Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie

Prof. Dr. Maria Muhle, Nisaar Ulama, M.A., Sebastian Althoff, M.A., Justin Lieberman (Lehrauftrag), David Weber (Lehrauftrag)

 

1. Die Kunst nach der Wahrheit. Politische Ästhetik und Post-Truth (Einführung in die Ästhetik – Vorlesung)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Freitag, 10h00–12h00

Beginn: 3.5.; wöchentlich

Raum E.O1.23, E.O2.29 (24.05.), E.ZG.04 (12.07.)

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.01.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter muhle@adbk.mhn.de

 

Im Jahr 2016 erklärt das Oxford English Dictionary „post-truth“ zum Wort des Jahres und gibt folgende Definition: „Relating to or denoting circumstances in which objective facts are less influential in shaping public opinion than appeals to emotion and personal belief.“ Die Vorlesung stellt zentrale Positionen der neueren Politischen Ästhetik (Rancière, Badiou, Menke, Rebentisch, Düttmann) vor und befragt diese vor dem Hintergrund der derzeitigen Diskussion um post-truth und das postfaktische Zeitalter in zweifacher Hinsicht: Was ist die Wahrheit von post-truth, was für eine Rolle spielt das Faktische und warum geraten diese Begriffe in Politik und Kunst derart unter Druck? Aber auch: Wie kann eine mögliche Antwort auf die Ausrufung des postfaktischen Zeitalters aussehen? Liegt diese Antwort in einem neuen Faktizismus und so auch in einer Rückkehr zu klar umrissenen Wahrheiten? Und damit auch in einer Verwerfung des Digitalen und seiner postfaktischen Techniken? Oder gibt es andere Möglichkeiten, sich künstlerisch und kritisch zu diesen Herausforderungen zu verhalten, wie sie in den vielzähligen Ausstellungen (bes. After the Fact im Lenbachhaus 2017) und Diskussionsveranstaltungen der letzten Jahre immer wieder versucht wurden zu skizzieren.

 

Zur Vorbereitung: Stephanie Weber, Matthias Mühling (Hg.), After the Fact. Propaganda im 21. Jahrhundert. Eine Textsammlung zur Ausstellung, Lenbachhaus 2017; Lee C. McIntyre, „What is Post-Truth?“, in: Post-Truth, Cambridge: MIT 2018, S. 1–18.

 

2. Affective Turn: Positionen in Theorie, Literatur und Kunst

Prof. Dr. Maria Muhle und Vertr.-Prof. Dr. Julia Weber (Institut für Angewandte und Vergleichende Literaturwissenschaften, LMU München)

 

Donnerstag, 10h00–12h00

Beginn: 2.5.; wöchentlich

Raum Schellingstr. 3, Rückgebäude, UG, Zimmernummer: RU 104 b 

Freie Kunst FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter muhle@adbk.mhn.de

 

Die Verständigung darüber, was ein „Affekt“ ist und wie sich affektive Prozesse, Zustände oder Dynamiken adäquat beschreiben und theoretisch begründen lassen, hat in den letzten Jahren zu intensiven Diskussionen geführt. Wir werden uns dieser Debatte im Seminar anhand der gemeinsamen Lektüre ausgewählter theoretischer Schlüsseltexte aus dem Bereich der kultur- und medienwissenschaftlichen Affect Studies annähern. Unser Fokus liegt dabei zunächst auf den ontologischen Voraussetzungen des Affektbegriffs. Während Emotionen in der Regel Subjekten zugeschrieben werden, werden Affekte auf dynamische Verläufe und Wirkkonstellationen zwischen Körpern jeglicher Art bezogen. Um diese auf den ersten Blick vielleicht kontraintuitive, weil ohne jegliche Psychologie auskommende Konzeption zu verstehen, werden wir u.a. auf Spinozas Affektverständnis und dessen Weiterführung durch Bergson, Deleuze, Guattari oder Massumi rekurrieren, um sie in einem weiteren Schritt im Licht des gegenwärtigen sogenannten „affective turn“ in den Kunst-, Literatur- und Kulturwissenschaften nicht zuletzt auch unter gender- und queertheoretischen Perspektive zu beleuchten (Angerer, Voss, Thomas, Muñoz, Sedgwick u.a.).

Neben methodologischen Fragen (u.a. nach einer sinnvollen Abgrenzung zwischen Affekten, Gefühlen und Emotionen) wird uns vor allem die Frage nach der Produktivität von Affekttheorien für das Verständnis von affektiven Dynamiken bei der Rezeption von Kunstwerken beschäftigen. In der zweiten Hälfte des Seminars werden wir daher die verschiedenen Ansätze in medienvergleichender Perspektive auf ausgewählte literarische Texte und Werke der bildenden Kunst sowie Filme beziehen.

 

Erwartet wird die regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen.

Seminarlektüre: Die Texte zur gemeinsamen Lektüre werden rechtzeitig vor Beginn der Vorlesung in einem Reader bereitgestellt.

 

Zur Vorbereitung:

Melissa Gregg / Gregory J. Seigworth: The Affective Theory Reader. Durham / London 2010.

Jan Slaby / Christian von Scheve: Affective Societies. Key Concepts. New York 2019.

Hartmut Grimm: „Affekt“, Ästhetische Grundbegriffe, Bd. 1, Stuttgart/Weimar 2010, S. 16–49.

 

Hinweis: Das Seminar ist eine Kooperationsveranstaltung zwischen der Akademie der Bildenden Künste München und der LMU.

 

3. Politischer Konstruktivismus. Zur Ästhetik und Operativität von Gesellschaftsbildern (Seminar)

Nisaar Ulama, M.A.

Freitag, 13h00–15h00; Beginn: 3.5.; wöchentlich

Raum E.O1.23, E.O2.29 (24.05.), E.ZG.04 (12.07)
Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter schulz@adbk.mhn.de

 

Die Verfasstheit politischer Gemeinschaften ist immer auch abhängig von den Bildern ihrer selbst. Erst die ästhetische Imagination lässt ein abstraktes politisches Konstrukt sinnlich erfahrbar werden. Metaphern, Symbole, Architekturen, Rituale oder Visualisierungen legen insofern nicht nur Zeugnis von Machtverhältnissen ab, sondern sind gleichsam deren Bedingung. Aus dieser Perspektive wenden sich zentrale politische Fragen – beispielsweise nach dem Verhältnis von Individuum und Masse, nach der Position eines Souveräns oder den Modi der Repräsentation – ins Ästhetische.

In dem Seminar wollen wir diese Fragen einer vor allem bildlichen Konstruktion von Kollektiven behandeln. Dabei soll die These verfolgt werden, dass es vor allem die Konstruktion eines künstlichen Körpers ist, welche die politische Imagination von der Neuzeit bis heute bestimmt.

Solche Körperkonstruktionen finden sich beispielsweise in Thomas Hobbes‘ Leviathan (1651) und dessen Frontispiz, der den Staat explizit als ‚künstlichen Automaten‘ vorstellt. Für Michel Foucault wiederum trat mit dem folgenden Zeitalter der Biopolitik ein neuer Kollektivkörper auf, der entlang ‚natürlicher Prinzipien‘ – nämlich solcher der neuen Disziplinen Biologie und Ökonomie – konstruiert wurde. Das ‚biopolitische Bild‘ soll demnach vor allem Operationen am Gesellschaftskörper ermöglichen, und so wird dieser in Tabellen, Graphen, Diagrammen und Karten vermessen. Exempel wie die Idee einer Staatstafel (1680) von Gottfried Wilhelm Leibniz sind insofern nichts anderes als Vorläufer heutiger Datenbanken und ihrem Phantasma eines kybernetischen Regierens.

Das Wissen über den Gesellschaftskörper zu visualisieren und es in die Utopien vom ‚neuen Menschen‘ zu integrieren, war auch für viele Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts anliegen. Paradigmatisch hierfür stand eine Allianz zwischen Konstruktivismus, Marxismus und Positivismus, welche seit den 1920er Jahren mit der Wiener Methode der Bildstatistik (später ISOTYPE) auf eine Demokratisierung von Wissen und der Emanzipation des Proletariats zielte. Vielleicht als deren visuelles Echo ließen sich Teile der zeitgenössische ‚Repräsentationskritik‘ auffassen, wie sie sich beispielsweise in den Arbeiten von Harun Farocki manifestiert.

Der Breite des Themas geschuldet, wird das Seminar ein sehr heterogenes Feld aus Wissensgeschichte, Medientheorie und Ästhetik bearbeiten, sowie durch Lektüre als auch durch Analyse von Bildmaterial.

 

4. Bilder trotz allem (Seminar)
Nisaar Ulama, M.A.

 

Dienstag, 10h00–14h00; Beginn: 30.4., zweiwöchentlich
Raum: E.O1.23, A.EG.01 (09.07.)
Freie Kunst FK-T2 und FK-T4 sowie Kunstpädagogik Modul E.02.09

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter schulz@adbk.mhn.de

 

„Dringend. Schicken Sie so schnell wie möglich zwei Metallfilmrollen für einen Apparat 6 x 9. Können Fotos machen. Wir schicken Aufnahmen aus Birkenau, die Gefangene auf dem Weg in die Gaskammer zeigen. Eine der Aufnahmen zeigt eine der Scheiterhaufen, auf dem man die Leichen unter freiem Himmel verbrennt […] Eine andere Aufnahme zeigt den Ort im Wald, wo die Häftlinge sich entkleiden, angeblich um eine Dusche zu nehmen. Danach werden sie in die Gaskammer geschickt. Schicken Sie die Filmrollen so schnell wie möglich. Senden Sie die beiliegenden Aufnahmen unverzüglich an Tell – wir sind der Meinung, daß man die vergrößerten Aufnahmen unbedingt weitersenden soll.“

 

Diese Nachricht lag vier Fotografien bei, die 1944 aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geschmuggelt wurden. Die Aufnahmen wurden gegen alle Wahrscheinlichkeit von Häftlingen angefertigt, die dem Betrieb der Gaskammern zugeteilt waren. Diese Fotos und der eindringliche Appel um Hilfe bei der Dokumentation stehen im Zentrum einer Debatte um die Darstellbarkeit des Unvorstellbaren: der systematischen Tötung von sechs Millionen Juden durch das nationalsozialistische Regime. ‚Auschwitz‘ ist damit zum Chiffre geworden für die Frage, wie von einem solchen Ereignis Zeugnis abgelegt werden kann. Jedenfalls nicht, so eine Position, durch die vermeintliche Authentizität von Dokumentarmaterial. Wäre nicht jedes Bild ein unzulässiger Versuch Auschwitz zusammenfassen, „zu bewältigen und zum Abschluß bringen“ (Élisabeth Pagnoux)? Handelt es sich tatsächlich um „Bilder ohne Einbildungskraft“ (images sans imaginations), die, wie der Regisseur Claude Lanzmann erklärte, nicht nur nicht gezeigt, sondern sogar vernichtet gehörten? Oder befördert nicht gerade dieser Ikonoklasmus eine „wohlfeile Sakralisierung“ (Giorgio Agamben), die sich dem Verstehen verweigert? Dies war der Grund für Georges Didi-Huberman die Fotografien in seiner gleichlautenden Studie als „Bilder trotz allem“ zu bezeichnen.

Die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Zeugnissen wird uns im Seminar mit Fragen nach der politischen Einbildungskraft, zu Fetischisierungen und Bilderkriegen auch der Gegenwart führen. Neben Texten von u.a. G. Didi-Huberman, G. Agamben, H. Arendt, B. Latour und W.J.T. Mitchell werden wir immer wieder auf Bildmaterial aus und über Auschwitz zurückkommen.

 

5. Reproduktion, Zirkulation, Migration. Gegenwärtige Positionen der Ästhetik

David Weber (Lehrauftrag)

 

2. Mai, 13h00–17h00, 3. Mai 10h00–18h00 und 4. Mai 2019 10h00–16h00

Raum: E.EG.28

Vorrangig Diplomkandidat*innen im Sommersemester, Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, max. Teilnehmerzahl: 25; noch offene Plätze werden bei früher Anmeldung vergeben

Anmeldung bis zum 15. April 2019 unter weber.post@gmail.com

 

Das Blockseminar bietet eine schlaglichtartige Kartierung zeitgenössischer ästhetischer Theorie im Anschluss an prominente Positionen der Moderne und Postmoderne. Aufgegriffen werden Begriffe wie Reproduktion und Reproduzierbarkeit (Benjamin), der Medienspezifik (Greenberg, Fried, Krauss), der Dissemination (Derrida, Barthes) und des Simulakrums (Baudrillard, Deleuze), um ihre diskursgeschichtlichen Transfers in Theorieentwürfe nachzuzeichnen, die sich bemühen, spezifisch zeitgenössische Phänomene zu erfassen. Es geht dabei u.a. um die Verflüssigung und Entgrenzung der Reproduktion im Zeitalter digitaler Netzwerke, wo Aspekte der Dematerialisierung (Lucy Lippard) und der Rematerialisierung („Post-Digital“, Diana Coole) in einem eigentümlichen Double-Bind verschaltet sind. Schon spätestens in den 70er Jahren (Pictures, Crimp) hatte sich die gleißende Tiefe reproduzierter Oberflächen erwiesen; diese gewinnt unterdessen als Zirkulation in den Netzen eine veränderte Dynamik und propagiert Modifikationen im Status der Werke und Autorschaft (Joselit, Steyerl, Price). Gibt es also eine New Aesthetic (Bridle, Sterling, Manovich, Galloway) im Kontext eines post-postmodernen, millennialen Mindsets (New Sincerity, Foster Wallace, Tao Lin)? Die Globalisierung qua Datennetzen ist dabei nicht zu trennen von den Bewegungen der Kulturen, Waren und Menschen: Phänomene der Afro-isierung markieren, neben anderen, die Tatsachen verallgemeinerter Migration: Sei es modernistisch-optimistisch: Afro-Futurismus (Anderson, Delaney, Eshun); skeptisch-militant: Afro-Pessimismus (Sexton, Moten, Wilderson); oder post-Ferguson thetisch: This is … Afro-Surrealismus (Terri Francis, Donald Glover, Terence Nance).

