All happy families. Glück und Scheitern der Familie im Film

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik E.02.09)

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo

Zeit: Dienstag, 16.00-20.00 Uhr, zweiwöchentlich, beginnend am 20.10.

Raum: E.O1.23

„All happy families are alike – each unhappy family is unhappy in its own way.“ Mit diesem berühmten Satz lässt Leo Tolstoi seine Ana Karenina beginnen. Alle glücklichen Familien gleichen einander – wieso? Weil die „glückliche Familie“ ein Versprechen ist, ein Bild oder Ideal. In Bildern von lachenden Kindern und sorgenden Müttern, von Sonntagsausflügen und Spieleabenden formuliert die Institution der Familie ein Glücksversprechen, das für viele reale (insbesondere für weiße und bürgerliche) Familien als handlungsanleitende Orientierung wirkt. Zugleich gibt es – wahrscheinlich bereits seit dem historischen Beginn der bürgerlichen Kleinfamilie – auch Bilder und Geschichten, die vom Scheitern erzählen, dieses versprochene Glück zu erreichen; von den verschiedenen „jeweils eigenen“ Arten des Unglücks, das die Orientierung am Ideal der Familie produziert. Gerade diese verschiedenen Weisen zu scheitern und die Formen von Gewalt und Verunsicherung, mit denen sie verbunden sein können, sind eine reichhaltige Quelle ästhetischer Auseinandersetzungen mit der Familie. Der Film nimmt bei dieser Dopplung von Bildern einen zentralen Stellenwert ein. Schließlich ist der Film ebenso ein bevorzugtes Medium zur Etablierung des Versprechens und Ideals der Familie wie er – auf dieser Grundlage – auch ein besonderes subversives Potential besitzt, um die Brüche und strukturelle Krisenhaftigkeit, die in diesem Versprechen liegen, in ihrer Eigenheit und Unterschiedlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Im Seminar werden wir uns mit der doppelten Struktur – Glücksversprechen und Krisenhaftigkeit der Familie – beschäftigen und uns dabei auf zwei Säulen stützen: Auf der einen Seite werden wir ausgewählte Filme zu diesem Themenkomplex anschauen und auf der anderen Seite werden wir theoretische Ansätze zur Bestimmung und Kritik der Familie lesen, die uns auch eine Grundlage bieten sollen, um die Filme gemeinsam zu diskutieren.

 

Subversive Lebensformen

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik E.02.09

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo

Zeit: Dienstag, 16.00-20.00 Uhr, zweiwöchentlich, beginnend am 27.10.

Raum: E.O1.23

Was sind subversive Lebensformen? Was kann das Anliegen, subversiv zu leben, bedeuten? „Subversion“ meint die Idee einer kritischen und auf Transformation zielenden Politik, die nicht in deklarierten politischen Institutionen oder in organisierten Kollektiven operiert, sondern eher auf unterwandernde Weise funktioniert – im Kleinen oder Verborgenen. Subversiv zu leben bedeutet demnach, dass eine solche Unterwanderung auch im Alltag, im jeweils individuellen Leben geschehen kann und darin vielleicht sogar ihren privilegierten Ort hat. Dieses Verständnis von Politik ist etwa in der feministischen Theorie und Praxis bedeutsam oder auch in bestimmten anarchistischen Ansätzen sowie in der Politik der „‘68er“. Slogans wie „Das Private ist politisch“ oder „Politik der ersten Person“ zeugen von einer solchen Perspektive, die Politik im Leben verortet  und in der Transformation des eigenen Lebens gar die Grundlage für gesellschaftliche und revolutionäre Umwälzungen sieht. Dabei kann – je nach Ansatz – die Politisierung des eigenen Lebens gänzlich Unterschiedliches bedeuten: von der Bildung neuer und solidarischer „Beziehungsweisen“ (wie Bini Adamczak vorschlägt), über die Verweigerung von Aktivität (wie die klassische Figur des „Bartleby“ gedeutet wurde) und dem Rückzug aus der Gesellschaft (wie es Henry-David Thoreau erprobte) zu praktiziertem Antifaschismus (wozu Natasha Lennard in ihren aktuellen „Essays on Non-Fascist Life“ aufruft), feministischer Alltagspraxis (so Sara Ahmed in „Living a Feminist Life“) und der Transformation des eigenen Körpers (wie sie Paul Preciado in seinen jüngst erschienen „Chroniken des Übergangs“ beschreibt).

Wir wollen uns im Seminar der Unterschiedlichkeit und auch internen Spannung dieser Ansätze stellen und dabei das jeweilige Verständnis von Politik sowie von Leben und dessen Gestaltung diskutieren. Wie individualistisch, wie utopisch, wie interventionistisch, wie konstruktiv oder wie negativ erscheint jeweils Politik? Was passiert mit dem Bezug auf den Alltag, auf Privatheit, auf Beziehungen oder auf den eigenen Körper, wenn diese zu politischen Schauplätzen werden? Und was geht dabei womöglich verloren? Welche Möglichkeiten der Emanzipation, aber auch welche Probleme und Gefahren, können in der Engführung von Politik und Leben liegen und was können wir selbst aus den diskutierten Ansätzen und Vorschlägen mitnehmen?

 

Futurismen: Politik und Ästhetik der Zukunft

Oberseminar und Forschungskolloquium Philosophie

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo und Anne Gräfe, M.A.

Zeit: Mittwoch 17.00–21.00 Uhr, zweiwöchentlich.

Termine: 28.10., 11.11., 25.11., 09.12., 13.01., 27.01., 10.02.

Termine Doktorand_innenkolloquium: 09.12., 10.02.

Raum: E.EG.28

Was bedeutet „Zukunft“ als ästhetisch-politische Kategorie und was impliziert deren Verwendung? Wenn man verschiedene Weisen der ästhetischen und politischen Bezugnahme auf „Zukunft“ betrachtet, zeigt sich, dass dies sehr Unterschiedliches bedeuten kann. So forderte der italienische Futurismus der 1910er und ‘20er Jahre eine Befreiung der Kunst von ihrer nostalgischen Bindung an die Vergangenheit, um sich durch die volle Entfaltung kreativer Energien in „Schöpfung und Tat“ der „Zukunft“ zu öffnen. Dabei wollte man – in immer expliziterer Nähe zum Faschismus – von der Modernisierung der Kunst zu einer Politik übergehen, die „gewalttätig“, „freiheitlich“, „dynamisch“ und von der „Schönheit“ des Krieges und der Gefahr geleitet sei. Wenn heute der sogenannte „Akzelerationismus“ ebenfalls verspricht, die Zukunft zurückzuholen, so gibt es dabei klare Bezüge zur Kategorie der Zukunft im historischen Futurismus, auch wenn hier explizit ein anderes politisches Programm im Zentrum steht. Das Beispiel des „Afrofuturismus“ bringt wiederum die Bezugnahme auf eine utopische, aber nicht konkret bestimmbare, Zukunft ein, um über rassistische Verhältnisse hinauszudenken, während auf der anderen Seite die – kritisch gemeinte – Kategorie „Reproductive Futurism“ (Lee Edelman) verdeutlicht, wie die Zukunft zu einer eigenen normativen Instanz werden kann (etwa in der Rede von den „zukünftigen Generationen“), durch die politische Handlungsfähigkeit in der Gegenwart begrenzt wird. Mit der Kategorie „Zukunft“ ist außerdem auch der Anspruch auf Verbesserung, Optimierung und Fortschritt verbunden – Kategorien, die im Kontext des „Neoliberalismus“ deutlich bestimmend sind und mittlerweile in sämtliche Gesellschaftsbereiche hineinragen.

