23.01.2020

Panel Überfluss und Knappheit, Jahresthema 2019/20: Exzess

 

Panel „Überfluss und Knappheit“, cx-Vortragsreihe „Exzess“
cx centrum für interdisziplinäre studien, Akademie der Bildenden Künste München

 

Unter dem Titel „Überfluss und Knappheit“ diskutieren der britische Architekt, Autor und Pro-Vizekanzler der University of Arts London Jeremy Till und die kritischen Raumpraktiker Daniel Fernández Pascual und Alon Schwabe des Duos Cooking Sections über das ambivalente Verhältnis zwischen Überfluss und Knappheit. Während Knappheit sich einerseits als realer Mangel manifestiert, dient sie andererseits im kapitalistischen Wachstumsregime als machtvolle rhetorische Figur, mit der sich Sparmaßnahmen ebenso wie immer weitreichendere Strategien der Finanzialisierung rechtfertigen lassen. Knappheit hält aber auch transformative Potentiale bereit und kann – alternativ verstanden – Gestalter*innen neue Handlungsmöglichkeiten in einer vermeintlich ausweglosen Situation eröffnen.

 

In seinem Beitrag zur cx-Vortragsreihe analysiert Jeremy Till, wie Knappheit durch Design und Architektur hervorgebracht wird, aber auch, inwieweit Knappheit zu „Inspiration und Kontext für konstruktives und transformatives Handeln“ werden kann. Die Klimakrise im Blick richtet er seinen Appell an alle gestalterischen und künstlerischen Disziplinen, Knappheit nicht als Einschränkung zu verstehen, sondern sich ihre Potentiale im Sinne einer radikal zukunftsorientierten Praxis noch viel konsequenter anzueignen.

 

Der Architekt, Pädagoge und Autor Jeremy Till gilt als Vordenker zu Fragen der Knappheit, Nachhaltigkeit und Kreativität, die sich im Hinblick auf die gebaute Umgebung stellen. Als Architekt arbeitete er mit Sarah Wigglesworth Architects an ihrem wegweisenden Gebäude, 9 Stock Orchard Street, das zahlreiche Auszeichnungen erhielt, darunter den RIBA Sustainability Prize. In seiner Funktion als Pädagoge ist Till Leiter von Central Saint Martins und Pro-Vizekanzler der University of Arts London. Zu den zahlreichen Werken des Autors Till zählen die Bücher Flexible Housing, Architecture Depends und Spatial Agency; für alle drei erhielt er jeweils den RIBA President’s Award for Research. Er kuratierte den Pavillon des Vereinigten Königreichs auf der Architekturbiennale Venedig 2006 sowie die 2013 Shenzhen Biennale für Architektur und Urbanismus. Till hat umfassend zum Thema Knappheit gearbeitet, u.a. als Leiter des EU-Forschungsprojekts Scarcity and Creativity in the Built Environment (SCIBE, 2009–12).