Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie

Prof. Dr. Maria Muhle, Dr. Jenny Nachtigall, Sebastian Althoff, M.A., Inka Meißner, M.A./ Sarah Lehnerer, M.A. (Lehrauftrag)

 

1.Maintenance Art: Von der Ästhetik der Existenz zur Philosophie der Sorge (Seminar)

Prof. Dr. Maria Muhle

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik Modul E.02.09

Freitag, 11h00–14h00 (zweiwöchentlich)

Beginn: 19.10.; weitere Termine: 02.11. (E.O2.29), 16.11. (A.EG.01), 30.11., 14.12., 18.01., 01.02.

Raum: E.O1.23

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter muhle@adbk.mhn.de

 

„I am an artist. I am a woman. I am a wife. I am a mother (random order).

I do a hell of a lot of washing, cleaning, cooking, renewing, supporting, preserving, etc. Also, (up to now separately) I ‚do‘ Art.

Now, I will simply do these maintenance everyday things, and flush them up to consciousness, exhibit them, as Art. [...] My working will be the work.“

 

Mierle Laderman Ukeles, „Manifesto for Maintenance Art, 1969! (Proposal for an Exhibition ‚Care‘)“

 

Das Seminar soll ausgehen von ausgewählten späten Schriften Michel Foucaults, die sich mit den Begriffen der „Ästhetik der Existenz“ und der „Selbstsorge“ befassen und eine Lebenskunst in den Blick nehmen, die gerade keine Ästhetisierung der eigenen Existenz vornimmt, sondern vielmehr einen praktischen Selbstbezug denkbar werden lässt, der stets durch Macht- und Wissens-Dispositive vermittelt wird und sein Modell in den antiken Selbstpraktiken findet. So schlägt Foucault keine Rückkehr zu einem sorgsamen Umgang mit sich selbst als Ausweg aus allgegenwärtigen Machtverhältnissen vor, wie es bspw. bestimmte Positionen einer Philosophie der Sorge gegenwärtig tun. Vielmehr macht er darauf aufmerksam, dass auch die eigene Lebensform nicht frei von Machtrelationen modellierbar ist, sondern vielmehr gerade der Ort der Verinnerlichung dieser Machtrelationen ist.

 

Anhand von spezifischen künstlerischen und theoretischen Positionen, wie u.a. der Maintenance Art (Ukeles, Lucy Lippard u.a.) oder der feministischen Kritik an der reproduktiven Arbeit (Wages for Housework, Silvia Federici, Mariarosa dalla Costa, Gisela Bock/Barbara Duden, Marina Vishmidt u.a.) und Diskussionen um „Care-“ oder Sorgearbeit“ bzw. um eine Ethik der Achtsamkeit (Sandra Laugier, Estelle Ferrarese, Elisabeth Conradi, Carol Gilligan u.a.), soll im Seminar untersucht werden, inwiefern gerade die reproduktiven, pflegenden, wartenden und privaten Formen von Arbeit als künstlerische oder politische Arbeit zu denken sind. Damit wird nicht nur eine tradierte modernistische Hierarchie, die zwischen der Freiheit der Kunst und der Notwendigkeit der Arbeit unterscheidet und das eine als kreative Produktion, das zweite als repetitiv-mechanische Reproduktion einordnet, in Frage gestellt, sondern zugleich auch zentrale rassistische, genderpolitische, ökonomische etc. Aufteilungen sichtbar gemacht, die spezifische Lebensformen, nämlich die weiblich kodierten, ökonomisch benachteiligten, rassistisch und national ausgegrenzten, von der Teilnahme am künstlerischen und politischen Diskurs ausschließen.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten).

 

 

2. Einführung in Kunstgeschichte und Philosophie

Prof. Dr. Florian Matzner Prof. Dr. Maria Muhle, Prof. Dr. Dietmar Rübel

Pflichtveranstaltung für Studierende 1. Semester Freie Kunst und der Kunstpädagogik

Freie Kunst FK-T1 und Kunstpädagogik Modul D.01.09

Mittwoch, 11–13 Uhr (wöchentlich)

Beginn: 24. Oktober 2018

Raum: E.EG.28, E.OG.01.23, E.OG.02.29

        

