Reale Magie (2015/16)

 

Ort A.EG.15 (historische Aula), Akademiestr. 2

oder E.EG.28 (Auditorium), Akademiestr. 4

Zeit jeweils Dienstag um 19.00 Uhr

 

27.10.2015 Okkulte (Gegen)Kultur

Carl Abrahamsson und Genesis Breyer P-Orridge (per Skype)

 

10.11.2015 (Un)Mittelbarkeit des Magischen

Demdike Stare

 

17.11.2015 Magisches Wissen

Susan Greenwood und Christoph Keller

 

24.11.2015 Magische Künste

Verena Kuni, Annika Lundgren und Kadri Mälk

 

15.12.2015 Magie und Macht

Olivia Plender und Marco Pasi

 

12.01.2016 Techno Magic

Jussi Parikka und Jeremy Wade

 

Sommersemester 2016

02.06.2016 Magic Tricks and the Mastery of Non-Mastery

Keynote von Michael Taussig

 

 

 

Reale Magie (2015/16) 

 

„Heute ist das Okkulte alltäglich“, stellte 2012 der britische Kulturwissenschaftler Christopher Partridge fest und bezog sich damit auf die steigende Popularität von Magie und anderen okkulten Strömungen. Gerade in den westlichen Gesellschaften ist seit einigen Jahren ein erneutes und sehr lebendiges Interesse an Spiritualismus, Mystizismus, magischen Praktiken und okkultem Wissen zu beobachten. Das Magische bzw. Okkulte tritt dabei jedoch weniger als eine gegenkulturelle Bewegung auf, wie es in den 1960er und 1970er Jahren der Fall war, sondern scheint sich vielmehr zu einem gesamtgesellschaftlichen Populärphänomen zu entwickeln, das gerade durch die umfassende Digitalisierung weite Verbreitung findet und nicht nur die Künste beschäftigt, sondern auch im akademisch-wissenschaftlichen Bereich intensiv diskutiert wird.

 

Das cx centrum für interdisziplinäre studien untersucht mit seinem vierten Jahresthema „Reale Magie“ die gegenwärtige Realität des Magischen und dessen Wiederentdeckung in den Künsten, Wissenschaften und der Alltagskultur. Die Vortragsreihe im Wintersemester 2015/16 fragt nach Gründen für die neue Faszination am Okkulten, nach den westlichen Erscheinungs- und Praxisformen des Magischen, nach möglichen gegenwärtigen Potentialen magischen Wissens, aber auch nach den Kehrseiten des Okkultismus und den Grenzen und Gefährdungen magischen Denkens in einer globalisierten und vom Ideal einer ökonomisierten Zweckrationalität bestimmten Welt.

 

 Jahresthema Reale Magie"

 

Haunted Domesticity, Counterworlds at Home

Karianne Fogelberg, M. A.

(also modul B.06.09, with one additional session in WS)

 

Room E.ZG.04, Akademiestr. 4

Time Tuesday 10.30–12.30 am, First Session: 19.04.2016 (introduction, closing registration), further dates 26.04., 03.05., 10.05., 17.05., 24.05., 31.05., 07.06., 14.06, 21.06., 28.06., 07.07., open to all students

Teaching language English. Regular reading required.

 

The domestic is undergoing radical change. Digital technologies are reconfiguring the interior, the sharing economy is entering our kitchens and bedrooms; homes are turning into sources of income and workplaces, and distinctions between the private and the public are being eroded. Throughout modern history the home has been contested ground with the introduction of technologies, political discourse, social norms, and as sites of production, reproduction and recreation. At the same time, the domestic has been the setting for the (allegedly) magic and the occult: the witch hunts of the 16th and 17th Century for example aimed at containing women within their new domestic roles; the advent of electricity coincided with the séances of Victorian spiritualists; advocates of Expressionism proposed a spiritually charged architecture; and today’s fabrication of virtual realities and propositions for the ‘smart home’ are adopting the rhetoric of the magical.

