Jetzt, am Ende angekommen, möchte ich zu dem zurückkehren, womit ich begann: zur Betrachtung von Systemen, Kontinuitäten und Wiederholungen im kosmischen, zeitlichen und historischen Sinne. Auf der Suche nach wiederkehrenden Symbolen und Zeichen in verschiedenen Glaubenssystemen befasste ich mich mit Natur- und Geisteswissenschaften wie der Physik und Philosophie sowie mit dem Christentum, Judentum und Islam, einschließlich ihrer mystischen Stränge. Darüber hinaus untersuchte ich (neo-)religiöse, spirituelle und parawissenschaftliche Bewegungen und ihre Formen ästhetischen Ausdrucks. Daraus entstanden ist ein Hörstück, das sich in drei Abschnitten jeweils einer Figur widmet: dem himmlischen Boten als Empfänger, Sender und Vermittler; dem Kreis als Organisations- und Ablaufsystem, sowie dem Selbst, das ein paradoxes und überholtes Modell in sich darstellt.
Die Fotoarbeit Engel/Messenger (I) greift die erste Figur visuell auf und knüpft an religiös-historische Bildtraditionen an. Angelehnt an das Format einer Wandkarte weckt die Arbeit Assoziationen eines Andachtsbildes und erzählt von der ikonischen Performanz der Figur und ihrer Informativität zwischen Präsenz und Entzug.
Im Zentrum der Soundinstallation Pick Up Where I Left Off stehen die Fragen: Was ist Erkenntnis? Und welche Rolle spielt Transzendenz in diesem Prozess? Wir bewegen uns in einer Gesellschaft, in der Epistemologie an Wissenschaft und Vernunft geknüpft ist und in der die Idee des rationalen, aufgeklärten Denkers seit dem 18. Jahrhundert als identitätsstiftendes Leitbild existiert. Doch ist „Scientia“ nicht letztlich auch nur eine weitere Form des Glaubens?
Die Arbeit beginnt da, wo sie aufgehört hatte und endet, womit sie begann. Gnosis, Jnana, Qi, Sapientia, Chochma, Dhawq et sic in infinitum. Die menschliche Offenheit für das Unbekannte. Doch nun ist genug: Im Fall du mehr willst lesen, so geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen.¹
¹Angelus Silesius aus Der cherubinische Wandersmann
Foto: Stephanie Rössing