Jahresthema „Politik der Emotionen/Macht der Affekte“

 

Von A wie Angst, E wie Empathie, und O wie Ohnmacht.

Emotionen und Affekt im zeitgenössischen Design und der Architektur

(auch Modul B.06.09)

Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 10.30–12.30 Uhr, Beginn: 24.10.2017 (Einführung, Referatsvergabe),

weitere Termine (wöchentlich) 07.11., 14.11., 21.11., 28.11., 05.12., 12.12.2017, 16.01.2018, 23.01., 30.01.

Kontakt fogelberg@adbk.mhn.de

 

Am Beispiel von Angst, Empathie und Ohnmacht fragt das Seminar kritisch nach dem Verhältnis zwischen Macht und Affekt bzw. Politik und Emotion im zeitgenössischen Design und der Architektur – insbesondere vor dem aktuell wieder erstarkenden Interesse an den gesellschaftlich transformativen Potentialen von Gestaltung (Social Design). Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Empathie, das Vermögen, sich in andere einzufühlen. Sie gilt als Kernkompetenz im Design und als affektives Werkzeug, mit Hilfe dessen sich sowohl nutzerorientierte als auch auftraggeber-konforme Entwürfe schaffen lassen. Analog zu der in den Sozialwissenschaften kritisch geführten Diskussion zu den Grenzen von Empathie bedarf es jedoch einer Aktualisierung des Empathie-Verständnisses im Design. Inwieweit ist es überhaupt möglich, sich in andere hineinzuversetzen? Lässt sich vermeiden, dass diskriminierende Praktiken und ungleiche Machtstrukturen im Entwurfsprozess repliziert werden? Inwieweit muss unser Empathie-Verständnis erweitert werden, wenn sich der einstige Fokus im Design vom Menschen auf andere Entitäten ausweitet, oder wenn Nutzer*innen selbst gestalten oder zum Gestaltungsprozess beitragen? Weitere Fragen, die im Seminar adressiert werden sollen, sind, inwieweit Design Ängste schüren und zu einem Klima von Angst und Einschüchterung beitragen oder aber Ängste mindern kann – von der konkreten Angst vor dem Altern bis hin zur diffusen Angst vor Terrorismus? Inwieweit begünstigen die Strukturen von Benutzeroberflächen in sozialen Medien die Eskalation von Wut und Hass, und welche Möglichkeiten gibt es, durch eine alternative Gestaltung Hasstiraden und Drohszenarien im Internet entgegenzuwirken und den Betroffenen Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, mit denen sie sich aus ihrer Ohnmacht befreien können?

 

Diskutiert werden Arbeiten von u. a. Martin Avila, Teddy Cruz, David Garcia Studio, Monique Grimord, Susanna Hertrich und Caroline Sinders, sowie Texte von Ben Anderson, Claudia Aradau, Lauren Berlant, David Gissen, Eva Illouz und Carolyn Pedwell.

 

 

 

 

Verschränkungen von Affekt, (Medien-)Technologien und Biopolitik in der Kunst –
Cecile B. Evans, Ed Atkins, Jace Clayton, Heather Dewey-Hagborg u. a.

(auch Modul C.01.09)

Prof. Dr. Marietta Kesting

 

Raum E.ZG.04 und A.EG.01 (25.10.2017 und 10.01.2018), Akademiestr. 2, 4

Zeit Mittwoch 14.00–18.00 Uhr, 14-tägig, Beginn: 25.10.2017 Einführung (14.00–16.00 Uhr),

weitere Termine 08.11., 22.11., 06.12., 20.12.2017, 10.01.2018, 24.01., 07.02.

Kontakt kesting@adbk.mhn.de

 

Dieses Seminar widmet sich affektiven und affizierenden Beziehungen in der zeitgenössischen (Medien)Kunst und dem aktuellen Stand der Theoriebildung zu Affekt und Emotion. Deleuze und Guattari betonten die Autonomie der Affekte, die überindividuell sind, und formulierten: „Die Empfindungen, Perzepte und Affekte, sind ‚Wesen‘, die durch sich selbst gelten und über das Erleben hinausreichen. [...] Das Kunstwerk ist ein Empfindungssein [...].“ Medien-, Film und Kunsttheoretiker*innen wie Marie-Luise Angerer, Brian Massumi, Herman Kappelhoff, Michaela Ott, Eugenie Brinkema greifen Aspekte von Deleuze und Guattaris Affekttheorie auf und kritisieren und erweitern diese.

 

Die Auseinandersetzung mit Affekt und Politik haben außerdem postkoloniale sowie queere und feministische Ansätze zu Strategien der Solidarisierung entscheidend voran getrieben (wie Sara Ahmed, Jasbir Puar), sie erinnern an die unterschiedlichen Codierungen von Körpern, z. B. durch polizeiliche Maßnahmen. Im Rahmen des Seminars wird dies etwa anhand der installativen Sound-Arbeiten von Jace Clayton behandelt.

 

Einen weiteren Fokus bilden die aktuellen Verschränkungen von Affekt, (Medien-)Technologien und Biopolitik in künstlerischen Projekten. Hierzu ist u. a. ein Gastvortrag der Künstlerin, Forscherin und Biohackerin Heather Dewey-Hagborg geplant. Die hier vorgestellten künstlerischen Arbeiten nehmen eine zentrale und provokante Rolle in der Bestimmung des Verhältnisses von asymmetrischen Machtverhältnissen, Kategorisierungen von Körpern bis zur Ebene der DNA und Prozessen des Machine-Learning im Hinblick auf Affektsteuerung ein.

 

 

Drama der Emotionen

Künstlerische, filmische und theatrale Analysen des Affektiven im Politischen und vice versa

(auch Modul D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 24.10.2017, weitere Termine (wöchentlich) 07.11., 14.11., 21.11., 28.11., 05.12., 12.12.2017, 09.01.2018, 16.01., 23.01., 30.01.

Kontakt susanne.witzgall@adbk.mhn.de

 

Angesichts jüngerer, oft sehr emotional geführter Wahlkampfdebatten, irrational erscheinenden Wählerverhaltens, erregter Wutbürger*innen, und einem diagnostizierten gesellschaftlichen Klima der Angst wurde unserer Gegenwart bereits eine besondere Emotionalisierung der Politik oder Politisierung von Affekten bescheinigt. Doch Emotionen werden schon seit jeher kulturell erzeugt und politisch instrumentalisiert. Sie sind aufs engste mit der Aufrechterhaltung und Verhandlung von Machtverhältnissen verknüpft. Als Verbündete subtiler Kontrollmechanismen residieren sie oft unbemerkt in den Zwischenräumen und diffusen Gestimmtheiten gesellschaftlicher Netzwerke.

 

Das Seminar analysiert einige dieser Mechanismen aus interdisziplinärer Perspektive und untersucht die ästhetische Auseinandersetzung mit diesem Thema in den aktuellen Künsten. Im Fokus steht dabei die zeitgenössische Performance- und Videokunst, Film sowie aktuelle Theaterinszenierungen. Der Grund hierfür liegt in der (gemeinsam zu überprüfenden) These, dass sich gerade in filmischen Narrationen, vor allem aber im performativen Vollzug und im Wechselspiel zwischen Akteur*innen und Zuschauer*innen Emotionen in ihrer sozialen Situiertheit und unterschiedlichen Handlungswirksamkeit (Mohrmann) am besten verstehen lassen und sich die subtile Verquickung von Emotionen und Machtmechanismen gerade in ihrer ästhetischen Aufführung erkunden lässt. Die Werkauswahl reicht dabei von Arbeiten des südasiatischen Performanceduos „Dark Matter“, den Performances und Installationen von Anne Imhof, den Videoarbeiten von Arthur Zmijewksi und Yael Bartana, bis hin zu der TV-Serie „House of Cards“, dem Science-Fiction-Kinofilm „district 9“ oder den jüngsten Theaterstücken von Elfriede Jelinek und Yael Ronen. Unterfüttert und begleitet werden die Analysen im Seminar durch die Lektüre einer interdisziplinären Textauswahl aus den Bereichen der feministischen Theorie (Sara Ahmed), Philosophie (Zygmunt Baumann, Catherine Malabou), politischen Ökonomie (Martijn Konings), Politikwissenschaft (George E. Marcus), Anthropologie (Elizabeth A. Povinelli) und der Literaturwissenschaft (John Protevi).

 

Das Seminar beginnt mit drei einleitenden Sitzungen. Sie sind gleichzeitig als Einführung zur Vortragsreihe des Wintersemesters gedacht und stehen auch Studierenden offen, die nicht am restlichen Seminar teilnehmen wollen. In diesen drei Sitzungen wird sich dem Thema des Seminars von begrifflich-diskursiver Seite sowie über zwei zentrale künstlerische bzw. vokal-performative und theatrale Positionen der 1960er und 1970er Jahre (Augusto Boal und Meredith Monk) genähert.

 

 

Szenen der politischen Ästhetik I (Lektüreseminar) (auch Modul E.01.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Dienstag 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 08.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Der Bezug von Kunst und Politik wird zuletzt vermehrt innerhalb einer eigenen Disziplin, der „politischen Ästhetik", untersucht: politisch ist die Ästhetik insofern, als sie die politischen Verfasstheiten, Intentionen und Effekte künstlerischer Praktiken untersucht. Dies geschieht auf sehr unterschiedliche Weise, denn Kunst kann entweder indirekt, in ihrer Darstellung oder Nicht-Darstellung, als politisch gelten, sie kann aber auch direkt in die politische Wirklichkeit eingreifen, um diese zu verändern.

 

Im Seminar sollen diese verschiedenen Positionen politischer Ästhetik untersucht werden. Ausgehend von Positionen des frühen 20. Jahrhunderts (Benjamin, Brecht) über die Untersuchung militanter Bildpolitiken der 1960er und 1970er Jahre (Debord, Godard) soll eine Genealogie zeitgenössischer Positionen (Rancière, Badiou, Bourriaud) erarbeitet werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den soeben übersetzten Szenen des ästhetischen Regimes von Jacques Rancières, in denen Rancière selbst eine transmediale Geschichte der Anfänge der politischen Ästhetik entwirft.

 

Zur Vorbereitung: Jacques Rancière, Aisthesis. Vierzehn Szenen, Wien: Passagen Verlag 2013. Der Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Anfang des Semesters verteilt.

 

 

 

Szenen der politischen Ästhetik II (Interventionen) (auch Modul E.01.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Dienstag 14.00 - 16.00 Uhr | Beginn: 08.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Neben der Lektüre der Texte werden im zweiten Teil des Seminars klassische und zeitgenössische künstlerische und filmische Arbeiten präsentiert und besprochen. Die Auswahl dieser Arbeiten wird in Absprache mit den Studierenden vorgenommen. Außerdem sind die Studierenden aufgefordert, ihre eigenen bereits existierenden oder gerade entstehenden Arbeiten zu präsentieren, um sie hinsichtlich ihrer politisch-ästhetischen Potentiale hin zu diskutieren. Dabei sollen nach Möglichkeit alle künstlerischen Medien – malerische, skulpturale, fotografische, performative, filmische etc. Arbeitsformen – gleichermaßen präsent sein. So ließe sich ebenfalls zeigen, dass das „Politische" der Kunst nicht an ein spezifisches Medium gebunden ist, bzw. ließe sich fragen, ob es sich in unterschiedlichen künstlerischen Medien je anders entfaltet. Diese Verbindung von theoretischem und künstlerischem Arbeiten soll die im Lektüreseminar erarbeiteten philosophischen Texte zugleich für die Konzeption und Ausarbeitung der künstlerischen Arbeiten fruchtbar machen.

 

Eine Teilnahme an diesem Seminar setzt die Teilnahme am Lektüreseminar „Szenen der politischen Ästhetik I" voraus.

 

 

 

studienwerkstatt PHILOSOPHIE

Dr. Karin Hutflötz

 

Seminar | Dienstag 16.00 - 19.00 Uhr | Beginn: 8.4.2014

Raum: A.EG.01

Kontakt: hutfloetz@adbk.mhn.de

 

Die „studienwerkstatt PHILOSOPHIE“ bietet inhaltliche und methodische Anregungen, um aktuelle Diskurse und theoretische Zusammenhänge komplexer verstehen und kompetenter mitgestalten zu können.


Analog zu den anderen Studienwerkstätten im Haus handelt es sich um ein freies Angebot für Studierende, die sich in Bezug auf ihre eigene Arbeit mit philosophischen Fragen ihrer Wahl, aber auch mit Texten, Denkweisen und Diskursen der Philosophie und Ästhetischen Theorie auseinandersetzen wollen. Im gemeinsamen Textstudium und sokratischen Gespräch wird Theorie als Praxis des Denkens und Philosophieren als Einüben in selbstreflexives Denken erfahren und kann sich stärker in der künstlerischen Praxis der Studierenden verankern.


Dies bietet auch Raum zum performativen Arbeiten mit Philosophie und Literatur im Medium von Bild/Klang/Szene und Bewegung. Selbst schwierige Texte und abstrakte Denkfiguren erschließen sich dem Verständnis vielschichtiger und je neu, wenn sie leibhaftig zur Präsenz und verkörpert im Raum in ihrer impliziten Bildhaftigkeit und Narrativität sichtbar werden.

 

 

 

Biopolitik und Kunst (auch Modul E.02.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Mittwoch 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 09.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Laut Michel Foucault bezeichnet Biopolitik jene moderne Machtform, „deren Organisation eher auf der Verwaltung des Lebens als auf der Drohung mit dem Tod beruht" und deren zentrale Zielscheibe „der Sex am Kreuzungspunkt von ‚Körper' und ‚Bevölkerung'" ist. Sie ist eine Form der Macht, die das Leben vollständig durchsetzt, um es zu steigern und zu vervielfältigen, anstatt es zu unterdrücken und zu bedrohen. Biopolitik ist in der Folge Foucaults zur paradigmatischen Beschreibung zeitgenössischer politischer Bedingungen avanciert, sei es hinsichtlich der immer stärker in den Vordergrund rückenden biologisch-medizinischen Verbesserung des menschlichen Lebens, die eine möglichst fehlerfreie Vermehrung der Gattung gewährleisten soll, sei es hinsichtlich der Selbstverbesserung jenes „unternehmerischen Selbst", das die Ansprüche des post-fordistischen Kapitalismus vollkommen verinnerlicht hat, sodass jede Äußerung individueller Kreativität zu einem Moment biopolitischer Lebenssteigerung wird. Dabei ist es ein wesentlicher Zug der biopolitischen Machttechniken, dass sie sich indirekt, also vermittelt oder medialisiert auf die Bevölkerung beziehen – u.a. durch die Produktion von Dingen, Milieus oder Bildern des Lebens, die zu biopolitischen Machtdispositiven werden.


In einem ersten Teil untersucht das Seminar den Begriff der Biopolitik in der Machtanalytik Foucaults anhand seiner Unterscheidung vom souveränen und disziplinären Machtregime. Neben der Position Foucaults sollen weitere zentrale Positionen der biopolitischen Debatte (Deleuze, Agamben, Negri) erörtert werden. In einem zweiten Teil soll anhand von Beispielen aus der Bildenden Kunst, den performativen Künsten sowie aus Film und Video gefragt werden, wie sich diese biopolitische Verfasstheit der Macht auf die zeitgenössischen künstlerischen Praktiken sowie auf ihre Kreativitätsbegriffe auswirkt.


Zur Vorbereitung: Thomas Lemke, Biopolitik zur Einführung, Hamburg: Junius 2007.


Der Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Anfang des Semesters verteilt

 

 

 

Zur Philosophie der Verführung (auch Modul E.02.09)

Dr. Thomas Steinforth (Lehrbeauftragter)

 

Blockseminar | Mittwoch 16.00 - 19.00 Uhr | Beginn 30.04.2014

Raum E.O2.29

Kontakt: Thomas.Steinforth@t-online.de

 

Verführen und Verführt-Werden scheinen Grundvollzüge menschlichen Lebens und Zusammen-Lebens zu sein. Was genau aber tun und erleben wir, wenn wir jemanden verführen oder wenn wir verführt werden? Werden wir im Verführt-Werden eher manipulativ und entfremdend von dem weg-geführt, was wir „eigentlich" wollen, oder werden wir durch den Verführer erst zu unserem „wahren" Wollen und Begehren hin-geführt? Ist also das Verführen eher ein diabolisches Verleiten zum Bösen, vielleicht auch eine Strategie nicht-repressiver Machtausübung oder aber eher ein subversiv-befreiender Akt, der uns hilft, dem eigenen Begehren und damit vielleicht sogar der eigenen „Identität" erst auf die Spur zu kommen? Und wie „funktioniert" das Verführen – worin gründet und besteht Verführungskraft?
Die Frage, was das Verführen eigentlich sei und für den Menschen als freies, vernunftbegabtes Wesen bedeute, wird ebenso im Mittelpunkt der philosophischen Diskussion stehen wie die Frage nach Typen, Techniken, Medien und Settings der Verführung. Da in der neueren Philosophie insbesondere Zeichen und Bildern eine spezifische Verführungsmacht zugeschrieben wird, stellt sich auch die Frage nach der Verführung im Kontext der Kunst und der ästhetischen Erfahrung. Und nicht zuletzt wird gefragt, ob nicht auch die Philosophie selbst – wie es einst Sokrates vorgeworfen wurde – eine eigene Verführungskraft besitzt.
Im Mittelpunkt stehen der Austausch zu philosophischen und psychoanalytischen Theorien des Verführens (z. B. Kierkegaard, Freud, Baudrillard) und die Auseinandersetzung mit der Inszenierung des Verführens in literarischen Texten, in der bildenden Kunst und im Film.

