Prof. Dr. Maria Muhle, Mascha Salgado de Matos, M.A., Nisaar Ulama, M.A., Dr. Gürsoy Doğtaş (Lehrauftrag),  Gloria Hasnay, M.A. (Lehrauftrag), Sarah Lehnerer, M.A. (Lehrauftrag), Dipl. Phys. David Weber (Lehrauftrag)

 

Wintersemester 2022/23

Die Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen erfolgt über das Studierendenportal. Hilfestellung zum Portal findet sich auf dieser Seite.

 

Kurzübersicht (Seminarbeschreibungen siehe unten)

 

Leere Sockel und belastete Denkmäler. Ein gemeinsames Seminar zu Fragen
künstlerischer Historiographien

(Kooperationsseminar für Studierende des Historischen Seminars der LMU und der Akademie der Bildenden Künste)

Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Mirjam Zadoff
(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)
Zeit: Mittwoch, 13–15 Uhr, Beginn: 26.10.2022
Ort: NS-Dokumentationszentrum München (Max-Mannheimer-Platz 1)
Maximal 12 Teilnehmer*innen der AdBK
Teilnahme nur nach Anmeldung bis zum 10.10.2022 über das Studierendportal.

 

Grundlagen der Kunst- und Kulturgeschichte/Einführung in die Kunstgeschichte und Philosophie

Prof. Dr. Maria Muhle / Prof. Dr. Florian Matzner / Prof. Dr. Dietmar Rübel

(Freie Kunst FK-T1; Kunstpädagogik KP D.01.09)
Zeit: Mittwoch, 10-12 Uhr, Beginn: 26.10.2022
Raum: historische Aula (26.10.), ansonsten je nach Anmeldung E.EG.28, E.O1.23, E.02.29

 

Kolloquium Philosophie

Prof. Dr. Maria Muhle, Mascha Salgado de Matos, M.A., Nisaar Ulama, M.A.

Zeit: Donnerstag, 16-19 Uhr; Termine: 27.10., 24.11., 15.12., 19.01.

Raum: E.O1.23

Für Diplom- und Examenskandidat*innen und Studierende ab dem 6. Semester

Teilnahme nur nach Anmeldung unter This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 

 

Forschungskolloquium (für Masterabsolvent*innen, Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen)

Prof. Dr. Maria Muhle
Termine und Ort werden per E-Mail bekannt gegeben.

 

Freiheit ist Freiheit ist Freiheit ist Freiheit...
Zwischen Kunstfreiheit und Cancel Culture (Seminar)

Mascha Salgado de Matos, M.A.

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)
Zeit: Dienstag, 10-12 Uhr, Beginn: 25.10.2022
Raum: E.O2.29; abweichende Räume: 7.2. E.ZG.04

 

Neue Materialismen (Seminar)

Nisaar Ulama, M.A.

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4, Kunstpädagogik E.02.09)
Zeit: Donnerstag, 14-16 Uhr c.t., Beginn: 27.10.2022
Raum: E.O1.23

 

Inhaftierte Leben – Kunst im Zeitalter der Gefängnisse (Seminar)

Dr. Gürsoy Doğtaş

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)

Zeit: Dienstag, 12-14 Uhr, Beginn: 25.10.2022
Raum: E.O1.23

 

The Politics of Institution Making (Blockseminar)

Gloria Hasnay, M.A.
(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)
Zeiten und Räume/Orte: 24.10., 14-20 Uhr (E.O1.23), 7.11., 13-19 Uhr (Kunstverein München), 25.11. 10-19 Uhr (E.O1.23), 26.11. 10-19 Uhr (10-13 Uhr E.O1.23, 13-19 Uhr Kunstverein München), 16.12. 10-19 Uhr (E.O1.23), 17.12. 10-19 Uhr (10-13 Uhr E.O1.23, 13-19 Uhr Kunstverein München), 9.1., 13-19 Uhr (Kunstverein München), 26.1. (Kunstverein München), 13.2. 14-20 Uhr (E.O1.23)

 

Artist’s writing. Schreiben als (künstlerische) Praxis (Seminar)

Sarah Lehnerer, M.A.

(Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09)
Zeit: Freitag, 11-13 Uhr, Beginn: 21.10.2022 (Input & Schreibübungen per Zoom)
Sowie drei Blöcke in Präsenz (Workshop)
Termine: 28./29.10., 2./3.12., 27./28.1., Freitag 14-19 Uhr, Samstag 11-18 Uhr
Raum: E.O1.23 (Freitag), A.EG.01 (Samstag)

 

Cruel Euphoria: Affekt und Begehren in der Gegenwart (Blockseminar)

David Weber, Dipl. Phys.
(vorrangig Diplomkandidat*innen, Freie Kunst FK-T2 und FK-T4; Kunstpädagogik E.02.09 nach Absprache)
Zeit: 24.10., 31.10., 7.11. jeweils 10-18 Uhr
Raum: E.O2.29

 

Beschreibungen

 

Leere Sockel und belastete Denkmäler. Ein gemeinsames Seminar zu Fragen künstlerischer Historiographien (Seminar)

Prof. Dr. Maria Muhle / Dr. Mirjam Zadoff

 

Das Seminar untersucht die Frage des historiographischen Arbeitens im Spannungsfeld zwischen einem künstlerischen, konstruktivistischen, fiktionalisierenden, affektiven und einem dokumentarischen, distanzierten, authentischen und kritischen Zugang zum Schreiben von Geschichte. Dabei muss einerseits die Prämisse eines dualistischen Spannungsfelds (Dokument vs. Fiktion, Kritik vs. Affekt) selbst hinterfragt werden; andererseits und daran anschließend der Begriff der Historiographie dahingehend erweitert werden, dass er neben dem Schreiben (-graphie) von Geschichte auch deren performative Aufführung sowie weitere mediale Formen ihrer Darstellung umfasst. Vor dem Hintergrund von nationalen und internationalen Debatten der letzten Jahre um Deutungen der Geschichte, gerade und besonders rund um Denkmäler im öffentlichen Raum, spielt die Frage einer erweiterten künstlerischen Praxis eine zentrale Rolle. So wird geschichtliches Wissen besonders als eine Form des Umgangs mit fragmentarischen Wirklichkeiten denkbar, deren Anordnungen und Umordnungen das unabschließbare Hineinwirken der Vergangenheit in der Gegenwart unterstreicht.

 

 

Grundlagen der Kunst- und Kulturgeschichte/Einführung in die Kunstgeschichte und Philosophie (Seminar)

Prof. Dr. Maria Muhle / Prof. Dr. Florian Matzner / Prof. Dr. Dietmar Rübel

 

Die wöchentliche Veranstaltung zielt auf die Vermittlung von Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, insbesondere in Kunstgeschichte und Philosophie. An exemplarischen Beispielen wird ein Überblick über die Geschichte der Kunst sowie die wichtigsten Methoden sowie Themenfelder der Kunstgeschichte und Philosophie geboten. Dazu werden ausgewählte Kunstwerke in Verbindung mit ausgewählten Texten (Primärquellen sowie Sekundärliteratur) gemeinsam diskutiert. Zudem besuchen wir die für die Geschichte und Theorie der Kunst wichtigen Museen und Bibliotheken. Der Bibliotheksbesuch dient auch der Einführung in die Literaturrecherche; zudem werden relevante Internetressourcen vorgestellt und Hinweise zum Erstellen von Referaten und Hausarbeiten gegeben.

 

Kolloquium Philosophie

Prof. Dr. Maria Muhle, Mascha Salgado de Matos, M.A., Nisaar Ulama, M.A.

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den fortgeschrittenen Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden.

Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

Forschungskolloquium (für Masterabsolvent*innen, Doktorand*innen und Post-Doktorand*innen)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it..

 

 

Freiheit ist Freiheit ist Freiheit ist Freiheit...

Zwischen Kunstfreiheit und Cancel Culture (Seminar)

Mascha Salgado de Matos, M.A.

 

Gertrude Steins Vers "A Rose is a rose is a rose is a rose" aus dem Gedicht "Sacred Emily" (1913) wird oftmals interpretiert als gleichbedeutend mit "die Dinge sind, was sie sind". Denn ob Freiheit eine eigene Existenz hat (Platons Ideenlehre) oder ob sie eine gedankliche Abstraktion (Nominalismus) ist, gehört zu einer der größten philosophischen und philosophiegeschichtlichen Fragen.

Die Verortung des Begriffs der Freiheit in dieser Satzkonstruktion verweist aber auch auf die assoziative Kraft des Wortes, das sich selbst bejaht (aber nichts anderes: es könnte ja auch heißen Freiheit ist kurze Hosen tragen/Nichts tragen/Däumchen drehen/Tomatensoße).