 

Continuing the examination of the annual theme “Real Magic”, the seminar will examine current constructions and realities of domesticity against past and present notions of the supernatural, the haunted, the enchanted and the bewitched – drawing on examples from film and television, design and architecture (with work by Tal Erez, Jesse Howard, Friedrich Kiesler, Carlo Mollino, Jacques Tati, and Bruno Taut, among others) and writings by design and architecture thinkers Reyner Banham, Ruth Schwartz Cowan, Anthony Vidler, Betti Marenko as well as current positions of philosophy, social science and political theory by Jane Bennett, Silvia Federici and Isabelle Stengers – investigating how the domestic interior and current approaches to magic and the occult may be related to each other.

 


  

Magic Now ! (auch Modul D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall

in Kooperation mit der Werkstatt für Hochdruck und Typografie (Dr. Martin Schmidl)

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 26.04.2016 (Vorbesprechung, Einführung), weitere Termine 03.05., 10.05., 24.05., 07.06., 14.06. 21.06., 28.06. sowie zwei Termine in Absprache mit der Werkstatt für Hochdruck und Typografie

 

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Frage, welche Zugänge ganz aktuelle geistes- und sozialwissenschaftliche Theorien zu Konzepten des Magischen, des Okkulten und der Hexerei eröffnen. Welche Ideen verbinden heutige Ansätze aus der Anthropologie, feministischen oder politischen Theorie,  Medien- und Kunsttheorie sowie der Philosophie mit diesen Begriffen und vor allem: Lassen sich ähnliche Ideen zur Magie auch in der zeitgenössischen Kunst finden? Im Seminar sollen unter anderem zentrale Texte von Jane Bennett, Silvia Federici, Isabelle Stengers, Eduardo Kohn, Reza Negarestani, Steven Shaviro und Eugene Thacker besprochen und in Bezug zu zeitgenössischen künstlerischen Positionen von AA Bronson bis hin zu Melanie Bonajo, Mikala Dwyer, João Maria Gusmão + Pedro Paiva oder Olivia Plender gesetzt werden. Themen, die dabei – analog zu den verstreuten aktuellen Diskursen zur Magie – aufgegriffen werden, betreffen unter anderem die Beschreibung des Kapitalismus als ein mit Zauberei operierendes System, das Symbol der Hexe als eines der Revolte und des Widerstands sowie die vielfältigen Überschneidungen von Animismus, Neuem Materialismus und Spekulativem Realismus mit Magie, Okkultismus und übernatürlichem Horror. Das Seminar versteht sich als gemeinsames Forschungsprojekt, das sich an einer zeitgemäßen Definition von Magie versucht und analysiert, wo die kritischen Potentiale eines neuen Verständnisses von Magie für die zeitgenössische Kunst und unsere gegenwärtige Gesellschaft liegen könnten.

 

Im Anschluss an die theoretische Auseinandersetzung besteht die Möglichkeit, in einem zweitägigen Workshop der Werkstatt für Hochdruck und Typographie am Ende des Seminars erarbeitete Statements, Slogans, Textfragmente oder Bildideen zur Magie der Gegenwart in eine gemeinsame Plakatserie umzusetzen. Eine Präsentation oder Veröffentlichung ausgewählter Plakatentwürfe in geeignetem Rahmen ist angedacht. Das Seminar kann unabhängig von der Workshop-Teilnahme besucht werden. Eine Teilnahme am Workshop ohne den vorausgehenden Theorieteil ist jedoch nicht möglich. Die Terminierung des Workshops von Martin Schmidl findet in Absprache mit den Teilnehmer*innen statt.

 


 

„Secrets, Gossip, and Gods“ – Zum Verhältnis von Ritual und Performance in der afro-brasilianischen Religion Candomblé. 

