Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft”
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2014/15)

 

16.12.2014

Besetzen der Zukunft

mit Frédéric Neyrat

 

Frédéric Neyrat

 

Der französische Philosoph Frédéric Neyrat ist Dozent für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität von Wisconsin-Madison und arbeitet zu ökologischer Politik, Bildtheorien und zeitgenössischem Denken. Er war Programmdirektor am College International de Philosophie und Mitglied der Cornell’s Society for the Humanities. Er gehört zum Herausgeberrat der Zeitschriften Multitudes, Lignes, Les CahiersPhilosophiques de Strasbourg und ist Mitbegründer von Exemple. Neyrat hat verschiedene Bücher veröffentlicht, darunter Biopolitique des catastrophes (2008) und Le communisme existentiel de Jean-Luc Nancy (2013). Sein jüngstes Werk, Atopies, eröffnet einen neuen Existentialismus, der den Stellenwert des vom zeitgenössischen Denken vernachlässigten Außen erneuert (http://atoposophie.wordpress.com).

Die Gegenwart der Zukunft (2014/15)

 

Die Zeit der Utopien scheint verstrichen zu sein. Bereits seit den 1980er Jahren hören wir kontinuierlich vom Ende der großen Erzählungen. Die daran anschließende Begeisterung für Heterogenitäten und Pluralitäten ging mittlerweile in einen Ermüdungszustand über, der in all seinen Wiederholungen und Rückschauen den Blick auf die Zukunft verstellt. Wie aber steht es mit der "Gegenwart der Zukunft"?
 
Das dritte Jahresthema des cx centrum für interdisziplinäre Studien fragt, welche Mittel und Wege Künstler/innen und Wissenschaftler/innen heute verfolgen, um ausgehend von aktuellen Bedingungen Handlungsspielräume für die Zukunft zu gewinnen – ohne in nostalgische Utopismen und apokalyptische Sensation zu verfallen. Wie schaffen verschiedene Disziplinen jenseits modernistischer Idealvorstellungen und romantischer Projektionen Potentiale für einen Wandel und für eine Imagination möglicher Zukünfte? Wie können sie, jenseits gegenwärtiger Routinen und Festlegungen, neue Freiheiten für die Gestaltung des Morgen erstreiten? Aktuelle Antworten hierauf reichen von der Offenheit eines Experimentalsystems und dem Einbezug von Kontingenz in wissenschaftliche Vorgehensweisen bis hin zu spekulativen und fiktiven Ansätzen in Philosophie, Kunst und Gestaltung.

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft”
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2014/15)

 

20.01.2015

Fiktionen des Zukünftigen

mit Liam Young

Der Architekt Liam Young beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Design, Fiktion und Zukünften. Mit Tomorrow’s Thoughts Today hat er einen Think Tank zu urbanen Zukünften gegründet, der die Möglichkeiten von fantastischen, spekulativen und imaginären Urbanismen untersucht. Hier werden spekulative Szenarien für die nahe Zukunft entwickelt, um die Folgen von sich abzeichnenden ökologischen und technologischen Zukünften zu erforschen. Daneben hat Young die Unknown Fields Division mitbegründet, ein mehrfach ausgezeichneter ‚nomadischer Workshop’, der jährliche Expeditionen zu abgelegenen Teilen der Welt unternimmt, um dort aufkommende Zukunftstrends zu ermitteln. Young forscht zudem im Rahmen von Lehraufträgen an der Architectural Association in London und als Gastprofessor an der Princeton University. Ferner koordiniert er Veranstaltungen und Ausstellungen, etwa die Multimedia-Serie Thrilling Wonder Stories, er war Kurator für die Architektur Triennale in Lissabon (2013) und schreibt als Contributing Editor für ICON magazine.

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft”
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2014/15)

 

28.01.2015

Futur(e) Mensch

mit Karin Harrasser und Johannes Paul Raether

 

Karin Harrasser ist Professorin für Kulturwissenschaft an der Kunstuniversität Linz. Nach einem Studium der Geschichte und der Germanistik schrieb sie ihre Dissertation an der Universität Wien und wurde an der Humboldt-Universität zu Berlin über Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne habilitiert. Neben ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten war sie an verschiedenen kuratorischen Projekten beteiligt, darunter bei der NGBK in Berlin, bei Kampnagel in Hamburg und am Tanzquartier Wien. Mit Elisabeth Timm gibt sie die Zeitschrift für Kulturwissenschaften heraus. Ihre jüngste Publikation, Körper 2.0. Über die technische Erweiterbarkeit des Menschen, ist 2013 bei transcript erschienen.

