Lehrveranstaltungen Wintersemester 2026/2027
Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie
Prof. Dr. Maria Muhle, Mascha Salgado de Matos, M.A., Amelie Buchinger, M.A., Dr. Hanna Hamel, Lorenz Mayr, M.A., Beo Tomek,
Lehraufträge: Dr. des. Gloria Freitag, Dr. Gürsoy Doğtaş, Dr. Stephan Gregory, Davide Mogetta, M.A.,
Die Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen erfolgt über das Studierendenportal.
Unsere Lehrveranstaltungen:
"French Aesthetics" (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle
Seminar
zweiwöchentlich, Donnerstag, 10-14h, beginnend am 22.10.26 , Termine: 22.10.26, 5.11.26, 19.11.26, 3.12.26, 17.12.26, 14.1.27, 28.1.27
Raum: E.02.29
In Anlehnung an den in den US-amerikanischen Universitäten geprägten Begriff einer „French Theory“, die einen losen Zusammenschluss französischer Denkpositionen (Foucault, Deleuze, Kristeva, Guattari, Baudrillard, Cixous u.a.) bes. der 1960er bis 80er Jahre bezeichnet und oftmals in Zusammenhang mit der Entwicklung von cultural, gender und postcolonial studies gebracht wird, soll im Seminar nach der Ästhetik jener Denker*innen gefragt werden, die unter diesem durchaus polemischen Begriff versammelt wurden. Neben der Erschließung oftmals weniger beachteter Texte besonders von Foucault sowie der gerade veröffentlichten Malerei-Vorlesungen von Deleuze soll besonders die Frage nach dem politischen Aspekt der ästhetischen Schriften behandelt werden, die über den Begriff der (Un-)Sichtbarkeiten und (Un-)Sichtbarmachungen bei Michel Foucault und Gilles Deleuze angelegt ist und von Jacques Rancière und Marie-José Mondzain in der politischen Ästhetik der Nuller Jahre explizit gemacht wird. Zu fragen ist auch, wie eine solche Ästhetik für die künstlerische Produktion der Gegenwart aktualisiert werden kann.
In Anlehnung an den in den US-amerikanischen Universitäten geprägten Begriff einer „French Theory“, die einen losen Zusammenschluss französischer Denkpositionen (Foucault, Deleuze, Kristeva, Guattari, Baudrillard, Cixous u.a.) bes. der 1960er bis 80er Jahre bezeichnet und oftmals in Zusammenhang mit der Entwicklung von cultural, gender und postcolonial studies gebracht wird, soll im Seminar nach der Ästhetik jener Denker*innen gefragt werden, die unter diesem durchaus polemischen Begriff versammelt wurden. Neben der Erschließung oftmals weniger beachteter Texte besonders von Foucault sowie der gerade veröffentlichten Malerei-Vorlesungen von Deleuze soll besonders die Frage nach dem politischen Aspekt der ästhetischen Schriften behandelt werden, die über den Begriff der (Un-)Sichtbarkeiten und (Un-)Sichtbarmachungen bei Michel Foucault und Gilles Deleuze angelegt ist und von Jacques Rancière und Marie-José Mondzain in der politischen Ästhetik der Nuller Jahre explizit gemacht wird. Zu fragen ist auch, wie eine solche Ästhetik für die künstlerische Produktion der Gegenwart aktualisiert werden kann.
Media/Ecologies and Aesthetics (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Amelie Buchinger, M.A.
Seminar
zweiwöchentlich, Dienstag 10-14h, beginnend am 20.10.26; Termine 20.10., 03.11., 17.11., 01.12., 15.12., 12.01., 26.01.
Raum: E.02.29
Initially introduced within the context of early media theory in the 1960s as a metaphor to describe media as environments and relational ecosystems, the term media ecology, by now, designates a broad field of studying the interdependencies of (digital) media and the environment: How do media, from remote sensing technologies to video games, represent environmental change and shape how we perceive the world? What material realities enable supposedly “immaterial” digital media, from resource extraction to the afterlife of electronic waste? How to digital media partake in environmental and social injustices and what counter strategies are there for alternative media ecological futures?
In the seminar we will read key texts from environmental media studies, addressing issues such as the geologic materiality of media technologies, the remainders and salvage aesthetics of digital waste, planetary media and sensing technologies, as well as the (big) data ecologies of AI systems. Alongside theoretical texts, we will discuss contemporary art works that engage with media ecological themes and their different aesthetic practices, ranging from documentary and speculative approaches in film and video to sculpture and geo-photo-graphy and geo-cinema.
