Bild- & Raumpolitiken
künstlerische Mitarbeiterin: Manuela Unverdorben
Porträt der Klasse
Arbeit in der Klasse
Im Zentrum des Studiums steht die Entwicklung einer eigenständigen künstlerischen Praxis innerhalb eines solidarischen und kritisch reflektierten Gemeinschaftsgefüges. Die Lehre setzt daher bei der Etablierung einer sozialen Gemeinschaft an, in der eine respektvolle und konstruktive Feedbackkultur einen wesentlichen Bestandteil des gemeinsamen Arbeitens bildet. Dafür hat sich die niederländische „DASArts-Feedback-Methode bewährt, die am DAS Art Institute in Amsterdam entwickelt wurde. Sie basiert auf einem klaren Regelwerk, das für den Kontext der Klasse angepasst wurde und dabei je nach Bedürfnis modifiziert werden kann. Im Mittelpunkt steht die konsequente Fokussierung auf die präsentierende Person und deren künstlerische Arbeit, während die Perspektive und das Ego der Feedbackgebenden bewusst zurücktreten.
Ergänzt wird diese Praxis durch eine gelebte Diskriminierungssensibilität, die der Diversität der Studierenden hinsichtlich kultureller Hintergründe, Pronomen und Sprachkenntnisse Rechnung trägt. Gemeinschaft wird dabei nicht ausschließlich als Grundlage für den akademischen und künstlerischen Austausch verstanden, sondern auch durch gemeinsame soziale Aktivitäten gestaltet und gestärkt. Gemeinsame Klassenprojekte sowie das Feiern von Festen und anderen Anlässen werden entsprechend als Teil der Klassenkultur und als Möglichkeit verstanden, das Miteinander über die unmittelbare künstlerische Arbeit hinaus zu fördern.
Lernräume & Wirkungsfelder
Die Arbeit mit der Klasse bewegt sich zwischen dem internen Akademiekontext und unterschiedlichen Feldern des Agierens im Außenraum. Der interne Akademiekontext umfasst die Studioarbeit, die Nutzung von 22 künstlerisch geleiteten Werkstätten, Klassenbesprechungen sowie spezielle Treffen für Erstsemester. Vorträge und Workshops mit externen Gästen schaffen dabei Übergänge zwischen dem akademischen Innenraum und unterschiedlichen künstlerischen und gesellschaftlichen Kontexten.
Gleichzeitig wird der Außenraum als eigenständiger Lern- und Erfahrungsraum erschlossen. Dazu gehören Ausstellungsbesuche, Exkursionen sowie Gespräche und Begegnungen mit Künstler:innen, Kurator:innen und anderen Akteur:innen. Eine besondere Bedeutung hat darüber hinaus die Entwicklung und Realisierung von Projekten mit Institutionen im außerakademischen Kontext sowie im öffentlichen Raum. Auf diese Weise werden künstlerische Arbeitsweisen nicht nur innerhalb der Akademie erprobt, sondern auch in unterschiedlichen professionellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Die Verbindung dieser beiden Lernräume schafft einerseits einen geschützten und intimen Rahmen, in dem die Studierenden ihre eigene künstlerische Praxis entwickeln, reflektieren und vertiefen können. Andererseits eröffnet sie Möglichkeiten, die eigene Arbeit in unterschiedlichen Kontexten zu erproben, Erfahrungen mit professionellen Strukturen zu sammeln und die eigene künstlerische Position im Austausch mit einer Öffentlichkeit weiterzuentwickeln.
Bild&Raumpolitiken
Anstatt sich auf ein spezifisches Medium festzulegen, konzentriert sich die Klasse auf die kritische Analyse von Bildern und Räumen. Es wird hinterfragt, wie unsere Umgebung beschaffen ist und welche ästhetischen, ökonomischen, ökologischen, sozialen und politischen Prozesse an ihrer Gestaltung beteiligt sind. Dieser Ansatz fordert die Studierenden auf, die eigene Produktion in Relation zu diesen komplexen Systemen zu setzen und eine bewusste Haltung zu entwickeln.
„It is about gaining new access to things: about establishing a mode in which one not only sees something differently through the images, but sees the images themselves differently.“ Harun Farocki
Künstlerische Handlungskompetenz
Das Studium zielt darauf ab, den Studierenden ein breites Spektrum an Kompetenzen für die Entwicklung, Kontextualisierung und Vermittlung ihrer künstlerischen Praxis zu vermitteln. Dazu gehören neben technischen Fertigkeiten und der Entwicklung einer eigenständigen künstlerischen Ausdrucksform auch die Fähigkeit, die eigene Arbeit im zeitgenössischen Kunstkontext zu verorten, zu reflektieren und sprachlich zu vermitteln. Praktische Kenntnisse – etwa in den Bereichen Antragstellung, Budgetierung und Zusammenarbeit mit externen Institutionen – sind dabei ebenso integraler Bestandteil wie Erfahrungen mit kollektiven und projektbezogenen Arbeitsprozessen. In wechselnden Teams übernehmen die Studierenden unterschiedliche Aufgaben, beispielsweise in den Bereichen Kuration, Öffentlichkeitsarbeit oder Lektorat.
Die künstlerische Praxis wird zudem in Beziehung zu unterschiedlichen ästhetischen und gesellschaftlichen Formen des analogen und digitalen Alltags gesetzt. So werden etwa soziale Netzwerke, Popkultur, Science-Fiction und Aktivismus ebenso als Bezugspunkte herangezogen wie Theorien aus unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungskontexten, aber auch Poesie und Literatur. Diese vielfältigen Perspektiven erweitern den Bezugsrahmen der künstlerischen Arbeit und ermöglichen es, die eigene Praxis in größere gesellschaftliche, kulturelle und politische Zusammenhänge einzuordnen.
Die Klasse für Bild- und Raumpolitiken versteht sich als prozessorientiertes und offenes Labor für Veränderung. Experimentieren, das Erproben von Handlungsspielräumen und der Mut, sich Raum anzueignen und eigene Positionen einzunehmen, bilden zentrale Elemente der gemeinsamen und individuellen Arbeit. Dabei wird auf Vertrauen, Selbstverantwortung und kollektive Prozesse anstelle starrer Hierarchien gesetzt. Das Zusammenspiel von theoretischer Reflexion, praktischen Kompetenzen und einem vertrauensbasierten sozialen Gefüge schafft einen Rahmen, in dem die Studierenden ihre künstlerische Handlungskompetenz entwickeln und ihre Positionen in einer komplexen und krisengeprägten Gesellschaft aktiv verorten und einbringen können.
Weitere Informationen zur inhaltlichen Ausrichtung des Studiums, den Ausstellungen, Projekten und den Studierendenarbeiten der Klasse Schäfer finden Sie hier.
Informationen zur Mappenberatung und Bewerbunsgterminen finden Sie hier.