Die Veranstaltung zielt auf die Vermittlung von Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, insbesondere in Kunstgeschichte und Philosophie. An exemplarischen Beispielen wird ein Überblick über die Geschichte der Kunst sowie die wichtigsten Methoden sowie Themenfelder der Kunstgeschichte und Philosophie geboten. Dazu werden ausgewählte Kunstwerke in Verbindung mit ausgewählten Texten (Primärquellen sowie Sekundärliteratur) gemeinsam diskutiert. Zudem besuchen wir die für die Geschichte und Theorie der Kunst wichtige Museen und Bibliotheken. Der Bibliotheksbesuch dient auch der Einführung in die Literaturrecherche; zudem werden relevante Internetressourcen vorgestellt und Hinweise zum Erstellen von Referaten und Hausarbeiten gegeben.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit)

 

 

3. (Digitale) Identitätseffekte (Seminar)

Dr. Jenny Nachtigall

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik Modul E.02.09

Freitags, 11h00–15h00

Beginn: 26.10.; weitere Termine: 09.11., 23.11., 07.12., 11.01., 25.01., 08.02.

Raum: E.O1.23

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter nachtigall@adbk.mhn.de

 

Nachdem die Frage der Identität, als politische wie auch als ästhetische lange Zeit für tot erklärt wurde, wird sie heute wieder kontrovers diskutiert. Das Seminar widmet sich Konfliktfeldern der Identitätsdebatte und ihrer Verhandlung in der Gegenwartskunst und Theorie. Besondere Aufmerksamkeit wird darauf liegen, welche Formen und Folgen die Medialisierung des Selbst im Zeitalter des Digitalen hat und wie Künstler_innen und politische Akteur_innen Identitätseffekte produzieren und reproduzieren.

 

Ein Themenbereich des Seminars widmet sich dabei der aktuellen Diskussion um Ästhetik und Rechtsradikalismus. Inwiefern korrelieren die Narrative der unterschiedlichen Rechtspopulismen in Europa und den USA ästhetisch (vielmehr als politisch)? Wenn ästhetische Formen Identitätseffekte haben, kommt der Kunst dann nicht immer schon eine politische Verantwortung zu? Neben Texten zur faschistischen Ästhetik und Subjektivität (Nancy/Lacoue-Labarthe, Sontag u.a.) werden aktuelle Zugänge zu (post-)digitaler Kultur und Rechtsradikalismus in der Gegenwartskunst Thema der Diskussion sein (z.B. die Veranstaltungsserie „Unpacking the Aesthetics of the Far Right am BAK, Utrecht und La Colonie, Paris).

 

Als weites Feld der Identitätsfrage führt das Seminar in den Diskus um „blackness“ und „Afro-Pessimismus“ ein. Deren Infragestellungen europäischer Vorstellungen von (künstlerischer) Subjektivität und Freiheit (Hartman, Wilderson u.a.), das sogenannte „Whitewalling“ (Aruna d’Souza) innerhalb von Kunstinstitutionen werden dabei ebenso diskutiert, wie künstlerische Zugänge zu diesen Problemen: z.B. Sondra Perrys viel beachteten Performances/Installationen zu blackness und Internetkultur, Aria Deans Perspektive auf den Zusammenhang der Zirkulation von Memes und der Zirkulation von schwarzen Körpern sowie die Medialisierungen, (Re)Produktionen und Aneignungen von Identität online und offline.

 

Das Seminar wird im Austausch mit Larne Abse Gogarty (Slade School of Fine Art, London), Bill Dietz (Bard College, New York) und Kerstin Stakemeier (Akademie der Bildenden Künste Nürnberg) stattfinden. Weitere Informationen hierzu werden Anfang des Semesters bekannt gegeben.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

4. Masochismus und Opposition (Seminar)

Sebastian Althoff, M.A.

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik Modul E.02.09

Dienstags, 10h00–13h00

Beginn: 16.10; weitere Termine: 23.10., 20.11., 27.11., 11.12., 08.01., 15.01., 22.01.