Prof. Dr. Marietta Kesting

 

Raum E.02.29 / Auditorium / E.ZG.04, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag, 24.05. von 16–18 Uhr in Raum E.02.29 (Einführung), 16.06. von 10–17 Uhr im Auditiorium, 17.06. von 10–17 Uhr in Raum E.ZG.04

 

Was ist die Verbindung von Ritual, geheimen Wissen und künstlerischer Performance? Wie hat sich die afrikanische Diaspora in Orte, Praktiken und Kulturen eingeschrieben, und welche wissenschaftlichen und künstlerischen Auseinandersetzungen haben sie bestimmt? Welche unabgeschlossenen Transformationen religiöser und sozialer Praktiken sind historisch und aktuell entstanden?

 

Dieses Seminar möchte sich aus historischer Perspektive an das Glaubenssystem und die Praxis des Candomblé annähern. Dabei wird untersucht, welche Interpretationen und Analysen in Texten vorliegen, aber auch wie Candomblé medial, fotografisch und filmisch, (re-)inszeniert und dokumentiert wurde. Darauf aufbauend wird diskutiert, auf welche Art und Weise Candomblé aus heutiger – post-kolonialer – Sicht gedeutet werden kann, und wie diese Religion in alltäglichen Formaten aktuell praktiziert wird.

 

Die von den Nachfahren der afrikanischen Sklav*innen praktizierte Religion Candomblé („Tanz der Götter“) verbindet Glaubensformate der Yoruba im heutigen Nigeria/Benin mit Elementen des von den portugiesischen Kolonialisten eingeführten Katholizismus.

Salvador de Bahia in Brasilien war im 17. und 18. Jahrhundert der Haupthafen des transatlantischen Sklavenhandels. Dadurch wurde es zum Zentrum des Candomblé, hier wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch der erste Tempel gegründet. Eine wichtige Funktion nehmen die Orixás im Candomblé ein, mit denen die Menschen im Gegensatz zu dem oberste Gott Olorun in Kontakt stehen – etwa bei Tanzritualen, die zum Teil in Trance münden können. Viele westliche Schreibende, Fotograf*innen und Ethnolog*innen (u. a. Bruce Chatwin, Ruth Landes, Hubert Fichte, Leonore Mau, Pierre Verger) waren fasziniert von den (oft geheimen) Ritualen, Tänzen und musikalischen Performances. Zeuge dieser Faszination sind vielfältige schriftliche sowie bildliche Auseinandersetzungen und filmische Adaptionen (u. a. von Maya Deren, Werner Herzog).

 


 

Das Programm des cx centrum für interdisziplinäre studien wird aus Mitteln des Bundes­ministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL11023 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor*innen.

Jahresthema Reale Magie

 

„It just works“

Magie als Rhetorik und magische Handlungsweisen im Design

(auch Modul B.06.09)

Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 10.30–12.30 Uhr, Beginn: 20.10.2015 (Einführung, verbindliche Anmeldung), weitere Termine 27.10., 03.11., 10.11., 17.11., 24.11., 01.12., 08.12., 15.12.2015, 12.01.2016, 19.01. 

 

Das Verhältnis zwischen Magie und Design ist von Ambivalenz geprägt. Das Irrationale, Unheimliche, Unerklärliche wird für gewöhnlich aus dem Designbegriff ausgeschlossen, der das Funktionale und Berechenbare privilegiert – gerade auch in Abgrenzung zur Kunst. Gleichzeitig haben sich Gestaltungspraktiken etabliert, die komplexe Technologien hinter Benutzeroberflächen und in geschlossenen Systemen verschwinden lassen und somit maßgeblich zu dem gegenwärtigen Diskurs beitragen, der Technologie, gerade auch die digitale, als Magie adressiert („It just works“, Steve Jobs). Nicht nur, aber auch durch das Aufkommen ‚intelligenter’ Maschinen, ist wieder die Rede von beseelten Dingen und von Gegenständen, denen magische Kräfte eingeschrieben sind, nicht zuletzt in der akademisch-theoretischen Beschäftigung mit einem neuen Animismus.