 

Johannes Paul Raether lebt und arbeitet in Berlin. Während des Studiums an der Universität der Künste Berlin arbeitete er in verschiedenen selbstorganisierten Projekten, unter anderem der Freien Klasse. Von 2006 bis 2011 war er Mitorganisator des Artist-run-space Basso und beteiligte sich an dessen kollektiven Performances. Zusammen mit dem Duo Discoteca Flaming Star organisierte er unterschiedliche Performanceprojekte und gab das Buch Zeig Her, Führ Vor, Tausch Ein. Performance—Art—Academy (2013) heraus. Seine Arbeiten und Performances wurden, u.a. im KUMU Art Museum, Tallinn (2010), National Centre for Contemporary Art, Ekaterinburg (2010), Tensta Konsthall, Stockholm (2010), NGBK Berlin (2011), Kunsthaus Bregenz (2012), Goethe-Institut Johannesburg (2012), KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2013), kaf, Theran (2013), District Berlin (2013) und Savvy Contemporary, Berlin (2014) präsentiert, sowie in Einzelausstellungen u.a in der Galerie September, Berlin (2011), im Künstlerhaus Stuttgart (2012), und in Ludlow 38, New York City (2014). Raether veröffentlicht regelmäßig bei Texte zur Kunst und hatte 2013 eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg inne. Er erhielt u.a. den Villa Romana Kunstpreis (2015) und das Jahresstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg (2012).

Die Gegenwart der Zukunft (2014/15)

 

Ort A.EG.15, Akademiestr. 2 bzw. E.EG.28, Akademiestr. 4
Zeit jeweils um 19.00 Uhr

 

04.11.2014 Schlechte Aussichten?
Wolfgang Lucht und Andri Snaer Magnason
  
 
19.11.2014 Techniken des Überlebens 
Claudia Aradau und Metahaven (Daniel van der Velden)
 

 


02.12.2014 Zukunft experimentieren

Hans-Jörg Rheinberger und Jan St. Werner
 

 


16.12.2014 Besetzen der Zukunft


Frédéric Neyrat
 

 


13.01.2015: Kalkuliert mit Kontingenz

Elena Esposito und Nora Schultz  
 

 


20.01.2015 Fiktionen des Zukünftigen

Liam Young
 


 

28.01.2015 Futur(e) Mensch

Karin Harrasser und Johannes Paul Raether

 

 

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft”
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2014/15)

 

13.01.2015

Kalkuliert mit Kontingenz


mit Elena Esposito und Nora Schultz

 

Elena Esposito

 

Elena Esposito lehrt Kommunikationssoziologie an der Universität Modena/Reggio Emilia. Sie arbeitet mit einem systemtheoretischen Ansatz hauptsächlich zu Fragen der sozialen Verwaltung der Zeit, etwa zu Gedächtnis und Vergessen, Mode und Vergänglichkeit, Wahrscheinlichkeitskalkül, Fiktion und Gebrauch der Zeit im Finanzwesen. Ihre gegenwärtigen Forschungsprojekte konzentrieren sich auf Möglichkeit und Formen des Vergessens im Web und die Verbreitung von Ratings und Rankings für die Informationsverwaltung. Zu ihren Monographien zählen: Die Zukunft der Futures. Die Zeit des Geldes in Finanzwelt und Gesellschaft (2010, engl. 2011); Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität, 2007; Die Verbindlichkeit des Vorübergehenden. Paradoxien der Mode (2004); Soziales Vergessen. Formen und Medien des Gedächtnisses der Gesellschaft (2002).


Die Künstlerin Nora Schultz, geboren 1975 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Berlin und New York. Sie studierte von 1998 bis 2005 an der Frankfurter Städelschule Film und Malerei und 2005 mit dem Ermenegildo Zegna Auslandsstipendium einen Sommer lang im MFA Programm des Bard College an der Milton Avery Graduate School of the Arts in New York. Im Jahr darauf nahm sie an der Sommerakademie im Zentrum Paul Klee in Bern teil. Zu ihren weiteren Auszeichnungen zählen der Villa Romana-Preis (2011) in Florenz und das Stipendium der Stiftung Kunstfonds (2012). 2011 unterrichtete die Künstlerin ein Semester lang als Vertretung für Prof. Ernst Caramelle an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Ihre Arbeiten wurden bereits mehrfach gezeigt, unter anderem im Rahmen von Einzelausstellungen wie Stative auf der Flucht in der Galerie Isabella Bortolozzi in Berlin (2013), Rug Import bei Campoli Presti in London (2013) und Parrottree - Building for Bigger Than Real in der Renaissance Society, Chicago (2014).