Raum: E.O1.23 (nur 16.10.), E.O2.29

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter althoff@adbk.mhn.de

 

Widerstand wird normalerweise als aktive Teilhabe, als Aufbegehren und Gegenwehr verstanden. Das Seminar möchte dagegen eine Opposition untersuchen, die sich statt in Aktivität und Aktivismus in Passivität und Selbstaufgabe findet. Jack Halberstam verweist auf die Performance „Cut Piece“ von Yoko Ono, in der sie alleine auf einer Bühne saß und das Publikum (zum Schluss vor allem Männer) nacheinander zu ihr ging und Teile aus ihrer Kleidung herausschnitt. Kontraintuitiv sieht Halberstam darin nicht einfach ein weiteren Moment, in dem Männer Macht über Frauen ausüben, sondern vielmehr eine andere Form des Feminismus, die sich vorgegebenen Definitionen, was Widerstand und erfolgreicher Widerstand bedeutet, entzieht. Ein Feminismus, der nicht produktiv sondern destruktiv ist und ein Erbe von Kolonialismus und Faschismus in sich selbst zerstören möchte. Können wir also etwas von der Selbstzerstörung des Cutting, der Collage, oder dem Masochismus aus „Der Klavierspielerin“ oder sogar „50 Shades of Gray“ lernen? Insbesondere der Masochismus soll in den Fokus gerückt werden, um die Dynamik einer solchen Opposition zu untersuchen, in der Unterscheidungen von Macht und Unmacht, von Aktivität und Passivität verschwimmen. In den Sitzungen besprechen wir deshalb Texte von u. a. Sigmund Freud, Gilles Deleuze, Elizabeth Freeman und Eva Illouz.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

5. some stories of how the alien bridged the gap with her mind (Seminar)

Inka Meißner/ Sarah Lehnerer (Lehrauftrag)

Freie Kunst FK-T2

Donnerstags, 11h00–15h00

Beginn: 25.10.; weitere Termine: 08.11., 22.11., 13.12., 20,12., 10.01., 24.01., 07.02. (E.02.29)

Raum: alter Sitzungssaal (A.EG.01); 07.02 (E.02.09)

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter sarahlehnerer@aol.com

 

30 Jahre nach Lucia Berlins Roman A Manual for Cleaning Women beschreibt Heike Geißler in dem Buch Saisonarbeit die autobiografischen Erfahrungen der Anti-Heldin, einer Schriftstellerin, die bei Amazon in Saisonarbeit Bücher verpackt, statt ihre eigenen zu schreiben, während die „Cleaning Woman“ eine Generation zuvor in der Wohnung ihrer Arbeitgeber und Freunde sitzt und raucht und schreibt, statt das zu tun, wofür sie eigentlich bezahlt wird: zu putzen.

 

Die Idee des Seminars ist es, künstlerische Formen anzuschauen, die dem Akt des Erzählens entspringen und einer zunächst nicht weiter definierten Entfremdung mit der eigenen Sprecherposition begegnen, um zu untersuchen, inwiefern das Erzählen vom „Prekär-Sein“ die Prekarität selbst modifiziert. Das kann über Texte passieren, aber auch über den Körper oder andere Bewegungen und lässt sich folglich nicht aufs Schreiben reduzieren. Dementsprechend fragt das Seminar auch nach Ritualen, Lebenslinien, biografischen Mustern und Agencies, nach Zusammenschlüssen, Communities oder eben Kunst.

 

Dabei stellt sich die Frage, ob der bewusste Zustand des Prekär-Seins sich zumindest auch dafür nutzen lässt, die strukturellen Freiräume innerhalb von sozialen Normen noch einmal anders in den Blick zu bekommen. Das heißt hier konkret, aus der Richtung verschiedener Formate von „Autofiktion“ auf mögliche (historische sowie aktuelle) Freistellen zu schauen, die sich in abgeschlossener Theorie selten finden lassen. Anders gesagt: Der Kanon „as we know it“ ist abgeschlossen und deswegen können seine Diskurse hier nur als eine narrative Form unter vielen berücksichtigt werden.

 

Durch Lektüren und der Arbeit in Workshops von/zu Werken der Studierenden sollen die strukturelle Grundlagen oftmals prekärer künstlerischer Arbeit in den Blick genommen werden. Geplanter Abschluss des Seminars wäre es, eine Publikation (Zine) zu gestalten und im Rahmen einer kleinen Veranstaltung zu präsentieren.

 

 

6. Künstlerische Schreibszenen (Kolloquium Philosophie)

Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4

Donnerstags, 17h00–20h00

Termine: 25.10., 08.11., 22.11., 06.12., 10.01., 24.01., 07.02.