 

Wie steht es also um das Verhältnis von Design, Magie und Technologie? Inwieweit stecken – jenseits der „Rhetorik des Magischen“ (Natascha Adamowsky) – in magischen Ideen und Handlungsweisen auch Potentiale für Designer und Designerinnen, Strategien zu entwickeln, mit denen sich konventionelle Praktiken unterlaufen oder gegenwärtige komplexe Herausforderungen bewältigen lassen?

 

Das Seminar untersucht das gegenwärtige Interesse an Magie aus designtheoretischer Perspektive. Wir lesen und diskutieren gemeinsam Schlüsseltexte zur Magie (Alfred Gell, Claude Lévi-Strauss, Bronislow Malinowski, Marcel Mauss) sowie aktuelle Positionen zu Technologie und Design (Betti Marenko, Jussi Parikka) und befragen innerhalb dessen Beispiele aus Design und Architektur auf ihr Verhältnis zur Magie – von den esoterischen Strömungen im Bauhaus und Bruno Tauts mystischer Glasarchitektur, über die Gegenkulturen der 1960er Jahre bis hin zu Arbeiten der Gegenwart.

 


  

„Im Haus des Schamanen“

Kunst, Magie und Okkultismus (auch Modul D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4

Zeit Mittwoch 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 21.10.2015 (Vorbesprechung, Einführung), weitere Termine 28.10., 04.11., 18.11., 25.11., 02.12., 09.12., 16.12.2015, 13.01.2016, 20.01. 

 

„Ich glaube, dass Magie Kunst ist und das Kunst, ob es sich um das Schreiben, um Musik, Skulptur oder eine andere Kunstform handelt, buchstäblich Magie ist,“ äußerte sich Alan Moore 2013. Auch wenn man dieser Bemerkung des britischen Schriftstellers und Comicautors vielleicht nicht ohne Einschränkungen zustimmen will, so ist die Nähe und Affinität der Künste zur Magie und anderen okkulten Strömungen doch unbestritten.

 

Im Rahmen des Seminars sollen ausgewählte jüngere Positionen dieses Verhältnisses unter Heranziehung zentraler klassischer und aktueller Texte zum Okkultismus analysiert werden. Ausgehend von der Kunst der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts, über Exkurse in die Gegenkultur der 1960er und New Age-Bewegung der späten 1970er und 80er Jahre bis hin zu aktuellen künstlerischen Strömungen und theoretischen Diskursen der Gegenwart, wird diskutiert, wie sich die künstlerische und populärkulturelle Aneignung von okkulten Ideen oder Praktiken bis heute verändert hat. Wassily Kandinskys Beschäftigung mit der Theosophie oder Joseph Beuys Auseinandersetzung mit der Anthroposophie werden dabei ebenso Thema sein, wie die Kunst und magische Praxis des britischen Zeichners, Malers und Okkultisten Austin Osman Spare, die Werke des amerikanischen Underground-Filmers Kenneth Anger, die künstlerisch-okkulte Praxis der Musikerin, Performancekünstlerin und Autorin Genesis Breyer P-Orridge oder einschlägige Comic-Serien von Alan Moore und Grant Morrison. Ein Fokus des Seminars liegt außerdem auf dem erneuten aktuellen künstlerischen und wissenschaftlichen Interesse an Magie bzw. Okkultismus im Zuge einer weiten medialen und populärkulturellen Verbreitung okkulter und paranormaler Ideen sowie aktueller geistes-wissenschaftlicher Diskurse um einen neuen Materialismus, Animismus oder spekulativen Realismus.