 

 

 

DAS ICH IM WIR? Soziale und kulturelle Identitäten im Umbruch

(auch Modul E.01.09)

Dr. Karin Hutflötz

 

Seminar | Donnerstag 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 10.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: hutfloetz@adbk.mhn.de

 

Im Hinblick auf die aktuelle Problematik fragiler Identitäten geht es in diesem Seminar um die Rolle des sozialen Umfelds, der politischen Voraussetzungen und der kulturellen Deutungsmuster für Bildung und Transformation von Identität(en).


Im Mittelpunkt der Diskussion und Textlektüren werden vor allem Begriff und Bedeutung von Zugehörigkeit und Anerkennung für Identitätskonzepte und deren Dynamik stehen. Zu fragen ist, wie sich personale und kollektive Identitäten erst in sozialer Interaktion bilden, wie das Korrespondenz-Verhältnis zur Umwelt und einem Du als Gegenüber dem Ich erst Selbststand und Handlungsspielraum verleihen, und weshalb aus heutiger Sicht das intersubjektive „Spiegeln" (und nicht das monologische Reflektieren) die grundlegende Matrix der Subjektivität sein soll.


Damit treten auch die politischen und soziologischen Dimensionen des Themas in den Blick: die Rolle von Migration, Sprache und Politik für Zugehörigkeitsdiskurse und Identitätskonstruktionen; die Fragwürdigkeit von kultureller Identität in einer (markt-) globalisierten Welt; aber auch die dem Kapitalismus inhärente Tendenz zu organisierter Selbstverwirklichung und die daraus resultierenden Paradoxien der Individualisierung in der digitalen Massengesellschaft werden auf ihre philosophischen Bedingungen und denkbaren Alternativen hin diskutiert.


Alle Texte und ergänzende Literatur werden im Seminar zur Verfügung gestellt.

 

Seminar Einführung in die Ästhetik (Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 23.04.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das Seminar vermittelt Grundlagen der philosophischen Ästhetik. Ausgehend von der Entstehung dieser philosophischen Disziplin um 1800 (Baumgarten) werden klassische (Schiller, Kant, Hegel, Nietzsche, Heidegger) Positionen der Ästhetik in der Lektüre erarbeitet. Diese klassischen Positionen werden jeweils mit neueren und zeitgenössischen Ästhetiklektüren konfrontiert (Valéry, Adorno, Lyotard, Greenberg, Rancière, Joselit, u.a.), um so die Aktualität des Ästhetischen zu konstatieren oder zu hinterfragen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, inwiefern eine Eigengesetzlichkeit des Ästhetischen besteht bzw. inwiefern diese in einer spezifischen Unbestimmtheit (und Unabschließbarkeit) liegt, die dem klassischerweise als rational-bestimmend beschriebenen philosophischen Diskurs Widerstand zu leisten vermag; daran anschließend bleibt zu diskutieren, inwiefern gerade diese spezifische Unbestimmtheit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das kontinental-philosophische Denken überhaupt kennzeichnet.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3–5 Seiten) eines Referats.

 

 

Seminar Historische Einbildungskraft. Von der Fiktion des Faktischen (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 24.04.2015, weitere Termine: 15.05., 29.05., 05.06., 12.06., 26.06.2015

 

In der Gegenwartskunst treten vermehrt jene Arbeiten in den Vordergrund, die sich auf spezifische Weise auf Ereignisse der Vergangenheit bzw. auf historische Zusammenhänge beziehen und diese in visuellen Rekonstruktionen erneut zugänglich machen – gegenwärtige Formen des Reenactments tragen sich damit in eine klassische kunstgeschichtliche Tradition ein, die mit der Historienmalerei und klassischen Geschichtsmedien wie den Panoramen ihren Ausgang nimmt. Neben der Bildenden Kunst verzeichnen jedoch auch der Film, mit den sogenannten „Docu-Dramen", die Literatur und die kunstgeschichtlichen Institutionen und Museen, mit groß angelegten archivalischen Ausstellungen, ein besonderes Interesse für historische Zusammenhänge. Dabei stellt sich jedoch immer wieder die Frage nach dem Zugang, der Kontextualisierung und Wiederaufbereitung der vergangenen Wirklichkeit in der Gegenwart. Das Lektüreseminar nimmt diese künstlerischen Phänomene zum Anlass, um dem Begriff der „historischen Einbildungskraft" nachzuforschen. Einbildungskraft bezeichnet hier jenes „Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen" und bezieht sich damit in spezifischer Weise auf die Frage der Darstellung von Geschichte, in der das Dargestellte – das historische Ereignis – sich notwendigerweise durch seine Abwesenheit und Vergangenheit auszeichnet. Daraus folgt, dass eine mediale Historiographie, also die Geschichtsschreibung in den Medien der Darstellung – sei es Bild, Text, Performance u.a. –, sich immer an der Grenze zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung und narrativer oder poetischer Erzählung befindet. Eine mediale Historiographie stellt notwendigerweise die Frage nach der Fiktion des Faktischen, also danach, inwieweit historische Fakten in ihrer Darstellung erst verfasst und produziert werden. Diesen Fragen will sich das Seminar durch die Lektüre von klassischen und zeitgenössischen Texten der Geschichtswissenschaft, Philosophie und Ästhetik (Aristoteles, Immanuel Kant, Hayden White, Carlo Ginzburg, Jacques Rancière, Georges Didi-Huberman u.a.) sowie durch die Diskussion künstlerischer Arbeiten (u.a. von Omer Fast, Gerard Byrne, Pierre Huyghe, Joshua Oppenheimer, Jeremy Deller, Milo Rau) nähern.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten).

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle, Jenny Nachtigall, M. A., Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 18.00–21.00 Uhr, Beginn: 23.04.2015, weitere Termine: 30.04., 13.05., 28.05., 11.06., 25.06., 09.07.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie" eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten, die das Herzstück des Kolloquiums darstellen, spielt die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur künstlerischen Arbeit der Studierenden haben, eine zentrale Rolle. Die Texte werden von den Studierenden und Lehrenden gemeinsam ausgewählt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie" strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z.B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Zuletzt bietet das „Kolloquium Philosophie" konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden.

 

Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis, ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie" ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

Seminar REALISMUS. Zum Problem der Wirklichkeit (in) der Kunst (Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 22.04.2015, weitere Termine: 29.04., 13.05., 27.05., 10.06., 24.06., 08.07.2015
Kontakt nachtigall@adbk.mhn.de

 

Die Diskussion um den Realismus in der Gegenwartskunst hat in den letzten Jahren eine neue Richtung eingeschlagen und das nicht zuletzt aufgrund der kuratorischen und kunstkritischen Rezeption (vgl. z. B. „Spike" 2013-, „Texte zur Kunst" 2014) einer Reihe heterogener philosophischer Positionen, die unter dem Label „Spekulativer Realismus" subsumiert wurden.

 

Wenn der gemeinsame Nenner dieser spekulativen Variante des Realismus in der Kritik einer „anti-realistischen" Orientierung der kontinentalen Philosophie und ihrem „Korrelationismus" besteht – also dem Kantschen Verdikt, dass Erkenntnis durch das Verhältnis des Subjekts auf das Objekt konstituiert wird –, was für Konsequenzen hat dies für das Verständnis von Realismus und Realität, für Kunst und Ästhetik sowie für ihr Verhältnis zueinander? Ist es tatsächlich notwendig im Zuge des Postulats einer nicht-korrelationistischen Perspektive das Ende der Ästhetik oder Gegenwartskunst auszurufen (Avanessian, Malik) und was passiert mit dem Anspruch des Realismus als einem kritischen Projekt der Transformation von Wirklichkeit?

 

Nachdem die Begeisterung um die neuste Spielart des Realismus sich etwas gelegt hat, möchte dieses Seminar die aktuelle Diskussion in Konfrontationen mit anderen zeitgenössischen und historischen Positionen in Bezug auf das Problem der Wirklichkeit (in) der Kunst neu in den Blick nehmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Fragen der Kontingenz, der Materialität und Medialität realistischer Darstellung bzw. der Realität der Darstellung sowie den sich wandelnden Subjekt-Objekt Positionen, die mit unterschiedlichen Realismen und ihren divergierenden Wirklichkeitsbegriffen verbunden sind.

 

Ausgehend von der Lektüre aktueller philosophischer Positionen (Meillassoux, Laruelle) und ihrer Manifestationen in der Kunst (z. B. die Ausstellungen „Speculations on Anonymous Materials", Kassel, 2013 oder „Geographies of Contamination", London, 2014), wird die Frage des Realismus anhand einer Auswahl künstlerischer Positionen und Texten der politischen Ästhetik und psychoanalytischen Theorie (Rancière; Lacan) sowie der materialistischen Ästhetik (Bataille; Brecht) diskutiert.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten).

 

 

Blockseminar Freiwillige Knechtschaft – Politik und Ästhetik der Faszination (Modul E.02.09)
Felix Trautmann

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Termine 02.07.2015 14.00–18.00 Uhr, 03.07./04.07.2015 jeweils 10.00–16.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung felix.trautmann@gmx.de

 

Wie kann es sein, dass wir von einer Sache so fasziniert sind, dass wir uns ihr regelrecht hingeben wollen und bereit sind, die eigene Freiheit dafür bisweilen aufzugeben? Welchen Anteil haben unsere eigenen Handlungsmotive und welchen Anteil hat die Beschaffenheit des Objekts unseres Begehrens in Momenten der Faszination? Dieser nicht nur politischen sondern auch ästhetischen Frage geht Étienne de La Boétie bereits Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem „Discours de la servitude volontaire" nach. Seine These lautet dabei so einfach wie irritierend, dass die Menschen weniger durch Gewalt beherrscht werden als sich aufgrund ihrer Attraktion für den Herrscher freiwillig unterworfen haben. Anders sei es, so La Boétie, nicht zu erklären, dass eine so große Anzahl von Menschen die Knechtschaft hinnehme als wäre es die Verwirklichung ihrer eigenen Freiheit.

 

In der These von der freiwilligen Knechtschaft kann eine Formel erkannt werden, die sich im weiteren Verlauf des herrschaftskritischen Denkens in immer neuen Varianten artikuliert hat. Sie stellt dabei aber auch eine kritische Matrix für das Verständnis von Formen der Hingabe, der Verblendung oder Selbsttäuschung in gegenwärtigen Gesellschaften dar. Die These La Boéties hat nicht zuletzt Eingang in die Theorien charismatischer Herrschaft, ideologischer Subjektivierungen sowie in die psychoanalytische Kulturtheorie gefunden.

 

Mit der zunächst politischen Kritik verbindet sich dabei immer auch eine ästhetische Theorie der Faszination und Anziehungskraft einer Herrscherperson oder eines Herrschaftsverhältnisses. In der freiwilligen Knechtschaft wird eine Sache oder eine Person zum begehrten Objekt und der Grund des Begehrens zum „faszinosum". Die Frage für das Seminar lautet daher: was ist es und vor allem wie ist die Sache beschaffen, von der die eigentümlich verführerische Kraft ausgeht, die uns verzückt und anzieht? Welche ästhetische Beschaffenheit besitzt eine Sache, die sie derart unwiderstehlich erscheinen lässt, dass wir willens sind, uns ihr voll und ganz hinzugeben?

 

Das Seminar wird neben der Lektüre des „Discours" von La Boétie und einigen zentralen Kommentaren zu diesem Text, auch eine Auswahl von verwandten Problematisierungen aus dem Feld der Kulturtheorie, Soziologie und Psychoanalyse diskutieren. Ein Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.

Seminar Einführung in die Ästhetik: Digitale Ästhetik

(Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

Die sogenannte „Digitale Revolution“ hat nicht nur die Produktionsweise von Kunst bzw. die Arbeitsweise der Künstler stark verändert, sondern ebenso die Zirkulation und Rezeption der künstlerischen Arbeiten verändert: „Bilder“ sind generell nicht nur schneller zu produzieren, sondern zirkulieren in feiner verzweigten Netzwerken und sind, so die Unterstellung, dadurch auch ein­facher zu konsumieren. Anhand zentraler theoretischer Positionen des 21. Jahrhunderts soll dieser „digitalen Revolution“ nachgedacht und ihre Bedeutung für den Begriff der „Ästhetik“ ausgelotet werden. Dabei sollen zunächst die Unterschiede zwischen einer prä-digitalen, einer digitalen und der sogenannten „post-digitalen“ Ästhetik untersucht werden, sowie zentrale Begrifflichkeiten der digitalen oder post-digitalen Ästhetik (Netzwerk-Kunst, Aggregation, Zirkulation, Auflösung, HD, Remediation, Post-Media, …) geklärt werden; hieran anschließend sollen theoretische und künstlerische Positionen untersucht werden, die sich spezifisch in einem digitalen Milieu verorten lassen und derart Virtualität, digitale Reproduzierbarkeit, erhöhte Sichtbarkeit qua sozialer Netzwerke etc. in ihren Produktionen explizit adressieren und, auf unterschiedliche Art, kritisieren oder subversiv unterlaufen – oder aber diese gerade affirmieren. Damit wird in dieser Debatte ein grundlegendes Problem zeitgenössischer philosophisch-ästhetischer Reflexion in Gestalt der Kritik an tradierten Dualismen (Virtualität vs. Körperlichkeit; Originalität vs. Reproduzierbarkeit; Autonomie vs. Heteronomie; Freiheit der Kunst vs. ihre Marktförmigkeit) aktualisiert.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); je nach Größe des Seminars entweder Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3 Seiten) eines Referats oder Anfertigung eines Essays zu einem im Seminar behandelten Thema (5 Seiten).


Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr.-Stefan Apostolou-Hölscher

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016, weitere Termine: 28.04., 12.05., 25.5., 02.06., 16.06., 30.06.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.



Seminar Fremde Bilder (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 15.04.2016, weitere Termine: 29.04., 13.05., 03.06., 17.06., 01.07.

Im Lektüreseminar „Fremde Bilder“ steht die Frage nach der Darstellung des Fremden sowie die damit verbundene Infragestellung des Eigenen oder Alltäglichen im Mittelpunkt. Theoretische Problematisierungen der Figur des Fremden und damit verbunden der Bilder des Fremden treten zunächst im kolonialen Kontext auf, in dem das Fremde in der Fremde von einem eurozentristischen Blick konstituiert wird. Die spezifische Asymmetrie, die hier zwischen dem Zivilisierten und dem Fremden, Wilden, Barbaren, entsteht, führt dabei einerseits zu einer erhöhten Identitätsbildung des zivilisierten, aufgeklärten Europäers; sowie abhängig davon andererseits zu einer spezifischen, clicheehaften, hochgradig rassistischen Bildproduktion: der/das Fremde wird im ethnographischen Bild festgehalten, kategorisiert, diszipliniert. In einem zweiten Schritt soll dieser post-koloniale Komplex aus eigenem und fremden Bild bzw. aus Bildern vom Eigenen und Fremden vor dem Hintergrund der aktuellen Situation reflektiert werden. Ein wesentlicher Unterschied ist dabei die Verortung des Fremden, der nicht mehr woanders, sondern, in Gestalt von Migranten/innen und Flüchtenden, nun „bei uns“, in „Europa“ begegnet: Was geschieht, wenn das Fremde zu uns kommt? Welche (mythologischen) Bilder werden herangezogen, um fremdenfeindliche Übergriffe zu rechtfertigen? Wie ist der Wandel bzw. Umschlag der Bilder der Fremden seit dem letzten Sommer (2015) zu deuten: Von den vielzähligen Bildern überbordender Solidarität und sogenannter „Willkommenskultur“ (Stichwort Münchener Hauptbahnhof) hin zu der Dämonisierung des jungen männlichen Asylbewerbers (Stichwort Kölner Hauptbahnhof) und den rassistischen Übergriffen des letzten Jahres und speziell in Sachsen im Februar 2016.

Vor dem Hintergrund der Lektüre einschlägiger Texte zu Flucht, Rassismus, Fremdheit, Gastfreundschaft u.a. aus Philosophie, Ethnologie und Politikwissenschaft (Hanna Arendt, Michel Foucault, Jacques Derrida, Edward Said, Julia Kristeva, Bernhard Waldenfels u.a.) sollen Arbeiten der zeitgenössischen Kunst, aber auch aus Film, Fernsehen und den Medien diskutiert werden, die kritisch auf die gegenwärtige Situation reagieren; zugleich soll auch die Frage der Darstellung von Fremdheit im Allgemeinen diskutiert werden, die sich genealogisch sowohl zu exotistischen Repräsentationen (Segalen, Gauguin) und Reiseliteratur (Loti) als auch zu Völkerschauen und Dioramen sowie kolonialen Fotoarchiven zurück verfolgen lässt. „Fremde Bilder“ sind dabei sowohl Bilder vom Fremden als auch Bilder, die nicht vom Künstler stammen, die also fremd weil appropriiert, gefunden und kopiert sind – von Merkels Flüchtlings-Selfies bis zu den auf den sozialen Netzwerken zirkulierenden Handyvideos rassistischer Übergriffe. Sie werfen u.a. die Fragen auf, ob das Dokumentieren und Darstellen hier eher einem Aufklären, einem Ausstellen oder einer Festschreibung gleichkommt bzw. was „eigene“ Bilder diesen fremden Bildern hinzufügen. Diese Fragen stehen im Zentrum zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzungen mit der Flüchtlingsfrage, wie bspw. in Philip Scheffners Film „Havarie“ (2016) oder Tobias Zielonys Arbeit „The Citizen“ (2015), aber auch in Dokumentation (Rosi, „Fuoccoamare“, 2016) und reportageartigen Bearbeitungen (z.B. Navid Kermani). Neben diesen und anderen Arbeiten sollen auch eigene Arbeiten der Studierenden, die im direkten Zusammenhang mit dem Seminar stehen, vor dem Hintergrund der Textlektüren diskutiert werden.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion praktischer studentischer oder anderer Arbeiten. Eine kontinuierliche Teilnahme ist absolut gewünscht. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.


After critique? Aesthetics of the low in contemporary art

Jenny Nachtigall, M. A.
(+ trip to 9th Berlin Biennale) (Modul E.02.09)
(Seminar in English and German)

Room E.ZG.04, E.O1.23, Akademiestr. 4
Dates Reading seminar: Thursday, 09.06., 14.00–20.00, Friday, 10.06., 11.00–19.00, Saturday, 11.06., 12.00–20.00
Trip to 9th Berlin Biennale: Friday, 17.06. – Sunday, 19.06.
Contact nachtigall@adbk.mhn.de

In the last couple of years the paradigm of ‘critique’ (and the notion of the ‘avant-garde’) have been waning as reference points within the contemporary art discourse. Whereas a strand of art theory and criticism denounced this development as “post-critical” (Hal Foster), seeking in turn to re-establish a rigorous understanding of critique, a younger generation of artists and writers calls it into question altogether. Artist collectives like DIS, for instance, locate their practices within the mainstream, in corporate culture and in fashion, with digitality as the matrix of their activities. In this seminar we want to discuss the premises and the consequences of what could be called an aesthetics of the low in contemporary art as well as how it differed from previous iterations. If the paradigm of critique were in fact obsolete, what replaces it?

In order to develop possible responses to this question the first section of the seminar will introduce key theories of mass culture, commodification and the low (e.g. Adorno, Greenberg, Foster, Crimp, Deleuze). We will look into how the premises of these earlier (post)modernist debates shifted in the present, and how current aesthetics, art theory and practice react towards this shift. Is it sufficient to understand “the zany, the interesting, and the cute “(Ngai) as the new aesthetic categories of the present or do we rather have to rethink the functions of aesthetics and of art in the face of digitality (e.g. Wark, Joselit)? How does contemporary art operate within a field – and how is it operated – in which the boundaries between artistic and social production became porous? The second part of the seminar will consist of a field trip to the 9th Berlin Biennale (curated by DIS) in which we will approach the problems and questions raised in our readings through the concrete framework of the Biennale and the practices that it chose to showcase.

Places are limited. In order to sign up for the seminar + trip to the Berlin Biennale, and for further information, please email nachtigall@adbk.mhn.de


Blockseminar Repräsentationskritik und Unsichtbarkeit (Modul E.02.09)
Marina Martinez Mateo

Raum E.EG.28 und E.O1.23 (nur 01.06.), Akademiestr. 4
Termine 30.05. und 31.05. jeweils 10.00–18.00 Uhr, 01.06. 9.00–14.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung marina.martinezmateo@normativeorders.net

Wird über Repräsentation gesprochen, denken wir schnell – und offenbar aus guten Grün­den −, dass darin etwas sichtbar würde. Als Darstellungen leisten Repräsentationen eine Materialisierung oder Veräußerung eines inneren Ausdrucks; oder aber sie bilden eine Realität ab und führen sie uns dadurch noch einmal neu, vielleicht klarer, vielleicht verschoben vor Augen. Sichtbarmachung bildet den unveräußerlichen Kern von Repräsentation.
Darin liegt nicht nur eine Beschreibung ihrer Funktionsweise, sondern auch ihr normatives Fundament: Das Versprechen der Sichtbarkeit liegt ihr legitimierend zugrunde – Repräsentation soll sichtbar machen. Impliziert wird damit die Annahme, dass Sichtbarkeit anzustreben sei, dass Unsichtbarkeit einen Mangel bedeutet, eine Passivität oder gar Handlungsunfähigkeit. Dies ist insbesondere dann das Narrativ, wenn Repräsentation in einem stärker politischen Sinne verstanden wird: Nur wer repräsentiert ist, gilt als Teil der Gemeinschaft und politische/r Akteur/in.

Dies wird immer wieder aus verschiedenen Perspektiven in Frage gestellt: Was machen Darstellungen tatsächlich sichtbar – und was belassen sie dabei notwendig im Verborgenen? Gibt es möglicherweise Gegenstände oder Themen, die nicht repräsentierbar sind, die man verfälschen oder gar zerstören würde, wollte man sie abbilden? Und was für (politische wie ästhetische) Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es im Verborgenen oder im Spiel mit der Verbergung, die in der Dominanz der Sichtbarkeit verloren gehen? In diesen Kritiken wird Unsichtbarkeit entweder zum Außen der Darstellung (das Ausgeschlossene, der Rest), das sie stark machen, um Möglichkeitsräume jenseits der Repräsentation aufzuzeigen; oder aber Unsichtbarkeit wird als notwendiger Bestandteil von Repräsentation hervorgehoben. Dadurch wird das Versprechen der Sichtbarkeit insofern in Frage gestellt, als es scheinbar nie erfüllt werden kann.

Diesen verschiedenen Positionen und Argumentationsweisen sowie ihrem Verhältnis zueinander soll im Seminar anhand genauer Textlektüren nachgegangen werden, um die komplexe Interaktion von Repräsentation und Unsichtbarkeit richtig zu fassen. Dabei wird es auch immer wieder um die politischen Implikationen dieser Fragen gehen. Im Zentrum sollen u.a. Texte von Jacques Rancière, Michel Foucault, Hannah Arendt und Axel Honneth stehen.

Wichtig ist: Die Veranstaltung wird als Blockseminar stattfinden. Der Seminarplan und die behandelten Texte werden im Vorhinein per Mail zugänglich gemacht. Daher wird um vorherige Anmeldung (an: marina.martinezmateo@normativeorders.net) unbedingt gebeten.


1. Einführung in die Ästhetik: Reproduktion, Wiederholung, Aneignung
Prof. Dr. Maria Muhle
E.01.09/E.02.09
Donnerstag, 11.00 – 13.00 Uhr
Beginn: 27. April
Raum: E.O1.23

Die Veranstaltung untersucht grundlegende Texte der Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Perspektive reproduzierender, wiederholender und aneignender Techniken, die sich einem tradierten Verständnis von Kunst als Produktion, Schöpfung und Erschaffung von Neuem entgegensetzt. Kunst soll hier im Zeichen ihrer technischen Reproduzierbarkeit (Benjamin) untersucht werden, um so einen anderen, nicht- oder nach-modernistischen Blick auf die künstlerischen Praktiken des 20. Jahrhunderts zu eröffnen. Zugleich soll in dieser Diskussion um Kunst als Reproduktion die Matrix jener aneignenden Techniken gesucht werden, die sowohl für Pop als auch Appropriation Art und Pictures Generation eine zentrale Rolle spielen und heute unter digitalen bzw. post-digitalen Bedingungen in Begriffen wie Distribution und Zirkulation reformuliert werden.  

Zur Vorbereitung ist die Lektüre von Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: ders., Gesammelte Schriften I.2. Frankfurt/Main 1980, S. 471–508 empfohlen.  

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

Achtung! Die erste Sitzung am 27.4. findet in Museum Brandhorst statt: Gespräch mit Tonio Kröner über die Ausstellung Wade Guyton. Das New Yorker Atelier. Treffpunkt: Foyer im Museum Brandhorst (Theresienstr. 35a) um 11h00

 

 

2. Theorien und Praktiken des Mimetischen
Prof. Dr. Maria Muhle und Prof. Dr. Tobias Döring (LMU)
E.02.09 zugleich Grundlagenseminar für das IDK Mimesis der LMU
Freitag, 11.00 – 14.00 Uhr, zweiwöchentlich
Termine: 28.4., 12.5., 26.5., 9.6., 23.6., 7.7., 21.7.
Raum: E.O1.23

Mimesis ist ein Schlüsselbegriff aller kulturellen Praxis – und zwar auch dann, wenn er, wie es in der Moderne immer wieder vorkommt, ausdrücklich verworfen, verachtet und verlacht wird. Mimesis bezeichnet das Grundlagenkonzept, das überhaupt in Rede steht, seit Literatur- und Kunstproduktion in den Horizont diskursiver Auseinandersetzung gerückt sind, und das noch in der jüngsten Medien- und Kulturtheorie gleichermaßen unverzichtbar ist. Mimesis umfasst ein ganzes Bedeutungsspektrum, das von „Nachahmung“, „Imitation“, „Darstellung“, „Repräsentation“, „Simulation“, „Reproduktion“, „Wiederholung“, „Spiegelung“, „Modellierung“, „Verkörperung“, „Travestie“, „Parodie“, „Kopie“ bis hin zu abstrakten Begriffen wie „Realismus“ oder „Identifikation“ reichen und damit fundamentale Fragen aufwerfen, denen sich jede Arbeit in den Literatur- und Kunstwissenschaften, aber auch die künstlerische Praxis selbst notwendig stellen muss. Diese folgen aus einer unhintergehbaren Doppelheit: sowohl Prozess wie Produkt, sowohl menschliches Vermögen wie gleichermaßen kulturelle Handlung, ist Mimesis immer ein Relationsbegriff, der etwas – zumeist ein Werkstück kultureller Arbeit – ins Verhältnis zu etwas anderem setzt – entweder zu einem anderen Werkstück oder einer Vorstellung von „Welt“, „Wirklichkeit“, „Handlung“ oder „Natur“. Das mimetisch Hervorgebrachte gilt daher als ein Zweites, d.h. oft ein Zweitrangiges und wird traditionell mit Skepsis betrachtet, wenn nicht ausdrücklich verworfen oder gar als gefährlich unzulänglich gleich verbannt. Eine dieser Gefahren betrifft dabei direkt das künstlerische Produzieren, insofern die nachahmenden Techniken das künstlerische Subjekt aus dem tradierten Genie-Paradigma hinausdrängen und dazu zwingen, die Frage seiner Autorschaft immer wieder aufs Neue zu verhandeln. Doch selbst eine Kritik am Mimetischen kann sich ihrerseits nur auf mimetische Techniken wie das Vergleichen stützen und muss sich durch mimetische Verfahren wie Illustration mitteilen. Ob also bewundert oder gescholten, ob gefeiert oder verdammt – Mimesis ist für alle Modi, Medien und Möglichkeiten sämtlicher Künste und Kulturprodukte schlechterdings konstitutiv. Macht und Faszination des Konzepts rühren in erheblichem Maße daher, dass es die Begriffssphäre, die es erschließt, mit jedem neuen Gebrauch neu entwirft und also ständig zur Begriffsverschiebung und -erweiterung beiträgt.

Dies wollen wir in diesem Seminar durch einschlägige Textlektüren, die von Platon und
Aristoteles über Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Erich Auerbach bis zu Michael Taussig, Judith Butler, Homi K. Bhabha sowie Roger Caillois, Jacques Derrida und Gabriel Tarde reichen, eingehend erkunden und mit ausgewählten Beispiele aus der ästhetischen Praxis – vornehmlich Literatur und Bildender Kunst – kritisch konfrontieren. Für alle Teilnehmenden ist daher nicht nur erhebliche Lesearbeit unerlässlich, sondern für die Teilnehmenden des IDK Mimesis auch ein eigener Diskussionsbeitrag – im Sinne einer Fallstudie – Voraussetzung. Die Texte werden in einem Reader bereitgestellt sowie digital zugänglich gemacht.

Zur vorbereitenden Orientierung ist folgendes Buch nützlich: Gebauer/Wulf, Mimesis:
Kultur-Kunst-Gesellschaft (Rowohlt 1992).

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

 

3. Infofiction
Dr. Jenny Nachtigall
Modul E.02.09
Freitag, 11.00 – 13.00 Uhr bzw. 14.00 – 17.00 Uhr (zweiwöchentlich)
Termine: 28.4. (14-17.00), 12.5. (14-17.00), 19.5., 2.6. (Workshop), 23.6. (14-17.00), 30.6., 14.7.
Raum: E.O1.23

Das Seminar „Infofiction“ möchte ausgehend von der aktuellen Diskussion um „alternative Fakten“ und eine „post-faktische“ Politik die Potentiale ästhetischer und künstlerischer Wissensproduktion in den Blick nehmen. Ursprünglich der Titel einer Ausstellung von Lee Lozano (1971), die sich u.a. dem Protokollieren ihres Lebens als künstlerischer und politischer Form widmete, erhält „Infofiction“ heute eine neue Lesbarkeit und Aktualität, denen dieses Seminar nachgehen möchte. Im Fokus steht dabei die These, dass in Zeiten politischer Repression ästhetische Formen der „Informationsverarbeitung“ immer schon Konjunktur hatten. Als alternative Orte der Wissensproduktion und -zirkulation, in denen ästhetischer Praxis eine politische Funktion zukam, fungierte insbesondere das Magazinformat häufig als zentrales Medium der politischen Artikulation und Positionierung von Künstler_innen selbst: von den Dadaisten, die um der Zensur zu entgehen unter dem Deckmantel eines Jugendmagazins (Neue Jugend) anti-nationalistische Satire verbreiteten, über Tropiques, offiziell ein Journal für Westindische Folklore, das eine surrealistischen Kritik am Kolonialismus praktizierte, bis zu aktuellen Formaten an den Rändern des westlichen Kunstdiskurses (z.B. die englische/arabische Zeitschrift makhzin). Durch die Diskussion historischer wie auch aktueller Praxisbeispiele, untersucht das Seminar künstlerischen Formen von „Infofiction“, ihre theoretischen Grundlagen und Implikationen sowie die Frage nach den ästhetischen und politischen Perspektiven, die sie im Zeitalter „alternativer Fakten“ eröffnen können.

„Infofiction“ bietet Studierenden außerdem die Möglichkeit einer Beteiligung an der internationalen Gruppenausstellung „Klassensprachen“, die sich der künstlerischen Entfremdung, Enteignung und Aneignung von Sprache in der Gegenwartskunst widmet. Die vom Hauptstadtkulturfonds Berlin geförderte Ausstellung ist von Manuela Ammer, Eva Birkenstock, Jenny Nachtigall, Kerstin Stakemeier und Stephanie Weber initiiert und eröffnet im Juli 2017 in Berlin. Im Rahmen des Seminars soll in Kooperation mit Studierenden der AdBK Nürnberg ein gemeinsamer Beitrag zur Ausstellung erarbeitet werden. Weitere Informationen werden bei der Einführungsveranstaltung besprochen.

Anmeldung bis zum 20. April 2017: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

4. Kunst und Gesellschaftskritik ‚nach‘ Hegel
Dr. Svenja Bromberg
E.02.09
Blockseminar, Termine: Fr. 05.05., 14.00 – 18.00 Uhr, Sa. 06.05., 10.00 – 17.00 Uhr und Fr. 9.06., 14.00–18 Uhr und Sa. 10.06., 10.00 – 17.00 Uhr
Raum: Wird noch bekannt gegeben

Das Blockseminar nimmt seinen Ausgangspunkt in einer Problematik, die sich mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts und einer damit einhergehenden Einschreibung der kapitalistischen Logik in alle, auch die künstlerischen, (Lebens)Bereiche, immer deutlicher stellt: nämlich die Frage, inwieweit (und ob) Kunst unter diesen Umständen als Instrument von Gesellschaftskritik dienen kann und welcher Modus von Kritik in diesem Kontext möglich und wünschenswert ist. Um uns dieser Fragen auf grundsätzliche Weise zu nähern, wollen wir in diesem Seminar zunächst die Engführung von Kritik und Kunst, wie sie prominente Ästhetische Theorien, wie diejenige von Theodor W. Adorno, kennzeichnen, auf ihre Wurzeln in der Hegelschen Dialektik zurückführen. Wir widmen uns Hegel somit als einer häufig übersehenen Grundlage derjenigen ästhetischen Theorie des 20. Jahrhunderts, die einen gesellschaftskritischen oder explizit gesellschaftsverändernden Anspruch formuliert. Dazu gehört, dass wir uns Weiterentwicklungen und Kritiken der Hegelschen Dialektik widmen und dabei vor allem auf die Rolle der Negativität, der Differenz und des Werdens fokussieren, wie sie nicht nur in der Kritischen Theorie, sondern auch von den französischen Interpreten Hegels, wie Alexandre Kojève, Gilles Deleuze und Jean-Luc Nancy, hervorgehoben wurden. Dabei stellt sich die doppelte Frage, inwieweit mit diesen Hervorhebungen die geschichtsphilosophischen Tendenzen in Hegels eigener Philosophie produktiv überwunden werden und inwiefern eine solche Öffnung des Absoluten zum Singulären und zur Differenz einen neuen Begriff von (künstlerischer) Kritik an Gesellschaft ermöglicht. In einem letzten Teil wollen wir die Potentiale und Begrenzungen eines Hegelschen Kritikbegriffs für die künstlerische Kritik an unserer zeitgenössischen Gesellschaft ausloten und dessen Rolle innerhalb des Gesamtverhältnisses von Kunst, Gesellschaft und Philosophie untersuchen.

Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 20. April 2017 per Email unter svenja.bromberg@gmail.com anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

5. Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall
Donnerstag, 17.00 – 20.00 Uhr
Termine: 27.4., 11.5., 18.5., 1.6., 22.6., 29.6., 13.7.
Raum: E.O1.23

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

6. Entwicklung einer Publikationsreihe
Konzept, Theorie, Inhalt, Gestaltung, Lektorat, Ökonomie, Produktion
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck)
1. Termin: 9. Februar; weitere Termine werden per Mail bekannt gegeben
Raum: Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12)

Entwicklung einer kleinformatigen Publikationsreihe als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Veröffentlichung ausgewählter Vorträge, Diskussionen, Veranstaltungen etc. der Akademie funktionieren. Die Inhalte der einzelnen Publikationen werden gemeinsam ausgewählt bzw. generiert und die grafische Gestaltung in Auseinandersetzung mit dem inhaltlichen Konzept in einem Workshop (Philosophie / Typografie) mit den Studierenden erarbeitet. Die Studierenden sollen den Herstellungsprozess eines Buches von der thematischen und grafischen Konzeption, über die formale Textbearbeitung und grafische Umsetzung bis zur Drucklegung begleiten. Es sind vorerst drei Ausgaben geplant, die in anliegenden Galerien und Buchläden vertrieben werden. Neben der praktischen Arbeit an Grafik und Texten ist ebenfalls die Diskussion unterschiedlicher Buchformen (Katalog, Künstlerbuch, Catalogue raisonné, Theoriebuch...) und ihrer Rolle für die künstlerischere Arbeit geplant sowie die gemeinsame Lektüre einzelner Texte, die sich mit Fragen des Verlegens als spezifische Wissensform auseinandersetzen.

Verbindliche Anmeldung per Mail (muhle@adbk.mhn.de und schmidl@adbk.mhn.de) bis zum 6.2., Auftakt- und Planungssitzung am 9.2., 11h00, Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12). Bei dieser Sitzung sollen bereits erste Vorschläge für Texte und grafische Konzepte diskutiert werden. Weitere Termine folgen im Sommersemester 2017. Eine Booklaunch ist beim Rundgang 2017 vorgesehen. Max. Teilnehmerzahl: 15

 

7. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)
Prof. Dr. Maria Muhle
Mittwoch, 11.00 – 15.00 Uhr
Termine: 24.5., 28.6., 12.7.
Raum: E.02.08

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.
 
Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter muhle@adbk.mhn.de

LEHRSTUHL FÜR PHILOSOPHIE
Prof. Dr. Maria Muhle
wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Dr. Jenny Nachtigall, Sebastian Althoff, M. A. (Teilprojekt Mimetische Existenzweisen der DFG-Forschergruppe Medien und Mimesis
Lehrbeauftragte Tonio Kröner, M. A., Frauke Zabel, M. A.

Seminar Einführung in die Ästhetik: Sexualästhetik
(Modul E.01.09 / Modul E.02.09)
Dr. Jenny Nachtigall

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–14.00 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 19.04.2018 
weitere Termine 03.05., 17.05., 07.06., 21.06., 05.07.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 unter nachtigall@adbk.mhn.de

Ausgehend von der #metoo Debatte, widmet sich die Einführung in die Sexualästhetik unterschiedlichen – philosophischen, kunsttheoretischen, psychoanalytischen und affekt-theoretischen – Ansätzen, das Verhältnis von Sexualität und Ästhetik zu begreifen. In Auseinandersetzung mit einer heteronormativen „Ästhetik der Herrschaft“ vs. einer queeren „Ästhetik widerständiger Sexualität“ (Paul B. Preciado) möchte das Seminar beleuchten, welches Verständnis von Ästhetik (gegenwärtigen) Debatten um Sexualität zugrunde liegt. Inwiefern verstricken sich z. B. ästhetisch kodierte Vorstellungen von Sexualität als (vitalistischer) Intensität, Transgression oder Freiheit in die Gewalt- und Machtverhältnisse, gegen die sie sich richten? Wie kann man Sexualität und Ästhetik überhaupt jenseits von Freiheit und Lebendigkeit denken? Und wer ist von letzteren ohnehin immer schon ausgeschlossen? Welche Konsequenzen hätte ein „negatives“ Verständnis von Sexualästhetik für Formen der Sinnlichkeit innerhalb und außerhalb der Kunst? Das Seminar wird unterschiedliche Antworten auf diese Fragen vorstellen und anhand von bekannten und weniger bekannten ästhetischen und künstlerischen Praktiken diskutieren: von Sidsel Meineche Hansen, Ana Mendieta und Jack Smith bis zu Toyen und Gherasim Luca u. a. Theoretische Positionen behandeln: die psychoanalytische Rolle des Todestriebs (Freud, Zupancic) und einer anti-ödipalen Ästhetik (Luca, Deleuze/Guattari), die sexuelle Kodierung des Visuellen (Lacan, Rose) und seine Warenform (Gorsen), den anti-sozialen Affekt von Sexualästhetik (Edelman/Berlant), sowie queere Sexualästhetik (Preciado) und ihre (kolonialen) Grenzen (Spillers, Rosenberg) u. a. 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers (3–5 Seiten) für Modul E.01.09 oder einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten) für Modul E.02.09

 
Blockseminar Ästhetiken der Revolte (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle 

Raum E.O1.23, E.ZG.04 (13.07.), Akademiestr. 4
Zeit Freitag 10.00–16.00 Uhr, Beginn: 08.06.2018, weitere Termine 15.06., 22.06., 06.07., 13.07.  
Kontakt/Anmeldung bis 22.04.2018 unter muhle@adbk.mhn.de

Das Seminar möchte ausgehend von historischen und zeitgenössischen Texten, die sich mit Fragen der Revolte, des Aufruhrs, des Aufstandes, der Erhebungen auseinandersetzen (und diese von historischen „Revolutionen“ unterscheiden), nach deren Ästhetiken fragen: d. h. einerseits nach der künstlerischen Wiedergabe oder Repräsentation dieser aufständischen Momente, andererseits aber auch nach der Rolle, die ästhetische Praktiken (Bildende Kunst, Film, Musik...) für und in der Revolte spielen und gespielt haben. Ein Schwerpunkt ist dabei die Studentenrevolte von 68 besonders in Deutschland und Frankreich und die damit assoziierten künstlerischen Strömungen; darüber hinaus sollen aber auch andere Momente der Revolte in den Blick genommen werden, die dem Mythos 68 entgehen oder entgegenstehen (z. B. die Aufstände in den Pariser Banlieues oder die Londoner „riots“, Schwarzer Block) und einen Moment des Plebejischen und der Ambivalenz offenlegen, der normativ nicht umstandslos eingehegt werden kann. Die Sitzungen bestehen daher aus der Lektüre und Diskussion klassischer und zeitgenössischer Texte (Karl Marx, Hannah Arendt, Michel Foucault, Alain Brossat, Bini Adamczak, Geoffroy de Lagasnerie, Das unsichtbare Komitee u. a.) und der Sichtung und Diskussion künstlerischer und filmischer Arbeiten u. a. von Bernadette Corporation, Claudia von Alemann, Chris Marker, Gabriel Périot.

In Zusammenarbeit mit dem Seminar „Tropicália“ (Frauke Zabel) finden am 15. und 19.06. zwei gemeinsame Workshops mit Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro) und Thiago de Paula Souza (São Paulo) im Lothringer13_Florida statt.  

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 
Seminar Re/Dissolution (Modul E.02.09)
Sebastian Althoff, M. A.  

Raum E.O1.23, A.EG.01 (28./29.06.), Akademiestr. 2–4
Zeit Dienstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 17.04.2018, 
weitere Termine 08.05., 15.05., 29.05., 12.06., 19.06., 28./29.06. (Workshop), 03.07.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 unter althoff@adbk.mhn.de

Der Workshop „Re/Dissolution“, der vom 28.–29.06. stattfinden wird, versammelt Künstler/innen und Theoretiker/innen zur doppelten Bedeutung des Wortes „Auflösung“: Einerseits der Auflösung eines Bildes (Resolution), andererseits im Sinne des Sich-Auflösens (Dissolution), etwa von Zucker in Wasser oder von Objekten oder Details, die mit dem Hintergrund verschmelzen. Im Bild verbindet sich diese doppelte Bedeutung, denn mit deren immer größeren Auflösung, die sich in einer hohen Pixeldichte und einer „High Definition“ zeigt, geht auch ein anderer Auflösungsprozess einher, wenn einzelne Pixel immer weniger sichtbar werden, weil sie in den Millionen Pixel um sie herum untergehen. Diese doppelte Bedeutung weist damit auf den Verlust in einem Prozess hin, der sich als größtmöglich inklusiv gibt, wo ein Mehr an Pixeln zu einem Mehr an Details führt. Dieser Verlust lässt sich etwa in der Überwachung nachverfolgen, wo Gesichtserkennungssoftwares oft Probleme haben, Menschen mit dunkler Haut zu erkennen oder asiatische Nutzer/innen beim Selfie eine Erkennung auslösen, die sie fragt, ob sie blinken. Hito Steyerls Videoinstallation „HOW NOT TO BE SEEN“ (2013) lässt aber gleichzeitig die Möglichkeit erahnen, gerade durch Auflösung der Überwachung zu entgehen. Etwa in der dritten Lektion, die lehrt, unsichtbar zu werden, indem man so klein wie ein Pixel und so selbst Teil des Bildes wird. Passend dazu sieht man Performer als Pixel verkleidet – mit weißen, grauen oder schwarzen Würfel über die Köpfe gezogen – vor einem „resolution target“ in der kalifornischen Wüste tanzen. Auch der Glitch bietet sich in diesem Sinne an, so etwa in der Glitch Art, in der kaputte digitale Bilder als Mittel gedacht werden, die inhärente Prozessualität des Digitalen als unordentliche oder schmutzige Übertragung zu denken. 

Das Seminar soll als Vorbereitung auf den Workshop dienen und soll u. a. Texte von den Vortragenden (eingeladen sind etwa Simone Niquille, Legacy Russell oder Antoinette Rouvroy) behandeln. 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 
Seminar „Tropicália“: Perspektivwechsel 68
Frauke Zabel, M. A. (Lehrbeauftragte)

Das Seminar findet in Kooperation mit dem Lothringer13_Florida, Kunstraum der Stadt München statt.
Raum E.ZG.04, E.O1.23 (15.06.), Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–17.00 Uhr, Beginn: 04.05.2018, 
weitere Termine 18.05., 23.–25.05. (Exkursion nach Frankfurt), 01.06., 15./19.06. gemeinsame Termine mit dem Seminar „Ästhetiken der Revolte“ (Maria Muhle)
Kontakt/Anmeldung bis 22.04.2018 unter fraukezabel@gmx.de

Das Seminar betrachtet die brasilianische „Tropicália“-Bewegung als Beispiel einer Gegenkultur, welche sich zeitgleich zur 68er Bewegung des globalen Nordens unter anderen politischen, sozialen und kulturellen Vorzeichen entwickelte. Die Aktualisierung der Idee des Anthropophagen durch den Rückgriff auf das „Anthropophage Manifest“ (1928) von Oswald de Andrade geschah zur Zeit der sich verschärfenden Militärdiktatur in Brasilien. Ausgehend von der gleichnamigen Installation „Tropicália“ des Künstlers Hélio Oiticica fand die Bewegung im Bereich Film, Theater, Kunst und Dichtung statt. Der hier entstandene fluide und hybride Kulturentwurf der Tropikalisten scheint seit den 60er Jahren kaum an Aktualität verloren zu haben, wird er doch in regelmäßigen Abständen aufgegriffen und ist momentan Ausgangspunkt vieler Diskussionen. 

Unter starkem Praxisbezug werden einige dem Begriff Tropikalismus zugeschriebene Praktiken in Film, Theater, Kunst (Schwerpunkt Performance), Literatur und Musik sowie deren Aktualisierungen betrachtet. Neben weiteren künstlerischen Beispielen werfen wir einen Blick auf das Teatro Oficina in São Paulo, die Praxis von Hélio Oiticica, Lygia Clark, Lygia Pape und Glauber Rocha. Texte u. a. von Oswald de Andrade, Mario de Andrade, Suely Rolnik/Felix Guattari und Viveiros de Castro bilden die Grundlage für die Auseinandersetzung.

Es besteht die Möglichkeit einer gemeinsamen Exkursion nach Frankfurt zur Tagung „Das Andere 68 – Anthropophage Revolutionen in der brasilianischen Gegenkultur nach 1968“ vom 23.–25. Mai.

Das Seminar endet mit zwei gemeinsamen Workshops (15. und 19.06.2018) mit dem Seminar „Ästhetiken der Revolte“ (Maria Muhle) im Lothringer13_Florida, zu dem Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro) und Thiago de Paula Souza (São Paulo) eingeladen sind.

 
„Wo Es war, soll Ich werden“ – Kermit the Frog
Tonio Kröner, M. A. (Lehrbeauftragter)

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 13.30–16.30 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 11.04.2018, 
weitere Termine 25.04. (doppelter Termin: 13.30-19.30 Uhr), 23.05., 06.06., 20.06.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 an tonio.kroener@museum-brandhorst.de

Cartoons schildern eine Welt ohne Humanismus. In der gezeichneten Welt ist alles aus dem gleichen Stoff. Dieser instabil differenzierte Kosmos bekundet eine dynamische Beziehung zwischen Figur und Grund. Er kann seine menschlichen Betrachter/innen nur an ihre Lächerlichkeit erinnern, oder an ihren Tod. Dieses Reich der Toten hat jedoch eine kompensatorische Wirkung: es ist die Sphäre der Mehr-als-Lebendigen, von Gespenstern mit übertrieben viel Energie und dem verzweifelten Wunsch zu Kommunizieren. Cartoons, wie die Kunst, stehen gegenwärtig hoch im Kurs. Beide lassen uns diabolisch auflachen. Ihre Figuren sind, obwohl unendlich viel spezifischer und größer als das Leben, miserable Vertreterinnen autonomer Entitäten. Sie vereinen Individualität und Gleichheit in ihren Silhouetten, eine Wechselbeziehung, die wir Menschen tagtäglich herstellen und an der wir scheitern müssen.

Die Übung wird in Lektüre und Arbeitsbesprechungen, vor Werken der Studierenden und anderer Künstler/innen, diese Folie zur Betrachtung der humanistischen, kunst- und kulturgeschichtlichen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft erkunden.

 
Akademietexte – „Freiheiten der Kunst“
Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie/Hochdruck)

Raum Studienwerkstatt für Typografie/Hochdruck (Neubau E.ZG.12), Akademiestr. 4
Termine Dienstag, 17.04.2018 11.00 Uhr (erstes Treffen)
Anmeldung bitte bis zum 06.04.2018 an muhle@adbk.mhn.de

Die Publikationsreihe AKADEMIETEXTE, herausgegeben von Maria Muhle und Martin Schmidl, wird als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Arbeit an der Akademie fortgesetzt. Die im Wintersemester zusammen mit einer Gruppe Studierender angestoßene Arbeit an einer größeren Publikation zu den „Freiheiten der Kunst“ soll im Sommersemester weitergeführt werden: Im Ausgang von der weiterhin gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u. a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Um diese Fragen zu diskutieren und für die Publikation aufzuarbeiten, soll eine von den Studierenden kuratierte Vortragsreihe mit externen Gästen während der Jahresausstellung organisiert werden. Die Produktion der Publikation mit den Ergebnissen dieser Vortragsreihe sowie anderen Elementen (Chronologie, Kommentar der Studienordnungen, Interviews etc.) wird dann im Anschluss stattfinden und im Wintersemester 2018/19 abgeschlossen werden. 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen, an der Organisation der Vorträge, der grafischen Entwicklung und Umsetzung sowie dem Druckvorgang ist Voraussetzung für die Mitarbeit.