 

6. Philosophy, Sophistry, Art, and Propaganda

Justin Lieberman (Lehrauftrag)

 

Dienstag, 10h00–14h00; Beginn: 7.5., zweiwöchentlich

Raum: E.O1.23 

Freie Kunst FK-T2

 

Anmeldung bis zum 29. April 2019 unter justinlieberman77@gmail.com

 

What is the relationship of art to propaganda, or ideology itself? What does it mean for a work of art to have a philosophical character, or a sophistical one? What is meant by the terms “negative” or “affirmative” when it comes to the practice of artmaking? Justin Lieberman will deliver a series of lectures outlining his thought on these subjects as it relates to particular works by Mike Kelley, The Center for Forensic Architecture, changes in the artistic usage of Brechtian alienation, and the philosophy of Alain Badiou. Some short readings will be required for proper comprehension of the material. In the final lecture, Mr. Lieberman will present a selection of his own work, and outline the process and circumstances under which they were created.

 

Mr. Lieberman will also be available for individually scheduled one-on-one-meetings and studio visits to discuss works in progress.

 

Das Seminar findet auf Englisch statt. Schriftliche Arbeiten (Reaktionspapier o. Ä.) können auch auf Deutsch eingereicht werden.

 

7. Kolloquium Philosophie – Akademietexte: Künstlerische Schreibszenen

Prof. Dr. Maria Muhle

Donnerstag, 13h00–17h00, zweiwöchentlich

Termine: 2.5., 16.5., 6.6., 13.6., 27.6., 11.7.

Raum E.O2.29, E.ZG.04 (6.6., 11.7.)

 

Ab diesem Semester wird das Kolloquium Philosophie mit der Arbeit an der Publikationsreihe AKADEMIETEXTE zusammengelegt. Ab Sommersemester 2019 erscheint das Magazin Akademietexte, das von den Studierenden herausgegeben wird und die aktuellen Debatten der Akademie wiedergibt, reflektiert und kritisch begleitet. Die erste Ausgabe befasst sich mit den Veränderungen an der Akademie durch die neue Studienordnung sowie mit der Genealogie der geltenden Lehrformen. Im Ausgang von der bis zum Oktober 2018 gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u.a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Die erste Ausgabe des Magazins fasst die Ergebnisse der Arbeiten, Diskussionen und Symposien im letzten Semester zusammen.

 

Dazu finden Lektüre- und Diskussionssitzungen statt, in denen der Begriff der künstlerischen Schreibszene zum Anlass genommen wird, um über das künstlerische Schreiben und Publizieren nachzudenken. Eine künstlerische Schreibszene kann sowohl das Schreiben als Kunst, das Schreiben über Kunst, das Schreiben mit Kunst, aber auch das Schreiben gegen Kunst meinen – in jedem Fall stellt sie einen spezifischen Bezug her zwischen einer künstlerischen Produktion und der Tätigkeit des Schreibens, sei es literarisches, poetisches, theoretisches, kritisches etc. Schreiben. Und es handelt sich jeweils um ein Schreiben, das seine Szene, d.h. die Bühne, das Atelier, den Klassenraum, also den Ort, das Milieu, in dem es entsteht, mit reflektiert und diskutiert.

 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen sowie am Herstellungsprozess des Magazins (Layout, Satz, Druck, Lektorat) ist Voraussetzung für die Mitarbeit. Anmeldung bitte bis zum 25. April 2019 an muhle@adbk.mhn.de

 

8. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)

Prof. Dr. Maria Muhle

Mittwoch, 10.00 – 14.00 Uhr; Termine: 29.5.2017, 10.7.2019

 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

 

Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter: muhle@adbk.mhn.de

 

Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie

Prof. Dr. Maria Muhle, Dr. Jenny Nachtigall, Sebastian Althoff, M.A., Inka Meißner, M.A./ Sarah Lehnerer, M.A. (Lehrauftrag)

 

1.Maintenance Art: Von der Ästhetik der Existenz zur Philosophie der Sorge (Seminar)

Prof. Dr. Maria Muhle

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik Modul E.02.09

Freitag, 11h00–14h00 (zweiwöchentlich)

Beginn: 19.10.; weitere Termine: 02.11. (E.O2.29), 16.11. (A.EG.01), 30.11., 14.12., 18.01., 01.02.

Raum: E.O1.23

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter muhle@adbk.mhn.de

 

„I am an artist. I am a woman. I am a wife. I am a mother (random order).

I do a hell of a lot of washing, cleaning, cooking, renewing, supporting, preserving, etc. Also, (up to now separately) I ‚do‘ Art.

Now, I will simply do these maintenance everyday things, and flush them up to consciousness, exhibit them, as Art. [...] My working will be the work.“

 

Mierle Laderman Ukeles, „Manifesto for Maintenance Art, 1969! (Proposal for an Exhibition ‚Care‘)“

 

Das Seminar soll ausgehen von ausgewählten späten Schriften Michel Foucaults, die sich mit den Begriffen der „Ästhetik der Existenz“ und der „Selbstsorge“ befassen und eine Lebenskunst in den Blick nehmen, die gerade keine Ästhetisierung der eigenen Existenz vornimmt, sondern vielmehr einen praktischen Selbstbezug denkbar werden lässt, der stets durch Macht- und Wissens-Dispositive vermittelt wird und sein Modell in den antiken Selbstpraktiken findet. So schlägt Foucault keine Rückkehr zu einem sorgsamen Umgang mit sich selbst als Ausweg aus allgegenwärtigen Machtverhältnissen vor, wie es bspw. bestimmte Positionen einer Philosophie der Sorge gegenwärtig tun. Vielmehr macht er darauf aufmerksam, dass auch die eigene Lebensform nicht frei von Machtrelationen modellierbar ist, sondern vielmehr gerade der Ort der Verinnerlichung dieser Machtrelationen ist.

 

Anhand von spezifischen künstlerischen und theoretischen Positionen, wie u.a. der Maintenance Art (Ukeles, Lucy Lippard u.a.) oder der feministischen Kritik an der reproduktiven Arbeit (Wages for Housework, Silvia Federici, Mariarosa dalla Costa, Gisela Bock/Barbara Duden, Marina Vishmidt u.a.) und Diskussionen um „Care-“ oder Sorgearbeit“ bzw. um eine Ethik der Achtsamkeit (Sandra Laugier, Estelle Ferrarese, Elisabeth Conradi, Carol Gilligan u.a.), soll im Seminar untersucht werden, inwiefern gerade die reproduktiven, pflegenden, wartenden und privaten Formen von Arbeit als künstlerische oder politische Arbeit zu denken sind. Damit wird nicht nur eine tradierte modernistische Hierarchie, die zwischen der Freiheit der Kunst und der Notwendigkeit der Arbeit unterscheidet und das eine als kreative Produktion, das zweite als repetitiv-mechanische Reproduktion einordnet, in Frage gestellt, sondern zugleich auch zentrale rassistische, genderpolitische, ökonomische etc. Aufteilungen sichtbar gemacht, die spezifische Lebensformen, nämlich die weiblich kodierten, ökonomisch benachteiligten, rassistisch und national ausgegrenzten, von der Teilnahme am künstlerischen und politischen Diskurs ausschließen.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten).

 

 

2. Einführung in Kunstgeschichte und Philosophie

Prof. Dr. Florian Matzner Prof. Dr. Maria Muhle, Prof. Dr. Dietmar Rübel

Pflichtveranstaltung für Studierende 1. Semester Freie Kunst und der Kunstpädagogik

Freie Kunst FK-T1 und Kunstpädagogik Modul D.01.09

Mittwoch, 11–13 Uhr (wöchentlich)

Beginn: 24. Oktober 2018

Raum: E.EG.28, E.OG.01.23, E.OG.02.29

        

Die Veranstaltung zielt auf die Vermittlung von Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, insbesondere in Kunstgeschichte und Philosophie. An exemplarischen Beispielen wird ein Überblick über die Geschichte der Kunst sowie die wichtigsten Methoden sowie Themenfelder der Kunstgeschichte und Philosophie geboten. Dazu werden ausgewählte Kunstwerke in Verbindung mit ausgewählten Texten (Primärquellen sowie Sekundärliteratur) gemeinsam diskutiert. Zudem besuchen wir die für die Geschichte und Theorie der Kunst wichtige Museen und Bibliotheken. Der Bibliotheksbesuch dient auch der Einführung in die Literaturrecherche; zudem werden relevante Internetressourcen vorgestellt und Hinweise zum Erstellen von Referaten und Hausarbeiten gegeben.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit)

 

 

3. (Digitale) Identitätseffekte (Seminar)

Dr. Jenny Nachtigall

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik Modul E.02.09

Freitags, 11h00–15h00

Beginn: 26.10.; weitere Termine: 09.11., 23.11., 07.12., 11.01., 25.01., 08.02.

Raum: E.O1.23

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter nachtigall@adbk.mhn.de

 

Nachdem die Frage der Identität, als politische wie auch als ästhetische lange Zeit für tot erklärt wurde, wird sie heute wieder kontrovers diskutiert. Das Seminar widmet sich Konfliktfeldern der Identitätsdebatte und ihrer Verhandlung in der Gegenwartskunst und Theorie. Besondere Aufmerksamkeit wird darauf liegen, welche Formen und Folgen die Medialisierung des Selbst im Zeitalter des Digitalen hat und wie Künstler_innen und politische Akteur_innen Identitätseffekte produzieren und reproduzieren.

 

Ein Themenbereich des Seminars widmet sich dabei der aktuellen Diskussion um Ästhetik und Rechtsradikalismus. Inwiefern korrelieren die Narrative der unterschiedlichen Rechtspopulismen in Europa und den USA ästhetisch (vielmehr als politisch)? Wenn ästhetische Formen Identitätseffekte haben, kommt der Kunst dann nicht immer schon eine politische Verantwortung zu? Neben Texten zur faschistischen Ästhetik und Subjektivität (Nancy/Lacoue-Labarthe, Sontag u.a.) werden aktuelle Zugänge zu (post-)digitaler Kultur und Rechtsradikalismus in der Gegenwartskunst Thema der Diskussion sein (z.B. die Veranstaltungsserie „Unpacking the Aesthetics of the Far Right am BAK, Utrecht und La Colonie, Paris).

 

Als weites Feld der Identitätsfrage führt das Seminar in den Diskus um „blackness“ und „Afro-Pessimismus“ ein. Deren Infragestellungen europäischer Vorstellungen von (künstlerischer) Subjektivität und Freiheit (Hartman, Wilderson u.a.), das sogenannte „Whitewalling“ (Aruna d’Souza) innerhalb von Kunstinstitutionen werden dabei ebenso diskutiert, wie künstlerische Zugänge zu diesen Problemen: z.B. Sondra Perrys viel beachteten Performances/Installationen zu blackness und Internetkultur, Aria Deans Perspektive auf den Zusammenhang der Zirkulation von Memes und der Zirkulation von schwarzen Körpern sowie die Medialisierungen, (Re)Produktionen und Aneignungen von Identität online und offline.

 

Das Seminar wird im Austausch mit Larne Abse Gogarty (Slade School of Fine Art, London), Bill Dietz (Bard College, New York) und Kerstin Stakemeier (Akademie der Bildenden Künste Nürnberg) stattfinden. Weitere Informationen hierzu werden Anfang des Semesters bekannt gegeben.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

4. Masochismus und Opposition (Seminar)

Sebastian Althoff, M.A.

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik Modul E.02.09

Dienstags, 10h00–13h00

Beginn: 16.10; weitere Termine: 23.10., 20.11., 27.11., 11.12., 08.01., 15.01., 22.01.

Raum: E.O1.23 (nur 16.10.), E.O2.29

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter althoff@adbk.mhn.de

 

Widerstand wird normalerweise als aktive Teilhabe, als Aufbegehren und Gegenwehr verstanden. Das Seminar möchte dagegen eine Opposition untersuchen, die sich statt in Aktivität und Aktivismus in Passivität und Selbstaufgabe findet. Jack Halberstam verweist auf die Performance „Cut Piece“ von Yoko Ono, in der sie alleine auf einer Bühne saß und das Publikum (zum Schluss vor allem Männer) nacheinander zu ihr ging und Teile aus ihrer Kleidung herausschnitt. Kontraintuitiv sieht Halberstam darin nicht einfach ein weiteren Moment, in dem Männer Macht über Frauen ausüben, sondern vielmehr eine andere Form des Feminismus, die sich vorgegebenen Definitionen, was Widerstand und erfolgreicher Widerstand bedeutet, entzieht. Ein Feminismus, der nicht produktiv sondern destruktiv ist und ein Erbe von Kolonialismus und Faschismus in sich selbst zerstören möchte. Können wir also etwas von der Selbstzerstörung des Cutting, der Collage, oder dem Masochismus aus „Der Klavierspielerin“ oder sogar „50 Shades of Gray“ lernen? Insbesondere der Masochismus soll in den Fokus gerückt werden, um die Dynamik einer solchen Opposition zu untersuchen, in der Unterscheidungen von Macht und Unmacht, von Aktivität und Passivität verschwimmen. In den Sitzungen besprechen wir deshalb Texte von u. a. Sigmund Freud, Gilles Deleuze, Elizabeth Freeman und Eva Illouz.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

5. some stories of how the alien bridged the gap with her mind (Seminar)

Inka Meißner/ Sarah Lehnerer (Lehrauftrag)

Freie Kunst FK-T2

Donnerstags, 11h00–15h00

Beginn: 25.10.; weitere Termine: 08.11., 22.11., 13.12., 20,12., 10.01., 24.01., 07.02. (E.02.29)

Raum: alter Sitzungssaal (A.EG.01); 07.02 (E.02.09)

Anmeldung bis zum 12. Oktober 2018 unter sarahlehnerer@aol.com

 

30 Jahre nach Lucia Berlins Roman A Manual for Cleaning Women beschreibt Heike Geißler in dem Buch Saisonarbeit die autobiografischen Erfahrungen der Anti-Heldin, einer Schriftstellerin, die bei Amazon in Saisonarbeit Bücher verpackt, statt ihre eigenen zu schreiben, während die „Cleaning Woman“ eine Generation zuvor in der Wohnung ihrer Arbeitgeber und Freunde sitzt und raucht und schreibt, statt das zu tun, wofür sie eigentlich bezahlt wird: zu putzen.

 

Die Idee des Seminars ist es, künstlerische Formen anzuschauen, die dem Akt des Erzählens entspringen und einer zunächst nicht weiter definierten Entfremdung mit der eigenen Sprecherposition begegnen, um zu untersuchen, inwiefern das Erzählen vom „Prekär-Sein“ die Prekarität selbst modifiziert. Das kann über Texte passieren, aber auch über den Körper oder andere Bewegungen und lässt sich folglich nicht aufs Schreiben reduzieren. Dementsprechend fragt das Seminar auch nach Ritualen, Lebenslinien, biografischen Mustern und Agencies, nach Zusammenschlüssen, Communities oder eben Kunst.