  


  

Workshop von Demdike Stare

Sean Canty und Miles Whittaker

in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater München

 

Raum siehe Aushang 

Zeit 11.11.–14.11.2015 

 

Demdike Stare (Sean Canty und Miles Whittaker) machen Musik, die von Okkultismus/Spiritualität, Philosophie, Politik und Religion beeinflusst ist. Sie erscheint unter dem Modern Love Label und wurde bereits für eine Reihe von Filmproduktionen verwendet. Zuletzt trat das Musiker-Duo aus Manchester, das weltweit bereits in zahlreichen Theatern, Museen, Kunsträumen und Clubs spielte, neben dem Videokünstler Michael England im Barbican Theater in London auf. Der Workshop versucht einen Eindruck von der speziellen archivarischen Recherche und Soundproduktion Demdike Stares zu vermitteln, die ein Gespür für das andersweltliche Mysterium und Einsicht in das Unbegreifliche gewährt. Die Veranstaltung schließt eine Reihe von Referenzpunkten, ja nahezu einen Fahrplan für eine Reise durch die letzten 60 Jahre musikalischen Experimentierens und moderner Magie ein.

 

Homepage: http://www.modern-love.co.uk/ 

Discography: http://www.discogs.com/artist/Miles+Whittaker 

http://www.discogs.com/artist/1551591-Sean-Canty

 


 

Das Programm des cx centrum für interdisziplinäre studien wird aus Mitteln des Bundes­ministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL11023 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren/innen.

Projektklasse der Künstlerin Mariechen Danz

Jahresthema Reale Magie

Sommersemester 2016

 

Raum  A.U1_25, Akademiestr. 2
Termine 
13. bis 17.06. und 20. bis 24.07.2016 (ganztägig)
Teaching language: 
Deutsch/English


Grundlegend für jedes Konzept von Magie ist aktiver Effekt, die Erfahrung von Transformation. Der Workshop versucht, diese Transformation in den Konzeptionen und Fehlkonzeptionen des Körpers zu verorten, sie in dem Klang des Körpers, der Stimme, zu verwurzeln. Wir wollen über die Stimme nicht einzig als ein Werkzeug zum Sprechen nachdenken sondern darüber hinaus. Durch Übungen, Lesungen und Intonationen werden wir reale Magie als Potentialität und Erfahrung erforschen, um die verschiedenen Weisen zu ergründen, in denen sich Artikulation und Wahrnehmung ausspielen lassen. Dabei interessieren wir uns für die verschiedenen Ansätze, mit denen sich eine subjektive Artikulation und Positionierung in der eigenen Arbeit finden lässt.

Mit externen Gästen: Ronel Doual, Logopädin und Sängerin; Andrea Huyoff, Künstlerin; Anna Zett, Autorin und Filmemacherin.

 

In ihrer künstlerischen Arbeit erforscht Prof. Mariechen Danz den Körper und die Bedingungen von Körperlichkeit und untersucht Möglichkeiten, aber auch Grenzen der Artikulation. So fragt sie, inwieweit das Vermögen von Sprache oder die Lesbarkeit und Hierarchie von Zeichen Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen oder vielmehr verwehren können. Danz arbeitet mit Kostümen, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen und aktiviert diese im Rahmen von inszenierten Performances, bei denen der Stimme eine zentrale Rolle zukommt.


Die gebürtige Irin studierte an der Universität der Künste, Berlin, an der Gerrit Rietveld Academy, Amsterdam und am California Institute of the Arts, wo sie 2008 mit einem MA in Art & Integrated Media abschloss. Ihrer Arbeit wurden Einzelausstellungen in der GAK – Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen, am CAN Centre d’Art Neuchâtel und im  Kunstverein Göttingen gewidmet. Ferner waren ihre Arbeiten weltweit im Rahmen von Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem am Palais de Tokyo in Paris, im Kunsthaus Bregenz, im New Museum, New York, und demnächst in Mapping the Body in der Galerie im Taxispalais in Innsbruck und in Polyphonies am Centre Pompidou Paris. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und ist aktuell Stipendiatin des Arbeitsstipendiums des Berliner Senats (2016). Zuvor erhielt sie das Karl Schmitt-Rottluff Stipendium (2014) und den Villa Romana Preis (2013).