 

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft“ 

 

Die Zukunft des Alterns – spekulativer Workshop zum Verhältnis von
Körper, Technologie und Alter im 21. Jahrhundert
Workshop (Seminar, praktische Arbeit und Exkursion) in Kooperation mit dem Studiengang Industrial Design der Folkwang Universität der Künste, Essen (Prof. Carolin Schreiber)
Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum E.ZG.04, Akademiestraße 4
Zeit Dienstag, 10.30–12.30 Uhr, Beginn: 21.04.2015 (Vorbesprechung, verbindliche Anmeldung), weitere Termine 28.04., 05.05., 12.05., 26.05., 02.06., 09.06., 16.06., 23.06., 30.06.2015

 

Exkursion zur Folkwang Universität der Künste, Essen

Termin voraussichtlich 15.05.–16.05.2015

(Die Teilnahme an der Exkursion setzt den regelmäßigen Besuch des Seminars voraus.  Anreise am Vortag sowie Übernachtung sind privat zu organisieren. Die Exkursion wird aus klassenübergreifenden Studiengebühren bezuschusst.)

 

Welche Zukunft erwartet uns im Alter? Welche Rolle werden Geräte zur Selbstvermessung und technische Assistenzsysteme spielen (Stefan Selke)? Wer wird künftig darüber bestimmen, wer alt ist, und inwieweit wird es möglich sein, sich solchen normativen Einordnungen zu entziehen? Welche alternativen Konzeptualisierungen von Alter gibt es jenseits der vorherrschenden binären Diskurse, die das Alter als unaufhaltsamen Verfall darstellen, den es unter Einsatz von Technologie und Pharmazeutika zu überwinden gilt (Linn Sandberg)? Wie können wir selbstbestimmt und in Würde altern?

 

Der Workshop gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil (Dienstagsseminar) sollen anhand ausgewählter Texte unterschiedliche Positionen zum Verhältnis von Alter, Technologie und Körper diskutiert sowie aktuelle Ansätze aus Design und Raumgestaltung vorgestellt und hinterfragt werden. Die Lektüre und Diskussion sollen als übergreifender thematischer Rahmen dienen, innerhalb dessen die Teilnehmer eigene spekulative Szenarien zu dem Thema entwickeln. Die praktische Arbeit findet parallel zu dem Seminar statt. Die Zwischenergebnisse werden im Mai an der Folkwang Universität in einem gegenseitigen Show & Tell mit den Studierenden des Studiengangs Industrial Design, die sich ihrerseits mit Interfaces im Alltag älterer Menschen beschäftigen, zusammen mit Prof. Carolin Schreiber und Industriedesignerin Nina Pillen diskutiert.

 



The Future of Uselessness - After Contemporary Art
(Erasmus-Students and media theory C.01.09)
Prof. Dr. Kerstin Stakemeier

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch/Wednesday 18.00–21.00 Uhr
Termine/Dates 22.04., 29.04., 13.05., 20.05., 10.06., 24.06.2015.

Joined exhibition visit to Mark Leckey’s “Als ob” at Haus der Kunst on 30.4. from 6 pm.
Teaching language English

 

In recent years the term “contemporary art” has gained significance in becoming an adversary to both modern as well as post-modern art. But Contemporary Art, it seems, is not an epoch, but rather an administrative state of artistic production: defined by its aptitude for economic value, its implementation of digital gadgets and its permissiveness for accommodating philosophical trends. So the question arises: (How) Can it end?

 

Modern art was based on the assumption of art’s autonomy, which always implied a genuine uselessness of artistic productions, a critical uselessness that returned in postmodern art’s aggressive appropriations as a cultural claim. We know that the current status of artistic autonomy is rather questionable – but what about its uselessness? Is Contemporary Art useless? The seminar will look at contemporary artistic approaches, at works, shows, oeuvres and contextualize them within the artistic (and non-artistic) media they work in, the art criticism reflecting them, the exhibition making they are implied in, the standards of production and distribution they employ and the role of the artist they propose. Where does Contemporary Art end?