Raum: E.O2.29

 

Eine Künstlerische Schreibszene kann sowohl das Schreiben als Kunst, das Schreiben über Kunst, das Schreiben mit Kunst, aber auch das Schreiben gegen Kunst meinen – in jedem Fall stellt sie einen spezifischen Bezug her zwischen einer künstlerischen Produktion und der Tätigkeit des Schreibens, sei es literarisches, poetisches, theoretisches, kritisches etc. Schreiben. Und es handelt sich jeweils um ein Schreiben, dass seine Szene, d.h. die Bühne, das Atelier, den Klassenraum, also den Ort, das Milieu, in dem es entsteht, mit reflektiert und diskutiert. In diesem Semester sollen im Kolloquium Philosophie spezifisch die künstlerischen Schreibszenen der Studierenden in den Blick genommen werden. Anhand der Lektüre und Diskussion unterschiedlicher Texte (Rüdiger Campe, Michel Foucault, Kathy Acker, Samuel R. Delany u.a.) sollen unterschiedliche Formate, Praktiken und Positionen des Schreibens theoretisch und praktisch erarbeitet werden, um so die eigene und gemeinsame Schreibszene der Akademie der Bildenden Künste zu verstehen, und aus dieser heraus über sich, die eigenen Arbeiten, andere Arbeiten, andere Künstler*innen, Autor*innen etc. zu schreiben.

 

Das „Kolloquium Philosophie“ wendet sich an die Studierenden aller Klassen und eröffnet ihnen die Möglichkeit sich in einem explizit transdisziplinären Rahmen methodisch und inhaltlich auszutauschen. Die Diskussion der eigenen künstlerischen Praxis, die dieses Semester vornehmlich anhand des Schreibens stattfinden soll, bildet dabei ein zentrales Element.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium seine Rolle als experimenteller Ort der Präsentation und Diskussion künstlerischer Positionen und als fester Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie weiterführen kann.

 

 

7. Akademietexte

Die Publikationsreihe AKADEMIETEXTE, herausgegeben von Maria Muhle und Martin Schmidl, wird als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Arbeit an der Akademie fortgesetzt. Die zusammen mit einer Gruppe Studierender angestoßene Arbeit an einer größeren Publikation zu den „Freiheiten der Kunst“ soll im Wintersemester weitergeführt und abgeschlossen werden: Im Ausgang von der weiterhin gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, und angesichts der bevorstehenden Einführung einer neuen Studienordnung soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u.a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Um diese Fragen zu diskutieren und für die Publikation aufzuarbeiten, findet eine von den Studierenden kuratierte Vortragsreihe mit externen Gästen zu Anfang des Wintersemesters 2018/19 statt. Die Produktion der Publikation mit den Ergebnissen dieser Vortragsreihe sowie anderen Elementen (Chronologie, Kommentar der Studienordnungen, Interviews etc.) soll im Wintersemester 2018/19 abgeschlossen werden.

 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen, an der Organisation der Vorträge, der grafischen Entwicklung und Umsetzung sowie dem Druckvorgang ist Voraussetzung für die Mitarbeit. Das erste Treffen findet am Dienstag, 16. Oktober 2018 um 11h00 in der Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck statt. 

Anmeldung bitte bis zum 12. Oktober 2018 an muhle@adbk.mhn.de

 

 

8.Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)

Prof. Dr. Maria Muhle

Mittwoch, 10.00 – 14.00 Uhr

Termine werden per Mail bekanntgegeben.

Raum: E.02.08

 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter: muhle@adbk.mhn.de

 

 

LEHRSTUHL FÜR PHILOSOPHIE
Prof. Dr. Maria Muhle
wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Dr. Jenny Nachtigall, Sebastian Althoff, M. A. (Teilprojekt Mimetische Existenzweisen der DFG-Forschergruppe Medien und Mimesis
Lehrbeauftragte Tonio Kröner, M. A., Frauke Zabel, M. A.

