Jahresthema „Politik der Emotionen/Macht der Affekte“

 

Nicht nur die Bedeutung von Affekten und Emotionen im Bereich der Realpolitik sondern in gesellschaftlichen Machtverhältnissen generell rückte in letzter Zeit verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher und künstlerischer Disziplinen. Das cx centrum für interdisziplinäre studien nimmt dies zum Anlass – fast zwei Jahrzehnte nach der ersten „Affective Turn“ –, das Thema Affekte und Emotionen als bedeutende zeitgemäße Analysekategorie des Sozialen wieder aufzugreifen. Das sechste Jahresthema des cx konzentriert sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf das gegenwärtige Verhältnis von Politik und Emotionen, wie in den emotional gesättigten Machttechniken von Glücksversprechen, heraufbeschworenen Angst-szenarien und Wutausbrüchen, aber auch in der meist positiv bewerteten Macht von Empathie und Mitgefühl. Sie fragt nach dem Einfluss der medialen Vermittlung von Emotionen und affektiven Gestimmtheiten, nach potentiell neuen Kräfteverhältnissen durch eine Maschinisierung von Affekten und erforscht aktuelle künstlerische und gestalterische Reflexionen und Dekonstruktionen emotionaler Regime.

 

 

Sommersemester 2018

 

Workshop Peng! Kollektiv

                                                                                                                                    

Termine: Block 1 31.05. (10.00–19.30 Uhr), 01.06. (9.00–17.00 Uhr)

Block 2 06.06. (11.30–20.30 Uhr), 07.06. (10.00–19.30 Uhr), 08.06. (9.00–14.00 Uhr)

Block 3 04.07. (13.00–20.30 Uhr), 05.07. (10.00–19.30 Uhr), 06.07. (9.30–16.30 Uhr)

Block 4 11.07. (11.00–19.00 Uhr), 12.07. (10.00–18.00 Uhr)

 

Beginn: 31.05. um 10 Uhr Raum: Koloss-Saal (Altbau)

Voranmeldung bis 24. Mai 2018 unter info_cx@adbk.mhn.de

 

Das Berliner Kollektiv Peng! arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und politischen Aktivismus. Der Workshop mit Peng! wurde von der freien Polizeiklasse angeregt und knüpft inhaltlich und praktisch an deren bisherige Arbeit an.

 

Peng! ist ein Kollektiv von Aktivist_innen, Künstler_innen, Journalist_innen und Freund_innen, die mit neuen und radikaleren Protestformen experimentieren. Mit Humor und Mitteln des zivilen Ungehorsams versucht Peng! herrschende Narrative zu brechen, mediale Diskurse kritisch zu beeinflussen, politische Debatten neu zu befeuern und gegen Ungerechtigkeiten zu kämpfen.

 

Peng! sprengte mit einer Ölfontäne eine Greenwashing Veranstaltung von Shell. Es kaperte die PR Abteilung von Vattenfall und verkündete den Ausstieg des Konzerns aus der Braunkohle. Im Sommer 2015 startete das Kollektiv einen Aufruf zur Fluchthilfe gegen die EU-Regelungen von Dublin II. Gegen Online-Sexismus trainierten sie eine Armee von Fake-Twitter-Profilen, die Trolls zurücktrollten. Ferner gründeten sie den ersten Aussteigerverein für Geheimdienste und entschuldigten sich im Namen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für die verheerenden Folgen der Agenda 2010. Im Frühling 2017 verliehen sie einen Friedenspreis an die Rüstungsindustrie, riefen Waffen von Heckler und Koch aus den USA zurück, und erinnerten die CDU an ihre christlichen Werte, indem sie eine Petition in Namen eines erfundenen CDU Ortsverbandes starteten, um Rüstungsexporte einzuschränken. Für diese Aktionen wurden sie im Frühling 2018 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet.

 

Peng! kooperierte mit verschiedenen Theatern (HAU Hebbel am Ufer, Kampnagel, Schauspiel Dortmund) und NGOs (Greenpeace, Act Up, Flüchtling Willkommen, Sanktionsfrei).

www.pen.gg

 


 

Zwischen Dominanz und Fürsorge, Wut und Verklärung:

Die (Un)Möglichkeit eines Designs für Tiere und Menschen (auch Modul B.06.09)

Tanja Seiner, Dipl.-Des.