„Zukunft“ bedeutet eine Öffnung, die Hoffnung auf eine Bewegung der Veränderung, in der die Gegenwart zur Vergangenheit geworden ist. Dass dies sowohl auf ein utopisches Moment verweisen als auch repressiv und zerstörerisch funktionieren kann, soll im Oberseminar diskutiert werden. Indem wir uns mit verschiedenen hier genannten „Futurismen“ auseinandersetzen, versuchen wir die verschiedenen Stränge, Bedeutungsdimensionen und internen Ambivalenzen im Zukunftsbezug zu verstehen und zu systematisieren.

Zum Seminar gehört auch das Forschungskolloquium Philosophie. In zwei der Sitzungen (09.12. und 10.02.) wird es die Möglichkeit geben, (zukünftige) Dissertationen, Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte zu besprechen. Studierende und Interessierte sind sehr herzlich eingeladen, ihre Arbeiten vorzustellen. Bei Interesse melden Sie sich bitte unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Grundlagen der Kunst- und Kulturgeschichte / Einführung in die Kunstgeschichte und Philosophie

Freie Kunst FK-T1 sowie KP D.01.09 (Pflichtveranstaltung für Studierende im 1. Sem. der Freien Kunst und der Kunstpädagogik)

Dozent*innen: Prof. Dr. Marina Martinez Mateo, Prof. Dr. Florian Matzner, Prof. Dr. Dietmar Rübel.

Zeit: Mittwoch, 14.00–14.45 oder 15.00–15.45 Uhr (wöchentlich), beginnend am 21.10.2020

Raum: E.EG.28 oder E.O1.23 oder E.EG.29 (je nach Anmeldung)

Die wöchentliche Veranstaltung zielt auf die Vermittlung von Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, insbesondere in Kunstgeschichte und Philosophie. An exemplarischen Beispielen wird ein Überblick über die Geschichte der Kunst sowie die wichtigsten Methoden sowie Themenfelder der Kunstgeschichte und Philosophie geboten. Dazu werden ausgewählte Kunstwerke in Verbindung mit ausgewählten Texten (Primärquellen sowie Sekundärliteratur) gemeinsam diskutiert. Zudem besuchen wir die für die Geschichte und Theorie der Kunst wichtigen Museen und Bibliotheken. Der Bibliotheksbesuch dient auch der Einführung in die Literaturrecherche; zudem werden relevante Internetressourcen vorgestellt und Hinweise zum Erstellen von Referaten und Hausarbeiten gegeben.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit)

 

Singularitäten und Singularisierung

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik E.02.09)

Anne Gräfe (M.A.)

Zeit: Donnerstag, 15.00-17.00 Uhr, wöchentlich, beginnend am 29.10.

Raum: A.EG.01, E.EG.28 (10.12.)

In seinem Buch Die Gesellschaft der Singularitäten erklärt der Kultursoziologe Andreas Reckwitz, dass sich anhand des Prozesses der Singularisierung die kulturellen, politischen und sozialen Entwicklungen der Gegenwart erklären ließen. Die Singularisierung beschreibt demnach den Entstehungsprozess der Singularitäten. Aber was sind eigentlich Singularitäten? Denn je nach theoretischer sowie politischer Perspektive subsummieren sich unter dem Begriff der Singularität eigentlich äußerst diverse Vorstellungen: So wird Singularität mal als einheitliche Einheit des Singulars als „Single“ (Jameson), als prozessual (Haraway), als individuell einzigartig (Reckwitz), als universell (Badiou), als plural (Nancy), als nichtmenschliche Kraft (Deleuze), sowie als technologisches Ereignis verstanden, welches „die menschliche Zivilisation radikal verändern wird“ (Eden, Moor). Für Felix Guattari ist der Prozess der Singularisierung darüber hinaus eine mögliche Gegenkraft zu Standardisierung und Normierung im Kapitalismus, da dieser „neue soziale und ästhetische Praktiken, neue Praktiken des Selbst“ ermögliche und somit gerade nicht das Singuläre als normativ einzigartig beschreibe, sondern als divers und stetig in Veränderung begriffen.

Die verschiedenen theoretischen Ansätze sollen im Seminar dahingehend diskutiert werden, wie Singularität ein pluralistisches „Eins“ anspricht, wie es sich von der Idee des Spezifischen und Individuellen unterscheidet und inwiefern der Prozess der Singularisierung stets eine (kritische?) Reaktion auf als gegeben und normiert gesetzte Lebensweisen der Gegenwart zu verstehen ist, die sich in dem Gebot der Gleichheit in Verschiedenartigkeit ausdrücken ließen.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten)

 

Camp, Gegen-Interpretation und eine neue ästhetische Erlebnisweise

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik E.02.09)

Anne Gräfe (M.A.)

Zeit: Freitag, 10.00-14.00 Uhr, zweiwöchentlich, beginnend am 06.11., weitere Termine: 20.11. / 4.12. / 18.12. / 8.1. / 22.01. / 5.2.

Raum: E.O1.23

„Es gibt außer der ‚Postmoderne‘ in der ästhetischen Theorie wohl keinen Begriff, der so diffus und gleichzeitig so wirkungsmächtig ist“, wie ‚camp‘, schrieb Felix Stephan in der Süddeutschen Zeitung. Was ‚camp‘ ist, sei dafür umso problematischer zu fassen. 1964 definiert Susan Sontag 'camp' als eine Erlebnisweise, eine Sensibilität in der Art und Weise der Betrachtung der Kunst und der Welt unter rein ästhetischen Gesichtspunkten. Dabei wird das Ästhetische derart überhöht, dass das Moralische und das Politische scheinbar dahinter verschwinden. Das Teilnahmslose, Coole und dabei vermeintlich nicht Identifizierende ist es, was Camp einerseits ausmacht. Andererseits ist Camp verwandt mit Ironie, Kitsch und Popkultur. „Reines Camp ist immer naiv. Camp, das weiß, dass es Camp ist, überzeugt in der Regel weniger.“ Die als camp rezipierte Kunst, ist somit in aller Regel ernst gemeint und wird dadurch zugleich als camp wie nicht-camp rezipiert, also sowohl als camp als auch als ernst gemeinte, sich damit zu identifizierender Kunst verstanden. Bei Camp wurde in Form der ironischen Überhöhung und Übertreibung von sich selbst ernstnehmenden stereotypen Vorstellungen innerhalb der Gesellschaft gerade jene stereotype Vorstellung als solche vorgeführt und entlarvt (auch wenn das nicht primäres Ziel der Camp-Bewegung gewesen sein mag). Interessant ist, dass Camp, von dem Susan Sontag selbst schrieb, es sei nicht zu beschreiben möglich, sich von einer ironischen Brechung mit der Massenkultur der 1960er und -70er Jahre, „Kultur in Anführungszeichen zu konsumieren“, in der Gegenwart zu einer Retro-Mode und damit einem Massenphänomen entwickelte, dabei mittlerweile als oftmals ironiefreie Aneignung und Überhöhung, mithin als Produkt wie Motor, dieser Massenkultur fungiert. Und nicht zuletzt sah Sontag im Erleben der Psychopathologien des Überflusses den Erfahrungsraum für Camp abgesteckt. Diese Psychopathologien des Überflusses haben sich seit damals jedoch intensiviert und verändert. Was kann dann heute camp sein?