Seminar Einführung in die Ästhetik: Sexualästhetik
(Modul E.01.09 / Modul E.02.09)
Dr. Jenny Nachtigall

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–14.00 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 19.04.2018 
weitere Termine 03.05., 17.05., 07.06., 21.06., 05.07.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 unter nachtigall@adbk.mhn.de

Ausgehend von der #metoo Debatte, widmet sich die Einführung in die Sexualästhetik unterschiedlichen – philosophischen, kunsttheoretischen, psychoanalytischen und affekt-theoretischen – Ansätzen, das Verhältnis von Sexualität und Ästhetik zu begreifen. In Auseinandersetzung mit einer heteronormativen „Ästhetik der Herrschaft“ vs. einer queeren „Ästhetik widerständiger Sexualität“ (Paul B. Preciado) möchte das Seminar beleuchten, welches Verständnis von Ästhetik (gegenwärtigen) Debatten um Sexualität zugrunde liegt. Inwiefern verstricken sich z. B. ästhetisch kodierte Vorstellungen von Sexualität als (vitalistischer) Intensität, Transgression oder Freiheit in die Gewalt- und Machtverhältnisse, gegen die sie sich richten? Wie kann man Sexualität und Ästhetik überhaupt jenseits von Freiheit und Lebendigkeit denken? Und wer ist von letzteren ohnehin immer schon ausgeschlossen? Welche Konsequenzen hätte ein „negatives“ Verständnis von Sexualästhetik für Formen der Sinnlichkeit innerhalb und außerhalb der Kunst? Das Seminar wird unterschiedliche Antworten auf diese Fragen vorstellen und anhand von bekannten und weniger bekannten ästhetischen und künstlerischen Praktiken diskutieren: von Sidsel Meineche Hansen, Ana Mendieta und Jack Smith bis zu Toyen und Gherasim Luca u. a. Theoretische Positionen behandeln: die psychoanalytische Rolle des Todestriebs (Freud, Zupancic) und einer anti-ödipalen Ästhetik (Luca, Deleuze/Guattari), die sexuelle Kodierung des Visuellen (Lacan, Rose) und seine Warenform (Gorsen), den anti-sozialen Affekt von Sexualästhetik (Edelman/Berlant), sowie queere Sexualästhetik (Preciado) und ihre (kolonialen) Grenzen (Spillers, Rosenberg) u. a. 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers (3–5 Seiten) für Modul E.01.09 oder einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten) für Modul E.02.09

 
Blockseminar Ästhetiken der Revolte (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle 

Raum E.O1.23, E.ZG.04 (13.07.), Akademiestr. 4
Zeit Freitag 10.00–16.00 Uhr, Beginn: 08.06.2018, weitere Termine 15.06., 22.06., 06.07., 13.07.  
Kontakt/Anmeldung bis 22.04.2018 unter muhle@adbk.mhn.de

Das Seminar möchte ausgehend von historischen und zeitgenössischen Texten, die sich mit Fragen der Revolte, des Aufruhrs, des Aufstandes, der Erhebungen auseinandersetzen (und diese von historischen „Revolutionen“ unterscheiden), nach deren Ästhetiken fragen: d. h. einerseits nach der künstlerischen Wiedergabe oder Repräsentation dieser aufständischen Momente, andererseits aber auch nach der Rolle, die ästhetische Praktiken (Bildende Kunst, Film, Musik...) für und in der Revolte spielen und gespielt haben. Ein Schwerpunkt ist dabei die Studentenrevolte von 68 besonders in Deutschland und Frankreich und die damit assoziierten künstlerischen Strömungen; darüber hinaus sollen aber auch andere Momente der Revolte in den Blick genommen werden, die dem Mythos 68 entgehen oder entgegenstehen (z. B. die Aufstände in den Pariser Banlieues oder die Londoner „riots“, Schwarzer Block) und einen Moment des Plebejischen und der Ambivalenz offenlegen, der normativ nicht umstandslos eingehegt werden kann. Die Sitzungen bestehen daher aus der Lektüre und Diskussion klassischer und zeitgenössischer Texte (Karl Marx, Hannah Arendt, Michel Foucault, Alain Brossat, Bini Adamczak, Geoffroy de Lagasnerie, Das unsichtbare Komitee u. a.) und der Sichtung und Diskussion künstlerischer und filmischer Arbeiten u. a. von Bernadette Corporation, Claudia von Alemann, Chris Marker, Gabriel Périot.

In Zusammenarbeit mit dem Seminar „Tropicália“ (Frauke Zabel) finden am 15. und 19.06. zwei gemeinsame Workshops mit Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro) und Thiago de Paula Souza (São Paulo) im Lothringer13_Florida statt.  

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 
Seminar Re/Dissolution (Modul E.02.09)
Sebastian Althoff, M. A.  

