Sommersemester 2022

 

Die Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen erfolgt über das Studierendenportal. Hilfestellung zum Portal findet sich auf dieser Seite.

  

Lehrstuhl für Philosophie / Ästhetische Theorie

Prof. Dr. Maria Muhle, Anne Gräfe M.A., Dipl. Phys. David Weber (Lehrauftrag), Dr. Hanna Sohns (Lehrauftrag), Dr. Gürsoy Doğtaş (Lehrauftrag), Dr. Aljoscha Weskott (Lehrauftrag), Monika Rinck (Workshop)

 

Juniorprofessur für Medien- und Kunsttheorie 

Prof. Dr. Marietta Kesting

 

 

Kurzübersicht (für die Seminarbeschreibungen siehe unten):

 

Gewalt und Gegen-Gewalt (Blockseminar)

Prof. Dr. Maria Muhle

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Termine: 26.04., 10-12 Uhr (Einführung); 09./10.5., 10-15 Uhr; 11.05., 14.30-18.30 Uhr und 23./24./25.05.; 10-15 Uhr

Raum: E.O2.29

 

Biopolitik, algorithmische Gouvernementalität, Sorgepolitik (Vorlesung Einführung in die Ästhetik)

Prof. Dr. Maria Muhle

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.01.09)

Zeit: Freitag 10-12 Uhr; Beginn: 29.04.

Raum: E.O1.23; abweichende Räume: 13.05. (Auditorium)

 

Forschungskolloquium (für Masterabsolvent*innen, Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen)

Prof. Dr. Maria Muhle

Zeit: Mittwoch, 10-14 Uhr

Termine werden per Mail bekannt gegeben

 

Sorge(n) (Seminar)

Anne Gräfe M.A.

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Zeit: Mittwoch, 14.30-16 Uhr; Beginn: 27.04.,

Raum: E. O2.29; abweichende Räume: 15.06.: Historische Aula, 06.07.: Auditorium

 

Subjekt und Differenz (Seminar)

Anne Gräfe M.A.

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik E.02.09)

Zeit: Donnerstag, 15-17 Uhr, Beginn: 28.04.

Raum: E. O1.23; abweichende Räume: 28.04. (E.O2.29), 23.06. (E.ZG.04)

 

Autopoietisches Schreiben (Seminar)

Anne Gräfe M.A.

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Zeit: Freitag, 10-14 Uhr, Beginn: 29.04. (Auditorium,), 06.5. (ONLINE), 13.05., 20.05., 03.06., 10.06. (ONLINE), 01.07. (ONLINE), 15.07. (Abschluss im Garten)

08.07. / 09.07.: Workshop mit M. Rinck (Typowerkstatt und A.EG.01)

Raum 29.04. im Auditorium; 13.05. und 20.05. in der Typowerkstatt E. ZG 12-13; 03.06. in E.ZG.04

 

Cruel Euphoria: Affekt und Begehren in der Gegenwart (Blockseminar)

David Weber Dipl. Phys.

(vorrangig Diplomkandidat*innen, Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09 nach Absprache)

Zeit: 20.06., 27.06., 04.07. jeweils 10-18 Uhr

Raum: E.O1.23

 

Der Schauplatz der Hysterie (Seminar)

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Dr. Hanna Sohns

Zeit: Dienstag 12-16 Uhr (2-wöchentlich); Beginn: 26.04.

Raum: A.EG.01: 26.04., 03.05., 24.05., 31.05., 21.06., 05.07. (16-20 Uhr); E.02.29: 17.05.

 

James Baldwins Gefängnisaktivismus (Seminar)

Dr. Gürsoy Doğtaş

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Zeit: Montag, 17-20 Uhr; Beginn: 2.5.

Raum: A. EG.01

 

Umkämpfte Techno-Ökologien. Intersektionale Gender-Perspektiven auf Digitalisierung (Blockseminar)

Dr. Aljoscha Weskott

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Zeiten und Räume: 09.05, 14-18 Uhr, 27./28.05., 11-19 Uhr (Online); 02.06., 11-19 Uhr  (Auditorium E.EG 28); 03.6., 12-19 Uhr (Historische Aula); 04.06., 11-19 Uhr (A.EG.01)

 

Strategien der Erinnerung: Feminismen im Kunstfeld vor dem Hintergrund post-kolonialer Strukturen und des „Nationbuilding“ Portugals seit 1974 bis heute (Seminar)

Mascha Salgado de Matos, M.A.

