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Mit seinem achten Jahresthema untersucht das cx centrum für interdisziplinäre studien den Exzess als unverkennbares Merkmal unseres neoliberalen Wirtschaftssystems, adressiert jedoch auch positive Aspekte entgrenzender Ausschweifungen, die als Verweigerung rationaler und ökonomischer Verwertungsstrategien verstanden werden können. Die internationale Vortragsreihe, die das neue Jahresthema eröffnet, vereint künstlerische, gestalterische und wissenschaftliche Ansätze, die sich mit exzessiven Prozessen und Verhaltensformen sowie deren Folgen beschäftigen. Sie diskutiert die Überforderung des Einzelnen durch ständige Vernetzung, Informationsüberflutung und Selbstoptimierung und setzt sich mit der kulturellen Verwaltungsproblematik unmäßig angesammelter Dinge auseinander. Sie analysiert darüber hinaus das komplexe Verhältnis von Überfluss und Knappheit, beleuchtet mögliche Auswege aus den Wachstumsexzessen sowie die Potentiale ekstatischer Überschreitungen.

 

Das Exzessive scheint dem Kapitalismus inhärent. Letzterer setzt bekannter Maßen auf Wachstum, das durch die Beförderung stets neuer Begehren und eine steigende Nachfrage garantiert werden soll, und tendiert zur chronischen Überproduktion. Die dekadente Wucherung der Dinge und Effizienzoptimierung von Körpern finden ihre Entsprechung in der gegenwärtigen exponentiell ansteigenden Zirkulation von Informationen, Daten und Affekten durch die digitalen Kommunikationstechnologien. In medialen Exzessen ringen Botschaften um Deutungshoheit und die Aufmerksamkeit ihrer Adressat_innen und setzen in diesem Kampf eine Eskalation weiterer subtiler Dynamiken der gegenseitigen Übertrumpfung in Gang. Als Folgen solcher Exzesse diagnostizieren Wissenschaftler_innen und Künstler_innen immer häufiger Zustände von Überforderung und Erschöpfung, die nicht mehr nur auf das Individuum und den Körper bezogen sind, sondern angesichts versiegender Energiequellen sowie der Zerstörung und Vermüllung der Erde mittlerweile als planetarische Phänomene verstanden werden können. In künstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen zeichnen sich jedoch auch erste Exit-Strategien ab. Dabei scheint nicht zuletzt überprüft zu werden, inwiefern dem Exzessiven selbst die Möglichkeit der Widerständigkeit innewohnt.

 

 

Interdisziplinäre Vortragsreihe

 

Ort A.EG.15 (historische Aula), Akademiestr. 2, mit Ausnahme der ersten Veranstaltung am 23.10.2019, die in E.EG.28 (Auditorium), Akademiestr. 4, stattfindet.

Zeit jeweils um 19.00 Uhr

in Kooperation mit dem Rachel Carson Center for Environment and Society, LMU München

 

Mittwoch 23.10.2019: Exzess und Entwertung
Amy Franceschini, Jason W. Moore, Silvia Federici (per Skype)

Dienstag 29.10.2019: Konsum als Obsession
Gerda Reith, Ashkan Sepahvand

Mittwoch 20.11.2019: Exzess als kapitalistisches Prinzip
Vandana Shiva

Dienstag 26.11.2019: (Im)Materialien der Exzesse
Hans Block, Moritz Riesewieck

Dienstag 03.12.2019: Verwaltung der Massen
Sharon Macdonald

Dienstag 10.12.2019: Exzess, Gender, Rassifizierung
Luiza Prado de O. Martins, Amber Jamilla Musser

Mittwoch 08.01.2020: Exzess und Ekstase
Gisèle Vienne, Jules Evans


Donnerstag 23.01.2020: Überfluss und Knappheit
Cooking Sections (Daniel Fernández Pascual und Alon Schwabe), Jeremy Till

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