Texts by Marshall McLuhan, Ursula K. Heise, Jussi Parikka, Jennifer Gabrys, Susan Schuppli, Mél Hogan, Douglas Kahn, Orit Halpern and others. Art works by The Otolith Group (Anjalika Sagar & Kodwo Eshun), Kate Crawford & Vladan Joler, Sun Yu Hsin, Trevor Paglen, Misho Antadze, Anna Ridler, Alice Bucknell, Geocinema (Asia Bazdyrieva, Solveig Qu Suess) and others.
Texts and art works are in English. The seminar will be held in English and/or German depending on the language preferences of participants.
Hegel gegen Goethe gegen Hegel. Vom Lebendigen zur Kunst und zurück? (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Davide Mogetta M.A.
Seminar
wöchentlich, Dienstags, 16-18h, beginnend am 20.10.26, Termine 14.10., 20.10., 27.10., 3.11., 10.11., 17.11., 24.11., 1.12., 8.12., 15.12., 22.12., 19.01., 26.01., 02.02.
Raum A.EG.01 / E.01.23
Das Verhältnis zwischen Natur und Kunst spielt in vielen Debatten zeitgenössischer Ästhetik eine entscheidende Rolle. »Natur« und »Kunst« sind jedoch sehr breite Kategorien, deren Zusammenhang schwer zu bestimmen ist. Im Seminar blicken wir auf die Ästhetik Hegels und Goethes, um diese Beziehung genauer einzugrenzen: Entscheidend wird dabei die Beziehung zwischen dem »Lebendigen« und dem »Idealen«.
Das »Ideale« Hegels – der zentrale Begriff in seiner Ästhetik – ist nicht nur eine Abgrenzung zur »Natur« (wie Adorno behauptet hat): Seine Logik steht in einem tiefen Zusammenhang mit der Logik des »Lebendigen«. Eine ähnliche Denkweise findet sich bei Goethe: Kunst und das Lebendige sind eng verbunden, da die Kunst selbst, genau wie die lebende Natur, eine Form der Gestaltung ist. Wir diskutieren, ob und wie sich Denkformen, die für das Lebendige gelten, in die ästhetische Gestalt übersetzen lassen – ein aperçu zu einem weiteren, übergreifenden Thema. Die Beziehung Leben-Gestalt-Kunst ist für Hegel sowie für Goethe entscheidend, auch weil beide in einem weiteren Sinne sehr affin denken. Beide wollen herausgehend von der Sache denken. Doch wo das »objektive Denken« Hegels diese Beziehung letztlich dialektisch systematisiert, bleibt sie in der polaren Struktur von Goethes »gegenständlichem Denken« offener. Eine grundlegende Frage bleibt dabei, wie sich eine Gestaltung des Lebens denken lässt: wie eine Gestaltung sich geben kann, die das Leben nicht fixiert; wie das Leben lebendig bleiben kann, ohne ins Chaos zu geraten.
So lesen wir Hegel contra Goethe contra Hegel – sowohl im Rahmen der Ästhetik als auch mit Blick auf dieses übergreifende Thema. Zugleich fragen wir, wie sich die Affinitäten und Differenzen beider Paradigmen in späteren Denkkonstellationen reaktivieren lassen. Gelesen werden dazu Texte von Lukács, Simmel und Deleuze.
Eingeschrieben: Internationale Studierende an der Akademie der Bildenden Künste München, 1960–1980 (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Dr. Gürsoy Doğtaş
Projektseminar
Wöchentlich, Montags, 10-14h ct; beginnend am 26.10.26; Ternine: 2.11.26, 23.11.26, 30.11.26, 7.12.26, 14.12.26, 11.01.27, 18.01.27, 25.01.27 (hier erst um 13.00)
Raum: E.02.29
Zwischen 1960 und 1980 studierten an der Akademie der Bildenden Künste München Künstler:innen, deren Bildungs- und Migrationswege von sehr unterschiedlichen politischen und ökonomischen Bedingungen geprägt waren. Sie kamen im Kontext internationaler Stipendien- und Austauschprogramme, der bundesdeutschen Arbeitsmigration, politischer Verfolgung und des Exils oder auf eigene Initiative nach München. Ihre Biografien führen in die Geschichte der Anwerbepolitik und des Kalten Krieges ebenso wie in die Geschichte von Dekolonisierung, autoritären Regimen und transnationalen künstlerischen Netzwerken.