(Lehrauftrag der Frauenbeauftragten; Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Zeit: Mittwoch 10-12 Uhr, außer 11.05., 08.06., 15.06., 12.30-14 Uhr

Raum: E. 02.29, abweichende Räume bitte im CAS beachten!

   

Connective Aesthetics, Imagination and Transformation: Envisioning An Art Based Society (Workshop)

Isabel Añino Granados M.A.

Zeiten und Räume: 12.05., 10-15 Uhr (E.01.23), 19.05., 10-15 Uhr (A.EG.01), 02.06., 10-15 Uhr (A.EG.01)

 

Schlaf und Traum als dynamisches Paradigma in Technologie, Medien und Kunst (Vorlesung)

Prof. Dr. Marietta Kesting

(Freie Kunst FK-T4; Kunstpädagogik C.01.09)

Zeit: Mittwoch, 14.30-18.30 (2-wöchentlich), Beginn 27. 4., weitere Termine: 25.5., 22.6., 6.7.  

Raum: A.EG.01 (Sitzungssaal, Altbau), [abweichende Orte an folgenden Terminen: 11.5. Auditorium, Neubau E.EG.28, am 8.6. Kolosssaal Altbau, am 20. 7. Einzelbesprechungen im E.ZG.04]

 

 

 

Beschreibungen:

 

Gewalt und Gegen-Gewalt (Blockseminar)

Prof. Dr. Maria Muhle

Das Blockseminar zeichnet eine philosophische Genealogie des Gewaltbegriffs nach, ausgehend von den Schriften Georges Sorels, über die Kritik der Gewalt von Walter Benjamin, Pierre Clastres Archäologie der Gewalt, Hannah Arendts Gegensatz von Macht und Gewalt bis hin zu dekolonialen Gewaltbegriffen (Frantz Fanon, Frank. B. Wilderson) und feministischen Positionierungen (Elsa Dorlin, Amia Srinivasan). Im Zentrum steht dabei nicht nur die Frage nach historischen und zeitgenössischen Bildern von Gewalt, sondern auch die strategischen Einsatzformen von Gewalt und Gegen-Gewalt.

 

 

Biopolitik, algorithmische Gouvernementalität, Sorgepolitik (Vorlesung Einführung in die Ästhetik)

Prof. Dr. Maria Muhle

Unter pandemischen Bedingungen rückt ein Begriff neuerlich ins Zentrum, den Michel Foucault Mitte der 1970er Jahre geprägt hat: Der Begriff der Biopolitik als eine Form von Politik, die das Leben vollkommen durchdringt und sich von disziplinären und souveränen Politikformen dadurch unterscheidet, dass biopolitische Regierungsformen „das Leben der Bevölkerung“ nicht eingrenzen oder unterwerfen, sondern unterstützend ausformen, d.h. Gesundheit und Wohlstand fördern und die Bevölkerung so als quasi-biologisches Ganzes regulierbar machen. Biopolitik ist folglich kein Ende der Macht, sondern vielmehr eine andere, pragmatischere Gouvernementalität. Gleichwohl gibt es immer wieder Lesarten, die Biopolitik als positive Seite der Macht verstehen und sie vor dem Hintergrund einer Ästhetik der Existenz als fürsorglichen Bezug auf das Leben lesen, der diesem eine ästhetische Form gibt. Daran anschließend ist oftmals die Rede von einer Politik der Sorge, die ausschließlich als fürsorgliche, positive, „pastorale“ Politik verstanden wird, sodass ihre machtpolitischen, regulierenden und abrichtenden Elemente verdeckt werden. Weiterhin werden biopolitische Einsätze auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung aller Lebensbereiche relevant, wie dies zuletzt der Begriff der „algorithmischen Gouvernementalität“ (Rouvroy) auf den Punkt gebracht hat – denn die Regierung und Regulierung einer zeitgenössischen Bevölkerung ist untrennbar verbunden mit der algorithmischen Durchdringung ihrer Datenansammlungen („big data“). Die Vorlesung präsentiert zentrale Positionen der Debatte um Biopolitik, algorithmische/digitale Gouvernementalität, Sorge- und Gesundheitspolitik, und fragt nach deren aktuellen politischen, ästhetischen und künstlerischen Konsequenzen.     

Ein gemeinsamer Workshop mit dem Seminar „Sorge(n)“ von Anne Gräfe ist geplant sowie thematische Gastvorträge von Wissenschaftler*innen und Künstler*innen.

 

 

Forschungskolloquium (für Masterabsolvent*innen, Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen)

Prof. Dr. Maria Muhle

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Sorge(n) (Seminar)

Anne Gräfe M.A.