Entlang philosophischer, theoretischer Texte (Berlin, Marx, Arendt, Sartre, Mbembe u.a.) und künstlerischer Arbeiten sollen die unterschiedlichen Freiheitsbegriffe im Seminar besonders hinsichtlich der (aktuellen) Debatte um die Kunstfreiheit diskutiert werden.

 

Literatur zur Vorbereitung:

Hanno Rauterberg, Wie frei ist die Kunst? Der neue Kulturkampf und die Krise des Liberalismus, Suhrkamp 2019

Nicola Roßbach, Achtung Zensur! Über Meinungsfreiheit und ihre Grenzen, Ullstein 2018

 

 

Neue Materialismen (Seminar)

Nisaar Ulama, M.A.

 

Unter dem Schlagwort des „Neuen Materialismus“ findet sich ein Bündel von Denkrichtungen, die seit einigen Jahren an einer Neuausrichtung des Verhältnisses von Mensch und Natur arbeiten. Es handelt sich dabei allerdings mitnichten um eine klar definierte Schule, sondern um ein Themenfeld, welches aus sehr unterschiedlichen, teilweise sich widerstreitenden Perspektiven behandelt wird. Inwiefern das Etikett des Neuen gerechtfertigt ist, soll dabei eine erste Frage unseres Seminars sein. Denn wie Menschen über und mit den materiellen Grundlagen der Welt denken, sprechen und interagieren können, gehört zu einer der ältesten philosophischen Fragen überhaupt. Und schon Karl Marx sprach 1845 davon, es gebe einen alten (bürgerlichen) und einen neuen (historischen, menschlichen) Materialismus.

Jüngere Ansätze sind vor allem daran interessiert, eine Sprach- und Begriffszentriertheit des westlichen Denkens zu überwinden, welches immer nur auf ein menschliches Subjekt innerhalb einer Welt passiver Objekte zielt. Es würde so eine Dichotomie infrage gestellt, die zwischen den Begriffen „Mensch–Kultur–Subjekt“ einerseits und „Nicht-Menschlich–Natur–Objekt“ andererseits keine Vermittlungsinstanz kennt. Insofern – und diese Linie wollen wir im Seminar verfolgen – sind die Neuen Materialismen eng verbunden mit Überlegungen zu Posthumanismus und Anthropozän sowie Objekt-Orientierten-Ontologien.

Mag dies auch abstrakt klingen, so sind doch beträchtliche politische Hoffnungen damit verbunden, das Materielle und Nicht-menschliche in einen anderen, auch für nicht-westliche Konzepte offenen Kontext zu stellen. Das betrifft Feminismen ebenso wie Wissenschaftskritik und post-koloniale Fragen; und insbesondere das Zusammenspiel aus Technik und Umwelt angesichts des Klimawandels kann Beispiel dafür sein, dass die Frage nach den materiellen Grundlagen der Welt durchaus existenzielle Bedeutung haben kann.

 

Literatur zur Vorbereitung:

Katharina Hoppe, Thomas Lemke, Neue Materialismen zur Einführung, Hamburg 2021

Stacy Alaimo, Susan Hekman (Hg.), Material Feminisms, Bloomington 2008

Estelle Barrett, Barbara Bolt, Carnal Knowledge. Towards A 'New Materialism' Through The Arts, London / NY 2013

 

 

Inhaftierte Leben – Kunst im Zeitalter der Gefängnisse (Seminar)

Dr. Gürsoy Doğtaş

 

Das Ein- und Wegschließen von Menschen in Gefängnisse als gesellschaftspolitische Strategie beschäftigt und betrifft zahlreiche Künstler*innen. Aus einer globalen Perspektive will das Seminar exemplarisch Techniken der Haft und die Konstruktion der „Kriminellen“ erarbeiten. Einige der vorläufigen Abschnitte dieses Seminars gliedern sich wie folgt:

 

– Einen Schwerpunkt bilden inhaftierte Künstler*innen, wie beispielsweise die kurdische Künstlerin, Aktivistin und Journalistin Zehra Doğan, die wegen ihrer Malerei für Presse- und Meinungsfreiheit inhaftiert wurde und unter den Bedingungen der Haft ihre künstlerische Arbeit fortsetzte.

– Ein anderer Schwerpunkt blickt auf Künstler wie Lawrence Abu Hamdan, der im Auftrag der Non-Profit-Organisation für Menschenrechte „Amnesty International“ anhand der akustischen Erinnerungen der Inhaftierten das syrische Foltergefängnis Saydnaya rekonstruierte. In diesem Zusammenhang gilt es die Entstehungszusammenhänge des 1961 gegründeten Amnesty International und die Internationalisierung des Anliegens für Menschenrechtsaktivismus zu verstehen.