Das Projektseminar untersucht diese bislang nur punktuell erschlossene Geschichte als Teil der Institutions- und Kunstgeschichte der Akademie. Ausgangspunkt sind die Verwaltungs- und Studienunterlagen im Archiv der Akademie, ergänzt um Unterlagen von Galerien, Kunstvereinen und Förderinstitutionen, die den Blick über die Akademie hinaus auf die weiteren Laufbahnen öffnen. Diese Aktenüberlieferung dokumentiert jedoch vor allem die Perspektive der Institutionen. Wir setzen sie deshalb in Beziehung zu Quellen, die von der künstlerischen Arbeit selbst ausgehen: zu Kunstwerken, Ausstellungskatalogen und fotografischen Zeugnissen. Wo es möglich und von den Beteiligten gewünscht ist, führen wir zudem Gespräche mit ehemaligen Studierenden und weiteren Zeitzeug:innen.
Das Projektseminar verbindet Archivforschung, Werkanalyse und Oral History. Begleitend erschließen und diskutieren wir theoretische und kunstwissenschaftliche Texte zu Archiv und Gegenarchiv sowie zu Diaspora, Exil und Migration. Sie dienen dazu, die Begriffe, Kategorien und Machtverhältnisse zu reflektieren, die unsere Arbeit mit historischen Quellen bestimmen.
Kritik in der Krise. Philosophie, Politik und Kunst (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Dr. Stephan Gregory
Seminar
Zweiwöchentlich Dienstags, 10-14h, beginnend am 27.10.26, Termine: 27.10., 10.11., 24.11., 8.12., 19.01., 02.02.
Raum: E.02.29
Seit der griechischen Antike steht der Begriff der Kritik für eine bestimmte Form des Denkens: für die Fähigkeit, die Dinge der Welt nicht wahllos zu vermischen, sondern sie auseinanderzuhalten, sie voneinander zu unterscheiden, festzustellen, was zu ihnen gehört und was nicht. Kritisches Denken (von griechisch kritein = unterscheiden) ist urteilendes Denken, ein Denken, das Teilungen verfügt und Einteilungen erstellt. Als solches steht es am Beginn dessen, was man Wissenschaft nennt; der Begriff scientia geht zurück auf die griechischen bzw. lateinischen Verben σχάζω und scire, die beide die Bedeutung von spalten oder trennen haben. In der westlichen Tradition hat diese spezifische Leistung des urteilenden, unterscheidenden, analytischen Denkens spätestens seit Descartes eine absolute Vormachtstellung erlangt; kritisches Denken steht im Kern des Projekts »Aufklärung« und prägt bis heute das Selbstverständnis der modernen, säkularen, »westlichen« Kulturen. Das Seminar wird den wechselhaften Schicksalen des Kritik-Begriffs auf drei Feldern nachgehen:
Philosophie. Wenn Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft (1781) davon sprach, dass »allein der kritische Weg noch offen« sei, so stellt sich heute der Eindruck ein, dass dieser Weg nicht mehr ganz unbekümmert weiterverfolgt werden kann. Zwar ist der Begriff der Kritik nach wie vor von zentraler Bedeutung, etwa für die postkoloniale Theorie (vgl. Achille Mbembes Kritik der schwarzen Vernunft); es ließe sich aber fragen, inwieweit ein derart eurozentrischer Begriff sich überhaupt in ein Projekt zur Dekolonialisierung des Denkens fügen kann. Andere Schwierigkeiten tun sich in der Debatte um wissenschaftliche Wahrheit und »post truth« auf: Vertreter der hard sciences fragen polemisch, ob nicht ein Übermaß an geisteswissenschaftlicher »Dekonstruktion« dem heutigen rechten Denken in »alternative facts« in die Hände gespielt hat – eine Unterstellung, die vielleicht ungerecht ist, die sich aber auch nicht unbeantwortet zurückweisen lässt.