 

https://vimeo.com/user30951931

 

Jahresthema „Reale Magie“
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2015/16)

 

10.11.2015

(Un)Mittelbarkeit des Magischen

mit Demdike Stare


Miles Whittaker/Demdike Stare 

 

Seit 2009 machen Sean Canty und Miles Whittaker unter dem Namen Demdike Stare Musik, die von Okkultismus/Spiritualität, Philosophie, Politik und Religion beeinflusst ist und ein Gespür für das andersweltliche Mysterium und Einsicht in das Unbegreifliche gewährt. Sie erscheint unter dem Modern Love Label (bisher erschienen sind u.a. die drei Alben Symbiosis, Tryptych und Elemental) und wurde bereits für eine Reihe von Filmproduktionen verwendet, u.a. für Kiss of the Damned (2012) und Joe (2013). Das Musiker-Duo aus Manchester trat bereits weltweit in zahlreichen Theatern, Museen, Kunsträumen und Clubs auf – darunter auch mit Einzelprojekten wie der Live-Vertonung Häxan – Witchcraft through the ages von Benjamin Christensens Hexenfilm von 1922 im Auftrag des British Film Institute, oder der Arbeit Concealed, eine Zusammenarbeit mit der Krakauer Sinfonietta und dem Videokünstler Michael England für das Unsound Festival, von der zuletzt eine Fassung Anfang 2015 im Barbican Theatre in London aufgeführt wurde.

 

 

02.06.2016:

Magic Tricks and the Mastery of Non-Mastery

Keynote von Michael Taussig I Professor für Anthropologie Columbia University, New York

 

Michael Taussig unterrichtet Theorie, Film und Magie am Department für Anthropologie der Columbia Universität, New York. Er schrieb über zehn Bücher, darunter Shamanism, Colonialism, and the Wild Man, A Study in Terror and Healing (University of Chicago Press, 1987); Mimesis und Alterität (Europäische Verlagsanstalt, 1997) und What Color is the Sacred (University of Chicago Press, 2006). In Kürze erscheint außerdem Palma Africana bei der University of Chicago Press. Taussig studierte Medizin in Australien an der Universität von Sydney und promovierte 1974 in Anthropologie an der London School of Economics. Er unterrichtete unter anderem an der Universidad Los Andes in Bogota, Colombia, der University of Michigan und der New York University. Neben seinen zahlreichen Beiträgen zu internationalen Konferenzen und einer Reihe bedeutender Gastprofessuren, führte er seit 1969 jedes Jahr ausführliche Feldforschungen durch, die sich geographisch vor allem auf Kolumbien und Venezuela konzentrieren. Sein Forschungsinteresse umspannt eine Reihe von Themenfeldern wie die Geschichte der afrikanischen Sklaverei und des Kampfes um ihre Abschaffung im westlichen Kolumbien, die populären Manifestationen des modernen Warenfetischismus, die Soziologie der Unterernährung, der Einfluss des Kolonialismus und Volksheilkunst, die Relevanz des Modernismus und der postmodernen Ästhetik für das Verständnis für das Ritual, Mimesis in Beziehung zur sympathetischen Magie, Staatsfetischismus, das Geheimnisvolle, Schönheit und Gewalt und die Sonne in unserem Zeitalter der globalen Erwärmung.

 

 

 

Jahresthema „Reale Magie“
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2015/16)

 

15.12.2015

Magie und Macht

mit Olivia Plender und Marco Pasi

 

Hinweis: Olivia Plender fiel leider krankheitsbedingt aus.

 

Marco Pasi

 

Marco Pasi ist außerordentlicher Professor für die Geschichte der hermetischen Philosophie und verwandter Strömungen an der Universität von Amsterdam. Im Fokus seiner Lehr- und Forschungstätigkeit sowie seinen Veröffentlichungen steht die Geschichte der modernen westlichen Esoterik und ihr Verhältnis zu Magie, Kunst und Politik. Der promovierte Religionswissenschaftler ist leitendes Mitglied des Forschungsnetzwerks Enchanted Modernities, und war an verschiedenen Ausstellungen als Kurator beteiligt, etwa bei La Chambre des Cauchemars: Peintures inconnues d’Aleister Crowley im Palais de Tokyo (Paris, 2008) und Believe not every spirit, but try the spirits am MUMA Monash University Museum of Art (Melbourne, 2015). Pasi ist Autor von Aleister Crowley und die Versuchung der Politik (Ares, 2006), das in mehrere Sprachen übersetzt wurde, und Mitherausgeber von Kabbalah and Modernity: Interpretations, Transformations, Adaptations (2010).