 

Dabei stellt sich die Frage, ob der bewusste Zustand des Prekär-Seins sich zumindest auch dafür nutzen lässt, die strukturellen Freiräume innerhalb von sozialen Normen noch einmal anders in den Blick zu bekommen. Das heißt hier konkret, aus der Richtung verschiedener Formate von „Autofiktion“ auf mögliche (historische sowie aktuelle) Freistellen zu schauen, die sich in abgeschlossener Theorie selten finden lassen. Anders gesagt: Der Kanon „as we know it“ ist abgeschlossen und deswegen können seine Diskurse hier nur als eine narrative Form unter vielen berücksichtigt werden.

 

Durch Lektüren und der Arbeit in Workshops von/zu Werken der Studierenden sollen die strukturelle Grundlagen oftmals prekärer künstlerischer Arbeit in den Blick genommen werden. Geplanter Abschluss des Seminars wäre es, eine Publikation (Zine) zu gestalten und im Rahmen einer kleinen Veranstaltung zu präsentieren.

 

 

6. Künstlerische Schreibszenen (Kolloquium Philosophie)

Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall

Freie Kunst FK-T2 und FK-T4

Donnerstags, 17h00–20h00

Termine: 25.10., 08.11., 22.11., 06.12., 10.01., 24.01., 07.02.

Raum: E.O2.29

 

Eine Künstlerische Schreibszene kann sowohl das Schreiben als Kunst, das Schreiben über Kunst, das Schreiben mit Kunst, aber auch das Schreiben gegen Kunst meinen – in jedem Fall stellt sie einen spezifischen Bezug her zwischen einer künstlerischen Produktion und der Tätigkeit des Schreibens, sei es literarisches, poetisches, theoretisches, kritisches etc. Schreiben. Und es handelt sich jeweils um ein Schreiben, dass seine Szene, d.h. die Bühne, das Atelier, den Klassenraum, also den Ort, das Milieu, in dem es entsteht, mit reflektiert und diskutiert. In diesem Semester sollen im Kolloquium Philosophie spezifisch die künstlerischen Schreibszenen der Studierenden in den Blick genommen werden. Anhand der Lektüre und Diskussion unterschiedlicher Texte (Rüdiger Campe, Michel Foucault, Kathy Acker, Samuel R. Delany u.a.) sollen unterschiedliche Formate, Praktiken und Positionen des Schreibens theoretisch und praktisch erarbeitet werden, um so die eigene und gemeinsame Schreibszene der Akademie der Bildenden Künste zu verstehen, und aus dieser heraus über sich, die eigenen Arbeiten, andere Arbeiten, andere Künstler*innen, Autor*innen etc. zu schreiben.

 

Das „Kolloquium Philosophie“ wendet sich an die Studierenden aller Klassen und eröffnet ihnen die Möglichkeit sich in einem explizit transdisziplinären Rahmen methodisch und inhaltlich auszutauschen. Die Diskussion der eigenen künstlerischen Praxis, die dieses Semester vornehmlich anhand des Schreibens stattfinden soll, bildet dabei ein zentrales Element.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium seine Rolle als experimenteller Ort der Präsentation und Diskussion künstlerischer Positionen und als fester Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie weiterführen kann.

 

 

7. Akademietexte

Die Publikationsreihe AKADEMIETEXTE, herausgegeben von Maria Muhle und Martin Schmidl, wird als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Arbeit an der Akademie fortgesetzt. Die zusammen mit einer Gruppe Studierender angestoßene Arbeit an einer größeren Publikation zu den „Freiheiten der Kunst“ soll im Wintersemester weitergeführt und abgeschlossen werden: Im Ausgang von der weiterhin gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, und angesichts der bevorstehenden Einführung einer neuen Studienordnung soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u.a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Um diese Fragen zu diskutieren und für die Publikation aufzuarbeiten, findet eine von den Studierenden kuratierte Vortragsreihe mit externen Gästen zu Anfang des Wintersemesters 2018/19 statt. Die Produktion der Publikation mit den Ergebnissen dieser Vortragsreihe sowie anderen Elementen (Chronologie, Kommentar der Studienordnungen, Interviews etc.) soll im Wintersemester 2018/19 abgeschlossen werden.

 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen, an der Organisation der Vorträge, der grafischen Entwicklung und Umsetzung sowie dem Druckvorgang ist Voraussetzung für die Mitarbeit. Das erste Treffen findet am Dienstag, 16. Oktober 2018 um 11h00 in der Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck statt. 

Anmeldung bitte bis zum 12. Oktober 2018 an muhle@adbk.mhn.de

 

 

8.Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)

Prof. Dr. Maria Muhle

Mittwoch, 10.00 – 14.00 Uhr

Termine werden per Mail bekanntgegeben.

Raum: E.02.08

 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter: muhle@adbk.mhn.de

 

 

LEHRSTUHL FÜR PHILOSOPHIE
Prof. Dr. Maria Muhle
wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in Dr. Jenny Nachtigall, Sebastian Althoff, M. A. (Teilprojekt Mimetische Existenzweisen der DFG-Forschergruppe Medien und Mimesis
Lehrbeauftragte Tonio Kröner, M. A., Frauke Zabel, M. A.

Seminar Einführung in die Ästhetik: Sexualästhetik
(Modul E.01.09 / Modul E.02.09)
Dr. Jenny Nachtigall

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–14.00 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 19.04.2018 
weitere Termine 03.05., 17.05., 07.06., 21.06., 05.07.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 unter nachtigall@adbk.mhn.de

Ausgehend von der #metoo Debatte, widmet sich die Einführung in die Sexualästhetik unterschiedlichen – philosophischen, kunsttheoretischen, psychoanalytischen und affekt-theoretischen – Ansätzen, das Verhältnis von Sexualität und Ästhetik zu begreifen. In Auseinandersetzung mit einer heteronormativen „Ästhetik der Herrschaft“ vs. einer queeren „Ästhetik widerständiger Sexualität“ (Paul B. Preciado) möchte das Seminar beleuchten, welches Verständnis von Ästhetik (gegenwärtigen) Debatten um Sexualität zugrunde liegt. Inwiefern verstricken sich z. B. ästhetisch kodierte Vorstellungen von Sexualität als (vitalistischer) Intensität, Transgression oder Freiheit in die Gewalt- und Machtverhältnisse, gegen die sie sich richten? Wie kann man Sexualität und Ästhetik überhaupt jenseits von Freiheit und Lebendigkeit denken? Und wer ist von letzteren ohnehin immer schon ausgeschlossen? Welche Konsequenzen hätte ein „negatives“ Verständnis von Sexualästhetik für Formen der Sinnlichkeit innerhalb und außerhalb der Kunst? Das Seminar wird unterschiedliche Antworten auf diese Fragen vorstellen und anhand von bekannten und weniger bekannten ästhetischen und künstlerischen Praktiken diskutieren: von Sidsel Meineche Hansen, Ana Mendieta und Jack Smith bis zu Toyen und Gherasim Luca u. a. Theoretische Positionen behandeln: die psychoanalytische Rolle des Todestriebs (Freud, Zupancic) und einer anti-ödipalen Ästhetik (Luca, Deleuze/Guattari), die sexuelle Kodierung des Visuellen (Lacan, Rose) und seine Warenform (Gorsen), den anti-sozialen Affekt von Sexualästhetik (Edelman/Berlant), sowie queere Sexualästhetik (Preciado) und ihre (kolonialen) Grenzen (Spillers, Rosenberg) u. a. 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers (3–5 Seiten) für Modul E.01.09 oder einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten) für Modul E.02.09

 
Blockseminar Ästhetiken der Revolte (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle 

Raum E.O1.23, E.ZG.04 (13.07.), Akademiestr. 4
Zeit Freitag 10.00–16.00 Uhr, Beginn: 08.06.2018, weitere Termine 15.06., 22.06., 06.07., 13.07.  
Kontakt/Anmeldung bis 22.04.2018 unter muhle@adbk.mhn.de

Das Seminar möchte ausgehend von historischen und zeitgenössischen Texten, die sich mit Fragen der Revolte, des Aufruhrs, des Aufstandes, der Erhebungen auseinandersetzen (und diese von historischen „Revolutionen“ unterscheiden), nach deren Ästhetiken fragen: d. h. einerseits nach der künstlerischen Wiedergabe oder Repräsentation dieser aufständischen Momente, andererseits aber auch nach der Rolle, die ästhetische Praktiken (Bildende Kunst, Film, Musik...) für und in der Revolte spielen und gespielt haben. Ein Schwerpunkt ist dabei die Studentenrevolte von 68 besonders in Deutschland und Frankreich und die damit assoziierten künstlerischen Strömungen; darüber hinaus sollen aber auch andere Momente der Revolte in den Blick genommen werden, die dem Mythos 68 entgehen oder entgegenstehen (z. B. die Aufstände in den Pariser Banlieues oder die Londoner „riots“, Schwarzer Block) und einen Moment des Plebejischen und der Ambivalenz offenlegen, der normativ nicht umstandslos eingehegt werden kann. Die Sitzungen bestehen daher aus der Lektüre und Diskussion klassischer und zeitgenössischer Texte (Karl Marx, Hannah Arendt, Michel Foucault, Alain Brossat, Bini Adamczak, Geoffroy de Lagasnerie, Das unsichtbare Komitee u. a.) und der Sichtung und Diskussion künstlerischer und filmischer Arbeiten u. a. von Bernadette Corporation, Claudia von Alemann, Chris Marker, Gabriel Périot.

In Zusammenarbeit mit dem Seminar „Tropicália“ (Frauke Zabel) finden am 15. und 19.06. zwei gemeinsame Workshops mit Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro) und Thiago de Paula Souza (São Paulo) im Lothringer13_Florida statt.  

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 
Seminar Re/Dissolution (Modul E.02.09)
Sebastian Althoff, M. A.  

Raum E.O1.23, A.EG.01 (28./29.06.), Akademiestr. 2–4
Zeit Dienstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 17.04.2018, 
weitere Termine 08.05., 15.05., 29.05., 12.06., 19.06., 28./29.06. (Workshop), 03.07.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 unter althoff@adbk.mhn.de

Der Workshop „Re/Dissolution“, der vom 28.–29.06. stattfinden wird, versammelt Künstler/innen und Theoretiker/innen zur doppelten Bedeutung des Wortes „Auflösung“: Einerseits der Auflösung eines Bildes (Resolution), andererseits im Sinne des Sich-Auflösens (Dissolution), etwa von Zucker in Wasser oder von Objekten oder Details, die mit dem Hintergrund verschmelzen. Im Bild verbindet sich diese doppelte Bedeutung, denn mit deren immer größeren Auflösung, die sich in einer hohen Pixeldichte und einer „High Definition“ zeigt, geht auch ein anderer Auflösungsprozess einher, wenn einzelne Pixel immer weniger sichtbar werden, weil sie in den Millionen Pixel um sie herum untergehen. Diese doppelte Bedeutung weist damit auf den Verlust in einem Prozess hin, der sich als größtmöglich inklusiv gibt, wo ein Mehr an Pixeln zu einem Mehr an Details führt. Dieser Verlust lässt sich etwa in der Überwachung nachverfolgen, wo Gesichtserkennungssoftwares oft Probleme haben, Menschen mit dunkler Haut zu erkennen oder asiatische Nutzer/innen beim Selfie eine Erkennung auslösen, die sie fragt, ob sie blinken. Hito Steyerls Videoinstallation „HOW NOT TO BE SEEN“ (2013) lässt aber gleichzeitig die Möglichkeit erahnen, gerade durch Auflösung der Überwachung zu entgehen. Etwa in der dritten Lektion, die lehrt, unsichtbar zu werden, indem man so klein wie ein Pixel und so selbst Teil des Bildes wird. Passend dazu sieht man Performer als Pixel verkleidet – mit weißen, grauen oder schwarzen Würfel über die Köpfe gezogen – vor einem „resolution target“ in der kalifornischen Wüste tanzen. Auch der Glitch bietet sich in diesem Sinne an, so etwa in der Glitch Art, in der kaputte digitale Bilder als Mittel gedacht werden, die inhärente Prozessualität des Digitalen als unordentliche oder schmutzige Übertragung zu denken. 

Das Seminar soll als Vorbereitung auf den Workshop dienen und soll u. a. Texte von den Vortragenden (eingeladen sind etwa Simone Niquille, Legacy Russell oder Antoinette Rouvroy) behandeln. 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 
Seminar „Tropicália“: Perspektivwechsel 68
Frauke Zabel, M. A. (Lehrbeauftragte)

Das Seminar findet in Kooperation mit dem Lothringer13_Florida, Kunstraum der Stadt München statt.
Raum E.ZG.04, E.O1.23 (15.06.), Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–17.00 Uhr, Beginn: 04.05.2018, 
weitere Termine 18.05., 23.–25.05. (Exkursion nach Frankfurt), 01.06., 15./19.06. gemeinsame Termine mit dem Seminar „Ästhetiken der Revolte“ (Maria Muhle)
Kontakt/Anmeldung bis 22.04.2018 unter fraukezabel@gmx.de

Das Seminar betrachtet die brasilianische „Tropicália“-Bewegung als Beispiel einer Gegenkultur, welche sich zeitgleich zur 68er Bewegung des globalen Nordens unter anderen politischen, sozialen und kulturellen Vorzeichen entwickelte. Die Aktualisierung der Idee des Anthropophagen durch den Rückgriff auf das „Anthropophage Manifest“ (1928) von Oswald de Andrade geschah zur Zeit der sich verschärfenden Militärdiktatur in Brasilien. Ausgehend von der gleichnamigen Installation „Tropicália“ des Künstlers Hélio Oiticica fand die Bewegung im Bereich Film, Theater, Kunst und Dichtung statt. Der hier entstandene fluide und hybride Kulturentwurf der Tropikalisten scheint seit den 60er Jahren kaum an Aktualität verloren zu haben, wird er doch in regelmäßigen Abständen aufgegriffen und ist momentan Ausgangspunkt vieler Diskussionen. 

