Milena Naef ist im Rahmen des Artist in Residence-Programms in den Studienwerkstätten an der Münchner Kunstakademie zu Gast.
Sie wurde von Daniel Bräg, dem Leiter der „Studienwerkstatt für Steinbildhauerei“, eingeladen.
Milena Naef (*1990 in Engen, Deutschland) ist eine zeitgenössische bildende Künstlerin. Sie ist international bekannt für ihre skulpturalen Performances, in denen sie Marmor nutzt, um das Spannungsfeld zwischen körperlicher An- und Abwesenheit zu untersuchen.
Naefs Werk setzt sich intensiv mit der Dualität von Geist und Körper sowie dem Verhältnis von Subjekt und Objekt auseinander. Sie nutzt ihren eigenen Körper als aktives künstlerisches Material. Häufig fertigt sie Abgüsse eigener Körperteile an und meißelt diese exakt passend aus Marmorplatten heraus. In Live-Performances fügt sie sich selbst in diese Aussparungen ein und trägt dabei oft das massive Gewicht des Steins. Damit untersucht sie die Wechselwirkung zwischen der Starrheit von Strukturen und der Freiheit des physischen Raums.
Für die Arbeit von Daniel Bräg, dem Leiter der Studienwerkstatt für Bildhauerei, ist diese Form der Auseinandersetzung mit Skulptur und dem Material Stein eine wichtige Ergänzung zu seiner bisherigen Arbeit. Das performative Erforschen von „Starrheit“ bricht die klassische Sichtweise von Bildhauerei auf und entspricht zudem einer aktuell zentralen Ausdrucksweise in der zeitgenössischen Kunst.
Die Auseinandersetzung mit Stein hat für Naef eine tiefere persönliche Bedeutung: Sie entstammt in vierter Generation einer Familie von Bildhauern. Ihre berühmte Werkreihe Fleeting Parts reflektiert den familiären Erwartungsdruck und die Suche nach ihrer eigenen künstlerischen Identität abseits der klassischen Tradition.
Studiert hat Naef an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam, wo sie 2016 ihren Abschluss in der Glasabteilung machte.
Die Studienwerkstätten sind ein wichtiger Teil der künstlerischen Lehre an der Münchner Kunstakademie, die sich auf die Förderung der individuellen künstlerischen Persönlichkeit der Studierenden fokussiert. Sie erweitern in spezifischen Fragestellungen und Techniken die Lehre in den Klassen.
An der Akademie gibt es 22 Studienwerkstätten, die allen Studierenden offenstehen. In den Studienwerkstätten können Studierende experimentelle, traditionelle und künstlerische Verfahren anhand ihrer Projekte erproben, anwenden und weiterentwickeln. Sie werden dabei individuell betreut entlang der von ihnen selbst zu entwickelnden Arbeitsvorhaben. Es werden bei Bedarf handwerkliche Grundlagen vermittelt ebenso wie die Grundlagen traditioneller künstlerisch-technischer Verfahren. Darüber hinaus verstehen sich die Studienwerkstätten als Labore, in denen hybride und neueste Verfahren anhand der Projekte der Studierenden getestet und umgesetzt werden.
Um die Lehre stets auf höchstem Niveau zu ermöglichen, gehört eine wissenschaftlich fundierte und praktisch erprobte systematische Förderung und Weiterentwicklung der Kompetenzen aller Beschäftigten zu den wesentlichen Aufgaben einer Hochschule. Neben der individuellen beruflichen Entwicklung der Mitarbeitenden trägt sie maßgeblich zur Erreichung und Sicherung strategischer Ziele der Hochschule bei.
Mit einem Artist-in-Residence-Programm für die Studienwerkstätten wurde ein innovatives Instrument der Personalentwicklung geschaffen, dass das besondere Profil einer Kunstakademie und ihre spezifischen Herausforderungen berücksichtigt.
Der anspruchsvolle Lehr- und Forschungsauftrag der Studienwerkstätten wird durch die Einladung wechselnder hervorragender Künstlerinnen (m/w/d) bzw. fachspezifischer Expertinnen (m/w/d) ausgebaut und internationalisiert.
Zusätzlich profitieren über Workshops auch die Studierenden direkt vom Wissen der Gäste.
Die ersten „Artists in Residence“ waren im Sommersemester 2024 Thomas Wolf in der „3D-Werkstatt“ und Nicole Beck in der „Studienwerkstatt für Schmuck und Gerät“. Im Wintersemester 2024/25 arbeitete Katrin König in der „Studienwerkstatt für Keramik“. Im Sommersemester 2025 folgten Verena Graf in der „Studienwerkstatt für Maltechnik“ und Stephanie Schwartz in der „Studienwerkstatt für Hochdruck und Typographie“. Zuletzt arbeiteten Kirsten Zeitz in der „Studienwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik“ sowie Anna Mooren und Karen Modrei in der Textilwerkstatt.