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Academia d’art Engiadinaisa a San Murezzan


Die Masterarbeit untersucht, ob eine Kunstakademie im schweizerischen Hochtal Engadin als räumliche und institutionelle Alternative zu etablierten Ausbildungsmodellen in metropolitanen Zentren funktionieren kann. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass kulturelle Produktion im Engadin stark durch Tourismus, Saisonalität und eine stark sportorientierte Nutzung des Ortes geprägt ist, während eine dauerhaft verankerte Ausbildungs- und Diskursinstitution fehlt. Die Kunstakademie wird als kontinuierlich arbeitender Ort verstanden, der künstlerische Praxis, Lehre und Öffentlichkeit in einem dauerhaften Gefüge zusammenführt.


Der Entwurf befindet sich am Seeufer von St. Moritz, einem der zentralsten öffentlichen Räume des Ortes. Die hohe Nutzungsdichte und die Knappheit frei zugänglicher Flächen führen zur Entscheidung für eine vertikale Typologie. Öffentlicher Boden wird über mehrere Ebenen hinweg in die Höhe verlagert und Teil der räumlichen Organisation der Akademie. Öffentlichkeit und Rückzug sind vertikal verschränkt und bilden ein räumliches Kontinuum. Die räumliche Organisation folgt einer vertikalen Abfolge von Ateliers, Werkstätten, Lern- und Begegnungsräumen. Die Ateliers sind als überhohe Räume mit Lufträumen und räumlichen Bezügen konzipiert. Mit zunehmender Höhe verändern sich Licht, Nähe zur Landschaft, Wetter und Distanz zum Ort. Die Architektur reagiert auf die spezifischen Bedingungen des Engadins, in dem Höhe, Klima und jahreszeitliche Extreme den Alltag prägen. Die Typologie der Kunstakademie trägt einen inneren Widerspruch in sich, in dem Öffentlichkeit und Intimität gleichzeitig verhandelt werden. Durch die vertikale Organisation kann Öffentlichkeit gezielt gelenkt werden, sodass öffentliche Präsenz und private Arbeitsräume räumlich koexistieren können. Lernen wird als pluraler, zyklischer Prozess verstanden, der zwischen Konzentration, Austausch und Präsenz wechselt. Als einer der ersten städtischen Bausteine dieser Art positioniert sich die Kunstakademie in einem international bekannten Ort, der sich weiterhin als alpines Dorf inszeniert, längst jedoch urbane Strukturen und institutionelle Dichte ausgebildet hat. Die Akademie formuliert einen architektonischen Beitrag zu dieser Spannung und versteht sich als kulturelle Infrastruktur mit dauerhafter Präsenz im Engadin.