Unter starkem Praxisbezug werden einige dem Begriff Tropikalismus zugeschriebene Praktiken in Film, Theater, Kunst (Schwerpunkt Performance), Literatur und Musik sowie deren Aktualisierungen betrachtet. Neben weiteren künstlerischen Beispielen werfen wir einen Blick auf das Teatro Oficina in São Paulo, die Praxis von Hélio Oiticica, Lygia Clark, Lygia Pape und Glauber Rocha. Texte u. a. von Oswald de Andrade, Mario de Andrade, Suely Rolnik/Felix Guattari und Viveiros de Castro bilden die Grundlage für die Auseinandersetzung.

Es besteht die Möglichkeit einer gemeinsamen Exkursion nach Frankfurt zur Tagung „Das Andere 68 – Anthropophage Revolutionen in der brasilianischen Gegenkultur nach 1968“ vom 23.–25. Mai.

Das Seminar endet mit zwei gemeinsamen Workshops (15. und 19.06.2018) mit dem Seminar „Ästhetiken der Revolte“ (Maria Muhle) im Lothringer13_Florida, zu dem Max Jorge Hinderer Cruz (Rio de Janeiro) und Thiago de Paula Souza (São Paulo) eingeladen sind.

 
„Wo Es war, soll Ich werden“ – Kermit the Frog
Tonio Kröner, M. A. (Lehrbeauftragter)

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 13.30–16.30 Uhr (zweiwöchentlich), Beginn: 11.04.2018, 
weitere Termine 25.04. (doppelter Termin: 13.30-19.30 Uhr), 23.05., 06.06., 20.06.
Kontakt/Anmeldung bis 06.04.2018 an tonio.kroener@museum-brandhorst.de

Cartoons schildern eine Welt ohne Humanismus. In der gezeichneten Welt ist alles aus dem gleichen Stoff. Dieser instabil differenzierte Kosmos bekundet eine dynamische Beziehung zwischen Figur und Grund. Er kann seine menschlichen Betrachter/innen nur an ihre Lächerlichkeit erinnern, oder an ihren Tod. Dieses Reich der Toten hat jedoch eine kompensatorische Wirkung: es ist die Sphäre der Mehr-als-Lebendigen, von Gespenstern mit übertrieben viel Energie und dem verzweifelten Wunsch zu Kommunizieren. Cartoons, wie die Kunst, stehen gegenwärtig hoch im Kurs. Beide lassen uns diabolisch auflachen. Ihre Figuren sind, obwohl unendlich viel spezifischer und größer als das Leben, miserable Vertreterinnen autonomer Entitäten. Sie vereinen Individualität und Gleichheit in ihren Silhouetten, eine Wechselbeziehung, die wir Menschen tagtäglich herstellen und an der wir scheitern müssen.

Die Übung wird in Lektüre und Arbeitsbesprechungen, vor Werken der Studierenden und anderer Künstler/innen, diese Folie zur Betrachtung der humanistischen, kunst- und kulturgeschichtlichen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft erkunden.

 
Akademietexte – „Freiheiten der Kunst“
Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie/Hochdruck)

Raum Studienwerkstatt für Typografie/Hochdruck (Neubau E.ZG.12), Akademiestr. 4
Termine Dienstag, 17.04.2018 11.00 Uhr (erstes Treffen)
Anmeldung bitte bis zum 06.04.2018 an muhle@adbk.mhn.de

Die Publikationsreihe AKADEMIETEXTE, herausgegeben von Maria Muhle und Martin Schmidl, wird als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Arbeit an der Akademie fortgesetzt. Die im Wintersemester zusammen mit einer Gruppe Studierender angestoßene Arbeit an einer größeren Publikation zu den „Freiheiten der Kunst“ soll im Sommersemester weitergeführt werden: Im Ausgang von der weiterhin gültigen Studienordnung von 1953, die ganz im Geiste der „Freiheit der Kunst“ steht, soll über die Geschichte und Gegenwart der Akademie nachgedacht und diskutiert werden, besonders vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Autonomiegedanke zunehmend von verschiedenen Seiten unter Druck gerät: Einerseits steht er liberalen und neoliberalen Freiheitsbegriffen gegenüber, die u. a. auch den Einfluss des Kunstmarkts auf das künstlerische Arbeiten an der Akademie deutlich machen. Andererseits kann angesichts zeitgenössischer Autor- und Geniekritik gefragt werden, was genau „schöpferische Freiheit“ in Zeiten der Entgrenzung der Künste sowohl künstlerisch als auch politisch bedeutet. Um diese Fragen zu diskutieren und für die Publikation aufzuarbeiten, soll eine von den Studierenden kuratierte Vortragsreihe mit externen Gästen während der Jahresausstellung organisiert werden. Die Produktion der Publikation mit den Ergebnissen dieser Vortragsreihe sowie anderen Elementen (Chronologie, Kommentar der Studienordnungen, Interviews etc.) wird dann im Anschluss stattfinden und im Wintersemester 2018/19 abgeschlossen werden. 

Eine regelmäßige und kontinuierliche Teilnahme an den inhaltlichen Diskussionen, an der Organisation der Vorträge, der grafischen Entwicklung und Umsetzung sowie dem Druckvorgang ist Voraussetzung für die Mitarbeit.

 
Kolloquium Philosophie 
Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Jenny Nachtigall

Raum E.O2.29 (17.05., 21.06.) und E.O1.23 (07.06., 05.07.), Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–20.00 Uhr, Beginn: 17.05.2018, 
weitere Termine 07.06., 21.06., 05.07.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v. a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

Annual theme "Politics of Emotion/Power of Affect"

 

Von A wie Angst, E wie Empathie, und O wie Ohnmacht.

Emotionen und Affekt im zeitgenössischen Design und der Architektur

(auch Modul B.06.09)

Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 10.30–12.30 Uhr, Beginn: 24.10.2017 (Einführung, Referatsvergabe),

weitere Termine (wöchentlich) 07.11., 14.11., 21.11., 28.11., 05.12., 12.12.2017, 16.01.2018, 23.01., 30.01.

Kontakt fogelberg@adbk.mhn.de

 

Am Beispiel von Angst, Empathie und Ohnmacht fragt das Seminar kritisch nach dem Verhältnis zwischen Macht und Affekt bzw. Politik und Emotion im zeitgenössischen Design und der Architektur – insbesondere vor dem aktuell wieder erstarkenden Interesse an den gesellschaftlich transformativen Potentialen von Gestaltung (Social Design). Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Empathie, das Vermögen, sich in andere einzufühlen. Sie gilt als Kernkompetenz im Design und als affektives Werkzeug, mit Hilfe dessen sich sowohl nutzerorientierte als auch auftraggeber-konforme Entwürfe schaffen lassen. Analog zu der in den Sozialwissenschaften kritisch geführten Diskussion zu den Grenzen von Empathie bedarf es jedoch einer Aktualisierung des Empathie-Verständnisses im Design. Inwieweit ist es überhaupt möglich, sich in andere hineinzuversetzen? Lässt sich vermeiden, dass diskriminierende Praktiken und ungleiche Machtstrukturen im Entwurfsprozess repliziert werden? Inwieweit muss unser Empathie-Verständnis erweitert werden, wenn sich der einstige Fokus im Design vom Menschen auf andere Entitäten ausweitet, oder wenn Nutzer/innen selbst gestalten oder zum Gestaltungsprozess beitragen? Weitere Fragen, die im Seminar adressiert werden sollen, sind, inwieweit Design Ängste schüren und zu einem Klima von Angst und Einschüchterung beitragen oder aber Ängste mindern kann – von der konkreten Angst vor dem Altern bis hin zur diffusen Angst vor Terrorismus? Inwieweit begünstigen die Strukturen von Benutzeroberflächen in sozialen Medien die Eskalation von Wut und Hass, und welche Möglichkeiten gibt es, durch eine alternative Gestaltung Hasstiraden und Drohszenarien im Internet entgegenzuwirken und den Betroffenen Gestaltungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, mit denen sie sich aus ihrer Ohnmacht befreien können?

 

Diskutiert werden Arbeiten von u. a. Martin Avila, Teddy Cruz, David Garcia Studio, Monique Grimord, Susanna Hertrich und Caroline Sinders, sowie Texte von Ben Anderson, Claudia Aradau, Lauren Berlant, David Gissen, Eva Illouz und Carolyn Pedwell.

 

 


 

 

Verschränkungen von Affekt, (Medien-)Technologien und Biopolitik in der Kunst –
Cecile B. Evans, Ed Atkins, Jace Clayton, Heather Dewey-Hagborg u. a.

(auch Modul C.01.09)

Prof. Dr. Marietta Kesting

 

Raum E.ZG.04 und A.EG.01 (25.10.2017 und 10.01.2018), Akademiestr. 2, 4

Zeit Mittwoch 14.00–18.00 Uhr, 14-tägig, Beginn: 25.10.2017 Einführung (14.00–16.00 Uhr),

weitere Termine 08.11., 22.11., 06.12., 20.12.2017, 10.01.2018, 24.01., 07.02.

Kontakt kesting@adbk.mhn.de

 

Dieses Seminar widmet sich affektiven und affizierenden Beziehungen in der zeitgenössischen (Medien)Kunst und dem aktuellen Stand der Theoriebildung zu Affekt und Emotion. Deleuze und Guattari betonten die Autonomie der Affekte, die überindividuell sind, und formulierten: „Die Empfindungen, Perzepte und Affekte, sind ‚Wesen‘, die durch sich selbst gelten und über das Erleben hinausreichen. [...] Das Kunstwerk ist ein Empfindungssein [...].“ Medien-, Film und Kunsttheoretiker/innen wie Marie-Luise Angerer, Brian Massumi, Herman Kappelhoff, Michaela Ott, Eugenie Brinkema greifen Aspekte von Deleuze und Guattaris Affekttheorie auf und kritisieren und erweitern diese.

 

Die Auseinandersetzung mit Affekt und Politik haben außerdem postkoloniale sowie queere und feministische Ansätze zu Strategien der Solidarisierung entscheidend voran getrieben (wie Sara Ahmed, Jasbir Puar), sie erinnern an die unterschiedlichen Codierungen von Körpern, z. B. durch polizeiliche Maßnahmen. Im Rahmen des Seminars wird dies etwa anhand der installativen Sound-Arbeiten von Jace Clayton behandelt.

 

Einen weiteren Fokus bilden die aktuellen Verschränkungen von Affekt, (Medien-)Technologien und Biopolitik in künstlerischen Projekten. Hierzu ist u. a. ein Gastvortrag der Künstlerin, Forscherin und Biohackerin Heather Dewey-Hagborg geplant. Die hier vorgestellten künstlerischen Arbeiten nehmen eine zentrale und provokante Rolle in der Bestimmung des Verhältnisses von asymmetrischen Machtverhältnissen, Kategorisierungen von Körpern bis zur Ebene der DNA und Prozessen des Machine-Learning im Hinblick auf Affektsteuerung ein.

 


 

Drama der Emotionen

Künstlerische, filmische und theatrale Analysen des Affektiven im Politischen und vice versa

(auch Modul D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 24.10.2017, weitere Termine (wöchentlich) 07.11., 14.11., 21.11., 28.11., 05.12., 12.12.2017, 09.01.2018, 16.01., 23.01., 30.01.

Kontakt susanne.witzgall@adbk.mhn.de

 

Angesichts jüngerer, oft sehr emotional geführter Wahlkampfdebatten, irrational erscheinenden Wählerverhaltens, erregter Wutbürger/innen, und einem diagnostizierten gesellschaftlichen Klima der Angst wurde unserer Gegenwart bereits eine besondere Emotionalisierung der Politik oder Politisierung von Affekten bescheinigt. Doch Emotionen werden schon seit jeher kulturell erzeugt und politisch instrumentalisiert. Sie sind aufs engste mit der Aufrechterhaltung und Verhandlung von Machtverhältnissen verknüpft. Als Verbündete subtiler Kontrollmechanismen residieren sie oft unbemerkt in den Zwischenräumen und diffusen Gestimmtheiten gesellschaftlicher Netzwerke.

 

Das Seminar analysiert einige dieser Mechanismen aus interdisziplinärer Perspektive und untersucht die ästhetische Auseinandersetzung mit diesem Thema in den aktuellen Künsten. Im Fokus steht dabei die zeitgenössische Performance- und Videokunst, Film sowie aktuelle Theaterinszenierungen. Der Grund hierfür liegt in der (gemeinsam zu überprüfenden) These, dass sich gerade in filmischen Narrationen, vor allem aber im performativen Vollzug und im Wechselspiel zwischen Akteuren/innen und Zuschauern/innen Emotionen in ihrer sozialen Situiertheit und unterschiedlichen Handlungswirksamkeit (Mohrmann) am besten verstehen lassen und sich die subtile Verquickung von Emotionen und Machtmechanismen gerade in ihrer ästhetischen Aufführung erkunden lässt. Die Werkauswahl reicht dabei von Arbeiten des südasiatischen Performanceduos „Dark Matter“, den Performances und Installationen von Anne Imhof, den Videoarbeiten von Arthur Zmijewksi und Yael Bartana, bis hin zu der TV-Serie „House of Cards“, dem Science-Fiction-Kinofilm „district 9“ oder den jüngsten Theaterstücken von Elfriede Jelinek und Yael Ronen. Unterfüttert und begleitet werden die Analysen im Seminar durch die Lektüre einer interdisziplinären Textauswahl aus den Bereichen der feministischen Theorie (Sara Ahmed), Philosophie (Zygmunt Baumann, Catherine Malabou), politischen Ökonomie (Martijn Konings), Politikwissenschaft (George E. Marcus), Anthropologie (Elizabeth A. Povinelli) und der Literaturwissenschaft (John Protevi).

 

Das Seminar beginnt mit drei einleitenden Sitzungen. Sie sind gleichzeitig als Einführung zur Vortragsreihe des Wintersemesters gedacht und stehen auch Studierenden offen, die nicht am restlichen Seminar teilnehmen wollen. In diesen drei Sitzungen wird sich dem Thema des Seminars von begrifflich-diskursiver Seite sowie über zwei zentrale künstlerische bzw. vokal-performative und theatrale Positionen der 1960er und 1970er Jahre (Augusto Boal und Meredith Monk) genähert.