„Die einfache ‚Sorge‘ ist aller Dinge Anfang.“ Albert Camus

Die Ereignisse der vergangenen Monate und Jahre erinnern uns an die Verletzlichkeit des menschlichen Daseins. Zu existieren bedeutet stets einer kontingenten Wirklichkeit und darin den Widrigkeiten des Lebens ausgesetzt zu sein. Aus dieser Perspektive wird die Zeitlichkeit des Daseins deutlich und mit ihr die Interdependenzen der intersubjektiven Relationen der ‚Sorge‘. Mit dem Begriff der Sorge verbinden sich mindestens zwei, wenn nicht drei Bedeutungen: Zum einen ängstliche Befürchtungen und Kummer im Sinn des ‚sich um jemanden oder etwas sorgen‘. Zum anderen als ‚sorgen für‘, mithin als Verantwortung für sich und andere, also als Selbstsorge, Fürsorge und Selbstfürsorge. Daraus entspringt eine weitere, durchaus mit den anderen Begriffen sich überschneidende, Bedeutung des Begriffs der Sorge, als zukunftsorientiertes Handeln im Sinne der Vorsorge. Diese divergenten Bedeutungen des Begriffs der Sorge sind seit den demokratietheoretischen Diskursen der Antike wichtig für die moral- und sozialphilosophischen Debatten der jeweiligen Gegenwart, dabei oftmals mit Blick auf das (sich) sorgende Individuum reduziert. Besonders die feministischen Debatten haben den Blick auf die relationale Dimension der Sorge gelenkt und verweisen auf die Interdependenz zwischen Sorge, Solidarität und Pluralität.

Im Seminar betrachten wir die ambivalente Struktur des Sorgebegriffs in Philosophie, Ethik und politischer Theorie sowohl über die Lektüre einschlägiger Texte als auch mithilfe verschiedener künstlerischer Arbeiten, um zu verstehen, wie Selbstsorge, Fürsorge und Vorsorge mit Kummer und Solidarität zusammenhängen und welche Implikationen sich daraus für die Sphäre des Politischen ergeben.

Ein Workshop mit Vera Mader, Ruhr-Universität Bochum, findet in Kooperation mit der Ringvorlesungsreihe der Frauenbeauftragten sowie der Vorlesung „Biopolitik, algorithmische Gouvernementalität, Sorgepolitik“ und dem Seminar "Gewalt und Gegen-Gewalt" von Maria Muhle am 11.05. statt.

 

 

Subjekt und Differenz (Seminar)

Anne Gräfe M.A.

 Die Entwicklung des Selbst ist abhängig von der Vorstellung, die wir uns von diesem Selbst machen, vom Selbstbewusstsein. Der Vorstellung dieses Selbst geht oftmals die Idee eines wesentlichen, authentischen Kerns einher, der sich von einem, einer oder etwas Anderem unterscheidet. In dieser Unterscheidung bestünde vermeintlich das Sein dieses Selbst. Die Ambivalenz dieser Entwicklung besteht darin, dass mit fortschreitender Entwicklung die inneren Ambivalenzen und äußeren Abhängigkeiten deutlicher werden. In einem solchen Kontext ist Differenz gerade nicht Marker von Identität, sondern gerade das, was die eigentliche Idee der Identität untergräbt, indem sie bis ins Unendliche unterscheidet. Das Seminar untersucht den Zusammenhang von Subjekt und Differenz in postkolonial-feministischer Perspektive und übt sich im Aufdecken der Ununterscheidbarmachung von Unterschieden, im Widerstand gegen jene Vorstellung von Unterschied, wie er gehegt wird, um Konflikte zu legitimieren, als Werkzeug der Segregation.

Über Texte und Arbeiten u.a. von oder über Trinh T. Minh-ha, Sylvia Winter, Sarah Ahmed und Audre Lorde, aber auch Michel Foucault, Judith Butler und Donna Harraway nähern wir uns dem Potential, Subjekt und Differenz nicht als einander konturierend sondern einander erweiternd zu verstehen und in einer polyphonen Ästhetik (im Sinne von Bempeza, Brunner, Hausladen, Kleesattel und Sonderegger)  zusammen zu denken.

 

 

Autopoietisches Schreiben (Seminar)

Anne Gräfe M.A.

