Schatten, Zeit, Mutterschaft, Privates, Autobiographisches, Erwartungen der Gesellschaft und Fragen bspw. zum malerischen Prozess oder der Berechtigung einer Idee. All das spielt eine Rolle. Einerseits in den Bildern von Felicitas Kirgis, andererseits in ihren Texten.
In dem Artistbook der Künstlerin, das anlässlich ihres Diploms erscheint, sind die Texte eine Mischung aus Tagebucheinträgen – Felicitas Kirgis schreibt seit Jahren regelmäßig Tagebuch – und Zitaten aus der Literatur und Kunst. Die Künstlerin sammelt Zitate von Menschen, die inspirieren, zum kritischen Denken anregen oder neue Perspektiven eröffnen. In ihrem Artistbook vereint sie erstmal diese Texte und reflektiert gleichzeitig in kurzen Textabschnitten über ihr gesammeltes Material.
Diese Art des Schreibens entwickelte Felicitas Kirgis als sie zu Mutterschaft und Autorenschaft als Künstlerin und der künstlerischen Identität einer Mutter recherchierte. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den Überschneidungen von Privatem und Gesellschaft, insbesondere der komplexen Realität von Familie und Mutterschaft, aber auch Prägung, Sozialisierung und Rollenbildern. In diesem Kontext steht auch das Bild mit dem Titel »Alter Ego oder It’s not over but it’s over« aus dem Jahr 2025. Es erzählt eine Geschichte. Die Haltung der beiden Frauenfiguren ist von einer Pieta inspiriert. Das Mitfühlen und die Intimität stehen im Vordergrund, jedoch wird die Geschichte weitererzählt: Durch die behandschuhte Hand mit dem nassen Pinsel, die leeren Blicke der Figuren oder, dass unter den Frauen Bodenplatten zu sehen sind, auf die ihr Schatten fällt.
Jenes Motiv der Bodenplatten greift die Künstlerin wieder auf, in zwei weiteren großformatigen Bildern. Ebenso in der mehrteiligen Bodenarbeit aus Gips und Beton, die sich aus achtzehn Bildobjekten zusammensetzt. Durch ihre Installationsweise soll sie an die Münchner Bodenplatten eines Gehwegs erinnern. Einerseits sind die großen Bildobjekte eine Weiterentwicklung der kleinen Kacheln, der Bozzetti, die in Objektkästen zusammengestellt sind. Andererseits holen sie als Installation die Malerei in den physischen Ausstellungsraum, um den Prozess von Malerei sichtbar und erlebbar zu machen.