Raum E.O1.23, A.EG.01 (28./29.06.), Akademiestr. 2–4
Zeit Dienstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 17.04.2018, 
weitere Termine 08.05., 15.05., 29.05., 12.06., 19.06., 28./29.06. (Workshop), 03.07.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 unter althoff@adbk.mhn.de

Der Workshop „Re/Dissolution“, der vom 28.–29.06. stattfinden wird, versammelt Künstler/innen und Theoretiker/innen zur doppelten Bedeutung des Wortes „Auflösung“: Einerseits der Auflösung eines Bildes (Resolution), andererseits im Sinne des Sich-Auflösens (Dissolution), etwa von Zucker in Wasser oder von Objekten oder Details, die mit dem Hintergrund verschmelzen. Im Bild verbindet sich diese doppelte Bedeutung, denn mit deren immer größeren Auflösung, die sich in einer hohen Pixeldichte und einer „High Definition“ zeigt, geht auch ein anderer Auflösungsprozess einher, wenn einzelne Pixel immer weniger sichtbar werden, weil sie in den Millionen Pixel um sie herum untergehen. Diese doppelte Bedeutung weist damit auf den Verlust in einem Prozess hin, der sich als größtmöglich inklusiv gibt, wo ein Mehr an Pixeln zu einem Mehr an Details führt. Dieser Verlust lässt sich etwa in der Überwachung nachverfolgen, wo Gesichtserkennungssoftwares oft Probleme haben, Menschen mit dunkler Haut zu erkennen oder asiatische Nutzer/innen beim Selfie eine Erkennung auslösen, die sie fragt, ob sie blinken. Hito Steyerls Videoinstallation „HOW NOT TO BE SEEN“ (2013) lässt aber gleichzeitig die Möglichkeit erahnen, gerade durch Auflösung der Überwachung zu entgehen. Etwa in der dritten Lektion, die lehrt, unsichtbar zu werden, indem man so klein wie ein Pixel und so selbst Teil des Bildes wird. Passend dazu sieht man Performer als Pixel verkleidet – mit weißen, grauen oder schwarzen Würfel über die Köpfe gezogen – vor einem „resolution target“ in der kalifornischen Wüste tanzen. Auch der Glitch bietet sich in diesem Sinne an, so etwa in der Glitch Art, in der kaputte digitale Bilder als Mittel gedacht werden, die inhärente Prozessualität des Digitalen als unordentliche oder schmutzige Übertragung zu denken. 

Das Seminar soll als Vorbereitung auf den Workshop dienen und soll u. a. Texte von den Vortragenden (eingeladen sind etwa Simone Niquille, Legacy Russell oder Antoinette Rouvroy) behandeln. 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 
Seminar „Tropicália“: Perspektivwechsel 68
Frauke Zabel, M. A. (Lehrbeauftragte)

Das Seminar findet in Kooperation mit dem Lothringer13_Florida, Kunstraum der Stadt München statt.
Raum E.ZG.04, E.O1.23 (15.06.), Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–17.00 Uhr, Beginn: 04.05.2018, 
weitere Termine 18.05., 23.–25.05. (Exkursion nach Frankfurt), 01.06., 15./19.06. gemeinsame Termine mit dem Seminar „Ästhetiken der Revolte“ (Maria Muhle)
Kontakt/Anmeldung bis 22.04.2018 unter fraukezabel@gmx.de

Das Seminar betrachtet die brasilianische „Tropicália“-Bewegung als Beispiel einer Gegenkultur, welche sich zeitgleich zur 68er Bewegung des globalen Nordens unter anderen politischen, sozialen und kulturellen Vorzeichen entwickelte. Die Aktualisierung der Idee des Anthropophagen durch den Rückgriff auf das „Anthropophage Manifest“ (1928) von Oswald de Andrade geschah zur Zeit der sich verschärfenden Militärdiktatur in Brasilien. Ausgehend von der gleichnamigen Installation „Tropicália“ des Künstlers Hélio Oiticica fand die Bewegung im Bereich Film, Theater, Kunst und Dichtung statt. Der hier entstandene fluide und hybride Kulturentwurf der Tropikalisten scheint seit den 60er Jahren kaum an Aktualität verloren zu haben, wird er doch in regelmäßigen Abständen aufgegriffen und ist momentan Ausgangspunkt vieler Diskussionen. 