Politik. Wie der Historiker Reinhart Koselleck gezeigt hat, waren es eine Kultur der öffentlichen Kritik und ein Kult der moralischen Überlegenheit, mit deren Hilfe sich das aufgeklärte Bürgertum im 18. Jahrhundert gegen den fürstlichen Absolutismus durchsetzen konnte. Seitdem haben alle reformistischen oder revolutionären Bewegungen der Moderne auf die Waffe der Kritik gesetzt und zugleich lebhaft darüber gestritten, wie von ihr am besten Gebrauch zu machen sei. Hannah Arendt lobte die Kritik als Ausübung politischer Urteilskraft; Theodor W. Adorno sah in ihr die einzig mögliche philosophische Haltung angesichts der Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Kritik konnte sich aber auch als lähmend und ganz und gar unkritisch erweisen, nicht nur in den stalinistischen Ritualen der »Kritik und Selbstkritik«, sondern auch in der Praxis linker Selbstzerfleischung, wie sie etwa in den kommunistischen und autonomen Splittergruppen der 1970er und 80er Jahre stattfand. Uneindeutig ist auch die heutige Lage: Neben einem verbreiteten »Unbehagen an der Kritik« finden sich Versuche zu ihrer Wiederbelebung – in Foucaults Konzept des »Wahrsprechens«, das Kritik von der Ideologiekritik zur ethischen Praxis verschiebt, oder in Judith Butlers Aufruf zu einer »rücksichtslosen Kritik«, die ihre eigenen Voraussetzungen mitreflektiert.
Kunst. Eine eigenständige Kultur der »Kunstkritik« (im Unterschied zu Malerbiografien oder Bildbeschreibungen, wie sie seit der Reniassance gängig waren) entwickelt sich in der Pariser Salons des 18. Jahrhunderts. Seitdem stehen Kunst und Kritik in einem gespannten Verhältnis: Inwiefern kann ein analytisches, von außen kommendes Urteil dem Kunstwerk gerecht werden; welche Formen der Abhängigkeit, der Unterwürfigkeit oder der symbiotischen Koproduktion entstehen zwischen Künstler:in und Kritiker:in? Auch in der Kunstkritik wird heute von einer »Krise« gesprochen, und diese Krise hat eine dezidiert ökonomische Dimension. Wie die Zeitschrift Texte zur Kunst in ihrem Dezemberheft 2025 diagnostiziert, hat die Kritik die wertbildende Funktion, die sie in dem seit Ende des 19. Jahrhunderts etablierten »dealer-critic system« innehatte, seit den 1990er Jahren sukzessive eingebüßt; Auktionshäuser, Datenportale und Rankingsysteme verschieben die Kräfteverhältnisse innerhalb der Kunstökonomie grundlegend. Was bedeutet es für die Kunstkritik, wenn sie ökonomisch überflüssig zu werden scheint? Was bedeutet es für die Kunst, wenn sie sich immer weniger der fachlichen Kritik aussetzt? Und in welcher Verbindung steht die Krise der Kunstkritik zu den Krisen der Kritik, die sich auf dem Feld der Philosophie und der Politik beobachten lassen?
Was kann der Kontext? Theorie und Schreibpraxis
Dr. Hanna Hamel
Seminar
wöchentlich, Donnerstag, 14-16h, beginnend am 22.10. Termine: 22.10., 29.10., 05.11., 12.11., 19.11., 26.11., 03.12., 10.12., 17.12., 07.01., 14.01., 21.01., 28.01., 04.02.
Raum: E.02.29
Kontexte bestimmen mit, was wir und wie wir etwas wahrnehmen. Auch wenn der Begriff „Kontext“ im übertragenen Sinne häufig für räumliche und zeitliche Umstände verwendet wird, beschäftigen wir uns im Seminar explizit mit Texten. Wann ist ein Text ein Kontext? Und was kontextualisiert er?
„Kontexte“ gewinnen gegenwärtig mit dem durchdringenden Einsatz von KI enorm an Bedeutung: Generative KI arbeitet in der Regel mit Text- und Spracheingaben ihrer menschlichen Nutzer:innen. Kontext wird dabei als „kritische Ressource“ für LLM-basierte Anwendungen beschrieben und „Context Engineering“ als kuratorische Praxis, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Wie verändern sich also unser Verständnis, unser Gebrauch und unsere Produktion von „Kontexten“ heute?