Ausgehend von Susan Sontags Essays wird das Seminar mit Blick auf aktuelle künstlerische Positionen und andere theoretische Texte untersuchen, welche Aktualisierungen sich seit Sontags Essays in Kunst, Popkultur und Ästhetik ausmachen lassen und wie Sontags Überlegungen in Zeiten von Identitätspolitik und Spätkapitalismus weiterhin helfen könnten, eine andere Perspektive, als neue ästhetische Erlebnisweise, einzunehmen.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten).

 

Unter anderen Bedingungen

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik E.02.09)

Nisaar Ulama, M.A.

Termine: Do 29.10., 18.00-20.00 Uhr, Fr 30.10., 10.00-18.00 Uhr, Sa 31.10., 10.00-16.00 Uhr

Raum: A.EG.01

Unter anderen Bedingungen wäre die Akademie ein Ort des freien Austausches und ein Seminar der Raum, in dem nichts außer Frage steht – auch das, was Theorie und Praxis, Philosophie und Kunst überhaupt sein können. Nun steht dies selbst in Frage, für ungewisse Zeit. Wie andere Orte der Zusammenkunft und der Zusammenarbeit ist auch die Akademie damit konfrontiert, eigentlich unmögliche Bedingungen festlegen zu müssen, um eine Minimalform des Austausches garantieren zu können.

Doch zwischen der Sehnsucht nach Normalität und der Erschöpfung durch Improvisation lässt sich ein Ausnahmezustand auch als Gelegenheit verstehen, ganz Grundsätzliches anzuzweifeln. Mehr denn je stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen unsere Kunst- und Wissensproduktion eigentlich stattgefunden hat und in Zukunft stattfinden soll. Was kann die Souveränität einer Institution wie der Akademie der Bildenden Künste, als Garant theoretischer und praktischer Freiheit noch bedeuten? Was bleibt von unseren Klagen, wenn wir das Selbstmitleid der Privilegierten abziehen? Wogegen sollen die dicken Mauern der Akademie eigentlich noch schützen?

Dies sind einige Fragen, durch die wir nicht unbedingt zu Antworten, aber möglicherweise zu anderen Bedingungen gelangen könnten. Das Seminar findet als Blockseminar statt, und frei nach Derrida gilt daher: Lassen wir uns Zeit, aber tun wir es schnell, denn wir wissen nicht, was uns erwartet.

Lektüre zur Vorbereitung:

Rosi Braidotti, How To Do Posthuman Thinking, in: Dies., Posthuman Knowledge, Polity Press 2019

Jacques Derrida, Die unbedingte Universität, Suhrkamp 2001

Zoe Todd, An Indigenous Feminist’s Take On The Ontological Turn: ‘Ontology’ Is Just Another Word For Colonialism, in: Journal of Historical Sociology Vol. 29 (1), 2016

 

Das Gewebe der Dämonischen Leinwand – Bildräume jenseits von Sichtbarkeit

Lehrauftrag

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik E.02.09)

Leo Heinik 

Zeit: Freitag, 10.00-14.00 Uhr, zweiwöchentlich, beginnend am 23.10.

Weitere Termine: Termine: 23.10., 30.10., 13.11., 27.11., 11.12., 15.01., 29.01.

Raum: E.O1.23

Die Dämonische Leinwand ist der Titel, den Lotte H. Eisner für ihr 1952 erschienenes Buch über die Entwicklung der Filmproduktion im Deutschland der 1920er Jahre gewählt hat. Eisner ist keine distanzierte Beobachterin – ist die Geschichte, die sie bis zum Nationalsozialismus nachzeichnet, doch auch eng mit ihrer eigenen Biografie verknüpft. Mit vielen ihrer Protagonist*innen verband sie eine enge Freundschaft. Als oppositionelle, jüdische Autorin sah sie sich 1933 nach der Machtübernahme durch die Nazis gezwungen, aus Deutschland zu fliehen. Mit der Figur des Dämonischen legt sie einen Zugang zu den Widersprüchen und Abgründen, die sich in den Verwerfungen der Leinwand verbergen. Wenn sich auf ihrer Oberfläche Doppel- und Wiedergänger*innen aus dem Helldunkel schälen und mit ausufernden, abgehackten Bewegungen wieder in die expressiven Hintergründe stürzen, gibt sich die Leinwand als besessene, heimgesuchte Struktur zu erkennen. Sie wölbt und sträubt sich unter den Spannungen, die an ihr zerren, richtet sich auf und faltet sich zum Spukhaus, in dem sich eine Bewohner*in wiederfindet, die kurz zuvor noch dachte, sie sei lediglich Betrachter*in.

Von Eisner, die sich auf Goethes Sprachgebrauch des Dämonischen als unerbittlicher Schicksalskraft bezieht, führt das Seminar zu Jacques Derridas Hantologie. Als Gegenkonzept zur Ontologie, der Lehre vom Seienden, besetzt diese materialistische Lehre von der Heimsuchung die Lücken, die sich an den Übergängen zwischen den Zeit- und Bedeutungsebenen von Ware, Gebrauchsgegenstand und Erinnerungsträger auftun. Wendy Hui Kyong Chun zeigt, dass auch in zeitgenössischen Technologien dämonische Kräfte am Werk sind. In der Gestalt von Hintergrundprozessen sind sie an der Aufrechterhaltung von Interfaces beteiligt, die ihren User*innen Gefühle von Kontrolle und Handlungsfreiheit vermitteln. In aktuellen Filmen von Nia DaCosta, Mati Diop, Bong Joon-ho und Jordan Peele sind Besessenheit und Heimsuchung Werkzeuge, mit denen rassistische und klassistische Strukturen greifbar werden.

In jeder Sitzung werden ausgewählte Texte und Filme zueinander in Bezug gesetzt und diskutiert. Damit folgt das Seminar den Dynamiken des Dämonischen und der Heimsuchung in der Hoffnung, das Feld des Sichtbaren letztlich zu verlassen. Denn der Blick ist träge und der visuellen Flüchtigkeit der Geister nicht gewachsen. Ist es möglich, die Erscheinungen zu fassen zu bekommen? Wie fühlt sich ein Gespenst an, wie eine Projektion?

