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vom Träumen mit offenen Augen


Welche Orte besuchen wir, wenn wir scheinbar still stehen? Wo endet erfahrene Erinnerung und wo beginnen wir zu Träumen?


Ausgangspunkt der Arbeit ist die Lampe La Lanterne Magique, deren durch den Raum wandernde Meeresbewohner viele Kinder in ihre Träume begleiten. Die Lampe wird in der Arbeit als Objekt untersucht, um daraus eine Installation abzuleiten, die sich gleichzeitig einen objekthaften Charakter bewahrt. Die Kinderlampe fungiert dabei nicht als nostalgisches Erinnerungsobjekt, sondern als Auslöser für einen spezifischen Wahrnehmungsmodus. Kindheit wird hier nicht als biografischer Abschnitt verstanden, sondern als imaginativer Grundzustand. Dieser Zustand kann durch ein Versinken im Betrachten jederzeit erneut aktiviert werden und lässt sich durch eben diesen Vorgang beschreiben. Es entsteht eine zeitliche Verzerrung; man verweilt zwischen Wachsein und Traum.


„Sobald wir unbeweglich sind, befinden wir uns anderswo; wir träumen in einer unermesslichen Welt“. (Gaston Bachelard, Poetik des Raumes)
Bachelard unterscheidet zwischen dem Traum (rêve) – unbewusst, narrativ, psychoanalytisch – und der Träumerei (rêverie), die wach, ruhig, offen und zweckfrei ist. Träumerei entsteht im ruhigen Schauen, entzieht sich der Interpretation und richtet sich nicht auf Erkenntnis, sondern auf Erfahrung. Die Installation kann daher als räumliche Verkörperung dieses Zustands verstanden werden.


Um diesen Zustand bei Betrachtenden hervorrufen zu können, wurden die ursprünglich figürlichen Meeresbewohner durch abstrakte, transluzente Objekte ersetzt, die auf mikroskopische Meeresformen verweisen - etwa auf den Querschnitt eines Seesternarms oder auf unter dem Elektronenmikroskop betrachtete Haifischhaut. Diese Art der Übersetzung dient nicht als bestimmendes Leitthema; vielmehr sollen die neu gewählten Figuren durch ihre individuelle - von der Vorlage emanzipierte - Formsprache einen leichteren Zugang zur Imagination ermöglichen.


Der geometrische Aufbau zitiert die Konstruktion der Kinderlampe, in welcher das zentrierte Licht als raumveränderndes Mittel auftritt. Es leuchtet hypnotisch in der Dunkelheit, wodurch die Installation für Betrachtende körperlich erfahrbar und gleichzeitig der Moment des (Hin-)Schauens evoziert wird.
Die Arbeit versteht sich als Einladung zum Träumen – als Möglichkeit, die Zeit zu vergessen und eigene Assoziationen zwischen kindlichem Erfahren, Erinnerung und Traum entstehen zu lassen.

 

Plakat

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