In Literatur, Feuilleton, Blogs und Artist Statements als auch innerhalb der Wissenschaftsliteratur finden sich zunehmend Textformen, die ihre eigene Verfasstheit als auch die ihrer Autor_innenschaft thematisieren. Hierbei verschmelzen Erinnerungen mit Theorie und Philosophie und kreieren einen eigenen Topos, der innerhalb der zeitgenössischen künstlerischen Praxis oft genug dem feministischen Schreiben, der Kunst und dem Aktivismus verpflichtet ist. In dieser Autotheorie (Fournier) offenbart sich die Schwäche einer aufrechterhaltenen Trennung zwischen Kunst und Leben, Theorie und Praxis, Arbeit und dem privaten Selbst. Autotheorie erscheint als reflexive Bewegung, die das Denken, künstlerische Arbeiten, Leben und Theoretisieren miteinander verbindet. Inwiefern kann autopoietisches Schreiben als Kritik fungieren? Wie funktioniert die Praktik des Zitierens in autotheoretischen Arbeiten? Welche Ästhetik aber auch Ethik steht hinter dieser Praxis der Selbst-Offenlegung und Enthüllung?

Das Seminar findet wöchentlich, zum Schluß zweiwöchentlich statt und ist in sich zweigeteilt: Im ersten Abschnitt der jeweiligen Seminarsitzung untersuchen wir Texte und künstlerische Arbeiten von Schriftsteller_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen wie Chris Kraus, Annie Ernaux, Monika Rinck, Maggie Nelson, Éduard Louis, Siri Hustvedt, Didier Eribon und Sylvia Winter und betrachten die Politik, Ästhetik und Ethik der Autotheorie. Im zweiten Teil der Sitzung widmen wir uns den autopoietischen Textproduktionen der Studierenden selbst.

Wenn gewünscht, je nach Eigeninitiative der Studierenden, können wir gerne eine eigene kleine Publikation zum Seminar erarbeiten, in der jede_r Studierende des Seminars einen autopoietischen Text beitragen kann.

 

Im Rahmen des Seminars werden Sarah Lehnerer (20.05.), Isabel Mehl (23.06.) und Monika Rinck (07.07.) Vorträge zum Thema halten, mehr Informationen unter Veranstaltungen Philosophie. Am 08./09. Juli wird es einen Workshop mit Monika Rinck geben: *"Hab ich Dir von dem Zufall erzählt?"* zu dem sich bei offenen Plätzen auch weitere Studierende anmelden können.
 

 

Cruel Euphoria: Affekt und Begehren in der Gegenwart (Blockseminar)

David Weber Dipl. Phys.

„now you begin to see the problem with desire: we rarely want the things we should“ —Andrea Long Chu, "On Liking Women"

Es gibt noch immer einen Optimismus des Ausdrucks und der Emanzipation: Als Träger*in von (liberalen) Rechten habe ich den Anspruch, mich als freie Person zu verwirklichen im Verfolgen meiner Ideen, Wünsche und Begehren. Die Umsetzung dieses liberalen Traums in kreativer Praxis, auf dem kapitalistischen Markt, im sozialen Miteinander stößt seit jeher auf Schwierigkeiten. Etwa infolge der, zumal feministischen, Einsicht, dass das Spielfeld gesellschaftlicher Praxis nicht eben ist, sondern intersektional gekerbt entlang von race, class, gender (selbst problematische Begriffe). Schlimmer noch: Wünsche und Begehren sind selbst nicht einfach Besitzstand und Ausdruck individueller Wesen, sondern erweisen sich als bereits zuvor extern formatiert: „MUCH WAS DECIDED BEFORE YOU WERE BORN“ (Jenny Holzer auf Twitter). Warum will ich also, was ich will? In den Sex Wars seit den späten 70ern bis zu #metoo konterkariert in feministischen Kontexten die Kritik an falschen (z. B. patriarchalen) Rollenbildern die emanzipativen Versprechen euphorischen Lusterlebens: "Is the Women’s Movement Pro-Sex?", fragt Ellen Wilis 1981. 2014 tötet der selbsterklärte incel (involuntary celibate) Elliot Rodger mehrere junge Frauen im Glauben, dass sie ihm sein Recht auf Sex verweigerten. Die (queere? schwule?) Dating-Plattform Grindr analysiert 2018 in einer YouTube-Serie den Umstand, dass Begehrens-Präferenzen zum Schauplatz von Diskriminierung werden. Transgender-Frauen wird in Teilen des Feminismus unter dem Vorbehalt des nicht authentischen, weil nur frei gewählten Verlangens nach weiblichem Erleben begegnet. Sind also „personal preferences – NO DICKS, NO FEMS, NO FATS, NO BLACKS, NO ARABS, NO RICE NO SPICE, MASC-FOR-MASC – never just personal“ (Amia Srinivasan)? Das Seminar diskutiert diese Fragen entlang der Lektüre prominenter rezenter feministischer Texte (Lauren Berlant, Andrea Long Chu, Amia Srinivasan). Im Mash-up der Titel von Berlants Buch „Cruel Optimism“ und der US TV-Serie „Euphoria“ wird der zentrale Konflikt markiert: Noch die größten Intensitäten des Glückserlebens ziehen die Formate nach, die wir vielleicht gewählt und gewünscht haben, die wir aber, anders, zu verlassen suchen. Leaving Society (Tao Lin)?