Vor diesem aktuellen Hintergrund beschäftigen wir uns auch mit der Geschichte von Kontexten, wie sie entstehen und wie sie selbst beschrieben oder eingegrenzt werden können. Dazu lesen wir klassische und aktuelle Texte aus der Literaturtheorie (u.a. von Genette, Bachtin), aus der Philosophie und Literatur (u.a. von Bateson, Setz, Rinck) und der Fachliteratur über generative KI. Nicht zuletzt soll das Seminar einen Rahmen zur Produktion und Reflexion eigener Texte bieten: Welche Kontexte spielen für die eigene künstlerische Praxis eine Rolle, seien es theoretische Referenztexte, Prompts bei der Bildgenerierung oder Essays, die die Arbeit begleiten und in relevante Zusammenhänge rücken?
Ästhetische Strategien der Erinnerung und Aufarbeitung (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Beo Tomek
Seminar
wöchentlich, Mittwoch, 14-16h, beginnend am 21.10. Termine: 21.10., 28.10., 04.11., 11.11., 18.11., 25.11., 02.12., 16.12., 13.01., 20.01., 27.01., 03.02.
Raum A.U1.12 / Musikhochschule
Das Seminar wird in Kooperation zwischen der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) und der Akademie der Bildenden Künste München durchgeführt und widmet sich mit Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus musikalischen und gestalterischen Werken der Erinnerungsarbeit und Aufarbeitung. Behandelt werden konkrete Formen künstlerischer Erinnerungsarbeit: Denkmäler, Erinnerungsorte, Aufführungen, Dokumentationen, die (Um-)Gestaltung von Gedenkstätten sowie die besondere Problematik von Kriegerdenkmälern. Dabei soll das Spannungsfeld zwischen institutionalisierten und außerinstitutionellen Formen des Gedenkens herausgearbeitet werden. Etwa dort, wo informelle, spontane oder widerständige Gedenkpraktiken auf offizielle, staatlich getragene oder musealisierte Formen treffen und diese herausfordern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Formen der Recherche und interdisziplinären Zusammenarbeit, die für eine kritische künstlerische Erinnerungspraxis notwendig erscheinen. Analysiert werden zeitgeschichtlicher Kontext, formale Gestaltung sowie die Sicht- bzw. Hörbarkeit von Erinnerungsakten bzw. -objekten: Wer wird erinnert? Aus welcher Perspektive, in welcher Form und mit welcher Wirkung für das öffentliche Bewusstsein? Welche blinden Flecken oder Ausschlüsse sind zu verzeichnen? Besondere Aktualität erhält das Thema durch das absehbare „Ende der Zeitzeug*innenschaft“: Mit dem Verschwinden dieser Erinnerungsform stellt sich die Frage, welche neuen Erwartungen an Musik und Bildende Kunst herangetragen werden und wie sich bspw. Gedenkstätten in dieser Umbruchsituation neu positionieren (werden).
Nicht zuletzt widmet sich das Seminar der künstlerischen Auseinandersetzung mit problematischen Denkmälern, etwa solchen mit kolonialer, revisionistischer oder anderweitig belasteter Geschichte. Welche Beispiele für künstlerische Strategien im Umgang mit ihnen gibt es? Wie wirksam sind sie und in welchem Maße sind diese wiederum kritikwürdig?
Gastvorträge und Exkursionen ergänzen das Seminarprogramm.
Der Schwarze Atlantik. Ein Lektürekurs zum Klang der Moderne und dem Bild der Gegenwart (FK-T2, FK-T4, KP E.02.09)
Mascha Salgado de Matos M.A.
Vertiefungsseminar
wöchentlich, Mittwoch, 14-16h, beginnend am 21.10. Termine: 21.10., 28.10., 04.11., 11.11., 18.11., 25.11., 02.12., 09.12., 16.12., 23.12., 13.01., 20.01., 27.01., 03.02.
Raum A.EG.01
Mit dem „Black Atlantic“ beschreibt Paul Gilroy einen Kultur-und Denkraum, in dem er sich den Kulturen der Schwarzen Diaspora widmet, die in Folge der Versklavung und Entwurzelung afrikanischer Menschen in Europa, Nord- und Südamerika und schließlich auch in Afrika entstanden. Seit der Erstveröffentlichung im Jahr 1993 gilt die Publikation „The Black Atlantic: Modernity and Double Consciousness“ als Schlüsselwerk der postkolonialen Kulturtheorie. Als wirkmächtige und bildhafte Terminologie fand der Schwarze Atlantik seither jedoch auch Eingang in künstlerische und kuratorische Arbeitsweisen.