 

1. Einführung in die Ästhetik: Reproduktion, Wiederholung, Aneignung
Prof. Dr. Maria Muhle
E.01.09/E.02.09
Donnerstag, 11.00 – 13.00 Uhr
Beginn: 27. April
Raum: E.O1.23

Die Veranstaltung untersucht grundlegende Texte der Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Perspektive reproduzierender, wiederholender und aneignender Techniken, die sich einem tradierten Verständnis von Kunst als Produktion, Schöpfung und Erschaffung von Neuem entgegensetzt. Kunst soll hier im Zeichen ihrer technischen Reproduzierbarkeit (Benjamin) untersucht werden, um so einen anderen, nicht- oder nach-modernistischen Blick auf die künstlerischen Praktiken des 20. Jahrhunderts zu eröffnen. Zugleich soll in dieser Diskussion um Kunst als Reproduktion die Matrix jener aneignenden Techniken gesucht werden, die sowohl für Pop als auch Appropriation Art und Pictures Generation eine zentrale Rolle spielen und heute unter digitalen bzw. post-digitalen Bedingungen in Begriffen wie Distribution und Zirkulation reformuliert werden.  

Zur Vorbereitung ist die Lektüre von Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: ders., Gesammelte Schriften I.2. Frankfurt/Main 1980, S. 471–508 empfohlen.  

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

Achtung! Die erste Sitzung am 27.4. findet in Museum Brandhorst statt: Gespräch mit Tonio Kröner über die Ausstellung Wade Guyton. Das New Yorker Atelier. Treffpunkt: Foyer im Museum Brandhorst (Theresienstr. 35a) um 11h00

 

 

2. Theorien und Praktiken des Mimetischen
Prof. Dr. Maria Muhle und Prof. Dr. Tobias Döring (LMU)
E.02.09 zugleich Grundlagenseminar für das IDK Mimesis der LMU
Freitag, 11.00 – 14.00 Uhr, zweiwöchentlich
Termine: 28.4., 12.5., 26.5., 9.6., 23.6., 7.7., 21.7.
Raum: E.O1.23

Mimesis ist ein Schlüsselbegriff aller kulturellen Praxis – und zwar auch dann, wenn er, wie es in der Moderne immer wieder vorkommt, ausdrücklich verworfen, verachtet und verlacht wird. Mimesis bezeichnet das Grundlagenkonzept, das überhaupt in Rede steht, seit Literatur- und Kunstproduktion in den Horizont diskursiver Auseinandersetzung gerückt sind, und das noch in der jüngsten Medien- und Kulturtheorie gleichermaßen unverzichtbar ist. Mimesis umfasst ein ganzes Bedeutungsspektrum, das von „Nachahmung“, „Imitation“, „Darstellung“, „Repräsentation“, „Simulation“, „Reproduktion“, „Wiederholung“, „Spiegelung“, „Modellierung“, „Verkörperung“, „Travestie“, „Parodie“, „Kopie“ bis hin zu abstrakten Begriffen wie „Realismus“ oder „Identifikation“ reichen und damit fundamentale Fragen aufwerfen, denen sich jede Arbeit in den Literatur- und Kunstwissenschaften, aber auch die künstlerische Praxis selbst notwendig stellen muss. Diese folgen aus einer unhintergehbaren Doppelheit: sowohl Prozess wie Produkt, sowohl menschliches Vermögen wie gleichermaßen kulturelle Handlung, ist Mimesis immer ein Relationsbegriff, der etwas – zumeist ein Werkstück kultureller Arbeit – ins Verhältnis zu etwas anderem setzt – entweder zu einem anderen Werkstück oder einer Vorstellung von „Welt“, „Wirklichkeit“, „Handlung“ oder „Natur“. Das mimetisch Hervorgebrachte gilt daher als ein Zweites, d.h. oft ein Zweitrangiges und wird traditionell mit Skepsis betrachtet, wenn nicht ausdrücklich verworfen oder gar als gefährlich unzulänglich gleich verbannt. Eine dieser Gefahren betrifft dabei direkt das künstlerische Produzieren, insofern die nachahmenden Techniken das künstlerische Subjekt aus dem tradierten Genie-Paradigma hinausdrängen und dazu zwingen, die Frage seiner Autorschaft immer wieder aufs Neue zu verhandeln. Doch selbst eine Kritik am Mimetischen kann sich ihrerseits nur auf mimetische Techniken wie das Vergleichen stützen und muss sich durch mimetische Verfahren wie Illustration mitteilen. Ob also bewundert oder gescholten, ob gefeiert oder verdammt – Mimesis ist für alle Modi, Medien und Möglichkeiten sämtlicher Künste und Kulturprodukte schlechterdings konstitutiv. Macht und Faszination des Konzepts rühren in erheblichem Maße daher, dass es die Begriffssphäre, die es erschließt, mit jedem neuen Gebrauch neu entwirft und also ständig zur Begriffsverschiebung und -erweiterung beiträgt.

Dies wollen wir in diesem Seminar durch einschlägige Textlektüren, die von Platon und
Aristoteles über Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Erich Auerbach bis zu Michael Taussig, Judith Butler, Homi K. Bhabha sowie Roger Caillois, Jacques Derrida und Gabriel Tarde reichen, eingehend erkunden und mit ausgewählten Beispiele aus der ästhetischen Praxis – vornehmlich Literatur und Bildender Kunst – kritisch konfrontieren. Für alle Teilnehmenden ist daher nicht nur erhebliche Lesearbeit unerlässlich, sondern für die Teilnehmenden des IDK Mimesis auch ein eigener Diskussionsbeitrag – im Sinne einer Fallstudie – Voraussetzung. Die Texte werden in einem Reader bereitgestellt sowie digital zugänglich gemacht.

Zur vorbereitenden Orientierung ist folgendes Buch nützlich: Gebauer/Wulf, Mimesis:
Kultur-Kunst-Gesellschaft (Rowohlt 1992).

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

 

3. Infofiction
Dr. Jenny Nachtigall
Modul E.02.09
Freitag, 11.00 – 13.00 Uhr bzw. 14.00 – 17.00 Uhr (zweiwöchentlich)
Termine: 28.4. (14-17.00), 12.5. (14-17.00), 19.5., 2.6. (Workshop), 23.6. (14-17.00), 30.6., 14.7.
Raum: E.O1.23

Das Seminar „Infofiction“ möchte ausgehend von der aktuellen Diskussion um „alternative Fakten“ und eine „post-faktische“ Politik die Potentiale ästhetischer und künstlerischer Wissensproduktion in den Blick nehmen. Ursprünglich der Titel einer Ausstellung von Lee Lozano (1971), die sich u.a. dem Protokollieren ihres Lebens als künstlerischer und politischer Form widmete, erhält „Infofiction“ heute eine neue Lesbarkeit und Aktualität, denen dieses Seminar nachgehen möchte. Im Fokus steht dabei die These, dass in Zeiten politischer Repression ästhetische Formen der „Informationsverarbeitung“ immer schon Konjunktur hatten. Als alternative Orte der Wissensproduktion und -zirkulation, in denen ästhetischer Praxis eine politische Funktion zukam, fungierte insbesondere das Magazinformat häufig als zentrales Medium der politischen Artikulation und Positionierung von Künstler_innen selbst: von den Dadaisten, die um der Zensur zu entgehen unter dem Deckmantel eines Jugendmagazins (Neue Jugend) anti-nationalistische Satire verbreiteten, über Tropiques, offiziell ein Journal für Westindische Folklore, das eine surrealistischen Kritik am Kolonialismus praktizierte, bis zu aktuellen Formaten an den Rändern des westlichen Kunstdiskurses (z.B. die englische/arabische Zeitschrift makhzin). Durch die Diskussion historischer wie auch aktueller Praxisbeispiele, untersucht das Seminar künstlerischen Formen von „Infofiction“, ihre theoretischen Grundlagen und Implikationen sowie die Frage nach den ästhetischen und politischen Perspektiven, die sie im Zeitalter „alternativer Fakten“ eröffnen können.

„Infofiction“ bietet Studierenden außerdem die Möglichkeit einer Beteiligung an der internationalen Gruppenausstellung „Klassensprachen“, die sich der künstlerischen Entfremdung, Enteignung und Aneignung von Sprache in der Gegenwartskunst widmet. Die vom Hauptstadtkulturfonds Berlin geförderte Ausstellung ist von Manuela Ammer, Eva Birkenstock, Jenny Nachtigall, Kerstin Stakemeier und Stephanie Weber initiiert und eröffnet im Juli 2017 in Berlin. Im Rahmen des Seminars soll in Kooperation mit Studierenden der AdBK Nürnberg ein gemeinsamer Beitrag zur Ausstellung erarbeitet werden. Weitere Informationen werden bei der Einführungsveranstaltung besprochen.

Anmeldung bis zum 20. April 2017: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

4. Kunst und Gesellschaftskritik ‚nach‘ Hegel
Dr. Svenja Bromberg
E.02.09
Blockseminar, Termine: Fr. 05.05., 14.00 – 18.00 Uhr, Sa. 06.05., 10.00 – 17.00 Uhr und Fr. 9.06., 14.00–18 Uhr und Sa. 10.06., 10.00 – 17.00 Uhr
Raum: Wird noch bekannt gegeben

Das Blockseminar nimmt seinen Ausgangspunkt in einer Problematik, die sich mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts und einer damit einhergehenden Einschreibung der kapitalistischen Logik in alle, auch die künstlerischen, (Lebens)Bereiche, immer deutlicher stellt: nämlich die Frage, inwieweit (und ob) Kunst unter diesen Umständen als Instrument von Gesellschaftskritik dienen kann und welcher Modus von Kritik in diesem Kontext möglich und wünschenswert ist. Um uns dieser Fragen auf grundsätzliche Weise zu nähern, wollen wir in diesem Seminar zunächst die Engführung von Kritik und Kunst, wie sie prominente Ästhetische Theorien, wie diejenige von Theodor W. Adorno, kennzeichnen, auf ihre Wurzeln in der Hegelschen Dialektik zurückführen. Wir widmen uns Hegel somit als einer häufig übersehenen Grundlage derjenigen ästhetischen Theorie des 20. Jahrhunderts, die einen gesellschaftskritischen oder explizit gesellschaftsverändernden Anspruch formuliert. Dazu gehört, dass wir uns Weiterentwicklungen und Kritiken der Hegelschen Dialektik widmen und dabei vor allem auf die Rolle der Negativität, der Differenz und des Werdens fokussieren, wie sie nicht nur in der Kritischen Theorie, sondern auch von den französischen Interpreten Hegels, wie Alexandre Kojève, Gilles Deleuze und Jean-Luc Nancy, hervorgehoben wurden. Dabei stellt sich die doppelte Frage, inwieweit mit diesen Hervorhebungen die geschichtsphilosophischen Tendenzen in Hegels eigener Philosophie produktiv überwunden werden und inwiefern eine solche Öffnung des Absoluten zum Singulären und zur Differenz einen neuen Begriff von (künstlerischer) Kritik an Gesellschaft ermöglicht. In einem letzten Teil wollen wir die Potentiale und Begrenzungen eines Hegelschen Kritikbegriffs für die künstlerische Kritik an unserer zeitgenössischen Gesellschaft ausloten und dessen Rolle innerhalb des Gesamtverhältnisses von Kunst, Gesellschaft und Philosophie untersuchen.

Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 20. April 2017 per Email unter svenja.bromberg@gmail.com anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

5. Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall
Donnerstag, 17.00 – 20.00 Uhr
Termine: 27.4., 11.5., 18.5., 1.6., 22.6., 29.6., 13.7.
Raum: E.O1.23

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

6. Entwicklung einer Publikationsreihe
Konzept, Theorie, Inhalt, Gestaltung, Lektorat, Ökonomie, Produktion
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck)
1. Termin: 9. Februar; weitere Termine werden per Mail bekannt gegeben
Raum: Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12)

Entwicklung einer kleinformatigen Publikationsreihe als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Veröffentlichung ausgewählter Vorträge, Diskussionen, Veranstaltungen etc. der Akademie funktionieren. Die Inhalte der einzelnen Publikationen werden gemeinsam ausgewählt bzw. generiert und die grafische Gestaltung in Auseinandersetzung mit dem inhaltlichen Konzept in einem Workshop (Philosophie / Typografie) mit den Studierenden erarbeitet. Die Studierenden sollen den Herstellungsprozess eines Buches von der thematischen und grafischen Konzeption, über die formale Textbearbeitung und grafische Umsetzung bis zur Drucklegung begleiten. Es sind vorerst drei Ausgaben geplant, die in anliegenden Galerien und Buchläden vertrieben werden. Neben der praktischen Arbeit an Grafik und Texten ist ebenfalls die Diskussion unterschiedlicher Buchformen (Katalog, Künstlerbuch, Catalogue raisonné, Theoriebuch...) und ihrer Rolle für die künstlerischere Arbeit geplant sowie die gemeinsame Lektüre einzelner Texte, die sich mit Fragen des Verlegens als spezifische Wissensform auseinandersetzen.

Verbindliche Anmeldung per Mail (muhle@adbk.mhn.de und schmidl@adbk.mhn.de) bis zum 6.2., Auftakt- und Planungssitzung am 9.2., 11h00, Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12). Bei dieser Sitzung sollen bereits erste Vorschläge für Texte und grafische Konzepte diskutiert werden. Weitere Termine folgen im Sommersemester 2017. Eine Booklaunch ist beim Rundgang 2017 vorgesehen. Max. Teilnehmerzahl: 15

 

7. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)
Prof. Dr. Maria Muhle
Mittwoch, 11.00 – 15.00 Uhr
Termine: 24.5., 28.6., 12.7.
Raum: E.02.08

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.
 
Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter muhle@adbk.mhn.de

Interdisziplinäre Vortragsreihe „Hybride Ökologien“
Ein Kooperationsprojekt des cx centrum für interdisziplinäre studien und dem Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie
Weitere Informationen sowie alle Termine der Vortragsreihe finden Sie hier.

