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Franz Wanner & Maria Muhle –– Künstlergespräch

Ort: 404 – Page Not Found, Corneliusstraße 2, 80469 München

Eintritt frei

 

Franz Wanner und Maria Muhle blicken auf ein Missverhältnis zweier Komplexe: der Privatsphäre und des Staatsgeheimnisses. Gemeinsam diskutieren sie über die Bedingungen des (Über-)Lebens in einer Welt, in der Informationen ohne Skrupel enteignet werden.

 

Franz Wanner – Die Befragung 

 

Der Geheimdienst der Bundesrepublik Deutschland ist älter als die Bundesrepublik Deutschland selbst. Unter US-Kontrolle wurde er 1946 als „Organisation Gehlen“ gegründet. Zu einem großen Teil bestand er aus ehemals ranghohen Nationalsozialisten. 1956 benannte er sich um in „Bundesnachrichtendienst“. Neben den Zentralen in München-Pullach und Berlin betreibt der BND weltweit etwa 200 geheime Dienststellen, die Hälfte davon in Deutschland. Viele dieser häufig wechselnden Außenposten befinden sich in München. Sie tragen Tarnnamen wie „Bundesvermögensverwaltung Abteilung Sondervermögen“ und erfüllen unterschiedlichste Funktionen – von der Herstellung falscher Papiere bis zur Observation von Journalist*innen und der Einrichtung getarnter Funkkreise, deren Sende- und Empfangsanlagen an signifikanten Orten wie dem nördlichen Glockenturm der Münchner Frauenkirche untergebracht sind.

Der situative Loop „Die Befragung“ behandelt das Befragungswesen des BND. Diese Einheit vernimmt zur Informationsgewinnung Asylsuchende. Wenn sie kooperieren und Informationen liefern, wird ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung in Aussicht gestellt. Die Praxis der geheimdienstlichen „Abschöpfung“ von Geflüchteten wurde 2015 unter öffentlichem Druck für beendet erklärt und die zuständige „Hauptstelle für Befragungswesen“ geschlossen. Seitdem werden die Vernehmungen an anderen Orten fortgesetzt.

Franz Wanners Inszenierung stellt keine tatsächliche Befragung nach, sondern simuliert eine Übung im Rahmen der Beamtenausbildung. Die Teilnehmenden werden in eine Schulungssituation involviert und begeben sich in eine Erzählzone aus geheimdienstlichen Codes und gegenwärtigen Vorstellungen von Staatsbürgerschaft, Staatswohl, Staatsgeheimnis und Privatsphäre.

Ob Befragungen des BND oder die Blacksites der CIA – es existieren selbst in mehrheitlich als demokratisch empfundenen Gesellschaften Bereiche, in denen der Staat rechtsstaatliche Prinzipien außer Kraft setzt.

Franz Wanner untersucht mit seinen multimedialen Installationen lokale Wirklichkeit im globalen Kontext. Dabei konzentriert er sich auf verdeckte Strukturen in vordergründig transparenten Faktenlagen und stellt scheinbar verlorene historische Informationen in gegenwärtige Zusammenhänge.

 

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