 

 

Der Schauplatz der Hysterie (Seminar)

Dr. Hanna Sohns

Das rätselhafte Erscheinungsbild der Hysterie wird vor allem im 19. Jahrhundert zu einem in vielerlei Hinsicht zentralen Schauplatz der Moderne. In den Dokumentationen und Inszenierungen des hysterischen Anfalls zeigt sich die Hysterie als Schauspiel mit verschiedenen Akten, wiederkehrenden Phasen und inventarisierten Bewegungs-Figuren. Die Befragung und ‚Hervorbringung‘ (Didi-Huberman) dieses Schauspiels wird nicht nur zu einer der Gründungssteine der Psychoanalyse und ihrer Entdeckung des Unbewussten (Freud). Sie ist auch für die literarische und künstlerische Moderne von immenser Bedeutung.

Das Seminar widmet sich anhand von medizinhistorischen Auszügen, photographischen Dokumenten sowie besonders auch psychoanalytischen Texten diesem spannenden Kapitel der Moderne und sucht diese Texte in Beziehung zur literarischen und künstlerischen Tradition zu stellen. Im Zentrum werden u.a. Texte und Arbeiten von Freud, Didi-Huberman, Cixous, Irigaray, Sherman stehen. Dabei wird es auch um eine Annäherung an das Verhältnis von Psychoanalyse und Kunst gehen sowie um eine Auseinandersetzung mit der Theorie und Konstitution von Geschlechterverhältnissen. Mit dem Diskurs der Hysterie geht es immer auch um die Repräsentation und Inszenierung von Geschlecht. Die hysterische Szene führt Geschlechterverhältnisse nicht nur vor, sondern lässt sich etwa mit feministischen Theorien auch in ihren Widerständen gegen gängige Geschlechterrollen verstehen.

 

 

James Baldwins Gefängnisaktivismus (Seminar)

Dr. Gürsoy Doğtaş

Am 23.12.1969 inszenierte James Baldwin in Istanbul das viel beachtete Theaterstück „Düşenin Dostu“ („Fortune and Men’s Eyes“ von John Herbert). Die gesamte Handlung spielt sich in einer Gefängniszelle ab. In dem Stück bündeln sich mehrere sozio-politische Anliegen von Baldwin. Etwa das rassistische Justizsystem der USA, welches die Aktivist:innen der Bürgerrechtsbewegung wie auch insgesamt die Schwarze Bevölkerung kriminalisiert und inhaftiert. Die FBI Ermittlungen gegen ihn verfolgen ein ähnliches Ziel. Aber Baldwin geht mit seiner Kritik weiter und nimmt die gewaltsamen Strukturen des Patriarchats als solches ins Visier. Selbst die Beschädigten dieser Strukturen – so „Fortune and Men’s Eyes“– setzten diese fort. Hier setzt Baldwins Diskurs um Queerness und homosoziale Intimität an. Auch wenn Menschen durch ihre Inhaftierung aus der Öffentlichkeit entfernt werden und ihre Stimme unhörbar wird, begreift Baldwin das Gefängnis als einen heterotopen Ort mit dem Potential einer minoritär-subversiven Gegenöffentlichkeit.

Von diesem Theaterstück ausgehend blickt das Seminar auf das politische Engagement Baldwins für Inhaftierte wie Angela Davis, Tony Maynard oder Yaşar Kemal und damit auf seinen Aktivismus, welcher sich zwischen 1968 und 1972 neben den USA auf Länder wie Deutschland, Frankreich als auch die Türkei erstreckt. Abschließend untersuchen wir die Frage, ob und wie sich „Fortune and Men’s Eyes“ wiederaufführen lässt.