Drei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung liegt uns nun endlich auch eine deutsche Übersetzung vor (übersetzt von Utku Mogultay, Merve Verlag, Leipzig 2025). Gemeinsam lesen wir Auszüge aus „Schwarzer Atlantik. Moderne und doppeltes Bewusstsein“ und nähern uns den zentralen Argumenten Paul Gilroys. Obgleich das Seminar als Lektüreseminar konzipiert ist und damit die Textgrundlage im Vordergrund stehen wird, werden wir den Schwarzen Atlantik auch als lebendigen, alltäglichen, künstlerischen und theoretischen Kulturraum kennenlernen. Wir orientieren uns dabei in der ersten Seminarhälfte an Gilroys Quellmaterial aus Musik (Jazz, Blues, Reggae), Literatur (Richard Wright u.a.) und Theorie (W.E.B. Du Bois, Frantz Fanon u.a.). Gegen Semesterende öffnen wir uns der Rezeptionsgeschichte des Schwarzen Atlantik in der Kunst-und Kulturgeschichte v.a. im deutschsprachigen Raum.
Über die Musik – von Jazz, Blues, über Reggae und HipHop – , aber auch über biographische und literarische Texte macht Gilroy den Schwarzen Atlantik als eine „Gegenkultur zur Moderne“ (Kapitel 1) sichtbar, deren Hin-und Her-Bewegungen, Vermischungen und Neuerfindungen das westliche, lineare Verständnis der Moderne und ihrer Geschichtsschreibung aus den Angeln hebt. Der Schwarze Atlantik geht aus der kolonialen Gewaltgeschichte hervor, es findet sich dort jedoch nicht nur der Widerhall transgenerationaler Traumata, sondern auch der Drang nach Freiheit und (kollektivem) Selbstbewusstsein.
Paul Gilroy- britische Soziologe und Kulturwissenschaftler englisch-guyanesischer Herkunft gilt neben Stuart Hall (1932-2014) als einer der wichtigsten Vertreter der Cultural Studies. Seine Arbeiten zu Rassismus und Ethnizität sind richtungsweisend für eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung Schwarzer Kulturen in einem globalisierten Kontext, die sich einem kulturellen Essenzialismus, und damit auch einer geschlossenen Schwarzen Kulturgeschichte, verwehrt.
Kolloquium Philosophie: Künstlerische Forschung – Ästhetische Praktiken (FK-T2)
Dr. Hanna Hamel , Prof. Dr. Maria Muhle
Kolloquium
zweiwöchentlich, Mittwoch, 14-18 Uhr, beginnend am 21.10, Termine: 21.10., 4.11., 18.11., 2.12., 16.12., 13.1., 27.1.
Raum: E.02.29
Das „Kolloquium Philosophie: Künstlerische Forschung – Ästhetische Praktiken“ eröffnet den fortgeschrittenen Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum in philosophischer, ästhetischer und kunsttheoretischer Perspektive zu diskutieren. Es soll auch dabei unterstützen, die eigenen Arbeiten im Feld zeitgenössischer Theoriedebatten zu situieren.
Der Schwerpunkt des Kolloquiums auf der Diskussion künstlerischer Forschungsprojekte sowie deren Begrifflichkeiten soll weitergeführt werden: Wir wollen gemeinsam fragen, was künstlerische Forschung sein kann, was wir als ästhetische Praktiken verstehen können und in welchem Verhältnis sie zur Theorie stehen? Hierfür sollen auch künstlerisch-forschende Kolleg*innen aus der Akademie und von anderen Münchener Institutionen ins Kolloquium eingeladen werden, die ihre Arbeitsweisen erläutern.
Zweite Technik. Walter Benjamins Theorie der Kunst (KP.E.02.09, FK-T2, FK-T4)
Lorenz Mayr
Seminar
zweiwöchentlich, Dienstags, 15-18h, beginnend am 27.10, Termine: 27.10., 10.11., 24.11., 08.12., 22.12., 19.01., 02.02.
Raum A.EG.01
Ausgehend von Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936), einem der einflussreichsten kunsttheoretischen Texte des 20. Jahrhunderts, untersucht das Seminar das Verhältnis von Mimesis, Reproduktion, Technik, Natur und Politik. Der als Kampfschrift gegen den Faschismus verfasste Aufsatz verbindet die Frage nach den technischen Bedingungen der Kunst mit ihrer politischen Funktion.