 
Kolloquium Philosophie 
Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Jenny Nachtigall

Raum E.O2.29 (17.05., 21.06.) und E.O1.23 (07.06., 05.07.), Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–20.00 Uhr, Beginn: 17.05.2018, 
weitere Termine 07.06., 21.06., 05.07.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v. a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie

Prof. Dr. Maria Muhle, Nisaar Ulama, M.A., Sebastian Althoff, M.A., Justin Lieberman (Lehrauftrag), David Weber (Lehrauftrag)

 

1. Die Kunst nach der Wahrheit. Politische Ästhetik und Post-Truth (Einführung in die Ästhetik – Vorlesung)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Freitag, 10h00–12h00

Beginn: 3.5.; wöchentlich

Raum E.O1.23, E.O2.29 (24.05.), E.ZG.04 (12.07.)

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.01.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter muhle@adbk.mhn.de

 

Im Jahr 2016 erklärt das Oxford English Dictionary „post-truth“ zum Wort des Jahres und gibt folgende Definition: „Relating to or denoting circumstances in which objective facts are less influential in shaping public opinion than appeals to emotion and personal belief.“ Die Vorlesung stellt zentrale Positionen der neueren Politischen Ästhetik (Rancière, Badiou, Menke, Rebentisch, Düttmann) vor und befragt diese vor dem Hintergrund der derzeitigen Diskussion um post-truth und das postfaktische Zeitalter in zweifacher Hinsicht: Was ist die Wahrheit von post-truth, was für eine Rolle spielt das Faktische und warum geraten diese Begriffe in Politik und Kunst derart unter Druck? Aber auch: Wie kann eine mögliche Antwort auf die Ausrufung des postfaktischen Zeitalters aussehen? Liegt diese Antwort in einem neuen Faktizismus und so auch in einer Rückkehr zu klar umrissenen Wahrheiten? Und damit auch in einer Verwerfung des Digitalen und seiner postfaktischen Techniken? Oder gibt es andere Möglichkeiten, sich künstlerisch und kritisch zu diesen Herausforderungen zu verhalten, wie sie in den vielzähligen Ausstellungen (bes. After the Fact im Lenbachhaus 2017) und Diskussionsveranstaltungen der letzten Jahre immer wieder versucht wurden zu skizzieren.

 

Zur Vorbereitung: Stephanie Weber, Matthias Mühling (Hg.), After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert. Eine Textsammlung zur Ausstellung, Lenbachhaus 2017; Lee C. McIntyre, „What is Post-Truth?“, in: Post-Truth, Cambridge: MIT 2018, S. 1–18.

 

2. Affective Turn: Positionen in Theorie, Literatur und Kunst

Prof. Dr. Maria Muhle und Vertr.-Prof. Dr. Julia Weber (Institut für Angewandte und Vergleichende Literaturwissenschaften, LMU München)

 

Donnerstag, 10h00–12h00

Beginn: 2.5.; wöchentlich

Raum Schellingstr. 3, Rückgebäude, UG, Zimmernummer: RU 104 b 

Freie Kunst FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter muhle@adbk.mhn.de

 

Die Verständigung darüber, was ein „Affekt“ ist und wie sich affektive Prozesse, Zustände oder Dynamiken adäquat beschreiben und theoretisch begründen lassen, hat in den letzten Jahren zu intensiven Diskussionen geführt. Wir werden uns dieser Debatte im Seminar anhand der gemeinsamen Lektüre ausgewählter theoretischer Schlüsseltexte aus dem Bereich der kultur- und medienwissenschaftlichen Affect Studies annähern. Unser Fokus liegt dabei zunächst auf den ontologischen Voraussetzungen des Affektbegriffs. Während Emotionen in der Regel Subjekten zugeschrieben werden, werden Affekte auf dynamische Verläufe und Wirkkonstellationen zwischen Körpern jeglicher Art bezogen. Um diese auf den ersten Blick vielleicht kontraintuitive, weil ohne jegliche Psychologie auskommende Konzeption zu verstehen, werden wir u.a. auf Spinozas Affektverständnis und dessen Weiterführung durch Bergson, Deleuze, Guattari oder Massumi rekurrieren, um sie in einem weiteren Schritt im Licht des gegenwärtigen sogenannten „affective turn“ in den Kunst-, Literatur- und Kulturwissenschaften nicht zuletzt auch unter gender- und queertheoretischen Perspektive zu beleuchten (Angerer, Voss, Thomas, Muñoz, Sedgwick u.a.).

Neben methodologischen Fragen (u.a. nach einer sinnvollen Abgrenzung zwischen Affekten, Gefühlen und Emotionen) wird uns vor allem die Frage nach der Produktivität von Affekttheorien für das Verständnis von affektiven Dynamiken bei der Rezeption von Kunstwerken beschäftigen. In der zweiten Hälfte des Seminars werden wir daher die verschiedenen Ansätze in medienvergleichender Perspektive auf ausgewählte literarische Texte und Werke der bildenden Kunst sowie Filme beziehen.

 

Erwartet wird die regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen.

Seminarlektüre: Die Texte zur gemeinsamen Lektüre werden rechtzeitig vor Beginn der Vorlesung in einem Reader bereitgestellt.

 

Zur Vorbereitung:

Melissa Gregg / Gregory J. Seigworth: The Affective Theory Reader. Durham / London 2010.

Jan Slaby / Christian von Scheve: Affective Societies. Key Concepts. New York 2019.

Hartmut Grimm: „Affekt“, Ästhetische Grundbegriffe, Bd. 1, Stuttgart/Weimar 2010, S. 16–49.

 

Hinweis: Das Seminar ist eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Akademie der Bildenden Künste München und der LMU.

 

3. Politischer Konstruktivismus. Zur Ästhetik und Operativität von Gesellschaftsbildern (Seminar)

Nisaar Ulama, M.A.

Freitag, 13h00–15h00; Beginn: 3.5.; wöchentlich

Raum E.O1.23, E.O2.29 (24.05.), E.ZG.04 (12.07)
Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter schulz@adbk.mhn.de

 

Die Verfasstheit politischer Gemeinschaften ist immer auch abhängig von den Bildern ihrer selbst. Erst die ästhetische Imagination lässt ein abstraktes politisches Konstrukt sinnlich erfahrbar werden. Metaphern, Symbole, Architekturen, Rituale oder Visualisierungen legen insofern nicht nur Zeugnis von Machtverhältnissen ab, sondern sind gleichsam deren Bedingung. Aus dieser Perspektive wenden sich zentrale politische Fragen – beispielsweise nach dem Verhältnis von Individuum und Masse, nach der Position eines Souveräns oder den Modi der Repräsentation – ins Ästhetische.

In dem Seminar wollen wir diese Fragen einer vor allem bildlichen Konstruktion von Kollektiven behandeln. Dabei soll die These verfolgt werden, dass es vor allem die Konstruktion eines künstlichen Körpers ist, welche die politische Imagination von der Neuzeit bis heute bestimmt.

Solche Körperkonstruktionen finden sich beispielsweise in Thomas Hobbes‘ Leviathan (1651) und dessen Frontispiz, der den Staat explizit als ‚künstlichen Automaten‘ vorstellt. Für Michel Foucault wiederum trat mit dem folgenden Zeitalter der Biopolitik ein neuer Kollektivkörper auf, der entlang ‚natürlicher Prinzipien‘ – nämlich solcher der neuen Disziplinen Biologie und Ökonomie – konstruiert wurde. Das ‚biopolitische Bild‘ soll demnach vor allem Operationen am Gesellschaftskörper ermöglichen, und so wird dieser in Tabellen, Graphen, Diagrammen und Karten vermessen. Exempel wie die Idee einer Staatstafel (1680) von Gottfried Wilhelm Leibniz sind insofern nichts anderes als Vorläufer heutiger Datenbanken und ihrem Phantasma eines kybernetischen Regierens.

Das Wissen über den Gesellschaftskörper zu visualisieren und es in die Utopien vom ‚neuen Menschen‘ zu integrieren, war auch für viele Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts anliegen. Paradigmatisch hierfür stand eine Allianz zwischen Konstruktivismus, Marxismus und Positivismus, welche seit den 1920er Jahren mit der Wiener Methode der Bildstatistik (später ISOTYPE) auf eine Demokratisierung von Wissen und der Emanzipation des Proletariats zielte. Vielleicht als deren visuelles Echo ließen sich Teile der zeitgenössische ‚Repräsentationskritik‘ auffassen, wie sie sich beispielsweise in den Arbeiten von Harun Farocki manifestiert.

Der Breite des Themas geschuldet, wird das Seminar ein sehr heterogenes Feld aus Wissensgeschichte, Medientheorie und Ästhetik bearbeiten, sowie durch Lektüre als auch durch Analyse von Bildmaterial.

 

4. Bilder trotz allem (Seminar)
Nisaar Ulama, M.A.

 

Dienstag, 10h00–14h00; Beginn: 30.4., zweiwöchentlich
Raum: E.O1.23, A.EG.01 (09.07.)
Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter schulz@adbk.mhn.de

 

„Dringend. Schicken Sie so schnell wie möglich zwei Metallfilmrollen für einen Apparat 6 x 9. Können Fotos machen. Wir schicken Aufnahmen aus Birkenau, die Gefangene auf dem Weg in die Gaskammer zeigen. Eine der Aufnahmen zeigt eine der Scheiterhaufen, auf dem man die Leichen unter freiem Himmel verbrennt […] Eine andere Aufnahme zeigt den Ort im Wald, wo die Häftlinge sich entkleiden, angeblich um eine Dusche zu nehmen. Danach werden sie in die Gaskammer geschickt. Schicken Sie die Filmrollen so schnell wie möglich. Senden Sie die beiliegenden Aufnahmen unverzüglich an Tell – wir sind der Meinung, daß man die vergrößerten Aufnahmen unbedingt weitersenden soll.“

 

Diese Nachricht lag vier Fotografien bei, die 1944 aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geschmuggelt wurden. Die Aufnahmen wurden gegen alle Wahrscheinlichkeit von Häftlingen angefertigt, die dem Betrieb der Gaskammern zugeteilt waren. Diese Fotos und der eindringliche Appel um Hilfe bei der Dokumentation stehen im Zentrum einer Debatte um die Darstellbarkeit des Unvorstellbaren: der systematischen Tötung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Regime. ‚Auschwitz‘ ist damit zum Chiffre geworden für die Frage, wie von einem solchen Ereignis Zeugnis abgelegt werden kann. Jedenfalls nicht, so eine Position, durch die vermeintliche Authentizität von Dokumentarmaterial. Wäre nicht jedes Bild ein unzulässiger Versuch Auschwitz zusammenfassen, „zu bewältigen und zum Abschluß bringen“ (Élisabeth Pagnoux)? Handelt es sich tatsächlich um „Bilder ohne Einbildungskraft“ (images sans imaginations), die, wie der Regisseur Claude Lanzmann erklärte, nicht nur nicht gezeigt, sondern sogar vernichtet gehörten? Oder befördert nicht gerade dieser Ikonoklasmus eine „wohlfeile Sakralisierung“ (Giorgio Agamben), die sich dem Verstehen verweigert? Dies war der Grund für Georges Didi-Huberman die Fotografien in seiner gleichlautenden Studie als „Bilder trotz allem“ zu bezeichnen.

Die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Zeugnissen wird uns im Seminar mit Fragen nach der politischen Einbildungskraft, zu Fetischisierungen und Bilderkriegen auch der Gegenwart führen. Neben Texten von u.a. G. Didi-Huberman, G. Agamben, H. Arendt, B. Latour und W.J.T. Mitchell werden wir immer wieder auf Bildmaterial aus und über Auschwitz zurückkommen.

 

5. Reproduktion, Zirkulation, Migration. Gegenwärtige Positionen der Ästhetik

David Weber (Lehrauftrag)

 

2. Mai, 13h00–17h00, 3. Mai 10h00–18h00 und 4. Mai 2019 10h00–16h00

Raum: E.EG.28

Vorrangig Diplomkandidat*innen im Sommersemester, Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, max. Teilnehmerzahl: 25; noch offene Plätze werden bei früher Anmeldung vergeben

Anmeldung bis zum 15. April 2019 unter weber.post@gmail.com

 

Das Blockseminar bietet eine schlaglichtartige Kartierung zeitgenössischer ästhetischer Theorie im Anschluss an prominente Positionen der Moderne und Postmoderne. Aufgegriffen werden Begriffe wie Reproduktion und Reproduzierbarkeit (Benjamin), der Medienspezifik (Greenberg, Fried, Krauss), der Dissemination (Derrida, Barthes) und des Simulakrums (Baudrillard, Deleuze), um ihre diskursgeschichtlichen Transfers in Theorieentwürfe nachzuzeichnen, die sich bemühen, spezifisch zeitgenössische Phänomene zu erfassen. Es geht dabei u.a. um die Verflüssigung und Entgrenzung der Reproduktion im Zeitalter digitaler Netzwerke, wo Aspekte der Dematerialisierung (Lucy Lippard) und der Rematerialisierung („Post-Digital“, Diana Coole) in einem eigentümlichen Double-Bind verschaltet sind. Schon spätestens in den 70er Jahren (Pictures, Crimp) hatte sich die gleißende Tiefe reproduzierter Oberflächen erwiesen; diese gewinnt unterdessen als Zirkulation in den Netzen eine veränderte Dynamik und propagiert Modifikationen im Status der Werke und Autorschaft (Joselit, Steyerl, Price). Gibt es also eine New Aesthetic (Bridle, Sterling, Manovich, Galloway) im Kontext eines post-postmodernen, millennialen Mindsets (New Sincerity, Foster Wallace, Tao Lin)? Die Globalisierung qua Datennetzen ist dabei nicht zu trennen von den Bewegungen der Kulturen, Waren und Menschen: Phänomene der Afro-isierung markieren, neben anderen, die Tatsachen verallgemeinerter Migration: Sei es modernistisch-optimistisch: Afro-Futurismus (Anderson, Delaney, Eshun); skeptisch-militant: Afro-Pessimismus (Sexton, Moten, Wilderson); oder post-Ferguson thetisch: This is … Afro-Surrealismus (Terri Francis, Donald Glover, Terence Nance).

 

6. Philosophy, Sophistry, Art, and Propaganda

Justin Lieberman (Lehrauftrag)

 

Dienstag, 10h00–14h00; Beginn: 7.5., zweiwöchentlich

Raum: E.O1.23 

Freie Kunst FK-T2

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter justinlieberman77@gmail.com

 

What is the relationship of art to propaganda, or ideology itself? What does it mean for a work of art to have a philosophical character, or a sophistical one? What is meant by the terms “negative” or “affirmative” when it comes to the practice of artmaking? Justin Lieberman will deliver a series of lectures outlining his thought on these subjects as it relates to particular works by Mike Kelley, The Center for Forensic Architecture, changes in the artistic usage of Brechtian alienation, and the philosophy of Alain Badiou. Some short readings will be required for proper comprehension of the material. In the final lecture, Mr. Lieberman will present a selection of his own work, and outline the process and circumstances under which they were created.

 

Mr. Lieberman will also be available for individually scheduled one-on-one-meetings and studio visits to discuss works in progress.

 

Das Seminar findet auf Englisch statt. Schriftliche Arbeiten (Reaktionspapier o. Ä.) können auch auf Deutsch eingereicht werden.

 

7. Kolloquium Philosophie – Akademietexte: Künstlerische Schreibszenen

Prof. Dr. Maria Muhle

Donnerstag, 13h00–17h00, zweiwöchentlich

Termine: 2.5., 16.5., 6.6., 13.6., 27.6., 11.7.

Raum E.O2.29, E.ZG.04 (6.6., 11.7.)

 

Ab diesem Semester wird das Kolloquium Philosophie mit der Arbeit an der Publikationsreihe AKADEMIETEXTE zusammengelegt. Ab Sommersemester 2019 erscheint das Magazin Akademietexte, das von den Studierenden herausgegeben wird und die aktuellen Debatten der Akademie wiedergibt, reflektiert und kritisch begleitet. Die erste Ausgabe befasst sich mit den Veränderungen an der Akademie durch die neue Studienordnung sowie mit der Genealogie der geltenden Lehrformen. Im Ausgang von der bis zum Oktober 2018 gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u.a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Die erste Ausgabe des Magazins fasst die Ergebnisse der Arbeiten, Diskussionen und Symposien im letzten Semester zusammen.

 

Dazu finden Lektüre- und Diskussionssitzungen statt, in denen der Begriff der künstlerischen Schreibszene zum Anlass genommen wird, um über das künstlerische Schreiben und Publizieren nachzudenken. Eine künstlerische Schreibszene kann sowohl das Schreiben als Kunst, das Schreiben über Kunst, das Schreiben mit Kunst, aber auch das Schreiben gegen Kunst meinen – in jedem Fall stellt sie einen spezifischen Bezug her zwischen einer künstlerischen Produktion und der Tätigkeit des Schreibens, sei es literarisches, poetisches, theoretisches, kritisches etc. Schreiben. Und es handelt sich jeweils um ein Schreiben, das seine Szene, d.h. die Bühne, das Atelier, den Klassenraum, also den Ort, das Milieu, in dem es entsteht, mit reflektiert und diskutiert.

