"Florian Hecker beschäftigt sich in seinen Installationen und Performances mit synthetischem Klang, dem Hörprozess und der akustischen Erfahrung des Publikums. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Frage, wie Klang vom hörenden Körper aufgenommen, verarbeitet und transformiert wird. Dabei lädt er das Publikum ein, sich auf komplexe Klangumgebungen einzulassen, die das Verständnis von Wahrnehmung und dem Hören selbst hinterfragen.
Für TUNE präsentiert Hecker in der West Gallery FAVN, ein dreizehnkanaliges Klangstück. FAVN entfaltet sich als automatisierte Performance und lotet die verschwommenen Grenzen zwischen Realität und Vorstellungskraft, sinnlicher Wahrnehmung und halluzinierten Ereignissen aus. In Anlehnung an Vorstellungen aus der Psychophysik des späten 19. Jahrhunderts und der Quantifizierung der Sinne folgt FAVN Claude Debussy, indem es den Protagonisten aus Stéphane Mallarmés Gedicht L’après-midi d’un faune von 1876 klanglich wieder zum Leben erweckt. In dem Gedicht erzählt ein Faun, der zwischen Träumerei und Realität schwebt, von einer sinnlichen Begegnung mit mehreren Nymphen. Es bleibt unklar, ob diese Erfahrung eine Illusion war. „Habe ich einen Traum geliebt?“, fragt der Faun. FAVN nutzt die Frage „Was habe ich gehört?“ als Mittel, um die konstruktiven kognitiven Prozesse zu hinterfragen, die in scheinbar rein sensorische oder gar sinnliche Erfahrungen eingreifen.
Durch seine eigene Arbeit mit computergenerierten, synthetischen Klängen verstärkt Hecker diese quasi-halluzinatorische Atmosphäre. Das Signal selbst wird als Medium betrachtet, da es sich durch Prozesse der Analyse, Resynthese, Übertragung und Wahrnehmung ständig wandelt und so Klänge erzeugt, die sich einer sprachlichen Beschreibung entziehen, die auftauchen und wieder vergehen, uns dazu bringen, das gerade Gehörte zu hinterfragen, und den Akt des Zuhörens selbst in den Vordergrund rücken."