– Weitere Abschnitte folgen Künstler*innen wie Rossella Biscotti, die die Entwicklung des modernen Gefängnisses nachzeichnen. Das 1793 auf einer kleinen Insel im Mittelmeer errichtete Santo Stefano ist ein solches Gefängnis. Seine panoptische Struktur, die sich am Opernhaus San Carlo in Neapel orientierte, observierte, disziplinierte und bestrafte, die hier zu lebenslanger Haft Verurteilten. Bis zu seiner Schließung 1965 sperrte der italienische Staat hier u.a. Anarchisten und Kommunisten weg.

– Das System Gefängnis zwingt die Insassen zur Arbeit. Im Hochsicherheitsgefängnis in Dutchess County (Bundesstaat New York) erstellen die Inhaftierten jene Bänke – wie der Künstler Cameron Rowland in seiner Ausstellung „91020000“ im Artists‘ Space (New York) vor einigen Jahren zeigte – die in Gerichtssälen des ganzen Bundesstaats verwendet werden. Rowland legt dar, wie die Gefängnisarbeit in den USA die Sklaverei fortsetzt.

 

Die Lektüre von Texten zu Gefängnisaktivismus und Theorien zu Gefängnissen vertiefen die jeweiligen Kontexte der künstlerischen Arbeiten.

 

The Politics of Institution Making (Blockseminar)

Gloria Hasnay, M.A.

 

Das Seminar The Politics of Institution Making widmet sich beispielhaft den Ausstellungs- und anderen Tätigkeiten des Kunstverein München, um davon ausgehend verschiedene räumliche wie ideologische Strategien zu untersuchen, die solchen Institutionen eingeschrieben sind. In diesem Zusammenhang schauen wir uns auch alternative Modelle als Orte kollektiver Selbstorganisation an.

Wenn Kunst und Architektur sich gegenseitig durchdringen, was können wir dann aus den Resonanzen zwischen ausgestellten Werken, ihrer architektonischen Umgebung und dem erweiterten sozio-politischen Kontext des jeweiligen Ortes lernen? Gemeinsam untersuchen wir die sich verändernden räumlichen Parameter der Präsentation von Kunst und gehen der Frage nach, wie diese unsere Erfahrungen sowie Diskurse prägen. „Display“ wird dabei hinsichtlich seiner Rolle bei der Formatierung von ästhetischer Wahrnehmung untersucht und tritt so als Koproduzent von künstlerischer sowie gesellschaftlicher Bedeutung hervor.

 

Das Seminar findet sowohl an der Akademie der Bildenden Künste als auch im Kunstverein München statt. Einzelgespräche sind nach Vereinbarung möglich.

Sprache: Deutsch und/oder Englisch

 

 

Artist’s writing. Schreiben als (künstlerische) Praxis (Seminar)

Sarah Lehnerer, M.A.

 

Es hat noch viel mehr Dinge gegeben und ein viel und mehr an Dingen,

die zu ordnen und aufzuzählen und in der Handschrift abzuschreiben waren.

Jutta Koether. f.

 

In diesem Seminar werden wir uns dem Schreiben als (künstlerische) Praxis auf verschiedenen Ebenen annähern. Dabei werden wir uns einerseits über gemeinsame Schreibübungen den Anfängen eines eigenen Schreibens widmen, Blockaden lösen und Verunsicherungen inte-grieren. In einem zweiten Schritt werden wir uns auch die Frage stellen: In welchem Verhältnis steht das eigene Schreiben zur künstlerischen Praxis? Schreibe ich, wie ich zeichne? Oder male und schreibe ich, wie ich denke? Schreibst du, wie du sprichst oder wie du liest oder wie du träumst? Oder wird das Schreiben gebraucht, um einen intimen Prozess in allgemein verständliche Worte zu fassen?