 


 
All the World‘s Futures
Die 46. Biennale d‘Arte di Venezia
Seminar und Exkursion zur 46. Biennale di Venezia in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte (auch Module D.04.09 oder D.05.09, D.06.09)
Prof. Dr. Florian Matzner / Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 18.00 Uhr, Beginn: 30.04.2015 (Vorbesprechung, verbindliche Anmeldung), weitere Termine 07.05., 21.05., 28.05., 11.06., 18.06., 25.06.2015
Voranmeldung bis 20.04.2015 unter matzner@adbk.mhn.de oder susanne.witzgall@adbk.mhn.de (Teilnahmebeschränkung!)

 

Exkursion zur Biennale di Venezia
Termin 29.06.–03.07.2015
(Die Exkursion wird aus klassenübergreifenden Studiengebühren bezuschusst. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine aktive Beteiligung am Seminar.)

 

In seinem ersten kuratorischen Statement kündigte der diesjährige Leiter der Biennale Okwui Enwezor an, dass er die historische Zeitschiene der Biennale selbst als „Filter“ verwenden möchte, durch den beides, der gegenwärtige „Zustand der Dinge“ und das „Auftauchen der Dinge“, reflektiert werden soll. Die zentrale Frage, die sich für Enwezor dabei stellt ist, wie es in „einer offenen Orchestration“ jenseits konventioneller Ausstellungsdisplays und unter Einbezug des Kurators sowie von Künstler/innen, Aktivist/innen, dem Publikum und anderen Beteiligten gelingt, „den gegenwärtigen Umwälzungen Sinn zu verleihen“.  

 

Das Seminar zeichnet kurz die Geschichte der Biennale von Venedig nach, konzentriert sich dann aber vor allem auf die Analyse des diesjährigen Ausstellungskonzeptes und seiner Umsetzung. Gemäß dem aktuellen Jahresthema des cx „Die Gegenwart der Zukunft“ liegt dabei der Schwerpunkt vor allem auf zwei eng miteinander verflochtenen inhaltlichen Aspekten: Der erste betrifft das Verhältnis von Gegenwärtigem, Vergangenem und Zukünftigen im Konzept von Okwui Enwezor und der zweite bezieht sich auf die Frage, ob und auf welche Art und Weise sich in spezifischen Arbeiten und Formaten der diesjährigen venezianischen Ausstellung neue theoretische und künstlerische Annäherungen an unsere Zukünfte manifestieren.

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft“

 

Spekulatives Design, Fiktion und Wirklichkeit
Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 10.30–12.00 Uhr, Beginn: 14.10.2014

 

In fiktiven und spekulativen Szenarien erproben Designer und Architekten die Auswirkungen neuer Entwicklungen in Technologie und Wissenschaft. Ausgehend von Anthony Dunnes und Fiona Rabys Manifest „Speculative Everything“ untersucht das Seminar, wie Design Vorstellungen und Ideen zu einer unbestimmten Zukunft konkretisiert und anschaulich macht und so zur Diskussion stellt, welche Zukünfte nicht nur möglich, sondern wünschenswert sind. Andere Gestalter wiederum antworten auf die sich bereits abzeichnenden, drängenden Herausforderungen von morgen mit pragmatischen Lösungsansätzen – gleichfalls im Bemühen um einen angemessenen Maßstab. Mit Arbeiten aus Architektur, Design, Grafik und synthetischer Biologie von u.a. Auger-Loizeau, FutureFarmers, Alexandra Daisy Ginsberg, Metahaven, Superflux und Liam Young.

 

Das Seminar begleitet die cx-Vortragsreihe zum Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft“ und vertieft Aspekte aus Design und Architektur. Wie alle Lehrangebote des cx richtet sich das Seminar an alle Studierenden der Akademie.

 


 

Science und Fiction

(auch Modul D.05.09 und Modul C.01.09)
Prof. Dr. Kerstin Stakemeier / Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 13.00–16.00 Uhr, Beginn: 15.10.2014 (Vorbesprechung), weitere Termine: 22.10., 05.11., 19.11., 03.12., 17.12.2014, 14.01.2015, 28.01.

