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Di | 10.02. | 18:00 Uhr, musikalische Performance

 

IN THE BELLY OF THE BEAST

 

IN THE BELLY OF THE BEAST ist eine immersive, multimediale Rauminstallation, die einen Erfahrungsraum eröffnet, in dem die verborgenen Mechanismen eines Systems sichtbar werden, das im Zentrum des spätkapitalistischen, hoch technologisierten Zeitalters operiert. Die Arbeit lässt die Besucher durch eine Kombination von Skulptur, Malerei, Lichtkunst, Textilarbeiten, Performance und Sound in eine unterirdische Welt eintauchen, welche die Schattenseiten unseres heutigen globalen Systems thematisiert. Natur, Körper und Lebensräume werden in verwertbare Ressourcen verwandelt, wodurch eine zunehmende Entfremdung zwischen Mensch und Erde erzeugt wird. Extraktivismus, ökologische Zerstörung und soziale Ungleichheit bilden den inhaltlichen Kern der Installation.

 

Der weltweite Abbau von seltenen Erden und Metallen wie Lithium, Kobalt, Coltan, Kupfer, Nickel oder Silizium, Grundlage digitaler Infrastruktur und künstlicher Intelligenz, hinterlässt verwüstete Landschaften, vergiftete Gewässer und zerstörte Ökosysteme. Mit dem Ressourcenabbau gehen außerdem massive soziale Verwerfungen einher: Lokale und indigene Gemeinschaften verlieren Land, Lebensgrundlagen und Selbstbestimmung, Dörfer werden umgesiedelt, Arbeitskräfte unter prekären Bedingungen von Großkonzernen der Tec-Branche ausgebeutet. Der technologische Fortschritt des globalen Nordens speist sich damit vielfach aus Regionen, die bereits von Armut, politischer Instabilität und struktureller Ungleichheit geprägt sind – und deren ökologische wie soziale Belastungen im Schatten globaler Innovationsversprechen weiter verschärft werden.

 

Die Installation stellt grundlegende Fragen: Was bedeutet Fortschritt, und wem kommt er tatsächlich zugute? Welchen Strukturen von Kontrolle, Überwachung und Macht dient die technologische Weiterentwicklung? Und welchen Preis zahlen der Planet und wir Menschen für den fortschreitenden Ressourcenverbrauch? Die Arbeit richtet den Blick auf historische und gegenwärtige Formen von Unterdrückung und Entwurzelung, die eng mit kolonialen Machtstrukturen verbunden sind und bis heute fortwirken. Weltweite Bewegungen des Widerstands und der Solidarität bilden sich, überall formieren sich Gemeinschaften, die für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und den Schutz der Erde eintreten. Wo Protest unterdrückt und Stimmen marginalisiert werden, entstehen neue kulturelle Räume und Formen kollektiver Gegenwehr.

 

IN THE BELLY OF THE BEAST versteht sich als ein solcher Raum der Begegnung und möchte einen Ort der gemeinsamen Erfahrung, des Austauschs und der kollektiven Energie bieten. Die Installation eröffnet einen Ort, an dem Gemeinschaft, Verbundenheit und Solidarität in einem atmosphärischen, prä-apokalyptischen Raum erfahrbar werden. Der Dancefloor erscheint dabei als symbolischer und realer Raum des Zusammenkommens – als temporärer Ort von Freiheit, Verbundenheit und Widerstandskraft. Rave ist Gegenbewegung: als Ritual, als kathartischer Moment, als Raum, in dem Menschen jenseits gesellschaftlicher Zuschreibungen miteinander existieren und neue Formen des Zusammenlebens imaginieren können.

 

Fotos: Stephanie Rössing

 

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