Benjamins Überlegungen zur „zweiten Technik“ eröffnen die Möglichkeit, technische Verfahren auch jenseits unmittelbarer Naturbeherrschung zu denken. Dieses Potenzial wird mit einschlägigen Positionen der (Gegenwarts-)Ästhetik weiterverfolgt: mit den Überlegungen zu Mimesis und Ähnlichkeit bei Platon und Georges Didi-Huberman, mit der Techno-Ästhetik bei Gilbert Simondon, mit der politischen Dimension der Ästhetik bei Jacques Rancière sowie mit der Kritik von Standardisierung und Kulturindustrie bei Adorno und Horkheimer.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger technologischer und ökologischer Umbrüche fragt das Seminar schließlich, wie Technik nicht nur als Mittel zur Veränderung oder Beherrschung von Natur, sondern als Möglichkeit eines anderen Verhältnisses zu ihr gedacht werden kann – und welche Rolle Kunst, Wahrnehmung und Erfahrung in diesem Verhältnis spielen.
Ein thematischer Bezug besteht zum Workshop „Automatismus und Erfahrung“, der am 4.–5. Februar 2027 an der Akademie mit renommierten Wissenschaftler*innen aus Ästhetik, Kunsttheorie und Philosophie stattfindet. Die Teilnahme am Workshop ist optional, steht allen Studierenden offen und bietet Gelegenheit, die im Seminar behandelten Fragen im Austausch mit unterschiedlichen philosophischen Positionen weiterzuverfolgen.
Scheinerwerb: Referat (FK-T2) oder Referat und 10-seitige Hausarbeit (KP E.02.09, FK-T4) mit einem selbst gewählten Thema oder nach Absprache.
Queering Text. Reparative (Lese-)Praktiken (FK-T2)
Dr. des. Gloria Freitag
Seminar
wöchentlich, Donnerstag, 14-16h, beginnend am 15.10. Termine: 15.10., 22.10., 12.11., 19.11., 26.11., 10.12., 17.12., 14.01., 21.01
Raum: E.01.23
Queer Reading beschreibt ein Lektüreverfahren, das auf eigensinnige und widerständige Momente in Texten achtet. Es entwirft Strategien, die kritisch auf binäre, oftmals hierarchisierte Denkmuster und Strukturen hindeuten, indem sie andere Praktiken des Lesens und mit ihnen, andere Welten, Beziehungen und Zugehörigkeiten und damit im gegebenen einen anderen Text entwerfen. Queer bedeutet wörtlich „quer“. Es teilt seine etymologische Wurzel mit dem Lateinischen -torquere (drehen/winden) und dem Englischen athwart (quer, crisscross, strange). Queering a text kann also heißen, einen Text durcheinander zu bringen, sich lesend quer zu den Dingen zu stellen, andere Zusammenhänge, Relationen und Bedeutungen zu stiften; etablierte Ordnungen zu stören, Geschlossenheiten aufzubrechen, einzuschreiben, was nicht enthalten sein soll(te), etc.
Die amerikanische Queer-Theoretikerin Eve Kosofky Sedgwick (1950-2009) unterscheidet von einer engeren Bedeutung des Ausdrucks „queer“, der sich subversiv-kritisch auf heteronormative Identitätszuschreibungen bezieht, ein weiteres Verständnis. Es bezieht sich intersektional auf weitere Normierungsformen und dient so einer umfassenden Kritik binär-hierarchischer Gegensatzverhältnisse. Mit Sedgwick geht es nun nicht nur darum, diese Verhältnisse und (Denk-)Strukturen aufzudecken, sondern vielmehr darum, mit ihnen zu spielen, ihnen einen anderen Sinn unterzuschieben und sie so anzueignen, dass sie der Imagination anderer, flüchtiger und fluider Weisen des Selbst- und Zueinander-seins dienen. Durch Que(e)r-Lesen, crisscrossing, können reparative Momente im Text hervorscheinen, die sich zu einem neuen, einem gebrauchten, einem geträumten Text zusammensetzen lassen.Reparativ meint damit eine eigensinnige (Lese-)Strategie von Individuen und Communities, Mehr- und Nährwerte, Freude und Widerstandskraft gerade auch aus jenen kulturellen Objekten, Praktiken und Deutungen zu gewinnen, deren erklärtes Interesse es ist, sie nicht zu enthalten.