 

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden“, hielt 1962 der britische Science Fiction Autor und Physiker Arthur C. Clarke als drittes Gesetz seiner „Profile der Zukunft“ fest. 1985 schrieb Donna Haraway im „Cyborg Manifesto“: „Die Grenze zwischen 
Science Fiction und sozialer Realität ist eine optische Täuschung.“ In unserem einführenden Seminar zum Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft“ stellen wir aktuellen Formen der Zukunftsbetrachtung in Kunst, Massenkultur und Wissenschaft vergangene futuristische Visionen seit den 1950er Jahren gegenüber. Science Fiction sowie Grenzziehungen und Übergänge zwischen Science und Fiction, die in jeder Gegenwart neu verhandelt werden, ziehen sich dabei als roter Faden durch das Seminar. In dem so entstehenden Panorama aktueller und historischer Zukunftsvorstellungen werden auch die oftmals dualistisch angelegten Grundbegriffe des Themas wie „Utopie“ und „Dystopie“, „Moderne“ und „Postmoderne“, „Wahrscheinlichkeit“ und „Kontingenz“ verortet. Zu den zu diskutierenden künstlerischen und theoretischen Positionen gehören unter anderem Arbeiten oder Texte von Bernadette Corporation, Vincent Callebaut, Arthur C. Clarke, Aleksandra Domanović, Mark Fisher, Donna Haraway, Atelier van Lieshout, Deborah Ligorio, Brian Massumi, Quentin Meillassoux und Thomas Saraceno sowie die Filme „Akira“ von Katsuhiro Otomos, „Her“ von Spike Jonzes oder „Under the Skin“ von Jonathan Glazers.

 



„Zukunft und Fortschritt / Future and Progress“

Tagung und Seminar in Stockholm
Exkursion zum Royal Institute of Art Stockholm
Prof. Dr. Kerstin Stakemeier / Dr. Susanne Witzgall

 

Vorläufiger Terminplan:

15.10.: Vorbesprechung (Raum E.02.29. 13.00 Uhr)
10.12:  Anreise
11.12.: Seminar mit Mark Fisher, Besichtigung der Hochschule
12.12.: Tagung „Zukunft und Fortschritt / Future and Progress“
13.12.: Ausstellungsbesuch und Heimreise

 

Die Exkursion umfasst unter anderem den Besuch der eintägigen Konferenz zum Thema „Zukunft und Fortschritt / Future and Progress“ in Stockholm am 12.12.2014, die von Nina Möntmann, Professorin für Kunsttheorie am Royal Institute of Art organisiert wird. Eingeladen sind internationale Referenten/innen wie der New Yorker Künstler Tyler Coburn, der Londoner Theoretiker Mark Fisher und die Kuratorin und Kunsttheoretikerin Elena Sorokina. Einen Tag vor der Konferenz, am 11.12.2014, findet ein gemeinsamer Workshop für die Exkursionsteilnehmer/innen der Akademie der Bildenden Künste München und Studierende des Royal Institute of Art Stockholm statt, der von Mark Fisher geleitet wird. Fisher, ein erfolgreicher und international publizierender Autor, schreibt sowohl für Tageszeitungen wie „The Guardian“ als auch für Kunstzeitschriften wie „Artforum“ und arbeitet selbst als Course Leader im Department of Visual Studies am Goldsmiths College in London. Als inhaltliche Vorbereitung für die Exkursion wird die Veranstaltung „Science und Fiction“ von Kerstin Stakemeier und Susanne Witzgall empfohlen.
 
Die Teilnahme an der Exkursion ist auf 15 Studierende beschränkt und wird aus Mitteln des cx und aus klassenübergreifenden Studienzuschüssen bezuschusst. Das Programm des cx centrum für interdisziplinäre studien wird aus Mitteln des Bundes-ministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL11023 gefördert. 
Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor/innen.

