Die hier dokumentierten Vorträge stammen aus den interdisziplinären Vortragsreihen des cx. Sie bilden diese nicht komplett ab, da nicht alle Referent*innen der Veröffentlichung zugestimmt haben. Die vollständige Liste der Referent*innen finden Sie hier nach Jahresthemen geordnet:

https://www.adbk.de/de/lehrangebot/cx-centrum-fuer-interdisziplinaere-studien/archiv-jahresthemen.html

 

Filme für Bildhauer.
Ein Filmprogramm zusammengestellt von Michaela Meise


DO 29.01.15 | 18:00 Uhr | Salong im Altbau | Akademiestr. 2

 

 

 

Das besondere Verhältnis, in dem Film und Raum zueinander stehen, verdeutlicht die gern kolportierte Anekdote der ersten Vorführung des Films „L'arrivée d'un train en gare de La Ciotat" im Jahr 1896. Aus Angst, der im Film gezeigte Zug rase direkt in den Kinosaal, soll es zu Tumulten im Vorführraum und schließlich zur Flucht der Zuschauer gekommen sein. Film also ist von Beginn an ein Medium, das nicht nur in Räumen spielt und in Räumen abgespielt wird, sondern selbst Räume schafft.

 

Die Künstlerin Michaela Meise (*Hanau 1976) unterrichtete 2010 – 2012 als Gastprofessorin für Skulptur an der Universität der Künste Berlin. Der Filmmarathon im Rahmen der Reihe „Skulptur durchs Objektiv" basiert auf einer Filmauswahl zu Raum und Bildhauerei, die Michaela Meise für ihre Berliner Studenten zusammenstellte.

 

Filmliste___________________________

Lutz Dammbeck: Zeit der Götter
BRD 1992 (Ausschnitte)
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Peter Kahane: Die Architekten
DDR 1989 (Ausschnitte)
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Dario Argento: Suspiria
Italien 1977 (Ausschnitte)
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Harun Farocki: Die Schöpfer der Einkaufswelten
BRD 2005, 72 min
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Jacques Tati: Playtime
Frankreich 1967, 115 min
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Veranstaltungsreihe


Skulptur durchs Objektiv - Die Veränderung der Skulptur durch die Fotografie

 



Skulptur einerseits sowie Film und Fotografie andererseits scheinen auf den ersten Blick eher gegen- als miteinander zu arbeiten: Die dauerhafte, plastische Präsenz des bildhauerischen Materials steht gegen die Flächigkeit des Fotos und die leichte, flüchtige Zeit des Films; die mit Händen greifbare Realität von Dingen und Räumen gegen die Virtualität einer nur projizierten oder abgelichteten Welt. Tatsächlich aber gibt es zahlreiche Wechselwirkungen zwischen plastischer Wirklichkeit und zweidimensionalem Bild. Seit der Auflösung der klassischen Gattungsgrenzen in der Kunst der 1960er-Jahre entstehen mit Video-Installationen oder „skulpturalen Filmen“ Hybridformen, die den vermeintlichen Gegensatz als produktive Herausforderung verstehen. Gleichzeitig verändern die Impulse, die die unterschiedlichen Medien voneinander empfangen, auch jedes Medium für sich: die räumlichen Qualitäten der Skulptur verleiten Fotografie und Film dazu, sich selbst als Instrumente der Raumproduktion zu verstehen; und umgekehrt sind es gerade Fotografie und Film, die das skulpturale Schaffen in Richtung neuer experimenteller und sozialer Kontexte erweitern.

 



Die Veranstaltungsreihe wird durch Mittel aus Studienzuschüssen unterstützt und im Sommersemester 2015 fortgesetzt.
 