Anliegen des Seminars ist es, im Ausgang von Sedgwicks und in der Lektüre von weiteren Autor:innen eine queer-theoretische reparative Perspektive zu erarbeiten. Es wird sich zum Auftakt mit Sedgwicks Unterscheidung zwischen reparativen und paranoiden (Lese- und Interpretations-) Praktiken beschäftigen, wofür wir uns eingehend mit ihrem ikonisch gewordenen Text ‘Paranoid Reading and Reparative Reading, or, You’re So Paranoid, You Probably Think This Essay Is About You’ zusammensetzen werden. Neben Texten von Eve Kosofsky Sedgwick werden wir Auszüge aus Arbeiten von Saidiya Hartman, Gloria Andaluza, Edouard Glissant und Fabian Saul lesen und uns mit künstlerischen Arbeiten von Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme und Edwin van der Heide beschäftigen. Ein fertiges und fest umrissenes Konzept reparativer Praktiken soll im Seminar weder vorausgesetzt noch als ein Produkt erarbeitet werden. Vielmehr geht es darum, zeitliche, formale und ästhetische Darstellungs-, Deutungs- und Lesestrategien kennenzulernen, die je eigensinnig andere Weisen des Wissens, Verstehens, Erfahrens und Träumens eröffnen, indem sie in hegemoniale Textstrukturen andere Texte einzeichnen/ lesbar machen. Diese Strategien sollen nicht aneinander angeglichen werden, sondern in ihren gemeinsamen und unterschiedlichen Momenten, Techniken und Anliegen zusammengestellt werden, um so versammelt dem Raum zu geben/ zu öffnen, was nach Sedgwick eine weitere, vielleicht eine Kernbedeutung des Ausdrucks „queer“ ist: „an open mesh of possibilities, gaps, overlaps, dissonances and resonances, lapses and excesses of meaning“ (Sedgwicks 1993, 8).
Grundlagen der Kunst- und Kulturgeschichte/Einführung in die Kunstgeschichte und Philosophie (KP D01.09 + FK T1 + IA PM_BA1_KK)
Dr. Hanna Hamel / Prof. Dr. Florian Matzner / Prof. Dr. Maria Muhle / Prof. Dr. Dietmar Rübel
Vorlesung
wöchentlich, Mittwoch, 10-12h , beginnend am 14.10.26, Termine 14.10., 21.10., 28.10., 4.11., 11.11., 25.11., 18.11., 25.11., 2.12., 9.12., 18.12., 23.12., 13.01., 20.01., 27.01., 03.02.
Raum: historische Aula (14.10.), Ansonsten je nach Anmeldung E.EG.28, E.O1.23, E.O2.29
Die wöchentliche Veranstaltung zielt auf die Vermittlung von Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens, insbesondere in Kunstgeschichte und Philosophie. An exemplarischen Beispielen wird ein Überblick über die Geschichte der Kunst sowie die wichtigsten Methoden sowie Themenfelder der Kunstgeschichte und Philosophie geboten. Dazu werden ausgewählte Kunstwerke in Verbindung mit ausgewählten Texten (Primärquellen sowie Sekundärliteratur) gemeinsam diskutiert. Zudem besuchen wir die für die Geschichte und Theorie der Kunst wichtigen Museen und Bibliotheken. Der Bibliotheksbesuch dient auch der Einführung in die Literaturrecherche; zudem werden relevante Internetressourcen vorgestellt und Hinweise zum Erstellen von Referaten und Hausarbeiten gegeben.
Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit)
Anders als angekündigt: Beginn am 14.10.2026 - Einführungsveranstaltung in der Aula
Pflichtveranstaltung für Studierende 1. Semester Freie Kunst und Kunstpädagogik und für 3. Semester Innenarchitektur (Bachelor)
Anmeldung über myCampus erforderlich. Bitte Anmeldefristen beachten. Sollte dieses Seminar nicht mehr buchbar sein, melden Sie sich bitte in einem der parallel stattfindenden Seminare an, die inhaltlich identisch sind.
Forschungskolloquium (für Masterabsolventinnen, Doktorandinnen und Post-Doktorandinnen (m/w/d))
Prof. Dr. Maria Muhle
Forschungskolloquium
Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische, ästhetische oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.
Termine werden per E-Mail bekannt gegeben. Teilnahme ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter