• Dr. Michael Klipphahn-Karge | Vortrag
  • Datum & Uhrzeit 2026-01-15 18:30
  • Ort Akademie der Bildenden Künste München | Akademiestr. 4
  • Raum Neubau | Auditorium | E.EG.28
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"Seit den 2010er-Jahren kritisieren zahlreiche, meist stark institutionalisierte Künstler:innen Erscheinungsweisen des fossilen Kapitalismus, indem sie Materialien und Motive aus ökologisch besonders gefährdeten Regionen in ihre Werkpraxis integrieren. Während solche Arbeiten häufig als ‚kritisch‘ oder gar ‚aktivistisch‘ gerahmt werden, reproduzieren sie nicht selten Vorstellungen imperialer Macht oder heroische Maskulinitätstropen. Dabei greifen sie insbesondere auf die Figur des Abenteuers zurück und bedienen so partiell koloniale Narrative unter dem Deckmantel ökologischer Sensibilität.


Anhand von Fallstudien zu Julian Charrière, Cyprien Gaillard, Lena von Goedeke und John Gerrard untersucht der Vortrag, wie sich in künstlerischen Praktiken Ästhetiken von Exploration und Extraktion, also von Erkundung und Ausbeutung, mischen und fortschreiben. Dabei werden auch die institutionellen und ökonomischen Kontexte entsprechender Beispielarbeiten betrachtet, die die verbreitete Annahme fadenscheinig werden lassen, dass ökologische Kunst per se progressiv sei und stärker an planetarem als an globalem Denken interessiert wäre. So zeigen sich in entsprechenden Werkkonzeptionen deutliche Überschneidungen mit neoliberalen Wertsetzungen von Mobilität, techno-optimistischen Zukunftsvisionen sowie der Ästhetisierung des Globalen Südens als ästhetischer Ressource.


Dr. Michael Klipphahn-Karge ist Kunsthistoriker und leitet den Forschungsschwerpunkt „Geschichte und Theorie von Kunst und Design“ an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Zudem ist er unter anderem assoziierter Wissenschaftler der Forschungsgruppe „Kunst, Umwelt, Ökologie“ am Zentralinstitut für Kunstgeschichte München, wo er zuvor bereits als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Er promovierte in Kunstgeschichte an der Technischen Universität Dresden und studierte Bildende Kunst, Kunstgeschichte und Philosophie in Dresden, Berlin, Rom und Ústí nad Labem."

 

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