1. Vortrag


Donnerstag, 15. Januar 2015 / 15 Uhr / SALONG / Altbau, EG.11

 

Raimund Kummer
„lens-based sculpture. Die Veränderung der Skulptur durch die Fotografie“



 

Wie verändert sich die Bildhauerei unter dem Einfluss von Film und Fotografie? Die Ausstellung „lens-based sculpture“, die Raimund Kummer im vergangenen Jahr für die Berliner Akademie der Künste und das Kunstmuseum Liechtenstein ko-kuratierte, ging dem Verhältnis zwischen drei- und zweidimensionalem Medium zum ersten Mal aus der Perspektive der Skulpturgeschichte nach. Die Zusammenschau zeigte, wie sich die moderne Skulptur unter dem Impuls der Fotografie vom jahrtausendealten Prinzip der Statue löste und in eine neue künstlerische Praxis verwandelte, der die gesamte Wirklichkeit mit ihren vielfältigen taktilen, räumlichen und medialen Phänomenen zum plastischen Material wird. Die Kamera dient als primäres Werkzeug der Bildhauerei, als Skizzenblock und Hilfsmittel zur Übersetzung von räumlichen und strukturellen Wiedergaben in Masse und Form. 



 

Raimund Kummer (*1954) studierte in den 1970er-Jahren an der Berliner Hochschule der Künste. Als Mitglied der Künstlergruppe Büro Berlin, die er nach dem Studium zusammen mit Hermann Pitz und Fritz Rahmann gründete, wurde er in den 1980er Jahren insbesondere mit temporären Arbeiten im öffentlichen Raum bekannt. Er lebte längere Zeit in New York, Paris, Rom und Venedig. Seit 1995 ist er Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 


 

 


Kommende Veranstaltungen in der Reihe „Skulptur durchs Objektiv“:


Sabine Hornig: Der zweite Raum
Öffentlicher Vortrag am 22. JAN. 2015 / 19 Uhr / SALONG / A.EG.11
Workshop für Studierende der Akademie am 23. JAN. 2015 / 10 Uhr / SALONG / A.EG.11

 

Die Arbeiten von Sabine Hornig entwickeln sich an den Grenzen von Skulptur, Installation und Fotografie. In ihrer bekanntesten Werkgruppe, den Fensterbildern, untersucht sie das subtile Verhältnis von Bildraum und tatsächlichem Raum, von Abbild und Wirklichkeit. Hornig fotografiert die Schaufenster leer stehender Ladengeschäfte frontal als durchs Fenster gerahmte Bilder, die mehrere Ansichten auf der zweidimensionalen Fläche vereinen: den Blick in den Innenraum, die Spiegelung des Außenraumes auf der Fensterscheibe sowie die Fensterscheibe und die darauf sichtbaren Spuren selbst. Indem Sabine Hornig die Fensterbilder wiederum als Objekte auffasst und sie in bestimmtem Maßstab in den Raum hängt oder sie als bildhauerisches Material begreift und sie in ihre Skulpturen integriert, entstehen besondere Hybridformen aus fotografischem und architektonischem, virtuellem und plastischem Raum .

Sabine Hornig studierte 1986-1992 Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin. Sie benutzte die Fotografie erst autodidaktisch als Arbeitsfotos und zu Dokumentationszwecken bis sie sie schließlich in großformatigen Großdias in ihre Skulpturen und architektonischen Einbauten integrierte. Seither arbeitet sie parallel mit Skulptur und Fotografie und untersucht die Schnittstelle beider Medien. 1998 wurde sie mit dem Karl-Schmidt-Rottluff- Stipendium ausgezeichnet, 1999 erhielt sie das PS1-Stipendium in New York, 2009 das Stipendium des Goethe-Instituts für die Villa Aurora in Los Angeles. In München wurde ihr Werk zuletzt 2011/12 in einer großen Einzelausstellung in der Pinakothek der Moderne und der Alten Pinakothek präsentiert.

 

 


Filme für Bildhauer.
Ein Filmprogramm zusammengestellt von Michaela Meise


Screening am 29. JAN. 2015 / ab 18 Uhr / SALONG / A.EG.11