 

Die in London und Stockholm lebende britische Künstlerin Olivia Plender (*1977) arbeitet in verschiedenen Medien, von Comic und Videos bis hin zu Performance und Installation. In ihren Werken beschäftigt sich die Künstlerin, die auch als Autorin und Kuratorin tätig ist, mit Institutionen wie dem Bildungssystem, der Familie, dem Museum oder dem Fernsehen, und ihrem häufig von Autorität geprägten Verhältnis zum Individuum. Plenders Arbeiten wurden bereits weltweit ausgestellt. Zu ihren Einzelausstellungen zählen u.a. Aadieu, Adieu Apa (Goodbye Goodbye Father) in der Gasworks Gallery, London (2009), Information, Education, Entertainment, im Marabouparken Annex, Stockholm (2007), und The Folly of Man Exposed or the World Turned Upside Down im Frankfurter Kunstverein (2006). 2012 tourte ihre Soloschau Rise Early, Be Industrious durch Großbritannien und war in Milton Keynes in der MK Gallery, in Bristol bei Arnolfini und in Glasgow im CCA zu sehen. Aktuell arbeitet sie an einem Buch zur Ausstellung, das 2015 bei Sternberg Press erscheinen soll. 2014 kuratierte sie außerdem eine Schau zu Sylvia Pankhursts künstlerischem Werk in der Tate Britain.

 

Jahresthema „Reale Magie“
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2015/16)

 

24.11.2015

Magische Künste

mit Verena Kuni, Annika Lundgren und Kadri Mälk


Annika Lundgren

 

Verena Kuni ist Kunst-, Medien- und Kulturwissenschaftlerin und Professorin für Visuelle Kultur an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Als Kuratorin entwickelt sie interdisziplinäre Projekte und Programme an der Schnittstelle von Theorie und Praxis. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich u. a. mit Transfers zwischen materialen und medialen Kulturen; Medien der Imagination; Technologien der Transformation; DIY-Kulturen; Spielzeug und/als Werkzeug; Visueller Epistemologie, Informationsdesign und (Kon)Figurationen des Wissens; Urbanen Biotopen und TechnoNaturKulturen; Alternate Realities und Anderen Zeiten. Speziell zur künstlerischen Auseinandersetzung mit okkulten Traditionen (19.-21. Jh.) sowie zu Ästhetiken, Politiken, Apparaten und Technologien der Alchemie, der Magie, des Spiritismus und der Parapsychologie hat sie intensiv geforscht und publiziert. www.kuniver.se

 

Die Künstlerin Annika Lundgren lebt und arbeitet im schwedischen Göteborg, wo sie an der Valand Akademie Professorin für Bildende Kunst ist. In ihren Performances, Interventionen und Texten hat sie sich verschiedentlich mit dem performativen Aspekt magischer Phänomene und dem Zusammenspiel von Magie, Suggestion und Macht beschäftigt. Strategies of Magic (seit 2011), eine Serie von Lecture-Performances basierend auf Musik, Text und Zaubertricks, thematisiert etwa die Begriffe Politik und Verwandlung. In anderen Arbeiten geht es ihr um das Wesen des vermeintlich Irrationalen, etwa in The Stock is Rising (2010), bei der sie die Levitation der Frankfurter Börse inszenierte. Aktuell leitet Lundgren das Forschungsprojekt Performing Resistance, das, basierend auf den Formaten Seminar, Archiv und Performance, das Verhältnis zwischen Staatsbürgerschaft und Aktivismus untersucht. Lundgren hat an der damaligen Valand School of Fine Arts in Göteborg und der königlichen Akademie der Bildenden Künste in Dänemark studiert. Ihre Arbeit war bereits in internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen und wurde verschiedentlich ausgezeichnet, u.a. mit der Residency am Center for Danish Contemporary Art in Los Angeles (2001).