 

Reproduktion, Zirkulation, Migration. Gegenwärtige Positionen der Ästhetik

Lehrauftrag

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4)

David Weber 
Termine: 13.01. 14.00–18.00 Uhr, 14.01. 10.00–18.00 Uhr, 15.01. 10.00–16.00 Uhr

Raum: A.EG.01 (13.01.), E.EG.28 (14./15.01.)

Das Blockseminar bietet eine schlaglichtartige Kartierung zeitgenössischer ästhetischer Theorie im Anschluss an prominente Positionen der Moderne und Postmoderne. Aufgegriffen werden Begriffe wie Reproduktion und Reproduzierbarkeit (Benjamin), der Medienspezifik (Greenberg, Fried, Krauss), der Dissemination (Derrida, Barthes) und des Simulakrums (Baudrillard, Deleuze), um ihre diskursgeschichtlichen Transfers in Theorieentwürfe nachzuzeichnen, die sich bemühen, spezifisch zeitgenössische Phänomene zu erfassen. Es geht dabei u.a. um die Verflüssigung und Entgrenzung der Reproduktion im Zeitalter digitaler Netzwerke, wo Aspekte der Dematerialisierung (Lucy Lippard) und der Rematerialisierung („Post-Digital“, Diana Coole) in einem eigentümlichen Double-Bind verschaltet sind. Schon spätestens in den 70er Jahren (Pictures, Crimp) hatte sich die gleißende Tiefe reproduzierter Oberflächen erwiesen; diese gewinnt unterdessen als Zirkulation in den Netzen eine veränderte Dynamik und propagiert Modifikationen im Status der Werke und Autor*innenschaft (Joselit, Steyerl, Price). Gibt es also eine New Aesthetic (Bridle, Sterling, Manovich, Galloway) im Kontext eines post-postmodernen, millennialen Mindsets (New Sincerity, Foster Wallace, Tao Lin)? Die Globalisierung qua Datennetzen ist dabei nicht zu trennen von den Bewegungen der Kulturen, Waren und Menschen: Phänomene der Afroisierung markieren, neben anderen, die Tatsachen verallgemeinerter Migration: Sei es modernistisch-optimistisch: Afro-Futurismus (Anderson, Delaney, Eshun); skeptisch-militant: Afro-Pessimismus (Sexton, Moten, Wilderson); oder post-Ferguson thetisch: This is … Afro-Surrealismus (T. Francis, D. Glover, T. Nance).

 

Full Surrogacy now

Lehrauftrag der Frauenbeauftragten

Seminar (Freie Kunst FK-T2)

Yanna Thönnes

Termine: Fr 27.11., 14.00-17.00 Uhr, Fr 04.12., 10.00-17.00 Uhr, Sa 05.12., 10.00-17.00 Uhr

Raum: E.O1.23 (27.11.), E.EG.28 (04.12.), A.EG.01 (05.12.)

Um Anmeldung wird gebeten per Studierendenportal

“Where pregnancy is concerned, let every pregnancy be for everyone. Let us
overthrow, in short, the family.”

Schwangerschaft ist immer noch ein ungelöstes Problem.

Das Seminar “Full Surrogacy Now” wird sich mit dem Mythos Mutterschaft beschäftigen, indem es eine Gegenfigur analysiert: Die Leihmutter. Anhand der Lektüre von “Full Surrogacy Now - Feminism Against Family” von Sophie Lewis werden wir verschiedene Themen rund um das Phänomen Leihmutterschaft beleuchten: Surrogacy (von lat surrogare: ersetzen) interessiert uns zunächst als Phänomen der bezahlten Reproduktionsarbeit, welche in neoliberale Machtgefälle entlang von Gender, Klasse, Race und Kaste verstrickt ist.

In der Untersuchung der Mechanismen, die reproduktive globale Ungleichheiten hervorbringen, werden wir den Markt rund um den “Traum vom genetisch verwandten Kind” sondieren: Fallstudien von indischen sogenannten Baby-Farmen und die globalen Wege von Eizellen, Spermien, den sogenannten commissioning parents und Leihmüttern dienen uns als Grundlage, um das ökonomische Feld zu verstehen. Schließlich fokussieren wir uns auf die Arbeit der Leihmütter selbst, die sich zwischen Affektkontrolle, emotionalem Management, ständiger Verfügbarkeit und Stigmatisierung abspielt.

Im zweiten Teil des Seminars soll der Mythos Mutterschaft als Darstellungsthema der jüngeren Kunstgeschichte sowie zeitgenössischer Positionen beleuchtet werden. Abschließend gilt es, zu diskutieren, wie Leihmutterschaft als theoretische Figur und als Praxis ihr queeres Potential entfalten und patriarchale, kapitalistische Konstruktionen von Familie auf den Kopf stellen kann - und nicht zuletzt, wie wir als junge Künstler*innen mit der Frage von Elternschaft persönlich konfrontiert sind.

 

Sommersemester 2020

Von Aisthesis zu Ästhetik

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Vorlesung (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.01.09)

Donnerstag 11.00–13.00 Uhr (wöchentlich), Beginn: 30.04.2020

Die Veranstaltung wird (zunächst) online stattfinden. 

 

(Raum: E.O1.23, E.EG.22 (16.07.))

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Was ist Ästhetik? Diese Frage ist nicht nur deshalb unmöglich zu beantworten, weil „Ästhetik“ ein umkämpfter und deutungsabhängiger Begriff ist. Sie ist darüber hinaus auch historisch höchst spezifisch und selbst – nicht nur in der möglichen Antwort, sondern bereits in der Formulierung der Frage – Ergebnis einer historischen

Entwicklung, mit der das Ästhetische erstmals zu einem (philosophischen) Thema wurde. Bezog sich das alte Verständnis von Ästhetik (unter dem Begriff „Aisthesis“) eher auf Sinneswahrnehmung im Allgemeinen, lässt sich im 18. Jahrhundert ein Umbruch verzeichnen: Erstmals wurde Ästhetik mit einer besonderen Form der Erfahrung und einer besonderen Form des Ausdrucks in Verbindung gebracht, die sich von einer unmittelbar-unreflektierten, „natürlichen“ Form der Wahrnehmung unterschieden und darin philosophisch bedeutsam wurden.

Wie lässt sich dieser Umbruch beschreiben und was genau bedeutet er? Inwiefern geht die alte Bedeutung (in neuer Form) in den modernen Ästhetikbegriff ein und wo kommt dabei das Neue her? Zum Verständnis des „modernen“ Begriffs der Ästhetik ist es von wesentlicher Bedeutung, diesen Bruch genauer in den Blick zu nehmen, und zu verstehen, wie (und wogegen) sich dieser Begriff herausgebildet hat. Entscheidend ist dabei auch, den politischen Kontext zu berücksichtigen. Schließlich liegen diese begrifflichen Verschiebungen in einer Zeit revolutionärer Umbrüche – was Jacques Rancière zur Aussage gebracht hat, „die gesellschaftliche Revolution ist eine Tochter der ästhetischen Revolution“. Die Vorlesung wird entsprechend zwei Strategien verfolgen: Auf der einen Seite werden wir die zentralen philosophischen Texte der Zeit betrachten, an denen sich die Herausbildung eines neuen Begriffs der Ästhetik nicht nur zeigt, sondern teilweise auch explizit vorgenommen wird. Auf der anderen Seite werden wir aktuelle (bzw. aktuellere) Texte diskutieren, in denen dieser Umbruch reflektiert und in seiner historischen Bedeutung gedeutet wird. Am Ende der Vorlesung werden wir die Frage „Was ist Ästhetik?“ sicherlich nicht beantwortet, aber womöglich einen Eindruck davon bekommen haben, was in dieser Frage alles impliziert und angenommen ist.