 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen sowie am Herstellungsprozess des Magazins (Layout, Satz, Druck, Lektorat) ist Voraussetzung für die Mitarbeit. Anmeldung bitte bis zum 25. April 2019 an muhle@adbk.mhn.de

 

8. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)

Prof. Dr. Maria Muhle

Mittwoch, 10.00 – 14.00 Uhr; Termine: 29.5.2017, 10.7.2019

 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

 

Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter: muhle@adbk.mhn.de

 

Angesichts der unklaren Lage durch COVID-19 handelt es sich um ein vorläufiges Semesterprogramm. Wir bitten um Verständnis, dass sich viele Termin- und Formatfragen erst in den nächsten Wochen herauskristallisieren oder sich möglicherweise auch während des Semesters noch einmal ändern werden.

Die Anmeldung (und ggf. Abmeldung) zu den Lehrveranstaltungen erfolgt über das Studierendenportal. Hilfestellung bei Problemem mit der Anmeldung o.ä. finden Sie auf dieser Seite.

 

 

Von Aisthesis zu Ästhetik

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo (martinezmateo@adbk.mhn.de)

Vorlesung (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.01.09)

Donnerstag 11.00–13.00 Uhr (wöchentlich), Beginn: 30.04.2020

Die Veranstaltung wird (zunächst) online stattfinden. Teilnahme unter folgendem Link: 

https://meet.lrz.de/vorlesungaesthetikeinfuehrung

 

(Raum: E.O1.23, E.EG.22 (16.07.))

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Was ist Ästhetik? Diese Frage ist nicht nur deshalb unmöglich zu beantworten, weil „Ästhetik“ ein umkämpfter und deutungsabhängiger Begriff ist. Sie ist darüber hinaus auch historisch höchst spezifisch und selbst – nicht nur in der möglichen Antwort, sondern bereits in der Formulierung der Frage – Ergebnis einer historischen

Entwicklung, mit der das Ästhetische erstmals zu einem (philosophischen) Thema wurde. Bezog sich das alte Verständnis von Ästhetik (unter dem Begriff „Aisthesis“) eher auf Sinneswahrnehmung im Allgemeinen, lässt sich im 18. Jahrhundert ein Umbruch verzeichnen: Erstmals wurde Ästhetik mit einer besonderen Form der Erfahrung und einer besonderen Form des Ausdrucks in Verbindung gebracht, die sich von einer unmittelbar-unreflektierten, „natürlichen“ Form der Wahrnehmung unterschieden und darin philosophisch bedeutsam wurden.

Wie lässt sich dieser Umbruch beschreiben und was genau bedeutet er? Inwiefern geht die alte Bedeutung (in neuer Form) in den modernen Ästhetikbegriff ein und wo kommt dabei das Neue her? Zum Verständnis des „modernen“ Begriffs der Ästhetik ist es von wesentlicher Bedeutung, diesen Bruch genauer in den Blick zu nehmen, und zu verstehen, wie (und wogegen) sich dieser Begriff herausgebildet hat. Entscheidend ist dabei auch, den politischen Kontext zu berücksichtigen. Schließlich liegen diese begrifflichen Verschiebungen in einer Zeit revolutionärer Umbrüche – was Jacques Rancière zur Aussage gebracht hat, „die gesellschaftliche Revolution ist eine Tochter der ästhetischen Revolution“. Die Vorlesung wird entsprechend zwei Strategien verfolgen: Auf der einen Seite werden wir die zentralen philosophischen Texte der Zeit betrachten, an denen sich die Herausbildung eines neuen Begriffs der Ästhetik nicht nur zeigt, sondern teilweise auch explizit vorgenommen wird. Auf der anderen Seite werden wir aktuelle (bzw. aktuellere) Texte diskutieren, in denen dieser Umbruch reflektiert und in seiner historischen Bedeutung gedeutet wird. Am Ende der Vorlesung werden wir die Frage „Was ist Ästhetik?“ sicherlich nicht beantwortet, aber womöglich einen Eindruck davon bekommen haben, was in dieser Frage alles impliziert und angenommen ist.

 

Dekoloniale Ästhetik und Negritude

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo (martinez-mateo@adbk.mhn.de)

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Dienstag, 16.00–20.00 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 28.04.2020

Das Seminar wird als Kombination aus gemeinsam gestaltetem Blog und online-Diskussion stattfinden. Unter folgendem Link wird in der ersten Sitzung das Vorgehen besprochen und gemeinsam darüber entschieden

https://meet.lrz.de/negritude

 

(Raum: E.O1.23, E.EG.22 (14.07.))

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Was Ästhetik ist, was als schön gilt oder was es wert erscheint, in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen zu werden, ist geprägt durch eine Geschichte des Kolonialismus und eine Gegenwart rassistischer Verhältnisse. Nicht nur ist die Gültigkeit ästhetischer Kategorien eurozentrisch geprägt, sondern die Institution des Museums hat darüber hinaus an der Etablierung des Kolonialismus auch aktiv mitgewirkt – wie sich etwa an der aktuellen Diskussion um Restitution zeigt.

Diese Verwobenheit von Ästhetik und Kolonialismus wird im Zentrum des Seminars stehen. Dabei werden wir einerseits Ansätze in den Blick nehmen, die sich kritisch damit auseinandersetzen und sowohl die gängigen ästhetischen Kategorien als auch etablierte Kunst- und Ausstellungspraktiken aus dieser Perspektive in Frage stellen. Andererseits werden wir verschiedene künstlerische, theoretische wie politische Bewegungen diskutieren, die versucht haben (bzw. versuchen), durch eine neue Ästhetik diesen weißen Eurozentrismus zu durchbrechen, und darin auch eine anti-koloniale politische Praxis zu vollziehen suchen. Dazu gehört etwa die Negritude-Bewegung der 1930er Jahre, die in ihrem literarischen wie theoretischen Ausdruck einen Kampf um politische wie ästhetische Selbstbestimmung – um eine Neubestimmung dessen, was „schwarz“ sein bedeutet – sah (besonders bekannt sind hier etwa Aime Césaire, Léopolod Sédar Senghor oder Paulette Nardal). Die Negritude hat nicht nur eine Reihe von (teilweise äußerst kritischen) Diskussionen entfacht (hier sind etwa Frantz Fanon und Jean-Paul Sartre zu nennen), sondern auch die europäische Kunst der Zeit sichtbar beeinflusst. In aktuellen Ansätzen einer „black radical aesthetics“ werden diese Diskussionen gewissermaßen aufgegriffen, um – von dort ausgehend und gegen ihre Fallstricke – die Erfahrung des „Schwarzseins“ ästhetisch zu deuten, um nach widerständigen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. Dieser ästhetische Ausdruck wird zu einer politischen Positionierung und zu einem Mittel antirassistischer Kämpfe – aus einer Situation radikalen Ausschlusses heraus, in der jede politische Handlungsmöglichkeit abgeschnitten scheint (zentrale Ansätze sind hier etwa diejenigen von Fred Morten und Hortense Spiller).

In Auseinandersetzung mit diesen Positionen und Ansätzen wird das Seminar die Frage adressieren, wie eine dekoloniale Ästhetik aussehen könnte und welche Rolle die Kategorie „race“ dafür spielen müsste. Damit steht auch der Zusammenhang von ästhetischem Ausdruck und politischer Transformation ganz im Zentrum der Diskussion. Orientieren werden wir uns dabei an den drei genannten thematischen Blöcken: 1. Kritische Perspektiven auf Kolonialismus und Ästhetik; 2. Diskussionen um Negritude; 3. Black Radical Aesthetics.

 

Hannah Arendt – Denken ohne Geländer

Anne Gräfe, M. A. (graefe@adbk.mhn.de)

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

 

Das Seminar ist aufgrund der gegenwärtigen Situation als Home- und Onlineseminar geplant. Die Anmeldung erfolgt weiterhin über das Studierendenportal. Via Sync&Share werden Seminarplan, Medien, Links, sowie alle weiteren Informationen zur Verfügung gestellt. Der Link zu Sync&Share sowie zum Online-Konferenz-Raum wird in der ersten Vorlesungswoche via Mail an alle über das Studierendenportal registrierten Teilnehmenden versendet.

 

 

Die Exkursion nach Berlin (siehe unten) bleibt erst einmal wie geplant und wird je nach Entwicklung verschoben.

 

Bei Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen und daraus erfolgendem 'normalen' Akademiebetrieb:

Donnerstag 15.00–17.00 Uhr (wöchentlich); Beginn: 30.04.2020; Raum: E.EG.22, E.ZG.04 (16.07.)

 

Ein „Denken ohne Geländer“ nennt Hannah Arendt (1906 – 1975) ihre Methode des radikal unabhängigen Denkens, das frei von allgemeinen Glaubenssätzen, modischen Denkrichtungen, feststehenden Prinzipien, tradierten Normen und gängigen Vorurteilen ein selbstständiges, reflektiertes Urteilen ermöglicht und Fragen aufzuwerfen imstande ist, deren Aktualität auch in unserer Gegenwart ungebrochen erscheinen. So fragt Arendt beispielsweise angesichts der politischen Ereignisse ihrer Zeit, „Hat Politik überhaupt noch einen Sinn?“. Denn die Krisen der Welt lassen sich oft nicht mit herkömmlichen Erklärungsmustern deuten, noch ließe sich laut Arendt das Ereignis des Totalitarismus als ungebrochene Kontinuität begreifen. Das bedeutet, dass das Denken neu gelernt werden muss, „als wenn niemand zuvor gedacht hätte“. Das Seminar übt mit Arendt, „wie man denkt“, ohne „Vorschriften darüber, was gedacht werden soll oder welche Wahrheiten hochzuhalten wären“. Arendts Antwort auf ihre obige Frage ist denn auch: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“. Denn politische Freiheit, Freiheit überhaupt, ist für Hannah Arendt unabdingbar verknüpft mit dem, was Kant sensus communis nennt, Gemeinsinn. Der Gemeinsinn begründet einen stets offen zu haltenden Zwischenraum, in dem sich frei bewegt, gedacht, verhandelt und reflektiert geurteilt werden kann. 

Das Seminar wird jenes reflektierte Urteilen, das aus dem Denken ohne Geländer erwächst, anhand verschiedener Texte Hannah Arendts, u.a. zur Lage der Geflüchteten, zum Eichmann-Prozess, über Revolutionen, Feminismus, Studierendenbewegungen aber auch zu Philosophie und Politik, diskutieren und anhand eigener gegenwartsbezogener Fragen aktualiseren.

 

Exkursion:

Vom 27. – 29.05. wird es eine das Seminar begleitende Exkursion zur Ausstellung „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ im Deutschen Historischen Museum Berlin geben.

27.05. 15 Uhr: Besuch der Ausstellung inkl. Kuratorinnenführung + Abendveranstaltung zu Hannah Arendt und die Studierendenbewegung; mit Monika Boll (Kuratorin), Norbert Frei (Historiker, Uni Jena), Philipp Felsch (Kulturwissenschaftler HU), Mathias Schloßberger (Philosoph, Viadrina)

28.05. 16-20 Uhr: gemeinsamer Workshop am Institut für Kulturwissenschaft der HU zusammen mit dem Seminar „Links-Mitte-Rechts“ von Mathias Schloßberger, Europa-Universität Viadrina

29.05.: angefragter Vortrag * Diskussion zu "Hannah Arendt und der Populismus"

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, um vorherige Anmeldung wird gebeten unter graefe@adbk.mhn.de.

 

 

Gesellschaft in Überforderung

Anne Gräfe, M. A. (graefe@adbk.mhn.de)

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Das Seminar wird aufgrund der gegenwärtigen Situation nicht wie geplant als Präsenzseminar sondern in anderer Form stattfinden. Unter Sync&Share werden Seminarplan, Medien, Links, sowie alle weiteren Informationen zur Verfügung gestellt. Der Link zu Sync&Share sowie zum Online-Konferenz-Raum wird in der ersten Vorlesungswoche via Mail an alle über das Studierendenportal registrierten Teilnehmenden versendet.

 

Bei Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen und daraus erfolgendem 'normalen' Akademiebetrieb:

Freitag 10.00–14.00 Uhr (zweiwöchentlich);  Beginn: 08.05.2020; weitere Termine: 05.06., 12.06., 19.06., 03.07., 17.07.; Raum: E.O1.23, E.EG.22 (17.07.)

 

Die Ermüdung, Indifferenz oder gar Langeweile, die Betrachter/innen zeitgenössischer Kunst ereilt, kann als jene Art von Aufmerksamkeitsüberforderung verstanden werden, die man erleidet, wenn man versucht, ein Wörterbuch zu lesen (Sianne Ngai). Dass diese Überforderung in Langeweile umschlägt, diese Langeweile wiederum ein kritisches Potential entwickeln kann, soll im Seminar diskutiert werden.

Die Subjekte der Gegenwart unterstehen einem stetigen Aktualisierungsprozess, welcher sich nicht zuletzt in den Arbeiten der Gegenwartskunst niederschlägt. Wurde das Subjekt in der Vergangenheit noch fremdbestimmt und durch ein fremdes „Außen“ diszipliniert, hat sich das Subjekt der Gegenwart oft genug bereits diesen Anforderungen angepasst und Disziplinierung und Kontrolle finden von „Innen“ her statt (Michel Foucault): Die entgrenzten Arbeitsverhältnisse, in denen Flexibilität, ständige Erreichbarkeit und Selbstkontrolle vorausgesetzt werden, wo nicht mehr von 9 bis 5 sondern auf Projektbasis gearbeitet, Zeiterfassung in Vertrauensarbeitszeit und der Arbeitsplatz in Homeoffice umgewandelt wird, wirken sich also weiterhin auch auf das Subjekt der Gegenwart aus, indem sie dieses auch weiterhin „von außen“ disziplinieren. Aber darüber hinaus vollzieht sich innerhalb bestimmter Arbeitsbereiche eine Selbstdisziplinierung qua Anpassung, Autonomisierung und Flexibilisierung, die einer Inkorporierung dieser oben genannten entgrenzenden Anrufungen gleichkommt. In der Leistungsgesellschaft steigern die Subjekte der Gegenwart als „Homo oeconomicus“ (Ulrich Bröckling) ihre eigene Leistungsfähigkeit. Arbeit wird zu einem Lebensprojekt in dem sich Arbeitszeit und Lebenszeit nicht nur überschneiden sondern eins werden. So werden vermeintlich private Momente weiterhin als Optimierungszeit in Form von Sinnerfüllung und Auslastung der Lebenszeit genutzt. Die freie, leere Zeit muss mit Sinn erfüllt werden.

Wenn sich jedoch, trotz aller Bemühungen die Langeweile zu besiegen, gegenüber dem vermeintlich Interessanten und Informativen nicht Sinnerfüllung sondern Indifferenz und Lagenweile einstellen, weil die Überforderung zu groß wird, zeigt sich, wie nah beieinander das Interessante und das Langweilige liegen.

Welche Praktiken und Positionen in der Gegenwartskunst diesen depressiven Hedonismus (Marc Fisher) als neuen buddhistischen Geist des Kapitalismus (Greta Wagner) umsetzen, soll im Seminar neben verschiedenen Gegenwartsanalysen aus Philosophie und Sozialwissenschaft mitdiskutiert werden.

 

Kybernetik und Revolte

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Nisaar Ulama, M. A. (ulama@adbk.mhn.de)

Das Seminar wird auf das Semesterende verschoben. Texte zur Vorbereitung werden zu Semesterbeginn bereitgestellt. Anmeldung über das Studierendenportal (Teilnehmerbegrenzung).

 

Das Seminar ist nach einem Text des anonymen Autorenkollektivs Tiqqun betitelt. Verhandelt wird dort eine „kybernetische Hypothese“, nämlich die spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg vorherrschende Überzeugung, dass unsere „biologischen, physischen und sozialen Verhaltensweisen als voll und ganz programmiert und neu programmierbar“ zu betrachten sind.

Tiqqun reihen sich in eine Theorietradition ein, für die politische, technische, ästhetische und ökonomische Entwicklungen der Moderne nur als miteinander verschränkte Phänomene zu analysieren sind. Solche Theorien, von denen einige zu historischen Klassikern und prominenten Stichwortgebern der Kulturkritik geworden sind, sollen im Zentrum des Seminars stehen. Hierzu gehören u.a. Jean-François Lyotards Vorstellungen einer ‚postmodernen‘ Wissensgesellschaft; Paul Virilios Dromologie, der zufolge wir in einem ‚rasenden Stillstand‘ gefangen sind; oder Jean Baudrillards These einer Gesellschaft der Simulakren, in der Kunst und Politik tot sind, da die „Realität selbst […] mit ihrem eigenen Bild verschmolzen ist“. Gegenwärtig werden diese Kritiken von Denkerinnen wie Shoshanna Zuboff oder Luciana Parisi fortgeschrieben, die algorithmische Entscheidungsprozesse und die Totalität eines digitalen Überwachungskapitalismus analysieren.

