Im Zentrum meiner Masterarbeit steht die dialektische Beziehung zwischen Arbeiten und Betrachten im künstlerischen Schaffensprozess. Dialektisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass zwei scheinbar gegensätzliche Handlungen, das aktive Arbeiten am Werk und das distanzierte Betrachten des Werkes, untrennbar miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Erst im Wechselspiel dieser beiden Zustände entsteht die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Werk.
Ein wesentlicher Bestandteil des künstlerischen Schaffens ist die ständige Reflexion des eigenen Handelns. Während des Arbeitens wird das Werk betrachtet, überprüft und bewertet. Anschließend folgt eine neue Handlung am Werk. Dieser wiederkehrende Prozess aus Annäherung und Distanzierung bildet die Grundlage meiner räumlichen Untersuchung.
Diese Erfahrung wird in meinem entworfenen Raum bewusst inszeniert und durch architektonische Mittel wie den schräg verlaufenden Boden, die Kubatur sowie den gezielten Lichteinfall provoziert und verstärkt. Die Kubatur des Raumes definiert zugleich die mögliche Größe des Werkes und schafft eine unmittelbare Beziehung zwischen dem Werk und der arbeitenden Person. Dadurch entsteht eine besondere Konzentration auf das Wesentliche: Ich, das Werk und die Auseinandersetzung zwischen beiden.
Der Raum ist auf diese spezifische Erfahrung komprimiert. Er fokussiert den immer wiederkehrenden Ablauf des Schaffensprozesses: auf das Werk zugehen, arbeiten, zurücktreten, betrachten. Die räumliche Gestaltung macht diese Bewegung und den Wechsel zwischen Handlung und Reflexion physisch erfahrbar.
So entsteht ein untersuchendes Experiment, das der Frage nachgeht, wie gebaute Räume die Auseinandersetzung mit dem Werk sowie das Arbeiten selbst beeinflussen können. Der Raum wird dabei nicht nur zur Hülle des Schaffens, sondern zum aktiven Bestandteil des Prozesses und zum Werkzeug der Konzentration und Reflexion.