Aktuelle Lehrveranstaltungen
Wintersemester 2026/27
Un/Caring Infrastructures
„Infrastrukturen sind Netzwerke, die den Fluss von Gütern, Menschen oder Ideen erleichtern und deren Austausch über räumliche Entfernungen hinweg ermöglichen“, so der Anthropologe Brian Larkin (2013). Als Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen zeichnen sie sich außerdem durch eine zielorientierte relationale Qualität aus. Sie stiften strategische Beziehungen zwischen bestimmten Menschen, mehr-als-menschlichen Wesen, Dingen, Daten und Räumen und schließen wiederum andere von ihren Ordnungsmustern und Dynamiken aus. Infrastrukturen in Form von Ernährungsketten, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationswegen bis hin zu Bildungs-, Gesundheits-, Grenzschutz- und Überwachungssystemen sind immer „Infrastrukturen für etwas und für jemanden“ (Volmar 2023). Sie können für die einen hilfreiche „Bücken“ und für die anderen hindernde „Barrieren“ (Star 1999) sein, sie können für die einen sorgen und für andere die Fürsorge verweigern.
Das cx Jahresthema „Un/Caring Infrastructures“ nimmt genau diesen relationalen Aspekt von Infrastrukturen näher in den Blick. Es untersucht zunächst im Wintersemester, wo und wann Verknüpfungsstrukturen als „Lebensadern“ versagen oder ausgrenzende, gewaltvolle und zerstörerische Beziehungen begründen. Im Sommersemester liegt der Fokus dann auf alternativen fürsorglichen Infrastrukturen und der Frage wie diese als potentielle Werkzeuge einer sozial und ökologisch gerechten Transformation fungieren können, die „Überleben, Fortbestand und Erneuerung“ (Stebur 2024) ermöglicht. Was könnten jenseits der analysierten infrastrukturellen Geschichten von „Trennung, Einhegung und Enteignung“ (Cohen 2017) die neuen Versprechen der Infrastrukturen sein ohne moderne Fortschrittsvisionen und ihre destruktiven Fehler zu reproduzieren? Die Lehrveranstaltungen im Winter- und Sommersemester bauen inhaltlich nicht aufeinander auf und können unabhängig voneinander besucht werden.
Unsupporting Structures
Infrastrukturen der Macht, Gewalt und Vernachlässigung
Seminar (FK-T2, FK-T3, KP D.04.09, KP D.05, KP C.01.09, IA BA_THEO, IA MA_THEO)
Dr. Susanne Witzgall
Raum E.01.23., Akademiestr. 2
Zeit Mittwoch 14.00–16:00 Uhr, Beginn: 21.10.2026, weitere Termine: 28.10, 04.11., 11.11., 18.11., 02.12., 09.12., 16.12.2026, 07.01., 13.01., 20.01., 27.01., 03.02.2027
Kontakt
Intrastrukturen ermöglichen in unserer Gesellschaft Kommunikation, Mobilität sowie vielfältige Versorgungs- und Entsorgungsprozesse. Funktionieren sie reibungslos werden sie von ihren Nutzer*innen kaum wahrgenommen, sie stellen eine Art „kollektives Unterbewusstes“ dar (Laak 2020) und entziehen sich dadurch häufig einer kritischen Reflexion. Gerade in den letzten zwei Jahrzehnten riefen jedoch neben der beschleunigten Urbanisierung und Digitalisierung, insbesondere die vielfältigen geopolitischen und ökologischen Krisen der Gegenwart Infrastrukturen nicht nur verstärkt ins öffentliche Bewusstsein, sondern führten auch zu einem regelrechten Boom wissenschaftlicher und künstlerischer Beschäftigung mit diesem Thema. In diesem Zusammenhang verdichtete sich erneut die Erkenntnis, dass Infrastrukturen bei weitem nicht neutral sind. Sie können exkludierend und sozial wie ökologisch zerstörerisch wirken, in ihrer Führsorgefunktion versagen und sogar als Waffe eingesetzt werden.
Das Seminar analysiert anhand künstlerischer Beispiele und wissenschaftlichen Texten die Eigenschaften und Mechanismen solcher „Uncaring Infrastructures“. Es untersucht wie Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen bestimmte Menschengruppen ausschließen, disziplinieren, vernachlässigen oder parallel zu Ökosystemen unterwerfen und verletzen. Wir sprechen unter anderem über das segregierende Erbe kolonialer Infrastrukturen, die unmenschlichen Bedingungen von Grenz-Infrastrukturen oder die toxischen Effekten extraktiver Infrastrukturen. Wir diskutieren, wie bei Naturkatastrophen öffentliche Infrastrukturen insbesondere queere Menschen im Stich lassen und wie deren Sabotage oder Zerstörung in Kriegsgebieten als perfides Machtinstrument eingesetzt wird. Gerade die künstlerischen Auseinandersetzungen mit diesen Themen zeichnen jedoch kein rein düsteres Bild dieser ausgrenzenden und gewaltvollen infrastrukturellen Verhältnisse, sondern verweisen oftmals auch auf verborgene Spielräume von Improvisation und Widerstand.
