Die hier dokumentierten Vorträge stammen aus den interdisziplinären Vortragsreihen des cx. Sie bilden diese nicht komplett ab, da nicht alle Referent*innen der Veröffentlichung zugestimmt haben. Die vollständige Liste der Referent*innen finden Sie hier nach Jahresthemen geordnet:

https://www.adbk.de/de/lehrangebot/cx-centrum-fuer-interdisziplinaere-studien/archiv-jahresthemen.html

 

Eine performative Reinszenierung von Stefan Lenhart im Rahmen der Reihe

„München 2015: Eine Standortbestimmung“.

Beginn MI 18.02.15 | 11:00 Uhr

Raum Foyer im Altbau | Akademiestr. 2

 

Zum Gedenken an neun verunglückte Kunststudenten vor 134 Jahren am 18. Februar 1881 in Kil´s Kolosseum in München.


11:00 Uhr


Begrüßung in der Akademie der Bildenden Künste München, Foyer Altbau, Akademiestr. 2-4


Anschließend Trauermarsch zum Alten Südfriedhof mit dem Golden Brass Ensemble

 

ca. 12:15 Uhr


Ansprache von Dr. Daniela Stöppel an der alten Kastanie in der Hans-Sachs-Straße

 

ca. 13:00 Uhr


Grabrede von Pfarrer Rainer Maria Schießler (St. Maximilian) im Alten Südfriedhof am Grab der verunglückten Studenten

 


Geschichte der „Eskimotragödie von München“


Am Faschingswochenende 1881 stieg im größten Vergnügungspalast der Stadt, in Kil's Kolosseum ein Fest mit buntem Motto. „Eine Reise um die Welt“ sollten die Gäste an diesem Abend erleben. Die verschiedenen Klassen der Akademie der Bildenden Künste München sorgten für exotische Dekorationen. In der Ecke eines Säulengangs saßen zwölf Studenten der Bildhauerklasse von Prof. Max Wiedemann als Eskimos verkleidet in einer Schneelandschaft. Die angehenden Bildhauer hatten aus Pappmaché ein Iglu nachgebaut, mit Gips und Holz riesige Eisberge geformt und sich selbst in Jute, Watte und Schafsfell gewickelt. Es wurde auf offenen Talgfunzeln Heringsstücke gegrillt und an die Gäste gereicht. Kurz vor Mitternacht drängten sich rund dreitausend Festgäste im Kolosseum. Dann ging scheinbar alles sehr schnell. Einer der verkleideten Studenten kam dem offenen Feuer zu nah, ein Ärmel fing an zu brennen. Mit einem Schreckens-Schrei stürzten sich die anderen auf ihn, um die Flammen zu ersticken, fingen aber selbst Feuer. Wie lebende Fackeln rannten sie durch den Saal, Flammen schossen aus den Perücken, Funken stieben aus den Stoffen. Umstehende Festgäste schütteten sofort Bier, Wein, Champagner über sie, was man gerade zur Hand hatte.
Andere hielten das Ganze für einen Spaß, eine spektakuläre Show-Einlage. Die große Masse aber bekam gar nichts mit. Die Musik der beiden Kapellen übertönte die Schmerzensschreie der jungen Männer, die sich in Todesqualen auf dem Boden wälzten. Eine Massenpanik blieb aus. Wie durch ein Wunder sprang das Feuer nicht auf Vorhänge und Girlanden über.
Während die rauschende Ballnacht weiterging, schaffte man die schwer Verletzten und Sterbenden nach draußen. In dieser Nacht erlagen sieben Studenten ihren schweren Verbrennungen. Zwei weitere Studenten ein paar Wochen später. In dieser Saison war der Münchner Fasching vorzeitig beendet. Tausende folgten dem Trauerzug zum Südfriedhof. Dort steht noch heute ein hoher Grabstein mit sieben verschiedenen Namen und einem einzigen Sterbedatum. (Text: Birgit Magiera)

 


Performative Reinszenierung von Stefan Lenhart


Der 18. Februar 2015 fällt auf einen Aschermittwoch. Der Künstler Stefan Lenhart wird an diesem Tag mit einer performativen Reinszenierung an dieses schicksalhafte Ereignis vor 134 Jahren mit einem Trauermarsch erinnern. Beginnend an der Kunstakademie, über die Ludwigstraße, hin zur Kolosseumstraße, von dort über den Südfriedhof zum Grab der verunglückten Studenten. An der Spitze des Marsches geht eine zehnköpfige Kapelle, die während der Umzugsprozession historische Trauermarschmusik spielt. Begleitet wird die Kapelle von neun Studenten der Akademie der Bildenden Künste München, stellvertretend für die damals Verunglückten. Die Kleidung der Kapelle als auch der Studenten orientiert sich historisch an Trauerzügen der Zeit um 1880 und wird von Stefan Lenhart ausgesucht und entworfen. Jedes Kleidungsstück (Hut, Schuhe Frack etc.) wird individuell auf die Größe der jeweiligen Person des Trauerzugs maßgeschneidert. Die Schneiderei „Atelier La Silhouette“, die Frauen aus sozial schwierigen Verhältnissen die Möglichkeit eines Ausbildungsplatzes bietet, hat sich bereit erklärt, die Kleidung, orientiert am historischem Vorbild, für alle Mitwirkenden des Trauerzuges zu fertigen.
An der alten Kastanie in der Hans-Sachs-Straße, dem Standort des historischen Kil's Kolosseum, wird die Kunsthistorikerin Dr. Daniela Stöppel an die „Eskimotragödie“ erinnern.
Rainer Maria Schießler, Pfarrer von St. Maximilian hält um ca. 13 Uhr eine Grabrede im Südfriedhof am Grab der 1881 verunglückten Studenten.
Die neun angehenden Bildhauer hatten den Traum des Künstlertums. Dieser wurde vermutlich durch eine Unachtsamkeit, ein Missgeschick auf brutale Art und Weise in der Nacht zum 18. Februars 1881 zerstört. Im Einsatz für die Kunst verloren sie ihr junges Leben.

 


Künstlervita Stefan Lenhart


Stefan Lenhart, geboren 1969 in München, 2001 bis 2007 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München, künstlerische Tätigkeit im Bereich der Malerei und Skulptur, 2007 Gründung des Projektraums „Tanzschuleprojects“, 2008 Prinzregent-Luitpold-Stipendium, 2011 Projektstipendium der Landeshauptstadt München. Lenhart lebt und arbeitet in München.


www.stefanlenhart.com



Zum Thema „München 2015: Eine Standortbestimmung“ hat das Kulturreferat einen Kunstwettbewerb im öffentlichen Raum unter 13 Münchner Künstlerinnen und Künstlern ausgelobt. Als Ergebnis werden fünf Kunstinterventionen zwischen Februar und September 2015 im öffentlichen Raum der Stadt München stattfinden. Der Künstler Stefan Lenhart eröffnet die Reihe mit seinem Projekt „Die Eskimotragödie“.