 



kunst_PRAXIS_theorie
Eine gemeinsame Initiative von Künstler/innen und Theoretiker/innen der Akademie: Klaus vom Bruch, Walter Grasskamp, Stephan Huber, Florian Matzner, Jenny Nachtigall, Olaf Nicolai, Julian Rosefeldt, Kerstin Stakemeier, Sabine Weingartner, Susanne Witzgall

 

Raum A.EG.01, Akademiestr. 2
Zeit Montag 18.00–20.00 Uhr, Beginn: 20.10.2014 (genaue Termine durch Aushang zu Beginn des Semesters)
 
kunst_PRAXIS_theorie ist ein neues experimentelles Lehrformat, das allen Klassen offen steht: ein Diskussionsforum in der Akademie, in dem sich Lehrende der Akademie, Künstler/innen und Theoretiker/innen, zu gemeinsamen Sitzungen treffen. Ein/e Theoretiker/in und ein/e Künstler/in 
bereiten jeweils einen gemeinsamen Termin vor, an dem miteinander und zusammen mit den Studierenden über ein vorher festgelegtes Thema anhand aktueller Ausstellungen, künstlerischer Arbeitsweisen und gegenwärtiger Diskurse diskutiert werden soll. Ziel dieses neuen Formates ist es, die Verbindungen zwischen der künstlerischen Praxis an der Akademie und den unterschiedlichen theoretischen Arbeitsfeldern am Haus zu stärken.

 

Die genauen Themen der einzelnen Sitzungen werden am Anfang des Semesters per Aushang sowie auf der Homepage bekannt gegeben.

  • Cordula Schieri/Eveline Reinholz, Performance mit magnetischen Körperanzügen, 2015

    Cordula Schieri/Eveline Reinholz, Performance mit magnetischen Körperanzügen, 2015

  • Robert Keil, Foto von Steinkugeln, 2015

    Robert Keil, Foto von Steinkugeln, 2015

  • Laura Ziegler, Material und Detail eines elektronischen Instruments, 2015

    Laura Ziegler, Material und Detail eines elektronischen Instruments, 2015

  • Robert Keil, Drucker der Redaktion, 2015

    Robert Keil, Drucker der Redaktion, 2015

  • Veronika Galli, Untitled, 2015

    Veronika Galli, Untitled, 2015

  • Anna Pasco, Gruppe, 2015

    Anna Pasco, Gruppe, 2015

  • Co-Laborativ, It's a Total Revolution!, 2015

    Co-Laborativ, It's a Total Revolution!, 2015

Projektklasse der Künstlerin Nora Schultz

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft”

Sommersemester 2015

 

Filtersysteme. „Fluchtwege“ aus der Enge eines „Jetzt“

Raum A.UG.24, Akademiestr. 2
Zeit 13.04.–17.04. und 01.06.–12.6.2015 (ganztägig)

 

Nora Schultz' Projektklasse „Filtersysteme“ geht von den beiden unterschiedlichen „Funktionen“ der Entität „Künstler/in“ aus: sie ist zum einen wahrnehmender informationsspeichernder Apparat, und zum zweiten ein/e Produzent/in, die gefilterte und transformierte Informationsmasse in ihre kulturellen Objekte verwandelt. Dieses Verhältnis soll im Hinblick auf die Frage untersucht werden, wie unterschiedliche Filtersysteme die künstlerische Arbeit beeinflussen, aber auch autonomisieren können. Das Innen und Außen einer künstlerischen Vorgehensweise soll in den Fokus gerückt werden. Stichworte wie Recycling, Halbwertszeit, Verfall und Kompost spielen ebenso eine Rolle wie die nicht-materiellen Seiten des künstlerischen Prozesses: Sprache, Gedanken und Diskurs.

 

Filter können etwa temporäre Trends sein, die künstlerische Entscheidungen beeinflussen, reale materielle Haltbarkeit der (auch psychischen) Materialeigenschaften oder andere temporäre materielle Zwangsbedingungen. Aber auch immaterielle künstlerische Bedingungen wie die Autorschaftsfrage, oder die Differenz zwischen innerer und äußerer Sprache, die wie eine Meta-Ebene die Produktion begleiten, können diese stark beeinflussen. Filtersysteme können hilfreich sein dabei das Dilemma der Synchronisierung dieser widersprüchlichen Anforderungen des Innen und Außen zu überwinden, wenn sie beispielsweise als Fiktion und imaginierte zeitliche Dimension in die Arbeit einbezogen werden. In dieser produktiven Form helfen sie nicht nur den Blick, das Material und die Sprache über die Produktion selbst mitzubestimmen, sondern könnten auch als zentraler Teil des Werks eine Möglichkeit darstellen, Identitäten des/der Künstler/in schon während des Schaffensprozesses zu verorten, „Fluchtwege“ aus der Enge eines „Jetzt“ zu finden.