 

 

Umkämpfte Techno-Ökologien. Intersektionale Gender-Perspektiven auf Digitalisierung (Blockseminar)

Dr. Aljoscha Weskott

Wir befassen uns mit aktuellen, teils konfligierenden Gender-Beiträgen zu Digitalisierung: Aneignungsfeminismen wie der Glitchfeminismus, die feministischen eBlack-Studies oder techno-feministische Disability Studies, negieren dabei jedoch keinesfalls weiße Digitalvormacht, Sexismus, Abelismus und Doxing. Dennoch sehen diese Beiträge im Digitalen auch Möglichkeiten, um neue digital vermittelte Geschlechter und Körper zu produzieren, um sich als Black Digital Flaneuse durch Onlinewelten oder sich als iCrip – als behinderter Mensch in einem Smart House oder mittels eines bionischen Beines – zu bewegen. Digitale Räume sind für sie affektive Transformationsräume bis hin zu Überlebensräumen (z.B. Dean; Ng; Hester; Reeve; Russel; Wade).

Postmarxistische Gender-Ansätze verstehen die Digitalisierung kaum als Potential. Digitalisierung fassen sie als digitale Arbeit für die Besitzenden digitaler Plattformen – für den Muskel des globalen, digitalen Kapitalismus. Diese Arbeit ist wiederum feminin codiert. Das Liken von Fotos auf Facebook oder Instagram sind affektive Praktiken, die strukturelle Ähnlichkeit mit anderen Sorgearbeiten aufweisen (Jarret; Amrute).

Schließlich werfen Gender-Beiträge unter dem Stichwort Datenkolonialismus noch einmal radikaler die Frage auf, was Digitalisierung für den Globalen Süden bedeutet (z.B. Ricaurte; Couldry and Mejias): Wessen Daten werden aus welchen Körpern geraubt? Wer arbeitet in den Koltanminen, um die Materialien für unsere iPhones zu gewinnen? (Federici) Oder ist die digitale Hausfrau nicht schlicht eine privilegierte Figur des Globalen Nordens?

Der vorgeschlagene Begriff der Techno-Ökologie (Guattari, Preciado), möchte diese Ansätze nicht als ontologisch getrennte, gar falsche feministische Wissen gegeneinander ausspielen, sondern sie als verschiedene Einstiegspunkte in eine kritische, feministische Mitgestaltung einer digitalen globalen Welt verstehen.

 

 

Strategien der Erinnerung: Feminismen im Kunstfeld vor dem Hintergrund post-kolonialer Strukturen und des „Nationbuilding“ Portugals seit 1974 bis heute (Seminar; Lehrauftrag der Frauenbeauftragten)

Mascha Salgado de Matos, M.A.

Es gibt eine Vielfalt an Formaten, die Erinnerungskultur ausmachen, wie jüngst auch Jan Böhmermann in seiner bissig-ironischen Kritik am von SWR und BR geleiteten Instagram-Profil #ich bin sophie scholl veranschaulicht (Sendung: Das Problem mit deutscher Erinnerungskultur, am 18.02.2022). Wenngleich der historische Kontext dieses Seminars ein anderer sein wird, sehen wir uns mit den gleichen Fragen konfrontiert:

Welche Formen des Erinnerns gibt es? Damit aber auch: Welche Formen des Vergessens gibt es, die denen des Erinnerns vorausgehen, sie begleiten oder bedingen? Inwieweit bestimmt die Materialität des Erinnerns das jeweilige kulturelle Gedächtnis?

Ausgangs-und Knotenpunkte des Seminars werden ausgewählte Arbeiten zeitgenössischer portugiesischer Künstlerinnen sein, die Praxen der Erinnerung als künstlerische Prozesse verhandeln. Trotz der Heterogenität der Strategien, Techniken und Medien, die dabei zum Einsatz kommen, eint die Positionen der Verweis auf die jüngere Geschichte Portugals im Zusammenhang mit dem Prozess des Nation Buildings. Mit der Nelkenrevolution am 25.April 1974 endete in Portugal nicht nur die Militärdiktatur des „Estado Novo“, sondern auch die Kolonialherrschaft Portugals in Afrika. Die Transformation gesellschaftlicher Strukturen in die einer Demokratie vollzog sich zeitgleich mit der politischen Unabhängigkeitswerdung von Angola, Moçambique, Guinea-Bissau und Kap Verde. Letztere wurden von Unruhen und Bürgerkriegen begleitet, neue Diktaturen in afrikanischen Ländern entstanden. Die instabilen politischen Verhältnisse, Gewalt und die prekäre soziökonomische Lage in den neu formierten Staaten trieb viele lusophone Menschen in die Grenzen der ehemaligen Kolonialmacht. So wandelte sich das Bild von Portugal als letzter autoritärer Diktatur mit klerikal-faschistischen Zügen in der Geschichte Europas zu einem Ankunftsland mit einer heterogenen Bevölkerungsstruktur. In diesem Seminar werden Bedeutung und Konstruktion von Nation aus feministischer Perspektive hinterfragt. Diese ermöglicht das Zusammendenken von marginalisierten Geschichten, Körpern und Identitäten. Die künstlerischen Positionen und theoretischen Diskurse spiegeln Topoi der wartenden, passiven Frau, der Scham, männlicher (politischer) Dominanz und hinterfragen so Narrative und Archive der Nation. Die Auswahl der zu diskutierenden künstlerischen Positionen mit Schwerpunkt auf die bildenden Künste vereint Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen. Die einzelnen Positionen treten in eine „intergenerationelle Langzeitkommunikation“ (Assmann 2020) und verweben sich mit der Pluralität der Stimmen im zeitgenössischen feministischen Diskurs, der über den portugiesischen Kontext hinaus diskutiert werden soll.