 

Schreiben als künstlerische Praxis hat eine lange Geschichte. In den Lektüre-Einheiten des Seminars werden wir uns mit dieser befassen und dabei besonders den aktuellen Trend zur Selbst-Erzählung und die Möglichkeiten des Autofiktionalen in künstlerischen Texten untersuchen. Denn die darin stattfindende Reflexion der eigenen Persona dient selten nur der reinen Bekenntnis oder Innenschau, sondern stellt zumeist auch Bezüge, Kontext und Beziehungen zu einem erweiterten Schaffensfeld her. Dieser selbstgesteckte Rahmen gibt dann wiederum Einblick in den geflechtartigen Kontext, die relationalen Bedingungen und persönlichen Prozesse, unter denen Kunst entsteht. Oder, wie Anna Lowenhaupt Tsing schreibt: Unter dem Waldboden erstrecken sich Netze und Stränge von Pilzstrukturen, die Wurzeln und Mineralböden miteinander verbinden, lange bevor sie Pilzkörper ausbilden. Bücher gehen aus ähnlich verborgenen Geflechten der Zusammenarbeit hervor.

 

In den Lektüre-Einheiten werden wir Texte lesen u.A. von Jutta Koether, Bernadette Corporation, Rin Johnson, Hannah Black, Eva Hesse, C.A. Conrad, Tracy Emin, Chris Kraus, Maggie Nelson, Paul Preciado, Miriam Kahn, Ann Truitt, Keren Cytter, Moira Davey, Juliette Blightman, Pati Hill, Fred Moten, Johanna Hedva…

 

 

Cruel Euphoria: Affekt und Begehren in der Gegenwart (Blockseminar)

Dipl. Phys. David Weber

 

„now you begin to see the problem with desire:

we rarely want the things we should“

Andrea Long Chu, „On Liking Women

 

Es gibt noch immer einen Optimismus des Ausdrucks und der Emanzipation: Als Träger*in von (liberalen) Rechten habe ich den Anspruch, mich als freie Person zu verwirklichen im Verfolgen meiner Ideen, Wünsche und Begehren. Die Umsetzung dieses liberalen Traums in kreativer Praxis, auf dem kapitalistischen Markt, im sozialen Miteinander stößt seit jeher auf Schwierigkeiten. Etwa infolge der, zumal feministischen, Einsicht, dass das Spielfeld gesellschaftlicher Praxis nicht eben ist, sondern intersektional gekerbt entlang von race, class, gender (selbst problematische Begriffe). Schlimmer noch: Wünsche und Begehren sind selbst nicht einfach Besitzstand und Ausdruck individueller Personen, sondern erweisen sich als bereits zuvor extern formatiert: „MUCH WAS DECIDED BEFORE YOU WERE BORN“ (Jenny Holzer auf Twitter). Warum will ich also, was ich will? In den Sex Wars seit den späten 70ern bis zu #metoo konterkariert in feministischen Kontexten die Kritik an falschen (z. B. patriarchalen) Rollenbildern die emanzipativen Versprechen euphorischen Lusterlebens: „Is the Women’s Movement Pro-Sex?“, fragt Ellen Willis 1981. 2014 tötet der selbsterklärte incel (involuntary celibate) Elliot Rodger mehrere junge Frauen im Glauben, dass sie ihm sein Recht auf Sex verweigerten. Die (queere? schwule?) Dating-Plattform Grindr analysiert 2018 in einer YouTube-Serie den Umstand, dass Begehrens-Präferenzen zum Schauplatz von Diskriminierung werden. Transgender-Frauen wird in Teilen des Feminismus unter dem Vorwurf des nicht authentischen, weil nur frei gewählten Verlangens nach weiblichem Erleben begegnet. Sind also „personal preferences – NO DICKS, NO FEMS, NO FATS, NO BLACKS, NO ARABS, NO RICE NO SPICE, MASC-FOR-MASC – never just personal“ (Amia Srinivasan)? Das Seminar diskutiert diese Fragen entlang der Lektüre prominenter rezenter feministischer Texte (Lauren Berlant, Andrea Long Chu, Amia Srinivasan). Im Mash-up der Titel von Berlants Buch „Cruel Optimism“ (Duke 2011) und der US TV-Serie „Euphoria“ (HBO 2019-) wird der zentrale Konflikt markiert: Noch die größten Intensitäten erfüllten Lebens ziehen, in grausamer Weise, die Formate nach, die wir vielleicht gewählt und gewünscht haben, die wir aber, anders, zu verlassen suchen. Leave Society (Tao Lin)?

 

 

Leistungsnachweise für alle Veranstaltungen der Philosophie:

  • Für Modul Kunstpädagogik E.01.09 und Freie Kunst FK-T2 regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers oder Essays (3 bis 5 Seiten)
  • für Modul Kunstpädagogik E.02.09 und Freie Kunst FK-T4 regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten).