• Charlotte Bolwin | Vortrag
  • Datum & Uhrzeit Di | 03.02.2026 | 18:00 Uhr
  • Ort Akademie der Bildenden Künste München | Akademiestr. 4
  • Raum Neubau | E.O2.29

 

"Die Praxis der Medientheoretikerin und Künstlerin Susan Schuppli lässt sich dem „forensic turn“ zuordnen, wobei Schupplis in dieses Feld das kritisch-sorgende Interesse an Akteuren der nicht- oder mehr-als-menschlichen Umwelt einträgt: an Tieren, Bäumen und Wäldern, an Landschaftszügen, an Gletschern und Ozeanen, die im Zeitalter einer „Äquivalenz der Katastrophen“ (Nancy) von sichtbaren wie unsichtbaren, temporären und andauernden (Zer-)Störungen heimgesucht werden, die sich unter dem Überbegriff des menschengemachten Klimawandels und der ökologischen Krise subsummieren lassen. Vor diesem gegenwartshistorischen Horizont wird nicht nur die Bezugnahme auf „Natur“ und Umwelt brüchig; auch tradierte Konzepte von Kunst und Medialität stehen im sogenannten Anthropozän auf dem Prüfstand – und zwar nicht zuletzt aufgrund von postfaktischen Diskursen und simulativen Techniken wie etwa der Computersimulation, die klassische Vorstellungen von Evidenz und Dokumentarismus verschieben. Im Dialog mit Susan Schupplis theoretischer und praktischer Arbeit entfaltet der Vortrag den Denkraum einer krisenhaften, postkatastrophischen und zugleich performanten Medialität, in der moderne Leitunterscheidungen wie jene von Natur und Kultur, Ereignis und Repräsentation, Abbild und Imagination kollabieren. In diesem Spannungsfeld gewinnt die Rede vom Wissen der Künste angesichts einer multifaktoriellen kulturellen Krisensymptomatik unter veränderten Vorzeichen neue Relevanz. Ein anschließender Workshop bietet Anlass zur vertiefenden Diskussion von Schupplis Arbeit und ihren kunst- und kulturtheoretischen Implikationen.

Charlotte Bolwin ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin. Sie studierte in Berlin und Paris und ist seit 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bauhaus-Universität Weimar."

 

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