23.10.2019

Panel Exzess und Entwertung, Jahresthema 2019/20: Exzess

 

Panel „Exzess und Entwertung“, cx-Vortragsreihe „Exzess“
cx centrum für interdisziplinäre studien, Akademie der Bildenden Künste München

 

Das erste Panel mit dem Titel „Exzess und Entwertung“ beginnt mit einem Kurzvortrag der feministischen Theoretikerin Silvia Federici via Skype, gefolgt von Präsentationen des Umwelthistorikers und historischen Geographen Jason W. Moore und der Künstlerin Amy Francescini. Federici und Moore widmen sich in ihren Vorträgen den kapitalistischen Mechanismen und Strukturen des Exzesses. Sie nehmen dabei insbesondere den Zusammenhang von exzessiver Kapital-Akkumulation und Entwertung von ‚Natur‘, Geld, (reproduktiver) Arbeit, Fürsorge, Nahrung oder Energie in den Blick. Beide thematisieren aber auch mögliche Exit-Strategien aus dem Exzess. Moore spricht über mögliche Ansätze für „eine revolutionäre Transformation des Kapitalismus im Zeitalter der planetarischen Krise“ und Federici über Allmenden als autonome Räume, von denen aus die kapitalistische Organisation von Leben und Arbeit herausgefordert werden kann. Die Idee von Allmenden und Gemeinschaftsprojekten steht auch im Zentrum der künstlerischen und gestalterischen Praxis von Amy Francescini. Sie ist unter anderem Gründerin von Futurefarmers, einer Gruppe von Künstler*innen, Aktivist*innen, Landwirt*innen und Architekt*innen, die bestehende kapitalistische Formen oder Systeme und deren „Logik der Gewissheit“ dekonstruieren und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.

 

Silvia Federici ist eine langjährige feministische Aktivistin, Lehrerin und Autorin. Sie gehörte 1991 zu den Gründungsmitgliedern des Committee for Academic Freedom in Africa und war in der Antiglobalisierungsbewegung und der Bewegung gegen die Todesstrafe aktiv. Federici ist Autorin einer Vielzahl von Artikeln in den Bereichen politische Philosophie, feministische Theorie, Kulturwissenschaft und Erziehung. Zu den von ihr publizierten Büchern gehören unter anderem Revolution at Point Zero (2012); Caliban und die Hexe. Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation (2004/2012); A Thousand Flowers: Social Struggles Against Structural Adjustment in African Universities (2000, Mitherausgeberin); und Enduring Western Civilization: The Construction of Western Civilization and its 'Others' (1994, Herausgeberin). Ihr neustes Buch Re-enchanting the World: Feminism and the Politics of the Commons (2018) liefert von einer feministischen Perspektive aus eine detaillierte Geschichte und Kritik der Politiken der Allmende. Sie ist emeritierte Professorin an der Hofstra University (Hempstead, New York).