Neue Materialismen
Einführung in zentrale Begriffe und Konzepte
Seminar (FK-T2, FK-T3, D.04.09, D.05.09, FU-Z1)
Dr. Susanne Witzgall
Raum E.O1.23, Akademiestr. 2
Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 20.10., weitere Termine: 27.10., 03.11, 11.11., 17.11., 24.11., 01.12, 08.12., 15.12., 12.01., 19.01., 26.01.
Kontakt
Wir stellen nun die kühne Behauptung auf, dass die Betonung materieller Faktoren und die Neukonfiguration unseres Verständnisses von Materie Voraussetzungen für jede plausible Darstellung der Koexistenz und ihrer Bedingungen im 21. Jahrhundert sind. ( Diana Cool/Samanta Frost 2010)
Unter Neuen Materialismen werden heterogene Denkrichtungen verstanden, die sich durch eine Rückbesinnung auf sowie ein neues Verständnis von Materialität auszeichnen. Dinge und Materie werden nicht mehr als etwas Passives angesehen, das sich dem menschlichen Gestaltungswillen fügt oder erst durch den menschlichen Geist belebt wird, sondern selbst Handlungsmacht und transformative Potentiale besitzt. Neue Materialismen vereint darüber hinaus die Ablehnung von Dualismen wie Natur/Kultur, Geist/Körper oder Subjekt/Objekt. Sie betonen stattdessen eine enge Verwobenheit und Untrennbarkeit von Menschlichem und Nichtmenschlichem, Belebtem und Unbelebtem oder Physis und Bedeutung. Neue Materialismen zeichnet zudem eine „nomadische Durchkreuzung von Territorien der Natur- und Geisteswissenschaften aus“ (Dolphijn/van der Tuin). Das heißt sie finden in diversen Disziplinen Anwendung und sind auch in kunsttheoretischen Diskursen und künstlerischen Forschungsansätzen trotz einiger Kritikpunkte bis heute äußerst einflussreich.
Diese einführende Lehrveranstaltung diskutiert Texte zentraler Vertreter*innen der Neuen Materialismen wie Jane Bennett, Karen Barad oder Rosi Braidotti und erklärt deren zentralen Begriffe und Konzepte. Wir analysieren inhaltliche Überschneidungen neuer Materialismen mit der Akteur-Netzwerk-Theorie von Bruno Latour oder dem Posthumanismus und untersuchen im Anschluss daran die Relevanz dieser Ansätze für kunsttheoretische Analysen und die künstlerische Praxis.
Dein digitales Portfolio – Inhalt und Präsentation
Workshop
Iska Jehl, M.A., Dr. Susanne Witzgall
Raum Werkstatt Neue Medien E.03.10, Akademiestr. 2
Zeit Donnerstag 10.00–13.00 Uhr, Beginn: 22.10., weitere Termine: 05.11., 12.11, 19.11., 26.11., 10.12., 17.12, 14.01., 28.01.
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Ein Portfolio ist sowohl bei Bewerbungen um ein Stipendium oder eine Projektförderung, als auch bei der Kommunikation mit Kurator*innen oder Galerist*innen unabdingbar und nicht selten entscheidend. Doch wie erstelle ich ein Portfolio, das meine Arbeiten von ihrer „besten Seite“ zeigt sowie für Jurymitglieder und Kurator*innen auch in kurzer Zeit gut erfassbar ist und weiteres Interesse weckt? Wie schreibe ich ein prägnantes Artist Statement für dieses Portfolio? Was ist bei Layout, Bildauswahl und Fotoqualität zu beachten? Welche Arbeiten und Ausstellungen führe ich auf und welche lasse ich lieber weg? Wie strukturiere ich Bilder und Texte? Wie erstelle ich mit Affinity Studio ein professionelles PDF für eine digitale Einreichung? All dies sind Fragen, die wir in diesem praxisorientierten Workshop gemeinsam angehen wollen.
Pflichtseminar für Examenskandidatinnen (m/w/d) der Kunstpädagogik
(KP D.07.09)
Laura König, M.A., Olivia Liesner, M.A., Prof. Dr. Florian Matzner, Prof. Dr. Dietmar Rübel, Sarah Sigmund, M.A., Dr. Sabine Weingartner, Dr. Susanne Witzgall
Raum Historische Aula, Akademiestr. 4
Zeit Vorbesprechung: 28.10.2026, 14–15:20, danach individuelle Terminvereinbarung