 

Raum E.ZG.04, A.EG.01 (12.06., 26.06.), Akademiestr. 2–4

Zeit Dienstag 10.30–12.30 Uhr

Beginn: 10.04.2018 (Einführung, verbindliche Anmeldung)

weitere Termine 24.04., 08.05., 15.05., 22.05., 29.05., 05.06., 12.06. (Workshop 10.00–18.00 Uhr), 19.06. (Einzelkorrekturen), 26.06. (Endpräsentation)

Kontakt/Voranmeldung bis 09.04.2018 an seiner@adbk.mhn.de

(Teilnahmebeschränkung)

 

Im Seminar widmen wir uns der Bedeutung von Affekten und Emotionen in Mensch-Tier-Beziehungen. Inwiefern werden hierarchische Strukturen in Mensch-Tier-Beziehungen durch eher positiv konnotierte Bestrebungen nach Empathie, Solidarisierung und Fürsorge konstituiert oder verstärkt? Wie beeinflussen uns Heilsversprechen oder heraufbeschworene Angstszenarien, die von neuen Technologien, wie dem Heran-züchten von Fleisch im Labor oder der genetischen Manipulation von Tieren ausgehen? Was sind Konsequenzen von Wut, Aktionismus und Provokation im Kampf um mehr Rechte für Tiere? Anhand ausgewählter theoretischer Positionen und Werken der zeitgenössischen Kunst und des aktuellen Designs gehen wir auf kritische Art und Weise der Frage nach, welche gestalterischen Strategien angewendet werden können, um asymmetrische Machtverhältnisse zwischen Menschen und Tieren zu dekon-struieren. Im Zuge dieser Auseinandersetzung erforschen wir die (Un)Möglichkeit einer Gestaltungspraxis, welche auf eine gleichberechtigte Koexistenz von Menschen und Tieren ausgerichtet ist.

 

Parallel zum theoretischen Teil entwickeln die Teilnehmer/innen innerhalb dieses thematischen Rahmens eigene Fragestellungen und Gestaltungsansätze, die ebenfalls in den wöchentlichen Treffen diskutiert werden. Der daran anschließende praktische Teil des Seminars beginnt mit einem 1-tägigen Workshop, welcher der Weiterentwicklung der individuellen Konzepte dient. Nach selbstständigen Ausarbeitungen der einzelnen Entwürfe, die von Einzelkorrekturen begleitet werden, findet eine Abschlusspräsentation statt.

 

Das Seminar steht im Kontext der Vorbereitungen für die Ausstellung „Kreaturen nach Maß – Tiere und Gegenwartsdesign“, die Mitte September 2018 am Marta Museum in Herford eröffnet. Neben einem Überblick über die vielfältigen Perspektiven des Menschen auf Tiere, die sich in Gestaltungsprozessen manifestieren, versucht die Ausstellung, Szenarien für zukünftige Mensch-Tier-Beziehungen zu formulieren. Es besteht die Möglichkeit ausgewählte studentische Projekte, die im Rahmen des Seminars entstehen und im Weiteren detailliert ausgearbeitet werden, in die Ausstellung zu integrieren.

 


 

When affects go viral. Zur (politischen) Wirkmacht affektiver Bilder im Netz

Workshop in Kooperation mit der TUM Jungen Akademie

Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4

Zeit 08./09.06.2018

Vorbesprechung für Akademiestudierende 29. Mai, 14 Uhr

Kontakt/Voranmeldung bis 16.04.2018 an susanne.witzgall@adbk.mhn.de

(Teilnahmebeschränkung)

 

Internet und soziale Medien haben neue (Netz)Gemeinschaften geschaffen, die durch gezielt lancierte Informationen und Bilder emotional bewegt und affektiv gestimmt werden. Gerade Bilder und ihre Verbreitung in Kombination mit Likes und Retweets, Kommentaren und Emojis können zu Instrumenten der Stimmungsmache werden, die das Verhalten der Nutzer/innen beeinflussen. Im Kontext von Desinformations-kampagnen und Social Bots sind sie in letzter Zeit zu fast eigenständigen politischen Akteuren/innen geworden, die Einfluss auf Wahlentscheidungen nehmen. Subjektive Perspektive und emotionale Aufladung scheinen der Glaubwürdigkeit der Bilder paradoxer Weise keinen Abbruch zu tun – im Gegenteil. Vor allem fotografische oder videografische Bilder vermitteln dadurch häufig überhaupt erst den Eindruck von Wahrhaftigkeit und Authentizität.

