"Archive sind Orte, an denen Dokumente, Objekte und mitunter auch Kunstwerke bewahrt werden. Gleichzeitig verweisen sie auf Abwesendes und können Lücken und Brüche in der Überlieferung sichtbar machen. Demnach gehören das Verschwinden und der Verlust von Zeugnissen ebenso zu den Eigenschaften von Archiven wie ihre gesicherten Bestände. Archive fungieren als Wissensspeicher, die historische und gesellschaftliche Veränderungen dokumentieren und zugleich Ausgangspunkt für neue Fragestellungen sein können. Das Begehren nach Fakten, die Suche nach den Quellen von Geschichte(n) kann bei Nutzer*innen von Archiven zu einem, wie es der Philosoph Jacques Derrida in den 1990er Jahren nannte, 'Archiv-Fieber' führen.
In der zeitgenössischen Kunst löste dieses Interesse gar den 'archival turn' aus, der seit dem späten 20. Jahrhundert zahlreiche künstlerische Projekte prägte. Künstler*innen untersuchen seitdem bestehende Archive, entwickeln eigene Sammlungen oder nutzen die Mittel der Bürokratie zur Institutionskritik. Auch die eigene künstlerische Praxis basiert auf Formen der Archivierung – Arbeitsmaterialien, Entwürfe und Werke müssen geordnet, kontextualisiert und vermittelt werden. Mit dem Aufkommen digitaler Medien stellt sich zudem verstärkt die Frage, wie Websites, Blogs oder digitale Kunstwerke langfristig gesichert, zugänglich gemacht und in neue Formate überführt werden können.
Vor diesem Hintergrund versteht sich der Workshop zum Archiv der AdBK sowohl als theoretische Auseinandersetzung, möchte aber vor allem Raum für die Entwicklung künstlerischer, kuratorischer und vermittlungsorientierter Projekte bieten, die das Archiv zum Ausgangspunkt haben. Dabei wird das Archiv als aktives Arbeitsinstrument und lebendiger Ort des Austauschs begriffen. Anhand ausgewählter Kunstwerke und Archivalien werden Zugänge eröffnet, die sowohl die Arbeit mit vorhandenem Material als auch die kritische Auseinandersetzung mit Leerstellen ermöglichen – etwa im Hinblick auf die Wechselwirkungen zwischen Lehre und Ausstellungspraxis am Beispiel des Kunstvereins München oder auf die Geschichte der AdBK während der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel ist es, die Bestände des Archivs in aktuelle künstlerische und wissenschaftliche Diskurse einzubinden und Impulse für neue Formate und zukünftige Themen zu geben sowie die umfangreiche Geschichte der Münchner Kunstakademie gemeinsam zu diskutieren.
Programm
was bleibt, was kommt
Workshop zum Archiv der Akademie der Bildenden Künste
10:15 Uhr Begrüßung
Dietmar Rübel, Sarah Sigmund und Sabine Weingartner
10:30 Uhr Birgit Jooss
Zukunft braucht Geschichte(n)
11:00 Uhr Philipp Gufler
Imagining Paul. Künstlerische Forschung zu Paul Hoecker
11:30 Uhr Kaffeepause
11:45 Uhr Beo Tomek
Die Münchener Kunstakademie im Nationalsozialismus. Zur Forschung in lückenhaften Beständen
12:15 Uhr Mittagspause
14:00 Uhr Leona Koldehoff
Zwischen Lehren, Studieren und Ausstellen. Einblicke in das Verhältnis zwischen Akademie der Bildenden Künste und Kunstverein München ab den 1950er Jahren
14:30 Uhr Beiträge von Studierenden der AdBK
Sylvia Berté, Manuela Braunmüller und Martha Kissling
15:15 Uhr Kaffeepause
15:30 Uhr Sonya Schönberger
Archives from the Soil
16:00 Uhr Panel mit Christian Fuhrmeister, Birgit Jooss, Leona Koldehoff und Hubert Sedlatschek
"Wir haben die Pflicht ein Archiv zu unterhalten!" oder: Zukunftsfragen des Archivs
17:00 Uhr Ende des Workshops
Die Teilnahme am Workshop ist nur nach Anmeldung möglich. Nachrichten bitte an
Verantwortlich: Dietmar Rübel, Sarah Sigmund und Sabine Weingartner
Dieses Format wird unterstützt durch das Venture Team Kultur (VTK)"