 

Seminar Einführung in Ästhetik und Massenkultur von 1900 bis heute (Modul E.01.09)
Jenny Nachtigall, M.A.
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 20.10.2016
Kontakt: nachtigall@adbk.mhn.de

In aktuellen kunsttheoretischen Debatten herrscht Uneinigkeit darüber, ob man heute noch von einer ‚Avantgarde’ in der Kunst sprechen kann oder ob die digitale Entgrenzung von Kunst und Massenkultur dieses modernistische Konzept obsolet macht (Foster, Joselit). Während der modernistischen Ästhetik und Kunsttheorie ein größtenteils antagonistisches Verhältnis von Kunst und Massenkultur zu Grunde liegt, auf dem zentrale Konzepte wie Avantgarde, Autonomie, Kritik oder Medienspezifik u.a. fußen, haben sich die Grenzziehungen zwischen Kunst und ihrem Außen heute stark verschoben. Welche Konsequenzen hat dies für unser Verständnis von Kunst sowie für die Rolle von Ästhetik und Kunsttheorie? In der „Einführung in Ästhetik und Massenkultur seit 1900 bis heute“ werden zentrale Begriffe der Ästhetik und Kunsttheorie des 20. und 21. Jahrhunderts sowie die unterschiedlichen Denkschulen, von denen sie mobilisiert werden anhand von einschlägigen theoretischen und künstlerischen Positionen vorgestellt und auf ihre Relevanz für das Verständnis von Kunst heute befragt. Neben der Einführung in klassische Positionen zu Kunst und Massenkultur im Umkreis der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (z.B. Benjamin, Bürger) wird deren einflussreiche Revision in der poststrukturalistisch geprägten Ästhetik und Kunsttheorie der 1980er und 90er Jahre (z.B. Foster, Krauss) diskutiert. Das Seminar wird darüber hinaus in alternative Zugänge zu Kunst und Massenkultur in einer sozial erweiterten Ästhetik in Deutschland (z.B. Gorsen, Draxler), einer an den Cultural Studies geschulten amerikanischen Kunsttheorie (z.B. Crimp, Owens) sowie in feministische (z.B. Bovenschen, Lippard) und postkoloniale Perspektiven (Mercer) einführen. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, Grundlagen für das Verständnis aktueller ästhetischer und kunsttheoretischer Debatten sowie ein Basiswissen zu Ästhetik und Massenkultur seit 1900 bis heute zu vermitteln.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); Referat oder Essay zu einem im Seminar behandelten Thema (3-5 Seiten).

 

 

 

Seminar Krise und Form in der Gegenwartskunst: erweiterte Perspektiven (Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M.A.
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11-15.00 Uhr, Beginn: 21.10.2016
Weitere Termine: 28.10.,  11.11., 25.11., 9.12., 16.12., 13.01., 27.01.
(+ Workshop Termin wird bekannt gegeben)
Kontakt: nachtigall@adbk.mhn.de

Das Lektüreseminar wird gegenwärtige künstlerische Tendenzen vor dem Hintergrund einer Kritik an Universalismus und Homogenität dominanter westlicher (Kunst)Theorien und Philosophien diskutieren. Während aktuell eine kritische Revision verengter modernistischer Vorstellungen künstlerischer Formen und Subjekte im Zeichen des Digitalen steht, werden wir uns dieser Problematik aus der Perspektive einer sozial erweiterten Ästhetik, Philosophie und Kulturtheorie nähern: Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert haben Theoretikerinnen und Künstlerinnen darauf verwiesen, dass es nicht nur eine (westliche) Moderne gibt, und dass die Formen und Subjekte von Kunst dementsprechend weder homogen noch puristisch, sondern von Antagonismen und Widersprüchen durchzogen sind. Diese Perspektive scheint vor dem Hintergrund der heutigen politischen und sozialen Krisen und des Wiedererstarkens von Rassismen in Europa und den USA aktueller denn je und wird im Zentrum des Seminars stehen. Inwiefern ist die (post-digitale) Gegenwartskunst dominanten und damit auch imperial geprägten Modernismen verhaftet? Ist unser eigenes Verständnis von Kunst ein genuin westliches?
In dem Seminar werden wir uns sowohl mit der philosophischen Kritik an Universalismen befassen, wie z.B. der Theorie einer Widerständigkeit von „kleinen Formen“ (Deleuze & Guattari), sowie mit frühen kunsttheoretischen und -kritischen Ansätzen einer Politik der Form jenseits von dominanten Vorstellungen moderner Kunst, die sich verstärkt auf ethnographische und anthropologischeForschung beziehen (z.B. Märten, Einstein, das surrealistische Magazin Documents). Im Fokus des Seminars wird insbesondere die umfassende Erweiterung solcher frühen Kritik an Universalismus und Homogenität in unterschiedlicher postkolonialen Theorien stehen (z.B. Fanon, Spivak). Neben klassischen Ansätzen postkolonialer Theorie werden wir aktuellere Tendenzen wie u.a. Afro-pessimismus und -optimismus (z.B. Moten, Sexton) diskutieren und sie mit dem Zukunftshype, den Subjektivitätsbildern und dem Formverständnis post-digitaler Gegenwartskunst konfrontieren. Ein Teil des Seminars wird in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunsttheorie und -vermittlung der ADBK Nürnberg stattfinden (Kerstin Stakemeier), im Rahmen dessen ein gemeinsamer Workshop (München) mit Studierenden aus München und Nürnberg sowie ein Vortrag (München) zu Krise und Form in der Gegenwartskunst aus postkolonialen Perspektiven stattfinden wird.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion künstlerischer Praktiken. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (ca. 10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.

Für die Planung des Workshops wird um Anmeldung bis zum 28.10.2016 gebeten: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

 

Seminar Museumstanz (Modul E.02.09)
Dr. Stefan Apostolou-Hölscher
Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 16.00–19.00 Uhr, Ausnahme: Mittwoch, 2.11. (dann 13.00-16.00 Uhr)
Einführung: 19.10.2016, weitere Termine: 2.11., 16.11, 23.11., 7.12., 18.1, 1.2.
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

In den letzten Jahren zeichnet sich die Tendenz ab, dass die internationale Museumsprogrammierung zunehmend bestrebt ist, Tanz aus dem Theaterdispositiv herauszulocken und in Ausstellungsräumen zu präsentieren. Das Interesse des Kunstbetriebs am vermeintlich ‚konkreten‘ Körper und seinen Tätigkeitsformen korrespondiert dabei mit dem Drang mancher zeitgenössischer Tanzschaffender, erweiterte und eher abstrakte Konzepte von Choreographie zu entwickeln, die weit über modernistische Verständnisse im Sinne einer reinen Komposition von Bewegung hinausgehen (expanded choreography). Ebenso hängt es mit einer Reihe von Problematiken zusammen, als deren Symptom es im Verlauf des Seminars skizziert werden soll: So lässt sich z.B. hinsichtlich der Arbeiten von Boris Charmatz oder La Ribot fragen, inwiefern Tanz im Museum das tradierte Medium der Skulptur ‚verlebendigt‘ und welche ideologischen Vorannahmen damit einhergehen, wie die musealen Interventionen Tino Sehgals mit postfordistischen Produktionsweisen zusammenhängen, warum William Forsythe ungewöhnliche Perspektiven auf die Sammlung des Frankfurter MMK wirft, um ebenso sein eigenes Œuvre wie jene dort umzuschreiben oder ob, wenn das New Yorker MoMA PS1 und der Pariser Palais de Tokyo Veranstaltungen organisieren, in denen die jüngsten Choreographien von Mårten Spångberg und Anne Imhof miteinander konstelliert werden, nicht eine im Bereich des Tanzes schon länger ad acta gelegte Idee von ‚Liveness‘ wiederbelebt wird, obwohl sie auch ein neues Arrangement sowohl von Choreographie als auch des Ausstellungsdispositivs vornehmen, indem sie gleichzeitig Tanz zum Objekt machen und den Ausstellungsraum mobilisieren, oder warum die Londoner Tate mehr an experimenteller Forschung zur Choreographie interessiert ist als die meisten der freien europäischen Theaterhäuser, wo diese noch in den späten 1990ern und 2000ern vornehmlich stattfand.
Neben solchen Fragen wird es um die Ausstellung Danse-Guerre gehen, die 2013 von Bojana Cvejić und Cosmin Costinas im Musée de la Danse in Rennes kuratiert wurde und sich mit den eng miteinander verflochtenen Genealogien kriegerischer und tänzerischer Praktiken befasste. Insgesamt besteht die Veranstaltung aus einer Kombination von Videosichtungen einerseits und damit verbundenen Textlektüren (u.a. Buren, Cvejić, Groys, Kunst, Lepecki, O´Doherty, Spångberg) sowie gemeinsamen Diskussionen andererseits.

 

 

 

Blockseminar Kants Ästhetik: Das Schöne, das Erhabene und die Kunst in der Kritik der Urteilskraft (Modul E 02.09)
Dr. Dirk Setton
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Termine: 02.12, 10-18 Uhr; 03.12, 10-15 Uhr; 13.1., 15-19 Uhr, 14.1., 10-15.30 Uhr
Kontakt/Anmeldung setton@em.uni-frankfurt.de

Im ersten Teil der „Kritik der Urteilskraft“ widmet sich Kant einer kritischen Analyse der sogenannten Geschmacksurteile. Diese Urteile haben einen merkwürdigen Charakter – denn sie tragen nichts zum Erkennen von Gegenständen oder zum Handeln bei, sondern betreffen nur die Weise, wie sich urteilende Subjekte im Angesicht von besonderen Gegenständen und in je spezifischen Situationen selbst „fühlen“. Dass diese Urteile dennoch nicht bloß subjektiv und mithin beliebig sind, dass sie im Gegenteil sogar eine eigene Form allgemeiner Gültigkeit in Anspruch nehmen, macht sie zu einer besondere Art von Urteilen – nämlich: „ästhetischen“ Urteilen.
Im Seminar soll es darum gehen, die zentralen Passagen von Kants Theorie ästhetischer Urteile zu verstehen und produktiv zu diskutieren. Das bedeutet nicht nur, dass wir uns gemeinsam um eine Rekonstruktion und Deutung der „Analytik des Schönen“, der „Analytik des Erhabenen“ und der Theorie der „schönen Kunst“ bemühen werden; es bedeutet auch, Kants Begriffe des Schönen, des Erhabenen und der Kunst auf „Beispiele“ aus dem Bereichen des Films (Dogville, Mad Men, Safe) und der bildenden Kunst (Abstract expressionism, Minimal art) zu beziehen – und dabei zu versuchen, uns eine interessante und instruktive Perspektive sowohl auf diese „Beispiele“ als auch auf Kants eigene Theorie zu erarbeiten.

Das Seminar wird in zwei Blockveranstaltungen durchgeführt, die an jeweils 2 Tagen im Dezember 2016 und Januar 2017 stattfinden werden. Teilnahmevoraussetzung ist nicht nur die vorbereitende Lektüre der gemeinsam zu diskutierenden Textpassagen aus der Kritik der Urteilskraft, sondern auch die Bereitschaft zur Übernahme einer Diskussionseinleitung (kein Referat!) für eine Sitzung. Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 17. Oktober 2016 beim Seminarleiter per Email unter setton@em.uni-frankfurt.de anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr. Stefan Apostolou-Hölscher
Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 20.10., weitere Termine: 02.11., 17.11., 24.11.,8.12., 19.01., 2.2.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de


Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung
darstellt.
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

Seminar Einführung in die Ästhetik: Digitale Ästhetik

(Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

Die sogenannte „Digitale Revolution“ hat nicht nur die Produktionsweise von Kunst bzw. die Arbeitsweise der Künstler stark verändert, sondern ebenso die Zirkulation und Rezeption der künstlerischen Arbeiten verändert: „Bilder“ sind generell nicht nur schneller zu produzieren, sondern zirkulieren in feiner verzweigten Netzwerken und sind, so die Unterstellung, dadurch auch ein­facher zu konsumieren. Anhand zentraler theoretischer Positionen des 21. Jahrhunderts soll dieser „digitalen Revolution“ nachgedacht und ihre Bedeutung für den Begriff der „Ästhetik“ ausgelotet werden. Dabei sollen zunächst die Unterschiede zwischen einer prä-digitalen, einer digitalen und der sogenannten „post-digitalen“ Ästhetik untersucht werden, sowie zentrale Begrifflichkeiten der digitalen oder post-digitalen Ästhetik (Netzwerk-Kunst, Aggregation, Zirkulation, Auflösung, HD, Remediation, Post-Media, …) geklärt werden; hieran anschließend sollen theoretische und künstlerische Positionen untersucht werden, die sich spezifisch in einem digitalen Milieu verorten lassen und derart Virtualität, digitale Reproduzierbarkeit, erhöhte Sichtbarkeit qua sozialer Netzwerke etc. in ihren Produktionen explizit adressieren und, auf unterschiedliche Art, kritisieren oder subversiv unterlaufen – oder aber diese gerade affirmieren. Damit wird in dieser Debatte ein grundlegendes Problem zeitgenössischer philosophisch-ästhetischer Reflexion in Gestalt der Kritik an tradierten Dualismen (Virtualität vs. Körperlichkeit; Originalität vs. Reproduzierbarkeit; Autonomie vs. Heteronomie; Freiheit der Kunst vs. ihre Marktförmigkeit) aktualisiert.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); je nach Größe des Seminars entweder Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3 Seiten) eines Referats oder Anfertigung eines Essays zu einem im Seminar behandelten Thema (5 Seiten).


Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr.-Stefan Apostolou-Hölscher

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016, weitere Termine: 28.04., 12.05., 25.5., 02.06., 16.06., 30.06.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.



Seminar Fremde Bilder (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 15.04.2016, weitere Termine: 29.04., 13.05., 03.06., 17.06., 01.07.

Im Lektüreseminar „Fremde Bilder“ steht die Frage nach der Darstellung des Fremden sowie die damit verbundene Infragestellung des Eigenen oder Alltäglichen im Mittelpunkt. Theoretische Problematisierungen der Figur des Fremden und damit verbunden der Bilder des Fremden treten zunächst im kolonialen Kontext auf, in dem das Fremde in der Fremde von einem eurozentristischen Blick konstituiert wird. Die spezifische Asymmetrie, die hier zwischen dem Zivilisierten und dem Fremden, Wilden, Barbaren, entsteht, führt dabei einerseits zu einer erhöhten Identitätsbildung des zivilisierten, aufgeklärten Europäers; sowie abhängig davon andererseits zu einer spezifischen, clicheehaften, hochgradig rassistischen Bildproduktion: der/das Fremde wird im ethnographischen Bild festgehalten, kategorisiert, diszipliniert. In einem zweiten Schritt soll dieser post-koloniale Komplex aus eigenem und fremden Bild bzw. aus Bildern vom Eigenen und Fremden vor dem Hintergrund der aktuellen Situation reflektiert werden. Ein wesentlicher Unterschied ist dabei die Verortung des Fremden, der nicht mehr woanders, sondern, in Gestalt von Migranten/innen und Flüchtenden, nun „bei uns“, in „Europa“ begegnet: Was geschieht, wenn das Fremde zu uns kommt? Welche (mythologischen) Bilder werden herangezogen, um fremdenfeindliche Übergriffe zu rechtfertigen? Wie ist der Wandel bzw. Umschlag der Bilder der Fremden seit dem letzten Sommer (2015) zu deuten: Von den vielzähligen Bildern überbordender Solidarität und sogenannter „Willkommenskultur“ (Stichwort Münchener Hauptbahnhof) hin zu der Dämonisierung des jungen männlichen Asylbewerbers (Stichwort Kölner Hauptbahnhof) und den rassistischen Übergriffen des letzten Jahres und speziell in Sachsen im Februar 2016.