 

Dekoloniale Ästhetik und Negritude

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Dienstag, 16.00–20.00 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 28.04.2020

Das Seminar wird als Kombination aus gemeinsam gestaltetem Blog und online-Diskussion stattfinden.

 

(Raum: E.O1.23, E.EG.22 (14.07.))

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Was Ästhetik ist, was als schön gilt oder was es wert erscheint, in den Kanon der Kunstgeschichte aufgenommen zu werden, ist geprägt durch eine Geschichte des Kolonialismus und eine Gegenwart rassistischer Verhältnisse. Nicht nur ist die Gültigkeit ästhetischer Kategorien eurozentrisch geprägt, sondern die Institution des Museums hat darüber hinaus an der Etablierung des Kolonialismus auch aktiv mitgewirkt – wie sich etwa an der aktuellen Diskussion um Restitution zeigt.

Diese Verwobenheit von Ästhetik und Kolonialismus wird im Zentrum des Seminars stehen. Dabei werden wir einerseits Ansätze in den Blick nehmen, die sich kritisch damit auseinandersetzen und sowohl die gängigen ästhetischen Kategorien als auch etablierte Kunst- und Ausstellungspraktiken aus dieser Perspektive in Frage stellen. Andererseits werden wir verschiedene künstlerische, theoretische wie politische Bewegungen diskutieren, die versucht haben (bzw. versuchen), durch eine neue Ästhetik diesen weißen Eurozentrismus zu durchbrechen, und darin auch eine anti-koloniale politische Praxis zu vollziehen suchen. Dazu gehört etwa die Negritude-Bewegung der 1930er Jahre, die in ihrem literarischen wie theoretischen Ausdruck einen Kampf um politische wie ästhetische Selbstbestimmung – um eine Neubestimmung dessen, was „schwarz“ sein bedeutet – sah (besonders bekannt sind hier etwa Aime Césaire, Léopolod Sédar Senghor oder Paulette Nardal). Die Negritude hat nicht nur eine Reihe von (teilweise äußerst kritischen) Diskussionen entfacht (hier sind etwa Frantz Fanon und Jean-Paul Sartre zu nennen), sondern auch die europäische Kunst der Zeit sichtbar beeinflusst. In aktuellen Ansätzen einer „black radical aesthetics“ werden diese Diskussionen gewissermaßen aufgegriffen, um – von dort ausgehend und gegen ihre Fallstricke – die Erfahrung des „Schwarzseins“ ästhetisch zu deuten, um nach widerständigen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. Dieser ästhetische Ausdruck wird zu einer politischen Positionierung und zu einem Mittel antirassistischer Kämpfe – aus einer Situation radikalen Ausschlusses heraus, in der jede politische Handlungsmöglichkeit abgeschnitten scheint (zentrale Ansätze sind hier etwa diejenigen von Fred Morten und Hortense Spiller).

In Auseinandersetzung mit diesen Positionen und Ansätzen wird das Seminar die Frage adressieren, wie eine dekoloniale Ästhetik aussehen könnte und welche Rolle die Kategorie „race“ dafür spielen müsste. Damit steht auch der Zusammenhang von ästhetischem Ausdruck und politischer Transformation ganz im Zentrum der Diskussion. Orientieren werden wir uns dabei an den drei genannten thematischen Blöcken: 1. Kritische Perspektiven auf Kolonialismus und Ästhetik; 2. Diskussionen um Negritude; 3. Black Radical Aesthetics.

 

Hannah Arendt – Denken ohne Geländer

Anne Gräfe, M. A. (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

 

Das Seminar ist aufgrund der gegenwärtigen Situation als Home- und Onlineseminar geplant. Die Anmeldung erfolgt weiterhin über das Studierendenportal. Via Sync&Share werden Seminarplan, Medien, Links, sowie alle weiteren Informationen zur Verfügung gestellt. Der Link zu Sync&Share sowie zum Online-Konferenz-Raum wird in der ersten Vorlesungswoche via Mail an alle über das Studierendenportal registrierten Teilnehmenden versendet.

 

 

Die Exkursion nach Berlin (siehe unten) bleibt erst einmal wie geplant und wird je nach Entwicklung verschoben.

 

Bei Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen und daraus erfolgendem 'normalen' Akademiebetrieb:

Donnerstag 15.00–17.00 Uhr (wöchentlich); Beginn: 30.04.2020; Raum: E.EG.22, E.ZG.04 (16.07.)

 

Ein „Denken ohne Geländer“ nennt Hannah Arendt (1906 – 1975) ihre Methode des radikal unabhängigen Denkens, das frei von allgemeinen Glaubenssätzen, modischen Denkrichtungen, feststehenden Prinzipien, tradierten Normen und gängigen Vorurteilen ein selbstständiges, reflektiertes Urteilen ermöglicht und Fragen aufzuwerfen imstande ist, deren Aktualität auch in unserer Gegenwart ungebrochen erscheinen. So fragt Arendt beispielsweise angesichts der politischen Ereignisse ihrer Zeit, „Hat Politik überhaupt noch einen Sinn?“. Denn die Krisen der Welt lassen sich oft nicht mit herkömmlichen Erklärungsmustern deuten, noch ließe sich laut Arendt das Ereignis des Totalitarismus als ungebrochene Kontinuität begreifen. Das bedeutet, dass das Denken neu gelernt werden muss, „als wenn niemand zuvor gedacht hätte“. Das Seminar übt mit Arendt, „wie man denkt“, ohne „Vorschriften darüber, was gedacht werden soll oder welche Wahrheiten hochzuhalten wären“. Arendts Antwort auf ihre obige Frage ist denn auch: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“. Denn politische Freiheit, Freiheit überhaupt, ist für Hannah Arendt unabdingbar verknüpft mit dem, was Kant sensus communis nennt, Gemeinsinn. Der Gemeinsinn begründet einen stets offen zu haltenden Zwischenraum, in dem sich frei bewegt, gedacht, verhandelt und reflektiert geurteilt werden kann. 

Das Seminar wird jenes reflektierte Urteilen, das aus dem Denken ohne Geländer erwächst, anhand verschiedener Texte Hannah Arendts, u.a. zur Lage der Geflüchteten, zum Eichmann-Prozess, über Revolutionen, Feminismus, Studierendenbewegungen aber auch zu Philosophie und Politik, diskutieren und anhand eigener gegenwartsbezogener Fragen aktualiseren.

 

Exkursion:

Vom 27. – 29.05. wird es eine das Seminar begleitende Exkursion zur Ausstellung „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ im Deutschen Historischen Museum Berlin geben.