Doch gibt es auch Stimmen, die auf ein emanzipatorisches Potential des Technischen beharren. Warten wir nicht schon zu lange auf eine befreite menschliche Natur irgendwo jenseits des Technokapitalismus? Das Kollektiv Laboria Cuboniks fordert in ihrem Xenofeministischen Manifest deswegen eine „Politik der Entfremdung“, um andere Realitäten zu ermöglichen: „If nature is unjust, change nature!“

Um die Frage nach gesellschaftlichem Wandel angesichts einer Ohnmacht des Politischen kreisen alle hier genannten Texte, und insofern markiert der Titel von Tiqqun ein Paradox: Lässt die Macht eines abgeschlossenen kybernetischen Systems überhaupt so etwas wie Revolte zu? Wird nicht jedes Außen durch sämtliche Informations- und Bildkanäle zu einem Innen? Ist, mit anderen Worten, alle Rhetorik von Subversion und Widerstand immer schon einberechnet und daher wertlos?

 

Ästhetik des Wahns. Perspektiven auf Kunst und Psychiatrie

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo (martinez-mateo@adbk.mhn.de)

Termine: 06.05. 17.00–19.00 Uhr, 05.06. 10.00–18.00 Uhr, 06.06. 10.00–18.00 Uhr.

Das Seminar wird möglicherweise verschoben. Nähere Informationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt. 

 

Raum: E.O2.29 (06.05.), E.EG.28 (05.06., 06.06.)

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Der Zusammenhang von Ästhetik und Wahnsinn ist vielschichtig und ambivalent. Das Ideal des Genies postuliert seine Nähe zum Wahnsinn, während die Zuschreibung als „psychisch krank“ zugleich einen Ausschluss – und darin auch eine Absprache ästhetischen Werts – beinhaltet (wie die Rede von „Patientenkunst“ nahelegt). Wenn Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen – wer gilt dann als genial und wer als wahnsinnig? Dass diese Aufteilung nicht zufällig und auch nicht unabhängig von Geschlechtszuschreibungen geschieht, lässt sich anhand einer Reihe historischer Beispiele diskutieren. So zeigt sich ein ambivalentes Verhältnis – nicht nur im Verhältnis von Ästhetik und Wahn, sondern auch im Verhältnis von Kunst und Psychiatrie. Auf der einen Seite gibt es eine Idealisierung des Wahns als eines „wahren“ Ausdrucks tiefer und unverfremdeter Innerlichkeit, die auch mit dem modernen Begriff der Ästhetik verbunden ist. Auf der anderen Seite bildet gerade diese Vorstellung – wie Foucault in Wahnsinn und Gesellschaft eindrücklich zeigt – historisch die Grundlage für die Herausbildung der Psychiatrie und die Etablierung eines repressiven sozialen Ausschlusses des Wahnsinns. Gibt es auf der einen Seite in der Kunst der Moderne, etwa im Surrealismus, eine Faszination für den Wahnsinn, sind auf der anderen Seite visuelle Methoden wie die Fotografie für die Erfindung der Hysterie (Georges Didi-Huberman) und anderer psychischer Krankheiten sowie ihrer Verwissenschaftlichung zentral gewesen. Wie lässt sich dieses Zusammenspiel begreifen? Wir wollen im Seminar verschiedene Stränge verfolgen, um das Verhältnis von Ästhetik und Wahn oder Kunst und Psychiatrie zu beleuchten. Zusätzlich zu den genannten Texten werden wir etwa Antonin Artaud, Friedrich Nietzsche, Luce Irigaray und Hubert Fichte lesen und uns auch Beispiele einzelner Künstler und Künstlerinnen anschauen, die die Erfahrung der Psychiatrie in ihre Arbeiten einfließen lassen.

Das Seminar wird in Kooperation mit dem Psychologen Prof. Dr. Sören Krach (Lübeck) und dem Psychiater und Kunsthistoriker Dr. Maurice Cabanis (Stuttgart) durchgeführt. Es soll aus zwei Blöcken bestehen: Zunächst wird ein Block an der Akademie stattfinden, an dem wir uns anhand von Textdiskussionen dem Thema nähern. Der zweite Block wird eine Exkursion sein, bei der wir die „Sammlung Prinzhorn“ in Heidelberg besuchen, welche die weltweit größte Sammlung künstlerischer Arbeiten von Menschen mit „psychischen Ausnahme-Erfahrungen“ darstellt. Hier sollen die ausgestellten Werke vor dem Hintergrund der Frage des Seminars diskutiert, sowie Form und Rahmung der Ausstellung selbst zum Thema gemacht werden.

 

Reproduktion, Zirkulation, Migration. Gegenwärtige Positionen der Ästhetik

Lehrauftrag

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4)

David Weber (weber@adbk.mhn.de)

Termine: 14.05. 14.00–18.00 Uhr, 15.05. 10.00–18.00 Uhr, 16.05. 10.00–16.00 Uhr

Das Seminar wird möglicherweise online stattfinden. Nähere Informationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt.

Raum: E.O2.29

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Das Blockseminar bietet eine schlaglichtartige Kartierung zeitgenössischer ästhetischer Theorie im Anschluss an prominente Positionen der Moderne und Postmoderne. Aufgegriffen werden Begriffe wie Reproduktion und Reproduzierbarkeit (Benjamin), der Medienspezifik (Greenberg, Fried, Krauss), der Dissemination (Derrida, Barthes) und des Simulakrums (Baudrillard, Deleuze), um ihre diskursgeschichtlichen Transfers in Theorieentwürfe nachzuzeichnen, die sich bemühen, spezifisch zeitgenössische Phänomene zu erfassen. Es geht dabei u.a. um die Verflüssigung und Entgrenzung der Reproduktion im Zeitalter digitaler Netzwerke, wo Aspekte der Dematerialisierung (Lucy Lippard) und der Rematerialisierung („Post-Digital“, Diana Coole) in einem eigentümlichen Double-Bind verschaltet sind. Schon spätestens in den 70er Jahren (Pictures, Crimp) hatte sich die gleißende Tiefe reproduzierter Oberflächen erwiesen; diese gewinnt unterdessen als Zirkulation in den Netzen eine veränderte Dynamik und propagiert Modifikationen im Status der Werke und Autor*innenschaft (Joselit, Steyerl, Price). Gibt es also eine New Aesthetic (Bridle, Sterling, Manovich, Galloway) im Kontext eines post-postmodernen, millennialen Mindsets (New Sincerity, Foster Wallace, Tao Lin)? Die Globalisierung qua Datennetzen ist dabei nicht zu trennen von den Bewegungen der Kulturen, Waren und Menschen: Phänomene der Afroisierung markieren, neben anderen, die Tatsachen verallgemeinerter Migration: Sei es modernistisch-optimistisch: Afro-Futurismus (Anderson, Delaney, Eshun); skeptisch-militant: Afro-Pessimismus (Sexton, Moten, Wilderson); oder post-Ferguson thetisch: This is … Afro-Surrealismus (T. Francis, D. Glover, T. Nance).

 

(Un)Writing gender / Schreiben und Geschlecht

Lehrauftrag

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik E.02.09)

Dr. des. Hanna Sohns (hanna.sohns@romanistik.uni-muenchen.de)

 

Das Seminar wird wahrscheinlich auf Juni verschoben. Weitere Informationen folgen!

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Geschlecht ist nicht, zumindest niemals ausschließlich, eine rein natürliche Kategorie. Geschlecht ist das, was in unzähligen Texten, Erzählungen und Imaginationen hervorgebracht wird. Dabei ist die Bestimmung des Männlichen im Verhältnis zu dem, was Freud das zu allen Zeiten gestellte „Rätsel der Weiblichkeit“ genannt hat, Gegenstand eines lange Zeit rein männlich geführten Diskurses. Weiblichkeit wird hier vor allem zur „Kastration“ des Männlichen und ist von einer Bestimmung männlicher Identität nicht zu trennen. Die Erschütterung dieser Verhältnisse durch die feministische Kritik rüttelt so auch nicht nur an dem Verständnis dessen, was Weiblichkeit ‚ist‘, sondern hat grundlegende Konsequenzen für das Verhältnis und das (Selbst-)Verständnis von Geschlechtern.

Die Forderung nach der Stärkung weiblicher Künstlerschaft ist zentraler Bestandteil gegenwärtiger Debatten und stellt auch die institutionellen Strukturen und Abläufe des Kunstbetriebs grundlegend infrage. Das Potential dieser Forderung besteht aber nicht nur in einer bloßen Verschiebung von Machtverhältnissen, was gewiss schwierig genug ist. Noch etwas anderes könnte und müsste hier verstärkt befragt werden und ist doch in der gegenwärtigen Debatte teils auffallend wenig reflektiert: In welchem Verhältnis steht die eigene Künstlerschaft und besonders das Schreiben überhaupt zu geschlechtlichen / körperlichen Erfahrungen? In welchem Verhältnis steht das Schreiben zu den jahrhundertealten Imaginationen von Geschlechtern?

Das Seminar möchte diesen und damit verbundenen Fragen anhand der Lektüre von verschiedenen theoretischen und literarischen Texten nachgehen (insbesondere von Ovid, Sigmund Freud, Simone de Beauvoir, Luce Irigaray, Silvia Bovenschen, Klaus Theweleit, Judith Butler, Chris Kraus, Virginie Despentes, Sheila Heti). Zusätzlich ließe sich für diese gemeinsame Auseinandersetzung auch – sofern Interesse besteht – die eigene Kunstproduktion und hier v.a. die eigene Schreibpraxis in den Blick nehmen.

Das Seminar versteht sich als gemeinsame Diskussion und als Einführung in ein Nachdenken über Geschlechtertheorie und Geschlechterverhältnisse in ihrer Beziehung zur künstlerischen / literarischen Produktion und setzt keine theoretischen Vorkenntnisse voraus.

 

Futurismen: Politik und Ästhetik der Zukunft

Forschungskolloquium Philosophie

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo und Anne Gräfe, M.A.

Mittwoch 17.00–21.00 Uhr,  Beginn: 29.04.2020

Termine: 06.05.; 20.05.; 03.06.; 17.06.; 01.07.; 15.07.

Das Kolloquium wird (zunächst) online stattfinden. Unter folgendem Link wird in der ersten Sitzung das Vorgehen besprochen und gemeinsam darüber entschieden:

https://meet.lrz.de/kolloquiumphilosophieadbk

 

(Raum: E.ZG.04 (22.04.), E.O2.29 (29.04., 13.05., 17.06.), E.EG.22 (27.05.), E.O1.23 (24.06., 08.07.))

 

Was für eine Art von ästhetisch-politischer Kategorie ist „Zukunft“? Was bedeutet und was impliziert es, sich auf die Zukunft zu berufen? Offenbar kann „Zukunft“ nicht nur sehr unterschiedliches meinen, sondern auf sehr unterschiedliche Weise eine wirksame Kategorie sein.

Der italienische Futurismus der 1910er und ‘20er Jahre fordert eine Befreiung der Kunst von ihrer nostalgischen Bindung an die Vergangenheit, um sich durch die volle Entfaltung kreativer Energien in „Schöpfung und Tat“ der „Zukunft“ zu öffnen, worin eine deutliche – und in ihrem Verlauf immer explizitere – Nähe zum Faschismus lag. Von einer Modernisierung der Kunst wollte man zu einer Politik übergehen, die „gewalttätig“, „freiheitlich“, „dynamisch“ und von der „Schönheit“ des Krieges und der Gefahr geleitet sei. Wenn heute der sogenannte „Akzelerationismus“ ebenfalls verspricht, die Zukunft zurückzuholen, so ist damit explizit ein anderes politisches Programm gemeint, das sich als antikapitalistisch und emanzipatorisch versteht. Dennoch gibt es hier klare Bezüge zum historischen Futurismus, die sich insbesondere in der Kategorie der „Zukunft“ zeigen. Das Beispiel des „Afrofuturismus“ zeigt, dass die fiktive Bezugnahme auf eine utopische, aber nicht konkret bestimmbare, Zukunft auch die Möglichkeit öffnet, über schlechte – rassistische – Verhältnisse hinauszudenken. Eine solche Zukunft ermöglicht eine antirassistische Politik, in der die Kategorien und Identitäten, gegen die man sich wehrt, nicht festgeschrieben werden. Auf der anderen Seite verdeutlicht die – kritisch gemeinte – Kategorie „Reproductive Futurism“ (Lee Edelman), wie die Zukunft zu einer unhinterfragbaren normativen Instanz werden kann (etwa in der Rede von den „zukünftigen Generationen“), durch die jede politische Handlungsfähigkeit in der Gegenwart begrenzt wird. Es stellt sich von hier aus unmittelbar die Frage, inwiefern sich dies auch über die Bezugnahme auf die Zukunft in der „Fridays for Future-Bewegung“ sagen lässt. Darüber hinaus verbindet sich mit der Kategorie „Zukunft“ stets auch der strategische Anspruch von Verbesserung, Optimierung, Fortschritt – Kategorien, die ihrerseits stark neoliberal geprägt wurden und mittlerweile in sämtliche Gesellschaftsbereiche hineinragen.

„Zukunft“ bedeutet eine Öffnung, eine Unbestimmtheit, die Hoffnung auf eine Bewegung der Veränderung, in der die Gegenwart zur Vergangenheit geworden ist. Dass dies in gänzlich unterschiedlicher Weise geschehen kann und sowohl auf ein utopisches Moment verweisen als auch repressiv und zerstörerisch funktionieren kann, soll im Oberseminar diskutiert werden. Indem wir uns mit verschiedenen hier genannten „Futurismen“ auseinandersetzen, versuchen wir die verschiedenen Stränge, Bedeutungsdimensionen und internen Ambivalenzen im Zukunftsbezug zu verstehen und zu systematisieren. Zwei der Sitzungen (13.05. und 17.06.) fungieren als Doktorand_innenkolloquium, in denen zukünftige Dissertationen, Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte besprochen werden.

 

Forschungskolloquium (für Masterabsolvent_innen, Doktorand_innen und Post-Doktorand_innen)

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo; Anne Gräfe, M.A.

Mittwoch, 17.00 – 21.00 Uhr; Termine: 13.5.2020, 17.6.2020

Das Kolloquium wird wahrscheinlich im Sommer als Blockveranstaltung stattfinden. Nähere Informationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt. 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

Teilnahme nach vorheriger Anmeldung unter: graefe@adbk.mhn.de

 

 

Full Surrogacy Now

Lehrauftrag der Frauenbeauftragten

Yana Thönnes (yanaevathoennes@gmail.com)

Das Seminar wird auf das Wintersemester 2020/21 verschoben.

 

 

 

Studientag "Materialität der Maschinen"

Nisaar Ulama, M.A. (ulama@adbk.mhn.de)

Mit Dr. Anna Fricke (Museum Folkwang Essen) und Lena Sophie Trüper, M.A. (DFG-Graduiertenkolleg "Das Wissen der Künste", UdK Berlin)

Entfällt

 

 

Leistungsnachweise für alle Veranstaltungen des Lehrstuhls für Philosophie:

Für Modul Kunstpädagogik E.01.09 und Freie Kunst FK-T2 regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers oder Essays (3 bis 5 Seiten);
für Modul Kunstpädagogik E.02.09 und Freie Kunst FK-T4 regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten).

Die Veranstaltungen von Prof. Dr. Marietta Kesting (Medientheorie) können ebenfalls als Philosophie-Scheine angerechnet werden. Siehe aktuelles Semesterprogramm des cx.

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle, Jenny Nachtigall, M. A., Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 18.00–21.00 Uhr, 14-tägig, Beginn: 14.10.2014, weitere Termine: 28.10., 11.11., 18.11., 09.12., 16.12.2014 und 21.01.2015 (einmalig Mittwoch)
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten, die das Herzstück des Kolloquiums darstellen, spielt die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur künstlerischen Arbeit der Studierenden haben, eine zentrale Rolle. Die Texte werden von den Studierenden und Lehrenden gemeinsam ausgewählt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Zuletzt bietet das „Kolloquium Philosophie“ konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden.

 

Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis, ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt. Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

 

Seminar Ästhetische Positionen der Gegenwartskunst (auch Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 14.10.2014
Kontakt nachtigall@adbk.mhn.de

 

Was die Kunst der Gegenwart und die Gegenwart der Kunst ausmacht, sind Fragen, die seit einigen Jahren im Zentrum ästhetisch-politischer Diskussionen stehen. Geht mit dem Anspruch auf Zeitgenossenschaft auch eine verstärkte politische Relevanz der Gegenwartskunst einher oder korreliert die Fokussierung auf die Gegenwart mit einer der Immanenz verschriebenen, geschichtsvergessenen Zeit? Ausgehend von diesen und anderen Fragen aktueller Diskussionen (e-flux journal 2009/10, October 2009, Texte zur Kunst 2009), widmet sich dieses Seminar ästhetischen Positionen der Gegenwartskunst. Ziel ist es, einerseits einen Überblick über verschiedene Theorien zeitgenössischer Kunst (Rancière, Osborne, Rebentisch u.a.) sowie einen Einblick in deren philosophische Fundamente zu vermitteln (Kant, Adorno, Deleuze u.a.). Zum anderen sollen die im Seminar behandelten Theorien anhand von künstlerischen Praktiken diskutiert und gegebenenfalls auch kritisiert werden. Zentrale Fragestellungen betreffen dabei das Verhältnis von Geschichte, Gegenwart und Aktualisierung, Möglichkeiten und Grenzen einer Politik der Kunst, sowie die Funktion und Rolle von alten und neuen Medien in künstlerischen Praktiken.
Zur Vorbereitung: Juliane Rebentisch, „Theorien der Gegenwartskunst. Zur Einführung“, Hamburg: Junius, 2014.