Vor dem Hintergrund der Lektüre einschlägiger Texte zu Flucht, Rassismus, Fremdheit, Gastfreundschaft u.a. aus Philosophie, Ethnologie und Politikwissenschaft (Hanna Arendt, Michel Foucault, Jacques Derrida, Edward Said, Julia Kristeva, Bernhard Waldenfels u.a.) sollen Arbeiten der zeitgenössischen Kunst, aber auch aus Film, Fernsehen und den Medien diskutiert werden, die kritisch auf die gegenwärtige Situation reagieren; zugleich soll auch die Frage der Darstellung von Fremdheit im Allgemeinen diskutiert werden, die sich genealogisch sowohl zu exotistischen Repräsentationen (Segalen, Gauguin) und Reiseliteratur (Loti) als auch zu Völkerschauen und Dioramen sowie kolonialen Fotoarchiven zurück verfolgen lässt. „Fremde Bilder“ sind dabei sowohl Bilder vom Fremden als auch Bilder, die nicht vom Künstler stammen, die also fremd weil appropriiert, gefunden und kopiert sind – von Merkels Flüchtlings-Selfies bis zu den auf den sozialen Netzwerken zirkulierenden Handyvideos rassistischer Übergriffe. Sie werfen u.a. die Fragen auf, ob das Dokumentieren und Darstellen hier eher einem Aufklären, einem Ausstellen oder einer Festschreibung gleichkommt bzw. was „eigene“ Bilder diesen fremden Bildern hinzufügen. Diese Fragen stehen im Zentrum zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzungen mit der Flüchtlingsfrage, wie bspw. in Philip Scheffners Film „Havarie“ (2016) oder Tobias Zielonys Arbeit „The Citizen“ (2015), aber auch in Dokumentation (Rosi, „Fuoccoamare“, 2016) und reportageartigen Bearbeitungen (z.B. Navid Kermani). Neben diesen und anderen Arbeiten sollen auch eigene Arbeiten der Studierenden, die im direkten Zusammenhang mit dem Seminar stehen, vor dem Hintergrund der Textlektüren diskutiert werden.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion praktischer studentischer oder anderer Arbeiten. Eine kontinuierliche Teilnahme ist absolut gewünscht. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.


After critique? Aesthetics of the low in contemporary art

Jenny Nachtigall, M. A.
(+ trip to 9th Berlin Biennale) (Modul E.02.09)
(Seminar in English and German)

Room E.ZG.04, E.O1.23, Akademiestr. 4
Dates Reading seminar: Thursday, 09.06., 14.00–20.00, Friday, 10.06., 11.00–19.00, Saturday, 11.06., 12.00–20.00
Trip to 9th Berlin Biennale: Friday, 17.06. – Sunday, 19.06.
Contact nachtigall@adbk.mhn.de

In the last couple of years the paradigm of ‘critique’ (and the notion of the ‘avant-garde’) have been waning as reference points within the contemporary art discourse. Whereas a strand of art theory and criticism denounced this development as “post-critical” (Hal Foster), seeking in turn to re-establish a rigorous understanding of critique, a younger generation of artists and writers calls it into question altogether. Artist collectives like DIS, for instance, locate their practices within the mainstream, in corporate culture and in fashion, with digitality as the matrix of their activities. In this seminar we want to discuss the premises and the consequences of what could be called an aesthetics of the low in contemporary art as well as how it differed from previous iterations. If the paradigm of critique were in fact obsolete, what replaces it?

In order to develop possible responses to this question the first section of the seminar will introduce key theories of mass culture, commodification and the low (e.g. Adorno, Greenberg, Foster, Crimp, Deleuze). We will look into how the premises of these earlier (post)modernist debates shifted in the present, and how current aesthetics, art theory and practice react towards this shift. Is it sufficient to understand “the zany, the interesting, and the cute “(Ngai) as the new aesthetic categories of the present or do we rather have to rethink the functions of aesthetics and of art in the face of digitality (e.g. Wark, Joselit)? How does contemporary art operate within a field – and how is it operated – in which the boundaries between artistic and social production became porous? The second part of the seminar will consist of a field trip to the 9th Berlin Biennale (curated by DIS) in which we will approach the problems and questions raised in our readings through the concrete framework of the Biennale and the practices that it chose to showcase.

Places are limited. In order to sign up for the seminar + trip to the Berlin Biennale, and for further information, please email nachtigall@adbk.mhn.de


Blockseminar Repräsentationskritik und Unsichtbarkeit (Modul E.02.09)
Marina Martinez Mateo

Raum E.EG.28 und E.O1.23 (nur 01.06.), Akademiestr. 4
Termine 30.05. und 31.05. jeweils 10.00–18.00 Uhr, 01.06. 9.00–14.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung marina.martinezmateo@normativeorders.net

Wird über Repräsentation gesprochen, denken wir schnell – und offenbar aus guten Grün­den −, dass darin etwas sichtbar würde. Als Darstellungen leisten Repräsentationen eine Materialisierung oder Veräußerung eines inneren Ausdrucks; oder aber sie bilden eine Realität ab und führen sie uns dadurch noch einmal neu, vielleicht klarer, vielleicht verschoben vor Augen. Sichtbarmachung bildet den unveräußerlichen Kern von Repräsentation.
Darin liegt nicht nur eine Beschreibung ihrer Funktionsweise, sondern auch ihr normatives Fundament: Das Versprechen der Sichtbarkeit liegt ihr legitimierend zugrunde – Repräsentation soll sichtbar machen. Impliziert wird damit die Annahme, dass Sichtbarkeit anzustreben sei, dass Unsichtbarkeit einen Mangel bedeutet, eine Passivität oder gar Handlungsunfähigkeit. Dies ist insbesondere dann das Narrativ, wenn Repräsentation in einem stärker politischen Sinne verstanden wird: Nur wer repräsentiert ist, gilt als Teil der Gemeinschaft und politische/r Akteur/in.

Dies wird immer wieder aus verschiedenen Perspektiven in Frage gestellt: Was machen Darstellungen tatsächlich sichtbar – und was belassen sie dabei notwendig im Verborgenen? Gibt es möglicherweise Gegenstände oder Themen, die nicht repräsentierbar sind, die man verfälschen oder gar zerstören würde, wollte man sie abbilden? Und was für (politische wie ästhetische) Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es im Verborgenen oder im Spiel mit der Verbergung, die in der Dominanz der Sichtbarkeit verloren gehen? In diesen Kritiken wird Unsichtbarkeit entweder zum Außen der Darstellung (das Ausgeschlossene, der Rest), das sie stark machen, um Möglichkeitsräume jenseits der Repräsentation aufzuzeigen; oder aber Unsichtbarkeit wird als notwendiger Bestandteil von Repräsentation hervorgehoben. Dadurch wird das Versprechen der Sichtbarkeit insofern in Frage gestellt, als es scheinbar nie erfüllt werden kann.

Diesen verschiedenen Positionen und Argumentationsweisen sowie ihrem Verhältnis zueinander soll im Seminar anhand genauer Textlektüren nachgegangen werden, um die komplexe Interaktion von Repräsentation und Unsichtbarkeit richtig zu fassen. Dabei wird es auch immer wieder um die politischen Implikationen dieser Fragen gehen. Im Zentrum sollen u.a. Texte von Jacques Rancière, Michel Foucault, Hannah Arendt und Axel Honneth stehen.

Wichtig ist: Die Veranstaltung wird als Blockseminar stattfinden. Der Seminarplan und die behandelten Texte werden im Vorhinein per Mail zugänglich gemacht. Daher wird um vorherige Anmeldung (an: marina.martinezmateo@normativeorders.net) unbedingt gebeten.


Seminar Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts: „October“

(Modul E.01.09 und E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 22.10.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das Lektüreseminar behandelt zentrale Positionen der philosophischen Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts, ausgehend von der Konstellation um die 1976 in New York von Rosalind Krauss und Annette Michelson gegründete Zeitschrift „October“. Die in „October“ veröffentlichten kunstkritischen Texte befassen sich mit explizit zeitgenössischen Fragestellungen und verfolgen dabei einen genre- und medienüberschreitenden Ansatz, der sich v.a. darin zeigt, dass nicht nur Texte zur zeitgenössischen (bildenden) Kunst, sondern ebenfalls zu Film, Theater und Literatur veröffentlicht wurden und werden. Darüber hinaus wurde „October“ in den 1970er, 80er bis in die 90er Jahre zu einem der wichtigsten Rezeptionsinstrumente der Texte des so genannten französischen Post-Strukturalismus, die hier größtenteils zum ersten Mal auf Englisch veröffentlicht wurden (so bspw. in der ersten Ausgabe vom Frühjahr 1976 Foucaults berühmter Text zu Magritte, „Ceci n’est pas une pipe“ oder Deleuze einflussreiches Postskriptum über die Kontrollgesellschaft von 1990, im Winter 1992; aber auch Bataille). Erst über diesen amerikanischen Umweg fanden die Texte der französischen Autoren wiederum den Weg in die deutsche Diskussion. Anhand zentraler Texte der „October“-Herausgeber und -Autoren – neben Rosalind Krauss und Annette Michelson auch Douglas Crimp, Yve-Alain Bois, Hal Foster, Benjamin H.D. Buchloh, Craig Owens, David Joselit u.a. – soll diese Konstellation und ihre zentralen Begriffe – die emblematische Rolle von Fotografie und der Begriff des Index, der Komplex von Readymade, Museum und Institutionskritik, „Schicksal“ des Begriffs der Postmoderne, Appropriation Art, „postmedium condition“, das Informe bis hin zum Digitalen –, rekonstruiert werden sowie diskutiert werden, inwiefern die französische Theoriebildung des 20. Jahrhunderts, die sich zunächst selbst nicht als genuin ästhetisch verstanden hat, für ein spezifisches Verständnis von Ästhetik zentral geworden ist.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Referat, Ausarbeitung des Referats (3–5 Seiten) für Schein E.01.09 (Einführung), Hausarbeit (ca. 10 Seiten) für Schein E.02.09 (Vertiefung)

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O2.29 und E.O1.23 (nur Termin 15.10.2015), Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 15.10.2015, weitere Termine: 29.10., 12.11., 19.11.2015, 21.01.2016 und 04.02.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

Kunst und Historiographie - eine mimetische Konstellation (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A.

 

Seminar (S) + Ringvorlesung und Workshop (R+W)
Raum (S) E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit (S) Freitag 11.00–13.00 Uhr, Termine: 16.10., 30.10., 13.11., 20.11., 22.01., 05.02.
Zeit (R+W) Donnerstag 19.00 Uhr/Freitag 10.00–13.00 Uhr, Termine: 22.10./23.10., 26.11./27.11., 10.12./11.12., 14.01./15.01., 28.01./29.01.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Von der Auseinandersetzung mit der Geschichtlichkeit von Kunst und ihrer Historiographie bis zu Kunst als Historiographie: wie sich an den unterschiedlichen Ausstellungs- und Publikationsprojekten der letzten Jahre erweist, ist die Aktualität der Gegenwartskunst immer auch die Gegenwärtigkeit von (ihrer) Geschichte. Ausgehend von dem aktuellen Interesse an Kunst und Historiographie möchte dieses Lektüreseminar ihr Verhältnis als eine mimetische Konstellation neu in den Blick nehmen. In der Diskussion klassischer und zeitgenössischer Mimesis-Konzepte soll eine Genealogie der Mimesis erarbeitet werden, die nicht nur die Historisierung und Konzeptualisierung der (Gegenwarts)Kunst re-fokussiert, sondern auch umgekehrt die klassischen Kategorien von Mimesis und Historiographie selbst einer Aktualisierung unterzieht. Entgegen ihrer Reduktion auf eine möglichst exakte Nachahmung bzw. Nacherzählung werden Mimesis und Historiographie als operative Kategorien begriffen, die es zum einen erlauben, das duale Verhältnis von (geschichtlicher) Wirklichkeit und (künstlerischer) Darstellung zu hinterfragen; und zum anderen, die Form des künstlerischen Wirklichkeitsbezugs zu problematisieren. Neben der Lektüre einschlägiger Theorien (Platon, Benjamin, Adorno, Caillois, Owens, Joselit) wird sich das Seminar dementsprechend den mimetischen Produktions- und Repräsentationsformen künstlerischer Zugänge zu Geschichte und Gegenwart (Dokumentation, Appropriation, Reenactment, Aggregation etc.) und ihren ästhetisch-politischen Potentialen widmen.

 

Das Seminar findet begleitend zu der internationalen Vortrags- und Seminarreihe „Kunst und Historiographie – eine mimetische Konstellation“ statt (eine Kooperation mit dem Haus der Kunst).
Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten)

 

 

Seminar Die Aktualität des Schönen (Modul E.01.09 und E.02.09)
Dr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 16.00–19.00 Uhr, Beginn/Einführung: 14.10.2015, weitere Termine: 28.10., 25.11., 02.12., 16.12.2015, 13.01.2016, 27.01.
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Innerhalb der Ästhetik Immanuel Kants und deren weit verzweigtem Erbe gibt es von Anfang an eine unaufgelöste Spannung zwischen der ‚bloßen Form‘ des Schönen und der ‚Formlosigkeit‘ des Erhabenen sowie letztlich einen Konflikt zwischen Vernunft, Verstand und Einbildungskraft. Während die Problematik des Schönen in vielerlei Hinsicht die unterschiedlichen ‚Realismen‘ der Kunst des 19. Jahrhunderts mitgeprägt hat und auf eine allgemeine Darstellbarkeit abzielt, rückt mit den historischen Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich das Erhabene in den Vordergrund, während das Schöne dann abgewertet wird (Steven Shaviro). Obwohl es danach zu seiner Rehabilitierung durch so unterschiedliche Denker wie bsp. Herbert Marcuse, Hanna Arendt, Jürgen Habermas, Gilles Deleuze, Terry Eagleton, James Kirwan, Rodolphe Gasché oder Jeremy Gilbert-Rolfe kommt, wurden und werden das Schöne und seine Figurationen bisweilen heute noch mit einer entpolitisierten Harmonie der Vermögen in Zusammenhang gebracht. Demgegenüber lässt sich allerdings das genaue Gegenteil behaupten, nämlich dass in ihm Verstand und Einbildungskraft in einen produktiven Dissens treten, der auch politische Konsequenzen hat (Jacques Rancière).
Vor diesem Hintergrund sollen im Verlauf des Seminars – nach einer eingehenden Lektüre der ‚Analytik des Schönen‘ aus Kants „Kritik der Urteilskraft“ von 1790 – unterschiedliche Autoren gelesen werden, die sich im 20. und 21. Jahrhundert mit diesem so folgenreichen Text befasst haben. Stellvertretend für das Erhabene und als Gegenpositionen zur allgemeinen Darstellbarkeit, die im Schönen auf dem Spiel steht, werden v.a. die Positionen Theodor W. Adornos und Jean-François Lyotards dienen. Anhand aktueller Beispiele aus dem Bereich der Bildenden Kunst wird begleitend zur Textlektüre außerdem untersucht, wie im Feld der Praxis das Verhältnis zwischen einem (ästhetischen) Realismus und einer (erhabenen) Undarstellbarkeit skizzierbar sein könnte.