Unter starkem Praxisbezug werden einige dem Begriff Tropikalismus zugeschriebene Praktiken in Film, Theater, Kunst (Schwerpunkt Performance), Literatur und Musik sowie deren Aktualisierungen betrachtet. Neben weiteren künstlerischen Beispielen werfen wir einen Blick auf das Teatro Oficina in São Paulo, die Praxis von Hélio Oiticica, Lygia Clark, Lygia Pape und Glauber Rocha. Texte u. a. von Oswald de Andrade, Mario de Andrade, Suely Rolnik/Felix Guattari und Viveiros de Castro bilden die Grundlage für die Auseinandersetzung.

Es besteht die Möglichkeit einer gemeinsamen Exkursion nach Frankfurt zur Tagung „Das Andere 68 – Anthropophage Revolutionen in der brasilianischen Gegenkultur nach 1968“ vom 23.–25. Mai.

Das Seminar endet mit zwei gemeinsamen Workshops (15. und 19.06.2018) mit dem Seminar „Ästhetiken der Revolte“ (Maria Muhle) im Lothringer13_Florida, zu dem Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro) und Thiago de Paula Souza (São Paulo) eingeladen sind.

 
„Wo Es war, soll Ich werden“ – Kermit the Frog
Tonio Kröner, M. A. (Lehrbeauftragter)

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 13.30–16.30 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 11.04.2018, 
weitere Termine 25.04. (doppelter Termin: 13.30-19.30 Uhr), 23.05., 06.06., 20.06.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 an tonio.kroener@museum-brandhorst.de

Cartoons schildern eine Welt ohne Humanismus. In der gezeichneten Welt ist alles aus dem gleichen Stoff. Dieser instabil differenzierte Kosmos bekundet eine dynamische Beziehung zwischen Figur und Grund. Er kann seine menschlichen Betrachter/innen nur an ihre Lächerlichkeit erinnern, oder an ihren Tod. Dieses Reich der Toten hat jedoch eine kompensatorische Wirkung: es ist die Sphäre der Mehr-als-Lebendigen, von Gespenstern mit übertrieben viel Energie und dem verzweifelten Wunsch zu Kommunizieren. Cartoons, wie die Kunst, stehen gegenwärtig hoch im Kurs. Beide lassen uns diabolisch auflachen. Ihre Figuren sind, obwohl unendlich viel spezifischer und größer als das Leben, miserable Vertreterinnen autonomer Entitäten. Sie vereinen Individualität und Gleichheit in ihren Silhouetten, eine Wechselbeziehung, die wir Menschen tagtäglich herstellen und an der wir scheitern müssen.

Die Übung wird in Lektüre und Arbeitsbesprechungen, vor Werken der Studierenden und anderer Künstler/innen, diese Folie zur Betrachtung der humanistischen, kunst- und kulturgeschichtlichen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft erkunden.

 
Akademietexte – „Freiheiten der Kunst“
Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie/Hochdruck)

Raum Studienwerkstatt für Typografie/Hochdruck (Neubau E.ZG.12), Akademiestr. 4
Termine Dienstag, 17.04.2018 11.00 Uhr (erstes Treffen)
Anmeldung bitte bis zum 06.04.2018 an muhle@adbk.mhn.de

Die Publikationsreihe AKADEMIETEXTE, herausgegeben von Maria Muhle und Martin Schmidl, wird als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Arbeit an der Akademie fortgesetzt. Die im Wintersemester zusammen mit einer Gruppe Studierender angestoßene Arbeit an einer größeren Publikation zu den „Freiheiten der Kunst“ soll im Sommersemester weitergeführt werden: Im Ausgang von der weiterhin gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u. a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Um diese Fragen zu diskutieren und für die Publikation aufzuarbeiten, soll eine von den Studierenden kuratierte Vortragsreihe mit externen Gästen während der Jahresausstellung organisiert werden. Die Produktion der Publikation mit den Ergebnissen dieser Vortragsreihe sowie anderen Elementen (Chronologie, Kommentar der Studienordnungen, Interviews etc.) wird dann im Anschluss stattfinden und im Wintersemester 2018/19 abgeschlossen werden. 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen, an der Organisation der Vorträge, der grafischen Entwicklung und Umsetzung sowie dem Druckvorgang ist Voraussetzung für die Mitarbeit.

 
Kolloquium Philosophie 
Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Jenny Nachtigall

Raum E.O2.29 (17.05., 21.06.) und E.O1.23 (07.06., 05.07.), Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–20.00 Uhr, Beginn: 17.05.2018, 
weitere Termine 07.06., 21.06., 05.07.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v. a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.