Begleitende Lektüre werden Texte aus Kunst-/Kulturwissenschaften, Philosophie, Lyrik und Belletristik.

 

 

Connective Aesthetics, Imagination and Transformation: Envisioning An Art Based Society (Workshop)

Isabel Añino Granados M.A.

Der Workshop „Connective Aesthetics, Imagination and Transformation: Envisioning An Art Based Society“ findet an drei Terminen zu unterschiedlichen Schwerpunkten statt:

Teil 1: „Der Begriff Connective Aesthetics Und Seine Praktische Umsetzung“: Dieser Workshop basiert in einer „practise-based“ Methodologie. Darüber hinaus werden die Teilnehmer*innen die Möglichkeit bekommen, den Begriff der „connective aesthetics“ besser kennenzulernen und sich mit der Möglichkeit seiner künstlerischen Umsetzung vertraut zu machen. Unter anderem werden wir folgende Fragen zusammen bearbeiten: Kann die Künstlerin und der Künstler als „agent of change“ betrachtet werden? Wer kann sich überhaupt Künstlerin und Künstler nennen? Tragen sie eine gesellschaftliche Verantwortung? Kann das Ästhetische als Verbindung zwischen uns und der Welt betrachtet werden? Was ist denn eigentlich Kunst im Zusammenhang dieser Fragen? Welche Vorannahmen wollen wir problematisieren? Welche wollen wir bestätigen?

Teil 2: „Die schöpferische Imagination. Verschiedene künstlerische Vorschläge. Möglichkeiten ihrer Praktischen Umsetzung“: Dieser Workshop basiert auf einer „practise-based“ Methodologie. Wir werden mit der Möglichkeit arbeiten, die Imagination experimentell als Realität zu betrachten. Diesbezüglich werden wir die Vorschläge und Erfahrungen ausgewählter Autoren*innen kennenlernen. Ebenso werden wir versuchen eigene Experimente in dieser 'anderen Realität' vorzunehmen. Wie sieht diese „andere Realität“ aus? Können wir sie mit unseren sinnlichen Organen wahrnehmen? Was bedeutet uns eine 'exakte sinnliche Phantasie'? Kann die Erfahrung dieser „anderen Realität“ die physische Realität, die wir im Alltag wahrnehmen, beeinflussen und umgestalten?

Teil 3: „Kunst Und Recht. Das Recht als Werkstoff der künstlerischen Tätigkeit“: Dieser Workshop basiert auf einer „practise-based“ Methodologie. Darüber hinaus werden wir während des Workshops mit den relevanten Begriffen auf eine praktische Weise arbeiten und experimentieren. Wir erleben heutzutage ein beachtliches Wachstum des Rechtssystems, das jenseits der Stratosphäre bis in das Innerste unseres Körpers hineingreift. Ist dabei das Rechtsleben weiterhin nur als eine Expertenfrage zu verstehen, lediglich für Juristen*innen oder Politikern*innen? Kann die Kunst das Rechtssystem bzw. das Rechtsleben beeinflussen? Gegenwärtige Künstler*innen und Juristen*innen beschäftigen sich mit solchen Fragen. Sie haben tiefere Beziehungen zwischen Kunst und Recht entdeckt, die sich weit weg von Urheberrecht und Eigentum trennen. Wir werden uns mit relevanten Juristen*innen und Künstlern*innen beschäftigen, die sich mit solchen Fragen auseinandersetzen und uns einführend in ihre Vorschläge und Erfahrungen einzudenken versuchen.