 

 

Blockseminar Das ästhetische Unbewusste, Psychoanalyse und Kunsttheorie

(Modul E.02.09)
Dr. Samo Tomšič

 

Raum E.EG.28 (erste Sitzung) und E.O1.23, Akademiestr. 4
Termine 13./14.11.2015 jeweils 12.00–15.00 Uhr, 11./12.12.2015 jeweils 15.00–18.00 Uhr,
08./09.01.2016 jeweils 12.00–15.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung tomsic.samo@gmail.com

 

Dass die Psychoanalyse Freuds einen unmittelbaren und wesentlichen Beitrag zum (Selbst-)Verständnis der Kunstpraktiken beisteuerte, wurde in Kunstkreisen früh wahrgenommen. Freuds Zeitgenossen aus verschiedenen modernistischen Bewegungen nahmen Bezug – ob befürwortend oder kritisch – auf einzelne Aspekte der psychoanalytischen Theorie des psychischen Apparats, der menschlichen Sexualität und der gesellschaftlichen Mechanismen. Die philosophischen Thematisierungen der psychoanalytischen Beiträge zur Kunsttheorie und Ästhetik folgten jedoch erst mit Verspätung. Jacques Lacans Lehre, in der er diverse Anbindungen der Psychoanalyse an andere Disziplinen und Bereiche der menschlichen Produktion entwickelte, hat zu diesen theoretischen Anwendungen am stärksten beigetragen.
Unter dem Titel „Das ästhetische Unbewusste. Psychoanalyse und Kunsttheorie“ wird das Seminar den Wert der Psychoanalyse für die daran anknüpfenden Diskussionen in der Ästhetik und der Kunsttheorie erforschen. Dies wird in zwei Schritten durchgeführt: Zuerst werden die Grundzüge der Freud’schen Theorie des Unbewussten diskutiert und im nächsten Schritt an die Lacan’sche Bild- und Sprachtheorie angebunden. Somit werden die Konturen einer psychoanalytischen Ästhetik sichtbar gemacht. Schließlich wird durch die Betrachtung einiger der wichtigsten theoretischen Konstellationen in der zeitgenössischen Ästhetik (Badiou, Rancière, Žižek) die Weiterentwicklung der psychoanalytischen Einflüsse auf die Kunsttheorie erforscht und zur Debatte gestellt.
Das Seminar wird in drei Blocksitzungen stattfinden. Die erste Sitzung (13. und 14. November 2015, 12.00–15.00 Uhr) wird den Grundlagen Freuds Theorie des Unbewussten gewidmet und wird durch die Lektüre seines „Witz“-Buches die Verbindung zwischen der psychoanalytischen Theorie der Produktion und der Theoretisierung der künstlerischen Praxis behandeln. Die zweite Sitzung (11. und 12. Dezember 2015, 15.00–18.00 Uhr) wird die Weiterentwicklungen der Freud’schen Grundbegriffe in der Psychoanalyse Jacques Lacans in den Fokus nehmen und insbesondere seine Objekt- und Bildtheorie ausführlicher behandeln. Schließlich wird eine dritte Sitzung (08. und 09. Januar 2016, 12.00–15.00 Uhr) einige der einflussreichsten ästhetisch-philosophischen Lektüren der Psychoanalyse behandeln und dadurch den anhaltenden Einfluss von Freud und Lacan in gegenwärtigen Diskussionen beleuchten.

 

Seminar Einführung in die Ästhetik (Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 23.04.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das Seminar vermittelt Grundlagen der philosophischen Ästhetik. Ausgehend von der Entstehung dieser philosophischen Disziplin um 1800 (Baumgarten) werden klassische (Schiller, Kant, Hegel, Nietzsche, Heidegger) Positionen der Ästhetik in der Lektüre erarbeitet. Diese klassischen Positionen werden jeweils mit neueren und zeitgenössischen Ästhetiklektüren konfrontiert (Valéry, Adorno, Lyotard, Greenberg, Rancière, Joselit, u.a.), um so die Aktualität des Ästhetischen zu konstatieren oder zu hinterfragen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, inwiefern eine Eigengesetzlichkeit des Ästhetischen besteht bzw. inwiefern diese in einer spezifischen Unbestimmtheit (und Unabschließbarkeit) liegt, die dem klassischerweise als rational-bestimmend beschriebenen philosophischen Diskurs Widerstand zu leisten vermag; daran anschließend bleibt zu diskutieren, inwiefern gerade diese spezifische Unbestimmtheit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das kontinental-philosophische Denken überhaupt kennzeichnet.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3–5 Seiten) eines Referats.

 

 

Seminar Historische Einbildungskraft. Von der Fiktion des Faktischen (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 24.04.2015, weitere Termine: 15.05., 29.05., 05.06., 12.06., 26.06.2015

 

In der Gegenwartskunst treten vermehrt jene Arbeiten in den Vordergrund, die sich auf spezifische Weise auf Ereignisse der Vergangenheit bzw. auf historische Zusammenhänge beziehen und diese in visuellen Rekonstruktionen erneut zugänglich machen – gegenwärtige Formen des Reenactments tragen sich damit in eine klassische kunstgeschichtliche Tradition ein, die mit der Historienmalerei und klassischen Geschichtsmedien wie den Panoramen ihren Ausgang nimmt. Neben der Bildenden Kunst verzeichnen jedoch auch der Film, mit den sogenannten „Docu-Dramen", die Literatur und die kunstgeschichtlichen Institutionen und Museen, mit groß angelegten archivalischen Ausstellungen, ein besonderes Interesse für historische Zusammenhänge. Dabei stellt sich jedoch immer wieder die Frage nach dem Zugang, der Kontextualisierung und Wiederaufbereitung der vergangenen Wirklichkeit in der Gegenwart. Das Lektüreseminar nimmt diese künstlerischen Phänomene zum Anlass, um dem Begriff der „historischen Einbildungskraft" nachzuforschen. Einbildungskraft bezeichnet hier jenes „Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen" und bezieht sich damit in spezifischer Weise auf die Frage der Darstellung von Geschichte, in der das Dargestellte – das historische Ereignis – sich notwendigerweise durch seine Abwesenheit und Vergangenheit auszeichnet. Daraus folgt, dass eine mediale Historiographie, also die Geschichtsschreibung in den Medien der Darstellung – sei es Bild, Text, Performance u.a. –, sich immer an der Grenze zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung und narrativer oder poetischer Erzählung befindet. Eine mediale Historiographie stellt notwendigerweise die Frage nach der Fiktion des Faktischen, also danach, inwieweit historische Fakten in ihrer Darstellung erst verfasst und produziert werden. Diesen Fragen will sich das Seminar durch die Lektüre von klassischen und zeitgenössischen Texten der Geschichtswissenschaft, Philosophie und Ästhetik (Aristoteles, Immanuel Kant, Hayden White, Carlo Ginzburg, Jacques Rancière, Georges Didi-Huberman u.a.) sowie durch die Diskussion künstlerischer Arbeiten (u.a. von Omer Fast, Gerard Byrne, Pierre Huyghe, Joshua Oppenheimer, Jeremy Deller, Milo Rau) nähern.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten).

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle, Jenny Nachtigall, M. A., Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 18.00–21.00 Uhr, Beginn: 23.04.2015, weitere Termine: 30.04., 13.05., 28.05., 11.06., 25.06., 09.07.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie" eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten, die das Herzstück des Kolloquiums darstellen, spielt die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur künstlerischen Arbeit der Studierenden haben, eine zentrale Rolle. Die Texte werden von den Studierenden und Lehrenden gemeinsam ausgewählt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie" strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z.B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Zuletzt bietet das „Kolloquium Philosophie" konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden.

 

Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis, ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie" ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

Seminar REALISMUS. Zum Problem der Wirklichkeit (in) der Kunst (Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 22.04.2015, weitere Termine: 29.04., 13.05., 27.05., 10.06., 24.06., 08.07.2015
Kontakt nachtigall@adbk.mhn.de

 

Die Diskussion um den Realismus in der Gegenwartskunst hat in den letzten Jahren eine neue Richtung eingeschlagen und das nicht zuletzt aufgrund der kuratorischen und kunstkritischen Rezeption (vgl. z. B. „Spike" 2013-, „Texte zur Kunst" 2014) einer Reihe heterogener philosophischer Positionen, die unter dem Label „Spekulativer Realismus" subsumiert wurden.

 

Wenn der gemeinsame Nenner dieser spekulativen Variante des Realismus in der Kritik einer „anti-realistischen" Orientierung der kontinentalen Philosophie und ihrem „Korrelationismus" besteht – also dem Kantschen Verdikt, dass Erkenntnis durch das Verhältnis des Subjekts auf das Objekt konstituiert wird –, was für Konsequenzen hat dies für das Verständnis von Realismus und Realität, für Kunst und Ästhetik sowie für ihr Verhältnis zueinander? Ist es tatsächlich notwendig im Zuge des Postulats einer nicht-korrelationistischen Perspektive das Ende der Ästhetik oder Gegenwartskunst auszurufen (Avanessian, Malik) und was passiert mit dem Anspruch des Realismus als einem kritischen Projekt der Transformation von Wirklichkeit?

 

Nachdem die Begeisterung um die neuste Spielart des Realismus sich etwas gelegt hat, möchte dieses Seminar die aktuelle Diskussion in Konfrontationen mit anderen zeitgenössischen und historischen Positionen in Bezug auf das Problem der Wirklichkeit (in) der Kunst neu in den Blick nehmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Fragen der Kontingenz, der Materialität und Medialität realistischer Darstellung bzw. der Realität der Darstellung sowie den sich wandelnden Subjekt-Objekt Positionen, die mit unterschiedlichen Realismen und ihren divergierenden Wirklichkeitsbegriffen verbunden sind.

 

Ausgehend von der Lektüre aktueller philosophischer Positionen (Meillassoux, Laruelle) und ihrer Manifestationen in der Kunst (z. B. die Ausstellungen „Speculations on Anonymous Materials", Kassel, 2013 oder „Geographies of Contamination", London, 2014), wird die Frage des Realismus anhand einer Auswahl künstlerischer Positionen und Texten der politischen Ästhetik und psychoanalytischen Theorie (Rancière; Lacan) sowie der materialistischen Ästhetik (Bataille; Brecht) diskutiert.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten).

 

 

Blockseminar Freiwillige Knechtschaft – Politik und Ästhetik der Faszination (Modul E.02.09)
Felix Trautmann

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Termine 02.07.2015 14.00–18.00 Uhr, 03.07./04.07.2015 jeweils 10.00–16.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung felix.trautmann@gmx.de

 

Wie kann es sein, dass wir von einer Sache so fasziniert sind, dass wir uns ihr regelrecht hingeben wollen und bereit sind, die eigene Freiheit dafür bisweilen aufzugeben? Welchen Anteil haben unsere eigenen Handlungsmotive und welchen Anteil hat die Beschaffenheit des Objekts unseres Begehrens in Momenten der Faszination? Dieser nicht nur politischen sondern auch ästhetischen Frage geht Étienne de La Boétie bereits Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem „Discours de la servitude volontaire" nach. Seine These lautet dabei so einfach wie irritierend, dass die Menschen weniger durch Gewalt beherrscht werden als sich aufgrund ihrer Attraktion für den Herrscher freiwillig unterworfen haben. Anders sei es, so La Boétie, nicht zu erklären, dass eine so große Anzahl von Menschen die Knechtschaft hinnehme als wäre es die Verwirklichung ihrer eigenen Freiheit.

 

In der These von der freiwilligen Knechtschaft kann eine Formel erkannt werden, die sich im weiteren Verlauf des herrschaftskritischen Denkens in immer neuen Varianten artikuliert hat. Sie stellt dabei aber auch eine kritische Matrix für das Verständnis von Formen der Hingabe, der Verblendung oder Selbsttäuschung in gegenwärtigen Gesellschaften dar. Die These La Boéties hat nicht zuletzt Eingang in die Theorien charismatischer Herrschaft, ideologischer Subjektivierungen sowie in die psychoanalytische Kulturtheorie gefunden.

 

Mit der zunächst politischen Kritik verbindet sich dabei immer auch eine ästhetische Theorie der Faszination und Anziehungskraft einer Herrscherperson oder eines Herrschaftsverhältnisses. In der freiwilligen Knechtschaft wird eine Sache oder eine Person zum begehrten Objekt und der Grund des Begehrens zum „faszinosum". Die Frage für das Seminar lautet daher: was ist es und vor allem wie ist die Sache beschaffen, von der die eigentümlich verführerische Kraft ausgeht, die uns verzückt und anzieht? Welche ästhetische Beschaffenheit besitzt eine Sache, die sie derart unwiderstehlich erscheinen lässt, dass wir willens sind, uns ihr voll und ganz hinzugeben?

 

Das Seminar wird neben der Lektüre des „Discours" von La Boétie und einigen zentralen Kommentaren zu diesem Text, auch eine Auswahl von verwandten Problematisierungen aus dem Feld der Kulturtheorie, Soziologie und Psychoanalyse diskutieren. Ein Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.