Klasse Prof. Alexandra Pirici  |  Raum Altbau | A.O1.19  |  Website öffnen

 

Nena Čermák, COSYMUTION IN COSMILUTION, 2026

 

Installation from COSMILUTION, durational performance, ca.6m x 4,50m x 3,50m, 150.000€,


In ihrer Arbeit COSYMUTION IN COSMILUSION überführt Nena Čermák ihren seit mehreren Jahren entwickelten künstlerischen Kosmos COSMILUSION in den
institutionellen Raum der Akademie. Ausgangspunkt der Arbeit ist eine konkrete räumliche Begrenzung: Der Kosmos/ ihr Studio lässt sich nicht horizontal entfalten. Aus dieser Raumnot heraus entsteht eine vertikale Struktur, die einen Raum erzeugt, der so ursprünglich nicht vorgesehen war. Diese pragmatische Entscheidung ist zugleich politisch, da sie Handlung aus Begrenzung entwickelt. Der entstehende Raum fungiert als eigene Zone, zugleich offen und schützend, und verweist auf selbstorganisierte, queere Wohn- und Schutzräume, die aus Notwendigkeit heraus entstehen.
Čermáks künstlerische Praxis versteht sich nicht als Vision von Zukunft, sondern als Übung. COSMILUSION setzt sich aus den Denkfeldern Emancipation, Evolution, Revolution und Solution zusammen – nicht als lineare Entwicklungsstufen, sondern als gleichzeitige Bewegungen und Haltungen des Denkens und Handelns. In diesem Sinne formuliert die Arbeit einen Aufruf zur Handlung, zur Selbstermächtigung, zum Weitermachen und zum Verbinden. Radikale Liebe, Freundlichkeit, Frieden und gegenseitige Unterstützung erscheinen hier nicht als idealisierte Werte, sondern als konkrete Praktiken des Miteinanders unter realen Bedingungen.
Die Arbeit COSMOTION IN COSMILUSION entsteht explizit aus nicht-idealen Voraussetzungen. Zeitliche, finanzielle und körperliche Begrenzungen sowie drückende Verantwortung sind nicht Hintergrund, sondern Material der Arbeit. Die Gleichzeitigkeit von Care-Arbeit als alleinerziehende Mama, Lehrerin, Studentin und Künstlerin, wird dabei nicht biografisch erzählt, sondern als Betriebsform sichtbar gemacht.
Material spielt eine zentrale Rolle, insbesondere Textil. Die textilen Elemente gehen Verbindungen und Fusionen ein – zwischen einzelnen Arbeiten, Materialien,
Körpern und Raum. Dabei entsteht keine harmonische Ordnung, sondern ein spannungsvolles, provisorisches Gefüge, das sich im Prozess verändert und
Fragilität als strukturelle Bedingung sichtbar werden lässt.Nena Čermák sieht in der Technik des Nähens eine Technik des tatsächlichen Zusammenhaltens. Der Kern der Arbeit ist eine Performance als fortlaufender Zustand. Sie folgt keiner Dramaturgie, sondern dem Rhythmus der Arbeit selbst. Der Körper wird dabei nicht dargestellt, sondern eingesetzt – als Material, Wissensträger und Ort von Erfahrung. Ein zentrales Element ist das Hängen: nicht als Symbol, sondern als realer körperlicher Zustand. Balance, Unsicherheit und Improvisation prägen diese Situation, die eine bewusst ambivalente erotische Konnotation trägt – als Spannung zwischen Kontrolle und Hingabe, Nähe und Distanz, Lust und Erschöpfung.
COSMILUSION verspricht keine Lösung.
Die Arbeit macht vielmehr Verschmelzungen sichtbar: Fröhliches Fusionieren uns allen.

  • 21