27.05. 15 Uhr: Besuch der Ausstellung inkl. Kuratorinnenführung + Abendveranstaltung zu Hannah Arendt und die Studierendenbewegung; mit Monika Boll (Kuratorin), Norbert Frei (Historiker, Uni Jena), Philipp Felsch (Kulturwissenschaftler HU), Mathias Schloßberger (Philosoph, Viadrina)

28.05. 16-20 Uhr: gemeinsamer Workshop am Institut für Kulturwissenschaft der HU zusammen mit dem Seminar „Links-Mitte-Rechts“ von Mathias Schloßberger, Europa-Universität Viadrina

29.05.: angefragter Vortrag * Diskussion zu "Hannah Arendt und der Populismus"

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, um vorherige Anmeldung wird gebeten unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

 

Gesellschaft in Überforderung

Anne Gräfe, M. A. (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Das Seminar wird aufgrund der gegenwärtigen Situation nicht wie geplant als Präsenzseminar sondern in anderer Form stattfinden. Unter Sync&Share werden Seminarplan, Medien, Links, sowie alle weiteren Informationen zur Verfügung gestellt. Der Link zu Sync&Share sowie zum Online-Konferenz-Raum wird in der ersten Vorlesungswoche via Mail an alle über das Studierendenportal registrierten Teilnehmenden versendet.

 

Bei Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen und daraus erfolgendem 'normalen' Akademiebetrieb:

Freitag 10.00–14.00 Uhr (zweiwöchentlich);  Beginn: 08.05.2020; weitere Termine: 05.06., 12.06., 19.06., 03.07., 17.07.; Raum: E.O1.23, E.EG.22 (17.07.)

 

Die Ermüdung, Indifferenz oder gar Langeweile, die Betrachter/innen zeitgenössischer Kunst ereilt, kann als jene Art von Aufmerksamkeitsüberforderung verstanden werden, die man erleidet, wenn man versucht, ein Wörterbuch zu lesen (Sianne Ngai). Dass diese Überforderung in Langeweile umschlägt, diese Langeweile wiederum ein kritisches Potential entwickeln kann, soll im Seminar diskutiert werden.

Die Subjekte der Gegenwart unterstehen einem stetigen Aktualisierungsprozess, welcher sich nicht zuletzt in den Arbeiten der Gegenwartskunst niederschlägt. Wurde das Subjekt in der Vergangenheit noch fremdbestimmt und durch ein fremdes „Außen“ diszipliniert, hat sich das Subjekt der Gegenwart oft genug bereits diesen Anforderungen angepasst und Disziplinierung und Kontrolle finden von „Innen“ her statt (Michel Foucault): Die entgrenzten Arbeitsverhältnisse, in denen Flexibilität, ständige Erreichbarkeit und Selbstkontrolle vorausgesetzt werden, wo nicht mehr von 9 bis 5 sondern auf Projektbasis gearbeitet, Zeiterfassung in Vertrauensarbeitszeit und der Arbeitsplatz in Homeoffice umgewandelt wird, wirken sich also weiterhin auch auf das Subjekt der Gegenwart aus, indem sie dieses auch weiterhin „von außen“ disziplinieren. Aber darüber hinaus vollzieht sich innerhalb bestimmter Arbeitsbereiche eine Selbstdisziplinierung qua Anpassung, Autonomisierung und Flexibilisierung, die einer Inkorporierung dieser oben genannten entgrenzenden Anrufungen gleichkommt. In der Leistungsgesellschaft steigern die Subjekte der Gegenwart als „Homo oeconomicus“ (Ulrich Bröckling) ihre eigene Leistungsfähigkeit. Arbeit wird zu einem Lebensprojekt in dem sich Arbeitszeit und Lebenszeit nicht nur überschneiden sondern eins werden. So werden vermeintlich private Momente weiterhin als Optimierungszeit in Form von Sinnerfüllung und Auslastung der Lebenszeit genutzt. Die freie, leere Zeit muss mit Sinn erfüllt werden.

Wenn sich jedoch, trotz aller Bemühungen die Langeweile zu besiegen, gegenüber dem vermeintlich Interessanten und Informativen nicht Sinnerfüllung sondern Indifferenz und Lagenweile einstellen, weil die Überforderung zu groß wird, zeigt sich, wie nah beieinander das Interessante und das Langweilige liegen.

Welche Praktiken und Positionen in der Gegenwartskunst diesen depressiven Hedonismus (Marc Fisher) als neuen buddhistischen Geist des Kapitalismus (Greta Wagner) umsetzen, soll im Seminar neben verschiedenen Gegenwartsanalysen aus Philosophie und Sozialwissenschaft mitdiskutiert werden.

 

Kybernetik und Revolte

Seminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Nisaar Ulama, M. A. (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Das Seminar wird auf das Semesterende verschoben. Texte zur Vorbereitung werden zu Semesterbeginn bereitgestellt. Anmeldung über das Studierendenportal (Teilnehmerbegrenzung).

 

Das Seminar ist nach einem Text des anonymen Autorenkollektivs Tiqqun betitelt. Verhandelt wird dort eine „kybernetische Hypothese“, nämlich die spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg vorherrschende Überzeugung, dass unsere „biologischen, physischen und sozialen Verhaltensweisen als voll und ganz programmiert und neu programmierbar“ zu betrachten sind.

Tiqqun reihen sich in eine Theorietradition ein, für die politische, technische, ästhetische und ökonomische Entwicklungen der Moderne nur als miteinander verschränkte Phänomene zu analysieren sind. Solche Theorien, von denen einige zu historischen Klassikern und prominenten Stichwortgebern der Kulturkritik geworden sind, sollen im Zentrum des Seminars stehen. Hierzu gehören u.a. Jean-François Lyotards Vorstellungen einer ‚postmodernen‘ Wissensgesellschaft; Paul Virilios Dromologie, der zufolge wir in einem ‚rasenden Stillstand‘ gefangen sind; oder Jean Baudrillards These einer Gesellschaft der Simulakren, in der Kunst und Politik tot sind, da die „Realität selbst […] mit ihrem eigenen Bild verschmolzen ist“. Gegenwärtig werden diese Kritiken von Denkerinnen wie Shoshanna Zuboff oder Luciana Parisi fortgeschrieben, die algorithmische Entscheidungsprozesse und die Totalität eines digitalen Überwachungskapitalismus analysieren.

Doch gibt es auch Stimmen, die auf ein emanzipatorisches Potential des Technischen beharren. Warten wir nicht schon zu lange auf eine befreite menschliche Natur irgendwo jenseits des Technokapitalismus? Das Kollektiv Laboria Cuboniks fordert in ihrem Xenofeministischen Manifest deswegen eine „Politik der Entfremdung“, um andere Realitäten zu ermöglichen: „If nature is unjust, change nature!“

Um die Frage nach gesellschaftlichem Wandel angesichts einer Ohnmacht des Politischen kreisen alle hier genannten Texte, und insofern markiert der Titel von Tiqqun ein Paradox: Lässt die Macht eines abgeschlossenen kybernetischen Systems überhaupt so etwas wie Revolte zu? Wird nicht jedes Außen durch sämtliche Informations- und Bildkanäle zu einem Innen? Ist, mit anderen Worten, alle Rhetorik von Subversion und Widerstand immer schon einberechnet und daher wertlos?