 

Die Schmuckkünstlerin Kadri Mälk (*1958) bezeichnet sich als Metaphysikerin aus Berufung. Inspiration für ihre künstlerische und kuratorische Arbeit schöpft sie aus dem Dunkel der Nacht und der Farbe Schwarz. 2001 hat sie an der estnischen Kunstakademie in Talinn, wo sie seit 1996 als Professorin Schmuck und Schmiedekunst lehrt, unter dem Titel Nocturnus ein international besetztes Nacht-Symposium veranstaltet. In den 1980er Jahren studierte sie dort bei Leili Kuldkepp Schmuckkunst, gefolgt von Studien der Edelsteinkunde und Steinbearbeitung in Sankt Petersburg, bei Bernd Munsteiner im Hunsrück sowie im finnischen Lathi. Mälks Werk wurden international Einzelausstellungen gewidmet, und ihre Schmuckarbeiten sind in Museen und öffentlichen Sammlungen von London über Brasilien bis nach Moskau zu sehen. Zu ihren Publikationen zählen neben dem Katalog Nocturnus (2001) u.a. Ornament as a Crime (1998, mit Christer Jönsson), Just Must (2008), Chroma/Monochroma (2007) und Castle in the Air (2011, mit Tanel Veenre) – einem Band zu Arbeiten der estnischen Schmuckkunst-Gruppe õhuLoss (dt. luftSchloss), die Mälk 1999 als Mentorin begründet hat.

Jahresthema „Reale Magie“
Interdisziplinäre Vortragsreihe (WS 2015/16)

 

17.11.2015

Magisches Wissen

mit Susan Greenwood und Christoph Keller


Susan Greenwood

 

Die Anthropologin Susan Greenwood lebt in Brighton, Sussex, und arbeitet weltweit als Autorin und Dozentin für magisches Bewusstsein, nachdem sie 1999 zu britischen Praktiken der Magie promoviert hat. Greenwood hat am Goldsmiths an der University of London sowie an der University of Sussex gelehrt. Ihre Seminare beschäftigen sich mit Religionsanthropologie, schamanischem Bewusstsein und veränderten Bewusstseinszuständen. Zu ihren jüngsten Publikationen zählen The Anthropology of Magic (Bloomsbury, 2009) und Magical Consciousness: an anthropological and neurobiological approach (Routledge, 2015, mit Erik Goodwyn).

 

Christoph Keller studierte nach einem Studium der Mathematik und Physik in Berlin und Santiago de Chile bildende Künste an der HdK Berlin sowie Kunst und Film an der Kunsthochschule für Medien in Köln, wo er 1999 als Postgraduierter abschloss. Heute arbeitet und lebt er in Berlin. Christoph Keller untersucht in seiner Arbeit naturwissenschaftliche Phänomene aus künstlerischer Perspektive. Ferner arbeitet er zu grenzwissenschaftlichen Themenfeldern wie dem Verhältnis zwischen Hypnose und Kinematografie in seinem Hypnosis-Film-Project (2007) oder Visiting a Contemporary Art Museum under Hypnosis (2006), für das er Hypnosetechniken studierte und experimentell anwendete. Keller wurde für seine Arbeiten vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Ars Viva Preis für Kunst und Wissenschaft und dem Recollets-Stipendium in Paris. 2011 konzipierte er als Künstler-Kurator am Centre Georges Pompidou die Ausstellung L’Aether (de la Cosmologie à la Conscience). Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen Anarcheology (2014) und Grey Magic (2015) bei Esther Schipper sowie Small Survey on Nothingness (2014) in der Schering Stiftung Berlin. Derzeit unterrichtet er u.a. an der Haute école d'art et de désign in Genf.

Unterkategorien