Existenz im Gefüge
Menschliche Existenz entfaltet sich nie isoliert. Sie ist eingebettet in ein Gefüge aus Beziehungen, Strukturen und Abhängigkeiten – gesellschaftlicher, sozialer, politischer, technischer und materieller Natur. Identität, Erfahrung, Verletzlichkeit und Sinnsuche entstehen innerhalb dieser Verflechtungen. Ein Verschlungensein in gesellschaftliche Systeme. Lineare, ausweglose Verkettungen formen Geflechte der Abhängigkeit, in denen sich das Individuum zwischen Anpassung und Behauptung bewegt. Strukturen bieten Halt und erzeugen zugleich Enge. Sie schützen und begrenzen. Die Frage nach dem eigenen Handlungsspielraum bleibt offen: Wo ermöglichen sie Existenz, wo ersticken sie sie?
Die Endlichkeit des Lebens verleiht dieser Frage ihr Gewicht. Der Tod macht sichtbar, dass jedes Individuum nur für eine begrenzte Zeit im Gefüge agiert. Das Einzelne verschwindet, die Struktur bleibt bestehen.
Existenz zeigt sich nicht als stabiler Zustand, sondern als prekärer Balanceakt. Der Körper wird zur temporären Struktur im Gefüge der Welt. Die Arbeiten verhandeln Existenz nicht als abgeschlossene Form, sondern als verstricktes Zusammenspiel aus Linien, Spuren und Abwesenheiten. Der Tod erscheint dabei nicht als Gegenpol des Lebens, sondern als dessen strukturelle Voraussetzung.