 

Am ersten Tag des Workshops sollen vor allem anhand ausgewählter zeitgenössischer Kunstwerke und wissenschaftlicher Textbeispiele die Mechanismen der digitalen Bildkommunikation und deren affektiven Wirkweisen aus transdisziplinärer Perspektive analysiert werden. Am zweiten Tag liegt der Fokus auf der gemeinsamen Diskussion und Ideensammlung. Wie können affektive, meist unsichtbare Manipulations-mechanismen im Netz sichtbar gemacht werden? Wo liegt die Grenze zwischen Affirmation und Kritik oder zwischen Fakt und emotional gestimmter Meinung? Gibt es potentielle Gegenstrategien gegen eine emotional manipulative Bildpropaganda? Dies könnten relevante Fragen und Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame künstlerisch-ästhetische oder/und wissenschaftlich inspirierte Auseinandersetzung sein.

 

Der zweitägige Workshop findet in Kooperation der TUM Junge Akademie in München statt, die 2010 mit dem Ziel gegründet wurde, ausgewählte Studierende der Technischen Universität in interdisziplinären Gruppen zusammen zu bringen, um an sozial relevanten Themen zu arbeiten. Er richtet sich gleichermaßen an Studierende der Akademie der Bildenden Künste und der TUM Jungen Akademie und ist auf 20 Teilnehmer/innen beschränkt. Im Rahmen des Workshops sind außerdem Impulsreferate von zwei externen Gästen geplant.

 


 

„We don’t need another hero.“ Exkursion zur 10. Berlin Biennale

Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4

Zeit 27.–30.06.2018 (Exkursion), 17.04.2018 (Treffen zur Reiseplanung), 19.06.2018 (Einführung), 10.07.2018 (Nachbereitung), jeweils Dienstag 14.00–16.00 Uhr

Kontakt/Voranmeldung bis 16.04.2018 an susanne.witzgall@adbk.mhn.de

(Teilnahmebeschränkung)

 

„Die Beteiligten setzen sich mit den anhaltenden Ängsten und Sorgen in unserer heutigen Zeit auseinander – Ängste, die durch die Missachtung komplexer Subjek-tivitäten vervielfacht werden – und denken und handeln in ihrer Auseinander-setzung über den Kunstkontext hinaus,“ heißt es im Konzepttext der 10. Berlin Biennale. Die von Gabi Ngcobo kuratierte 10. Ausgabe der internationalen Ausstellung zur Kunst der Gegenwart verspricht in ihrer inhaltlichen Ausrichtung vielfache Anknüpfungspunkte zum derzeitigen Jahresthema des cx. Sie stellt sich „dem aktuell weitverbreiteten Zustand einer kollektiven Psychose“ und scheint dabei vor allem affektiv gestützte Herrschaftsstrukturen in den Blick zu nehmen. Die dreitägige Exkursion analysiert vor Ort das kuratorische Konzept und die ausgewählten künstlerischen Positionen mit besonderem Fokus auf das cx Jahresthema „Politik der Emotionen/Macht der Affekte“ und bereitet einzelne Aspekte der Ausstellung in einer abschließenden Sitzung inhaltlich nach.

 


 

Affekt und Immersion – installative Environments, Computerspiele, Virtual Reality und die insistierende Frage nach dem Politischen innerhalb artifizieller Welten (auch Modul C.01.09)

Prof. Dr. Marietta Kesting

 

Raum Auditorium, 5.6. und 3.7. E.ZG.04, Akademiestr. 4

Zeit Dienstag 16.00–20.00 Uhr

Beginn: 17.04.2018 (Einführung, verbindliche Anmeldung)

weitere Termine 24.04., 08.05., 22.04., 05.06., 19.06., 26.06., 03.07.