 

Ästhetik des Wahns. Perspektiven auf Kunst und Psychiatrie

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09)

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Termine: 06.05. 17.00–19.00 Uhr, 05.06. 10.00–18.00 Uhr, 06.06. 10.00–18.00 Uhr.

Das Seminar wird möglicherweise verschoben. Nähere Informationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt. 

 

Raum: E.O2.29 (06.05.), E.EG.28 (05.06., 06.06.)

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Der Zusammenhang von Ästhetik und Wahnsinn ist vielschichtig und ambivalent. Das Ideal des Genies postuliert seine Nähe zum Wahnsinn, während die Zuschreibung als „psychisch krank“ zugleich einen Ausschluss – und darin auch eine Absprache ästhetischen Werts – beinhaltet (wie die Rede von „Patientenkunst“ nahelegt). Wenn Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen – wer gilt dann als genial und wer als wahnsinnig? Dass diese Aufteilung nicht zufällig und auch nicht unabhängig von Geschlechtszuschreibungen geschieht, lässt sich anhand einer Reihe historischer Beispiele diskutieren. So zeigt sich ein ambivalentes Verhältnis – nicht nur im Verhältnis von Ästhetik und Wahn, sondern auch im Verhältnis von Kunst und Psychiatrie. Auf der einen Seite gibt es eine Idealisierung des Wahns als eines „wahren“ Ausdrucks tiefer und unverfremdeter Innerlichkeit, die auch mit dem modernen Begriff der Ästhetik verbunden ist. Auf der anderen Seite bildet gerade diese Vorstellung – wie Foucault in Wahnsinn und Gesellschaft eindrücklich zeigt – historisch die Grundlage für die Herausbildung der Psychiatrie und die Etablierung eines repressiven sozialen Ausschlusses des Wahnsinns. Gibt es auf der einen Seite in der Kunst der Moderne, etwa im Surrealismus, eine Faszination für den Wahnsinn, sind auf der anderen Seite visuelle Methoden wie die Fotografie für die Erfindung der Hysterie (Georges Didi-Huberman) und anderer psychischer Krankheiten sowie ihrer Verwissenschaftlichung zentral gewesen. Wie lässt sich dieses Zusammenspiel begreifen? Wir wollen im Seminar verschiedene Stränge verfolgen, um das Verhältnis von Ästhetik und Wahn oder Kunst und Psychiatrie zu beleuchten. Zusätzlich zu den genannten Texten werden wir etwa Antonin Artaud, Friedrich Nietzsche, Luce Irigaray und Hubert Fichte lesen und uns auch Beispiele einzelner Künstler und Künstlerinnen anschauen, die die Erfahrung der Psychiatrie in ihre Arbeiten einfließen lassen.

Das Seminar wird in Kooperation mit dem Psychologen Prof. Dr. Sören Krach (Lübeck) und dem Psychiater und Kunsthistoriker Dr. Maurice Cabanis (Stuttgart) durchgeführt. Es soll aus zwei Blöcken bestehen: Zunächst wird ein Block an der Akademie stattfinden, an dem wir uns anhand von Textdiskussionen dem Thema nähern. Der zweite Block wird eine Exkursion sein, bei der wir die „Sammlung Prinzhorn“ in Heidelberg besuchen, welche die weltweit größte Sammlung künstlerischer Arbeiten von Menschen mit „psychischen Ausnahme-Erfahrungen“ darstellt. Hier sollen die ausgestellten Werke vor dem Hintergrund der Frage des Seminars diskutiert, sowie Form und Rahmung der Ausstellung selbst zum Thema gemacht werden.

 

Reproduktion, Zirkulation, Migration. Gegenwärtige Positionen der Ästhetik

Lehrauftrag

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4)

David Weber (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Termine: 14.05. 14.00–18.00 Uhr, 15.05. 10.00–18.00 Uhr, 16.05. 10.00–16.00 Uhr

Das Seminar wird möglicherweise online stattfinden. Nähere Informationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt.

Raum: E.O2.29

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Das Blockseminar bietet eine schlaglichtartige Kartierung zeitgenössischer ästhetischer Theorie im Anschluss an prominente Positionen der Moderne und Postmoderne. Aufgegriffen werden Begriffe wie Reproduktion und Reproduzierbarkeit (Benjamin), der Medienspezifik (Greenberg, Fried, Krauss), der Dissemination (Derrida, Barthes) und des Simulakrums (Baudrillard, Deleuze), um ihre diskursgeschichtlichen Transfers in Theorieentwürfe nachzuzeichnen, die sich bemühen, spezifisch zeitgenössische Phänomene zu erfassen. Es geht dabei u.a. um die Verflüssigung und Entgrenzung der Reproduktion im Zeitalter digitaler Netzwerke, wo Aspekte der Dematerialisierung (Lucy Lippard) und der Rematerialisierung („Post-Digital“, Diana Coole) in einem eigentümlichen Double-Bind verschaltet sind. Schon spätestens in den 70er Jahren (Pictures, Crimp) hatte sich die gleißende Tiefe reproduzierter Oberflächen erwiesen; diese gewinnt unterdessen als Zirkulation in den Netzen eine veränderte Dynamik und propagiert Modifikationen im Status der Werke und Autor*innenschaft (Joselit, Steyerl, Price). Gibt es also eine New Aesthetic (Bridle, Sterling, Manovich, Galloway) im Kontext eines post-postmodernen, millennialen Mindsets (New Sincerity, Foster Wallace, Tao Lin)? Die Globalisierung qua Datennetzen ist dabei nicht zu trennen von den Bewegungen der Kulturen, Waren und Menschen: Phänomene der Afroisierung markieren, neben anderen, die Tatsachen verallgemeinerter Migration: Sei es modernistisch-optimistisch: Afro-Futurismus (Anderson, Delaney, Eshun); skeptisch-militant: Afro-Pessimismus (Sexton, Moten, Wilderson); oder post-Ferguson thetisch: This is … Afro-Surrealismus (T. Francis, D. Glover, T. Nance).

 

(Un)Writing gender / Schreiben und Geschlecht

Lehrauftrag

Blockseminar (Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik E.02.09)

Dr. des. Hanna Sohns (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

 

Das Seminar wird wahrscheinlich auf Juni verschoben. Weitere Informationen folgen!

Anmeldung über das Studierendenportal

 

Geschlecht ist nicht, zumindest niemals ausschließlich, eine rein natürliche Kategorie. Geschlecht ist das, was in unzähligen Texten, Erzählungen und Imaginationen hervorgebracht wird. Dabei ist die Bestimmung des Männlichen im Verhältnis zu dem, was Freud das zu allen Zeiten gestellte „Rätsel der Weiblichkeit“ genannt hat, Gegenstand eines lange Zeit rein männlich geführten Diskurses. Weiblichkeit wird hier vor allem zur „Kastration“ des Männlichen und ist von einer Bestimmung männlicher Identität nicht zu trennen. Die Erschütterung dieser Verhältnisse durch die feministische Kritik rüttelt so auch nicht nur an dem Verständnis dessen, was Weiblichkeit ‚ist‘, sondern hat grundlegende Konsequenzen für das Verhältnis und das (Selbst-)Verständnis von Geschlechtern.