 

 

 

 

Seminar Philosophie der Choreographie (auch Modul E.02.09)
Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 10.00–14.00 Uhr, 14-tägig, Beginn: 15.10.2014, weitere Termine: 29.10., 12.11., 19.11., 10.12., 17.12.2014 und 21.01.2015
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Tanz als „reine“ Bewegung und Metapher für das Denken war lange die wohl theorieresistenteste Kunstform überhaupt, obwohl bereits in den 1960ern Yvonne Rainer und andere Mitglieder des legendären Judson Church Theatre mit dem bis heute dominierenden, kinästhetischen Paradigma brachen und sich an anderen Künsten, in erster Linie der Bildenden Kunst, orientierten, um alternative Ästhetiken zu entwickeln. Hiervon sicherlich geprägt, zeichnet sich innerhalb der Choreographie seit Mitte der 1990er und vehementer sogar in den 2000ern eine noch weitreichendere Hinterfragung des modernistischen Erbes ab: Während Tanz demnach allein die Tätigkeit rhythmisch bewegter Körper in Raum und Zeit bezeichnet, öffnen ihn dagegen so verschiedene Akteure wie bsp. Jérôme Bel, Jonathan Burrows, Boris Charmatz, Alice Chauchat, Bojana Cvejić, Mette Ingvartsen, Thomas Plischke, Mårten Spångberg, Petra Sabisch, Tino Sehgal oder Xavier le Roy gegenüber heterogenen Problematiken, Verfahrensweisen und Tätigkeitsformen.
Ihnen gemeinsam war von Anfang an und ist nach wie vor die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Philosophie als festem Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Zunächst kamen neue Konzepte von Choreographie und Tanz in Auseinandersetzung u.a. mit Roland Barthes Überlegungen zum „Tod des Autors“, dekonstruktivistischen Ansätzen und dem sogenannten „performative turn“ auf, während für andere eher das Denken von Gilles Deleuze und Félix Guattari von zentraler Provenienz war. In den 00ern erhalten dann Affektheoretiker wie Brian Massumi und zuletzt, in den 10ern, eine unter dem geschickt platzierten Label des Spekulativen Realismus versammelte Strömung Einzug, um die Praktiken von Performance und Choreographie ebenso zu modifizieren wie in verschiedene Richtungen zu erweitern.
Das zweiwöchige und in je vierstündigen Blöcken organisierte Seminar adressiert alle an Performance und Choreographie interessierten Studierenden. Es startet mit einem Panorama über die Praktiken des Judson Church Theatre in den 60ern und dessen Beziehung zur Bildenden Kunst (Yvonne Rainer, Robert Morris etc.), um sich dann – darauf aufbauend – dem Verhältnis zwischen Performance, Philosophie und Choreographie seit den 90ern und bis heute zu widmen. Jede Sitzung beginnt mit einer gemeinsamen Videosichtung und -besprechung, an welche sich die gemeinsame Lektüre philosophischer Texte anschließt, die konstituierend für die Genealogie der jeweiligen Strategien und Stücke sind.

 

Für die Bereitstellung der Materialien in einer entsprechenden Dropbox schon für die erste Sitzung am 15.10.2014 wird um eine kurze Kontaktaufnahme per E-Mail gebeten.

 

 

 

 

Blockseminar Gilles Deleuze und die Theorie des Diagramms (auch Modul E.02.09)
Dr. Daniela Voss

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Termine Donnerstag, 15.01.2015, Freitag, 16.01.2015, Samstag, 17.01.2015 jeweils 10.00–16.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung vossdani@gmail.com

 

Was ist unter dem Begriff des Diagramms zu verstehen? In welchem Verhältnis steht es zu architektonischen Plänen, zu Karten und zu Graphen? In „Überwachen und Strafen“ gebraucht Michel Foucault den Begriff des Diagramms in seiner Analyse der Disziplinargesellschaft. Es bezeichnet dort ein architektonisches und optisches System, das ‚Panoptikum‘, das sich definiert durch eine Verteilung der Sichtbarkeiten (im Gefängnis: Sichtbarkeit der Gefangenen, Unsichtbarkeit der Wärter). In einem weiten Sinne jedoch stellt es für ihn eine politische Technologie dar, die man von ihrer spezifischen Verwendung lösen kann.
Deleuze entwickelt den Foucault’schen Begriff des Diagramms weiter. Das Diagramm ist für ihn eine abstrakte Maschine, die dem gesellschaftlichen Feld immanent ist und reine Kräfteverhältnisse ausdrückt. Diagramme treten im Plural auf: Sie können einander überlappen, einzelne Elemente weiterführen und verstärken, oder auch sich zuwiderlaufen. Das revolutionäre Diagramm ist ein Kontinuum oder ein Zusammentreffen von allem, was flieht, und das dem Disziplinardiagramm zu entrinnen sucht.
Welche Rolle spielt dieser philosophisch-technische Begriff in der Kunst? Wieso taucht er in Deleuzes Buch über Francis Bacon auf? Können wir mit dem Begriff anknüpfen an andere Beispiele in der Kunst?
Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Auseinandersetzung mit Deleuzes philosophischen Texten und die Diskussion seiner Theorie des Diagramms. Vor diesem Hintergrund suchen wir nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten dieses notorisch schwierigen Begriffs in den Künsten, v. a. in Architektur und Malerei.
Eine vorherige Anmeldung sowie die Übernahme eines Referats sind erforderlich.

 

 

 

 

Seminar Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts: „October“

(Modul E.01.09 und E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 22.10.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das Lektüreseminar behandelt zentrale Positionen der philosophischen Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts, ausgehend von der Konstellation um die 1976 in New York von Rosalind Krauss und Annette Michelson gegründete Zeitschrift „October“. Die in „October“ veröffentlichten kunstkritischen Texte befassen sich mit explizit zeitgenössischen Fragestellungen und verfolgen dabei einen genre- und medienüberschreitenden Ansatz, der sich v.a. darin zeigt, dass nicht nur Texte zur zeitgenössischen (bildenden) Kunst, sondern ebenfalls zu Film, Theater und Literatur veröffentlicht wurden und werden. Darüber hinaus wurde „October“ in den 1970er, 80er bis in die 90er Jahre zu einem der wichtigsten Rezeptionsinstrumente der Texte des so genannten französischen Post-Strukturalismus, die hier größtenteils zum ersten Mal auf Englisch veröffentlicht wurden (so bspw. in der ersten Ausgabe vom Frühjahr 1976 Foucaults berühmter Text zu Magritte, „Ceci n’est pas une pipe“ oder Deleuze einflussreiches Postskriptum über die Kontrollgesellschaft von 1990, im Winter 1992; aber auch Bataille). Erst über diesen amerikanischen Umweg fanden die Texte der französischen Autoren wiederum den Weg in die deutsche Diskussion. Anhand zentraler Texte der „October“-Herausgeber und -Autoren – neben Rosalind Krauss und Annette Michelson auch Douglas Crimp, Yve-Alain Bois, Hal Foster, Benjamin H.D. Buchloh, Craig Owens, David Joselit u.a. – soll diese Konstellation und ihre zentralen Begriffe – die emblematische Rolle von Fotografie und der Begriff des Index, der Komplex von Readymade, Museum und Institutionskritik, „Schicksal“ des Begriffs der Postmoderne, Appropriation Art, „postmedium condition“, das Informe bis hin zum Digitalen –, rekonstruiert werden sowie diskutiert werden, inwiefern die französische Theoriebildung des 20. Jahrhunderts, die sich zunächst selbst nicht als genuin ästhetisch verstanden hat, für ein spezifisches Verständnis von Ästhetik zentral geworden ist.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Referat, Ausarbeitung des Referats (3–5 Seiten) für Schein E.01.09 (Einführung), Hausarbeit (ca. 10 Seiten) für Schein E.02.09 (Vertiefung)

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O2.29 und E.O1.23 (nur Termin 15.10.2015), Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 15.10.2015, weitere Termine: 29.10., 12.11., 19.11.2015, 21.01.2016 und 04.02.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

Kunst und Historiographie - eine mimetische Konstellation (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A.

 

Seminar (S) + Ringvorlesung und Workshop (R+W)
Raum (S) E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit (S) Freitag 11.00–13.00 Uhr, Termine: 16.10., 30.10., 13.11., 20.11., 22.01., 05.02.
Zeit (R+W) Donnerstag 19.00 Uhr/Freitag 10.00–13.00 Uhr, Termine: 22.10./23.10., 26.11./27.11., 10.12./11.12., 14.01./15.01., 28.01./29.01.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Von der Auseinandersetzung mit der Geschichtlichkeit von Kunst und ihrer Historiographie bis zu Kunst als Historiographie: wie sich an den unterschiedlichen Ausstellungs- und Publikationsprojekten der letzten Jahre erweist, ist die Aktualität der Gegenwartskunst immer auch die Gegenwärtigkeit von (ihrer) Geschichte. Ausgehend von dem aktuellen Interesse an Kunst und Historiographie möchte dieses Lektüreseminar ihr Verhältnis als eine mimetische Konstellation neu in den Blick nehmen. In der Diskussion klassischer und zeitgenössischer Mimesis-Konzepte soll eine Genealogie der Mimesis erarbeitet werden, die nicht nur die Historisierung und Konzeptualisierung der (Gegenwarts)Kunst re-fokussiert, sondern auch umgekehrt die klassischen Kategorien von Mimesis und Historiographie selbst einer Aktualisierung unterzieht. Entgegen ihrer Reduktion auf eine möglichst exakte Nachahmung bzw. Nacherzählung werden Mimesis und Historiographie als operative Kategorien begriffen, die es zum einen erlauben, das duale Verhältnis von (geschichtlicher) Wirklichkeit und (künstlerischer) Darstellung zu hinterfragen; und zum anderen, die Form des künstlerischen Wirklichkeitsbezugs zu problematisieren. Neben der Lektüre einschlägiger Theorien (Platon, Benjamin, Adorno, Caillois, Owens, Joselit) wird sich das Seminar dementsprechend den mimetischen Produktions- und Repräsentationsformen künstlerischer Zugänge zu Geschichte und Gegenwart (Dokumentation, Appropriation, Reenactment, Aggregation etc.) und ihren ästhetisch-politischen Potentialen widmen.

 

Das Seminar findet begleitend zu der internationalen Vortrags- und Seminarreihe „Kunst und Historiographie – eine mimetische Konstellation“ statt (eine Kooperation mit dem Haus der Kunst).
Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten)

 

 

Seminar Die Aktualität des Schönen (Modul E.01.09 und E.02.09)
Dr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 16.00–19.00 Uhr, Beginn/Einführung: 14.10.2015, weitere Termine: 28.10., 25.11., 02.12., 16.12.2015, 13.01.2016, 27.01.
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Innerhalb der Ästhetik Immanuel Kants und deren weit verzweigtem Erbe gibt es von Anfang an eine unaufgelöste Spannung zwischen der ‚bloßen Form‘ des Schönen und der ‚Formlosigkeit‘ des Erhabenen sowie letztlich einen Konflikt zwischen Vernunft, Verstand und Einbildungskraft. Während die Problematik des Schönen in vielerlei Hinsicht die unterschiedlichen ‚Realismen‘ der Kunst des 19. Jahrhunderts mitgeprägt hat und auf eine allgemeine Darstellbarkeit abzielt, rückt mit den historischen Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich das Erhabene in den Vordergrund, während das Schöne dann abgewertet wird (Steven Shaviro). Obwohl es danach zu seiner Rehabilitierung durch so unterschiedliche Denker wie bsp. Herbert Marcuse, Hanna Arendt, Jürgen Habermas, Gilles Deleuze, Terry Eagleton, James Kirwan, Rodolphe Gasché oder Jeremy Gilbert-Rolfe kommt, wurden und werden das Schöne und seine Figurationen bisweilen heute noch mit einer entpolitisierten Harmonie der Vermögen in Zusammenhang gebracht. Demgegenüber lässt sich allerdings das genaue Gegenteil behaupten, nämlich dass in ihm Verstand und Einbildungskraft in einen produktiven Dissens treten, der auch politische Konsequenzen hat (Jacques Rancière).
Vor diesem Hintergrund sollen im Verlauf des Seminars – nach einer eingehenden Lektüre der ‚Analytik des Schönen‘ aus Kants „Kritik der Urteilskraft“ von 1790 – unterschiedliche Autoren gelesen werden, die sich im 20. und 21. Jahrhundert mit diesem so folgenreichen Text befasst haben. Stellvertretend für das Erhabene und als Gegenpositionen zur allgemeinen Darstellbarkeit, die im Schönen auf dem Spiel steht, werden v.a. die Positionen Theodor W. Adornos und Jean-François Lyotards dienen. Anhand aktueller Beispiele aus dem Bereich der Bildenden Kunst wird begleitend zur Textlektüre außerdem untersucht, wie im Feld der Praxis das Verhältnis zwischen einem (ästhetischen) Realismus und einer (erhabenen) Undarstellbarkeit skizzierbar sein könnte.

 

 

Blockseminar Das ästhetische Unbewusste, Psychoanalyse und Kunsttheorie

(Modul E.02.09)
Dr. Samo Tomšič

 

Raum E.EG.28 (erste Sitzung) und E.O1.23, Akademiestr. 4
Termine 13./14.11.2015 jeweils 12.00–15.00 Uhr, 11./12.12.2015 jeweils 15.00–18.00 Uhr,
08./09.01.2016 jeweils 12.00–15.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung tomsic.samo@gmail.com

 

Dass die Psychoanalyse Freuds einen unmittelbaren und wesentlichen Beitrag zum (Selbst-)Verständnis der Kunstpraktiken beisteuerte, wurde in Kunstkreisen früh wahrgenommen. Freuds Zeitgenossen aus verschiedenen modernistischen Bewegungen nahmen Bezug – ob befürwortend oder kritisch – auf einzelne Aspekte der psychoanalytischen Theorie des psychischen Apparats, der menschlichen Sexualität und der gesellschaftlichen Mechanismen. Die philosophischen Thematisierungen der psychoanalytischen Beiträge zur Kunsttheorie und Ästhetik folgten jedoch erst mit Verspätung. Jacques Lacans Lehre, in der er diverse Anbindungen der Psychoanalyse an andere Disziplinen und Bereiche der menschlichen Produktion entwickelte, hat zu diesen theoretischen Anwendungen am stärksten beigetragen.
Unter dem Titel „Das ästhetische Unbewusste. Psychoanalyse und Kunsttheorie“ wird das Seminar den Wert der Psychoanalyse für die daran anknüpfenden Diskussionen in der Ästhetik und der Kunsttheorie erforschen. Dies wird in zwei Schritten durchgeführt: Zuerst werden die Grundzüge der Freud’schen Theorie des Unbewussten diskutiert und im nächsten Schritt an die Lacan’sche Bild- und Sprachtheorie angebunden. Somit werden die Konturen einer psychoanalytischen Ästhetik sichtbar gemacht. Schließlich wird durch die Betrachtung einiger der wichtigsten theoretischen Konstellationen in der zeitgenössischen Ästhetik (Badiou, Rancière, Žižek) die Weiterentwicklung der psychoanalytischen Einflüsse auf die Kunsttheorie erforscht und zur Debatte gestellt.
Das Seminar wird in drei Blocksitzungen stattfinden. Die erste Sitzung (13. und 14. November 2015, 12.00–15.00 Uhr) wird den Grundlagen Freuds Theorie des Unbewussten gewidmet und wird durch die Lektüre seines „Witz“-Buches die Verbindung zwischen der psychoanalytischen Theorie der Produktion und der Theoretisierung der künstlerischen Praxis behandeln. Die zweite Sitzung (11. und 12. Dezember 2015, 15.00–18.00 Uhr) wird die Weiterentwicklungen der Freud’schen Grundbegriffe in der Psychoanalyse Jacques Lacans in den Fokus nehmen und insbesondere seine Objekt- und Bildtheorie ausführlicher behandeln. Schließlich wird eine dritte Sitzung (08. und 09. Januar 2016, 12.00–15.00 Uhr) einige der einflussreichsten ästhetisch-philosophischen Lektüren der Psychoanalyse behandeln und dadurch den anhaltenden Einfluss von Freud und Lacan in gegenwärtigen Diskussionen beleuchten.