Kontakt kesting@adbk.mhn.de

 

Immersive Installationen und Computerspiele möchten eine immer perfektere Illusion einer artifiziellen oder auch der ‚realen’ Welt ermöglichen. Dies steht konträr zu dramaturgischen und künstlerischen Techniken der Unterbrechung und Illusionsstörung wie etwa Brechts theatralem Stilmittel der Verfremdung. Es gibt aktuell eine Vielzahl immersiver Praktiken in den hybriden Kunstformen der Gegenwart, z. B. als Dramaturgien oder Performances des „Sich-Einlassens“, des „Mitspielens und Erkundens“ oder des „In-Flow-Kommens“, wobei die Grenzen zwischen Publikum und Künstler/in in den Hintergrund treten, und das Publikum Teil der Inszenierung werden kann. Ohne dass partizipative Erfahrungen mit immersiven stets gleichzusetzen wären, sind sie häufig eng miteinander verknüpft. Diese Formate, die affizierende Erlebnisse konstruieren, haben sich aufgrund medientechnischer Entwicklungen in Theater, Performance, Installation sowie Video- und Computer-Art seit dem Ende des
20. Jahrhunderts verstärkt etabliert: Zu denken ist hier etwa an die partizipativen Environments des „site-specific theatre“ u. a. das von Matthias Lilienthal entwickelte „X-Wohnungen“, die begehbaren Computerspiele von machina eX, aber auch die reflexiven Videoformate Harun Farockis, die intermedialen Inszenierungen der Gruppe Rimini Protokoll und Gob Squad, die mit virtuellen und realen Objekten spielenden Installationen von Jon Rafman, die Theater und Expanded Cinema verbindenden Arbeiten von Apichatpong Weerasethatkul, und die filmischen Installationen von Emilija Skarnulyte. Das Seminar untersucht verschiedene Modelle des Immersiven in Zusammenhang mit ihrem Affizierungspotential und fragt, welche Politiken diese installativen Environments vertreten können, die vereinfacht zwischen den Polen des nahtlosen Erfahrens auf der einen und des Anstoßens kritischer Reflexionsprozesse auf der anderen Seite stehen.

 

Für die Lehrveranstaltung ist im Juni eine Exkursion nach Berlin geplant, um sich zwei Ausstellungen zum Thema „Immersion“ – „Philippe Parreno“ und „Welt ohne Außen“ – Immersive Räume der 1960er Jahre – im Rahmen der Berliner Festspiele anzusehen.

Infos zur Ausstellung: https://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/immersion/start.php

 


 

Project-Class Prof. Cécile B. Evans

 

Raum A.U1.24, Akademiestr. 2

Zeit April 24th–27th, May 16th–18th, June 21st–22nd, July 27th–31st (tbc)

Teaching language English

Voranmeldung bis 16.04.2018 an info_cx@adbk.mhn.de (Teilnahmebeschränkung)

 

The project class will center around the impact and changing values of emotion on con-temporary society, alongside the battle to adequately circulate, instrumentalize, and assign physical place of presence to feeling. In particular, they will address the vast effect of infrastructure and networked systems, driven by digital communication in the last 25 years, on human subjectivity and perception of collective experience. Contextual aesthetics, non-binary thinking, and the expansion of materiality will be examined as avenues of possibility to imagine productive ways of navigating affect and power.

 

Die amerikanisch-belgische Künstlerin Cécile B. Evans lebt und arbeitet in London. Im Zentrum ihrer künstlerischen Praxis steht die sich verändernde Wahrnehmung und Bewertung von Emotionen in virtuellen Welten. Evans Arbeiten wurden bereits mehrfach Einzelausstellungen gewidmet, zuletzt etwa in der Galerie Emanuel Layr, Wien, in der Tate Liverpool (UK), in der Kunsthalle Aarhus (DK) und in De Hallen Haarlem (NL). Sie waren darüber hinaus auf der 9. Berlin Biennale sowie der 20. Sydney Biennale ausgestellt und werden demnächst u. a. bei der International Moscow Biennale und der Ural Industrial Biennale sowie in der Fundació Joan Miró in Barcelona und dem Musée d‘Art Moderne de Paris zu sehen sein.

 


 

 

Informationen zu einer zweiten Projektklasse des cx werden per Aushang bekannt gegeben.

 


 

Das Programm des cx centrum für interdisziplinäre studien wird aus Mitteln des Bundes­ministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL16023 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren/innen.