 

Die Projektklasse ist medienübergreifend ausgerichtet. Ausgehend von den Arbeiten der Studierenden soll eine Installation entstehen, die in verschiedenen Stadien dokumentiert wird. Die prozessorientierten Momentaufnahmen sollen zu einer Publikation im Fanzine-Format, zu Postern oder „semi-dokumentarischen“ Videos zusammengefügt werden. Insofern sind die teilnehmenden Studierenden aber auch ihre Werke als die Protagonist/innen einer fiktiven, sich fortschreibenden Geschichte zu verstehen, die möglicherweise erst in der Zukunft zu ihrer eigentlichen Form findet, und sich so im Spannungsverhältnis zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft verortet.

 

Die Künstlerin Nora Schultz, geboren 1975 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Berlin und New York. Sie studierte von 1998 bis 2005 an der Frankfurter Städelschule Film und Malerei und 2005 mit dem Ermenegildo Zegna Auslandsstipendium einen Sommer lang im MFA Programm des Bard College an der Milton Avery Graduate School of the Arts in New York. Im Jahr darauf nahm sie an der Sommerakademie im Zentrum Paul Klee in Bern teil. Zu ihren weiteren Auszeichnungen zählen der Villa Romana-Preis (2011) in Florenz und das Stipendium der Stiftung Kunstfonds (2012). 2011 unterrichtete die Künstlerin ein Semester lang als Vertretung für Prof. Ernst Caramelle an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Ihre Arbeiten wurden bereits mehrfach gezeigt, unter anderem im Rahmen von Einzelausstellungen wie Stative auf der Flucht in der Galerie Isabella Bortolozzi in Berlin (2013), Rug Import bei Campoli Presti in London (2013) und Parrottree - Building for Bigger Than Real in der Renaissance Society, Chicago (2014).

 
 

  • Kitti & Joy, 1 life up, 2015

    Kitti & Joy, 1 life up, 2015

  • Rebecca Grollman, Illusionsraum, 2015

    Rebecca Grollman, Illusionsraum, 2015

  • Diogo da Cruz, Biotime, 2015

    Diogo da Cruz, Biotime, 2015

  • Yoojin Jang, please, see me, V, 2015

    Yoojin Jang, please, see me, V, 2015

  • Frauke Zabel, Veil, 2015

    Frauke Zabel, Veil, 2015

Projektklasse des Künstlers Tyler Coburn

Jahresthema „Die Gegenwart der Zukunft”

Sommersemester 2015

 

A Lasso, A Loop: Travels in Counternormative Time

Room A.UG.24, Akademiestr. 2

Time 19.05.–21.05.2015 and 22.06.–03.07.2015 (all-day)
Teaching language: English

 

We commonly describe time as moving in one direction, and all around us, we seem to find proof of this claim.  Our backs bend with age, while our buildings climb higher; we are told that the future will be utterly different than the past. And though we know that these are different temporalities (even as capitalism colonizes biological time), it’s easy to let the one legitimate the other. If the human dies forwards, so too must everything else. This course will survey challenges to chrononormativity from aesthetic, artistic, scientific and philosophical positions. Chrononormativity here denotes the supposedly objective, absolute and unidirectional properties of time, and the way those properties can be made to privilege certain historical narratives over others. In response, we will imagine counternormative time as allowing for a radically different orientation to the past, present and future—and experiment with the different roles that artistic practice can play in the production of new imaginaries. Over our sessions, we will unpack counternormative time in terms of recent queer theory, as well as in its applicability to historical writings on relativity, time travel, and the many other paradoxes of time. Beyond readings and films, class time will include extensive critiques and sessions in technical workshops, allowing students to explore the course topics through different material processes.

 

Der Künstler und Autor Tyler Coburn lebt und arbeitet in New York. Er hat einen Bachelor in Vergleichenden Literaturwissenschaften von der Yale University und einen Master of Fine Arts von der University of Southern California in Los Angeles. Coburns Texte sind unter anderem in frieze, e-flux journal, Mousse, Art-Agenda und Rhizome erschienen. Seine Performances, Installationen und Arbeiten mit Sound waren bereits im Whitney Museum of American Art, New York, der South London Gallery, im Kunstverein Munich im CCA Glasgow, bei Objectif Exhibitions in Antwerpen, im CAC in Vilnius im LAXART, Los Angeles und im SculptureCenter, New York zu sehen.