Für die Teilnahme an allen drei oder einzelnen Workshops melden Sie sich bitte unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und senden Sie mir eine kurze Begründung Ihres Interesses. 

 

 

Schlaf und Traum als dynamisches Paradigma in Technologie, Medien und Kunst (Vorlesung)
Marietta Kesting

Die Künste und insbesondere feministische Künstlerinnen haben sich seit jeher auch für die scheinbar passiven, unproduktiven, latenten und spekulativen Zustände des Körpers interessiert, seien es Krankheit, Trance, Hypnose oder eben Schlaf und Traum. Schlaf mit den dazugehörigen Traumphasen ist ein reduzierter körperlicher und geistiger Zustand, den Menschen nicht willkürlich herbeirufen können. Im Schlaf verbrauchen sie weniger Kalorien und Sauerstoff. In vielen Sci-Fi-Narrationen kommen daher interstellare Flüge durch das Universum mit schlafenden Astronaut:innen vor, die erst kurz vor dem Ziel geweckt werden. Im 21. Jahrhundert wird dagegen ausreichend langer Schlaf als Garant für Effizienz und
Gesundheit angenommen. Sogar Fremdsprachen sollen im Schlaf gelernt werden können. Einige Unternehmen verteilen Tracking-Armbänder, es winken Boni, wenn die Arbeiter:innen sich regelmäßig 8 Stunden Ruhe gönnen.

Es gibt jedoch auch eine Gegenbewegung zu einer Spätmoderne, die auf Nachhaltigkeit, Resilienz und Stressreduktion abzielt. Ausdrücklich neoliberale Logiken setzen auf induzierten Schlafmangel, der ebenso wie Regenerations- oder Traumoptimierung das Bemühen darstellt, jegliche Form menschlichen Verhaltens effizienter zu gestalten. Die Kehrseite solcher Optimierungsstrategien zeigt sich an denjenigen Menschen, die keine Ruhe finden können. Denn nicht alle sind auf dieselbe Art von Schlafmangel betroffen. Gender, Rassifizierungen und Klasse generieren Benachteiligungen, welche die Möglichkeiten beeinflussen, sorgenfrei einzuschlafen.

Reale oder vorgetäuschte Zustände des Schlafens und Träumen können dabei utopische oder dystopische Perspektiven eröffnen. Sie lassen neue Dinge denkbar werden, u.a. wie sich die Gesellschaft, die (Medien-) Technologien und die Kunst zukünftig verändern könnte. Sigmund Freud schrieb in einer Fußnote in seiner Traumdeutung: „Im Grunde sind Träume
nichts anderes als eine bestimmte Form des Denkens, das durch den Zustand des Schlafens ermöglicht wird.“

Anhand kanonischer, nicht-kanonischer Texte und paradigmatischer Beispiele aus Medientheorie, Literatur, Populärkultur (insbes. Filme) und der bildenden Kunst werden folgende Materialfelder in der Vorlesung ausführlich vorgestellt und gemeinsam diskutiert:

Feld (1) Historische Untersuchung der Funktion von Schlafen und Träumen als Kulturtechnik und Modell alternativer künstlerischer Denkformen

Feld (2) Funktion von Schlaf und Traum für die Modellierung sowohl menschlicher wie auch posthumaner künstlicher Lernprozesse

Feld (3) Schlafen und Träumen als wiederständige, utopische und futuristische Imaginationen in Medientechnologien und Kunst

 

*"Hab ich Dir von dem Zufall erzählt?"*

Monika Rinck
Wie fange ich etwas an? Wie begünstige ich das Herannahen der Idee, die ich noch nicht habe und noch nie hatte? Im Surrealismus stellte man sich so etwas als "objektiven Zufall" vor, als hasard objectif, regelgeleitete Verfahren verfolgen mit anderen Mitteln ein ähnliches Ziel. Aber wie geht es nach dem Zufall weiter, mit oder ohne ihn? Eine Werkstatt mit Übungen und Lektüren.

 

Leistungsnachweise für alle Veranstaltungen der Philosophie:

Für Modul Kunstpädagogik E.01.09 und Freie Kunst FK-T2 regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers oder Essays (3 bis 5 Seiten);
für Modul Kunstpädagogik E.02.09 und Freie Kunst FK-T4 regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten).

 

Die Veranstaltungen von Prof. Dr. Marietta Kesting (Medientheorie) können ebenfalls als Philosophie-Scheine angerechnet werden.