Die Forderung nach der Stärkung weiblicher Künstlerschaft ist zentraler Bestandteil gegenwärtiger Debatten und stellt auch die institutionellen Strukturen und Abläufe des Kunstbetriebs grundlegend infrage. Das Potential dieser Forderung besteht aber nicht nur in einer bloßen Verschiebung von Machtverhältnissen, was gewiss schwierig genug ist. Noch etwas anderes könnte und müsste hier verstärkt befragt werden und ist doch in der gegenwärtigen Debatte teils auffallend wenig reflektiert: In welchem Verhältnis steht die eigene Künstlerschaft und besonders das Schreiben überhaupt zu geschlechtlichen / körperlichen Erfahrungen? In welchem Verhältnis steht das Schreiben zu den jahrhundertealten Imaginationen von Geschlechtern?

Das Seminar möchte diesen und damit verbundenen Fragen anhand der Lektüre von verschiedenen theoretischen und literarischen Texten nachgehen (insbesondere von Ovid, Sigmund Freud, Simone de Beauvoir, Luce Irigaray, Silvia Bovenschen, Klaus Theweleit, Judith Butler, Chris Kraus, Virginie Despentes, Sheila Heti). Zusätzlich ließe sich für diese gemeinsame Auseinandersetzung auch – sofern Interesse besteht – die eigene Kunstproduktion und hier v.a. die eigene Schreibpraxis in den Blick nehmen.

Das Seminar versteht sich als gemeinsame Diskussion und als Einführung in ein Nachdenken über Geschlechtertheorie und Geschlechterverhältnisse in ihrer Beziehung zur künstlerischen / literarischen Produktion und setzt keine theoretischen Vorkenntnisse voraus.

 

Futurismen: Politik und Ästhetik der Zukunft

Forschungskolloquium Philosophie

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo und Anne Gräfe, M.A.

Mittwoch 17.00–21.00 Uhr,  Beginn: 29.04.2020

Termine: 06.05.; 20.05.; 03.06.; 17.06.; 01.07.; 15.07.

Das Kolloquium wird (zunächst) online stattfinden. 

 

(Raum: E.ZG.04 (22.04.), E.O2.29 (29.04., 13.05., 17.06.), E.EG.22 (27.05.), E.O1.23 (24.06., 08.07.))

 

Was für eine Art von ästhetisch-politischer Kategorie ist „Zukunft“? Was bedeutet und was impliziert es, sich auf die Zukunft zu berufen? Offenbar kann „Zukunft“ nicht nur sehr unterschiedliches meinen, sondern auf sehr unterschiedliche Weise eine wirksame Kategorie sein.

Der italienische Futurismus der 1910er und ‘20er Jahre fordert eine Befreiung der Kunst von ihrer nostalgischen Bindung an die Vergangenheit, um sich durch die volle Entfaltung kreativer Energien in „Schöpfung und Tat“ der „Zukunft“ zu öffnen, worin eine deutliche – und in ihrem Verlauf immer explizitere – Nähe zum Faschismus lag. Von einer Modernisierung der Kunst wollte man zu einer Politik übergehen, die „gewalttätig“, „freiheitlich“, „dynamisch“ und von der „Schönheit“ des Krieges und der Gefahr geleitet sei. Wenn heute der sogenannte „Akzelerationismus“ ebenfalls verspricht, die Zukunft zurückzuholen, so ist damit explizit ein anderes politisches Programm gemeint, das sich als antikapitalistisch und emanzipatorisch versteht. Dennoch gibt es hier klare Bezüge zum historischen Futurismus, die sich insbesondere in der Kategorie der „Zukunft“ zeigen. Das Beispiel des „Afrofuturismus“ zeigt, dass die fiktive Bezugnahme auf eine utopische, aber nicht konkret bestimmbare, Zukunft auch die Möglichkeit öffnet, über schlechte – rassistische – Verhältnisse hinauszudenken. Eine solche Zukunft ermöglicht eine antirassistische Politik, in der die Kategorien und Identitäten, gegen die man sich wehrt, nicht festgeschrieben werden. Auf der anderen Seite verdeutlicht die – kritisch gemeinte – Kategorie „Reproductive Futurism“ (Lee Edelman), wie die Zukunft zu einer unhinterfragbaren normativen Instanz werden kann (etwa in der Rede von den „zukünftigen Generationen“), durch die jede politische Handlungsfähigkeit in der Gegenwart begrenzt wird. Es stellt sich von hier aus unmittelbar die Frage, inwiefern sich dies auch über die Bezugnahme auf die Zukunft in der „Fridays for Future-Bewegung“ sagen lässt. Darüber hinaus verbindet sich mit der Kategorie „Zukunft“ stets auch der strategische Anspruch von Verbesserung, Optimierung, Fortschritt – Kategorien, die ihrerseits stark neoliberal geprägt wurden und mittlerweile in sämtliche Gesellschaftsbereiche hineinragen.

„Zukunft“ bedeutet eine Öffnung, eine Unbestimmtheit, die Hoffnung auf eine Bewegung der Veränderung, in der die Gegenwart zur Vergangenheit geworden ist. Dass dies in gänzlich unterschiedlicher Weise geschehen kann und sowohl auf ein utopisches Moment verweisen als auch repressiv und zerstörerisch funktionieren kann, soll im Oberseminar diskutiert werden. Indem wir uns mit verschiedenen hier genannten „Futurismen“ auseinandersetzen, versuchen wir die verschiedenen Stränge, Bedeutungsdimensionen und internen Ambivalenzen im Zukunftsbezug zu verstehen und zu systematisieren. Zwei der Sitzungen (13.05. und 17.06.) fungieren als Doktorand_innenkolloquium, in denen zukünftige Dissertationen, Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte besprochen werden.

 

Forschungskolloquium (für Masterabsolvent_innen, Doktorand_innen und Post-Doktorand_innen)

Prof. Dr. Marina Martinez Mateo; Anne Gräfe, M.A.

Mittwoch, 17.00 – 21.00 Uhr; Termine: 13.5.2020, 17.6.2020

Das Kolloquium wird wahrscheinlich im Sommer als Blockveranstaltung stattfinden. Nähere Informationen werden rechtzeitig zur Verfügung gestellt. 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

Teilnahme nach vorheriger Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Full Surrogacy Now

Lehrauftrag der Frauenbeauftragten

Yana Thönnes (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Das Seminar wird auf das Wintersemester 2020/21 verschoben.

 

 

 

Studientag "Materialität der Maschinen"

Nisaar Ulama, M.A. (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Mit Dr. Anna Fricke (Museum Folkwang Essen) und Lena Sophie Trüper, M.A. (DFG-Graduiertenkolleg "Das Wissen der Künste", UdK Berlin)

Entfällt