps‘ ist der französische Ausdruck für Nahkampf. Wörtlich übersetzt bedeutet er 'Körper-an-Körper', was zum einen auf die enge Beziehung zwischen einzelnen Körpern, zum anderen aber auch auf deren physische und mentale Verfasstheit verweist — als Ansammlungen von 'Gegenständen, Stücken, Gliedmaßen, Flächen, Formen, Funktionen, Köpfen, Knorpeln, Verbrennungen, Zärtlichkeiten, Spritzern, Schlaf’: corpus corporum.

Kalas Liebfrieds Arbeiten, darunter Video, Sound, Performance und Skulptur, entstehen aus der Aneignung, Dekodierung und Montage von Found Footage zu narrativen Werkkomplexen. In seiner Praxis konzentriert er sich auf das dem Körper anhaftende Ephemere, erforscht und visualisiert Spuren des Unbewussten in intermedialen Räumen. Liebfrieds elektronisches Musikstück und essayistisches Album Corps-à-Corps feat. MC Nancy basiert auf der Aphorismen-Sammlung 58 indices sur le corps (2004), zu deutsch 58 Indizien über den Körper, des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy. Darin untersucht Nancy, wie man 'Stücke, Flächen, Fragmente' dessen, was wir einen ‚Körper‘ nennen, verhandeln und wahrnehmen kann. Liebfried verwendet Tonaufnahmen Jean-Luc Nancys, der seine 58 Indizien liest, und verwandelt die Stimme des Philosophen in die Verse eines MC, der bereit ist, die tanzende Menge in einen dionysischen Rausch zu versetzen. Diese Samples werden mit Synthesizern, Saxophon und Percussions kombiniert, um eine dynamische narrative Komposition zu erzeugen, die einem symphonischen Filmsoundtrack ähnelt. Durch den Verzicht auf jegliche Bilder werden die Besucherinnen der Dunkelheit überlassen; sie werden zu Klangkörpern, die gemeinsam zu Nancys entkörperter kosmischer Stimme schwingen. 

Der Abend beginnt mit einer Lesung von Tanzen, tanzen, tanzen, einem neuen Text des Tanz- und Theaterwissenschaftlers Gerko Egert, der die Strukturen und Themen von Corps-à-Corps feat. MC Nancy interpretiert und erweitert. Liebfrieds Soundarbeit wird dann in ganzer Länge gespielt und erzeugt einen Hybrid aus philosophischem Vortrag, Experimentalfilm und Underground-Club. Im Anschluss wird Musik aufgelegt, die Liebfried als klangliche, thematische und kompositorische Referenz für sein Projekt diente. Am selben Abend wird das Projekt als Doppel-LP in limitierter Edition präsentiert (gesponsort von Duphonic GmbH, Augsburg).
 
Koproduziert und gemischt von Lobo im Kraftraum 404 (München); 
Weitere Aufnahmen: Mathias R. Zausinger (Saxophon) und Miko Watanabe (Tamtams, Jazzdrums);

Artwork: Jakob Gilg