Wintersemester 2022/23

 

Strange Ecologies
online-Vortragsreihe (FU-Z1)
Dr. Susanne Witzgall, Prof. Nils Norman
Zeit Dienstag oder Donnerstag 19.00–21.15 Uhr, Termine: 08.11., 22.11., 12.01, 24.01. und 26.01.(Nachbesprechung)
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Viele konventionellen Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewegungen laufen mit ihrer normativen Perspektive auf die ‚Natur‘ Gefahr, geschlechtliche Binaritäten, weiße Vorherrschaft sowie patriarchale und kapitalistische Machtverhältnisse zu reproduzieren. Hinzu kommt die Tatsache, dass arme Menschen, Menschen mit Beeinträchtigung und People of Colour überdurchschnittlich stark unter den Belastungen der Ressourcenausbeutung, Umweltzerstörung und dem Klimawandel leiden. Sie tragen „die Bürde Toxizitäten ausgesetzt zu sein und die Gewalt der Erde abzupuffern“ (Kathryn Yusoff). Queere, feministische und dekoloniale Ansätze in Theorie, bildender Kunst und aktivistischer Praxis legen deshalb eine neue Vorstellung von Ökologie und eine andere Fürsorge für die Umwelt nahe, welche die Konstrukte von race, Klasse, Nationalität und Geschlecht und deren Naturalisierung radikal unterläuft (Nicole Seymour) und für jeden die Möglichkeit alternativer Zukünfte eröffnet.

 

Die Vortragsreihe Strange Ecologies, die zusammen mit Nils Norman organisiert wird, widmet sich gegenwärtigen künstlerischen, wissenschaftlichen und aktivistischen Ansätzen, die Ökologie queeren und dekolonialisieren. Sie untersucht aktuelle Strategien normative Ansichten und vertraute Vorannahmen über die ‚Natur‘ und unser menschliches und mehr-als-menschliches Zusammenleben herauszufordern. Dabei geht es nicht nur um eine Kritik, sondern auch um die Thematisierung produktiver Praxen, sich anders als bisher mit der Umwelt in Beziehung zu setzen – sei es in Form einer alternativen kollektiven Landwirtschaft, einer Öko-Erotik oder eines anderen Umgangs mit versehrten Landschaften. Bei regelmäßiger Teilnahme kann für diese Vortragsreihe ein fakultativer „Sitzschein“ ausgestellt werden.

 

Dienstag, 8. November 2022
Ökologische Zukünfte queeren
Lee Pivnik, Künstler, Institut of Queer Ecology, Miami
Nicole Seymour, Professor für Englische Literatur, California State University, Fullerton

 

Dienstag, 22. November 2022

Landwirtschaft dekolonialisieren

Fritz Haeg, Künstler, Salmon Creek Farm, Kalifornien
Carole Wright, Urbane Aktivistin, Gemeinschaftsgärtnerin, Blak_outside, London

 

Donnerstag, 12. Januar 2023
Zugehörigkeiten indigenisieren
Kim TallBear, Professorin an der Fakultät für Native Studies, University of Alberta

 

Dienstag, 24. Januar 2023

Mit versehrten Ökologien leben
Amanda Cachia, Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin, San Diego
Tejal Shah, Künstlerin, PIr (Himachai Pradesh)

 

Black, Crip, Queer und Sex Ökologien

Non-Normative Perspektiven auf NaturKulturen in Theorie und Kunst der Gegenwart

(Seminar, FK-T3, D.04.09, D.05.09, FU-Z1)

Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 2

Zeit Mittwoch 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 26.10. (Vorbesprechung), weitere Termine: 02.11., 09.11., 16.11., 23.11., 30.11., 7.12., 14.12., 11.01., 18.01, 25.01., 01.02.                       
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In den letzten Jahren fallen im ökologischen Theoriediskurs und in der zeitgenössischen Kunst vermehrt Ansätze auf, die von den Black, den Queer und den Disability Studies inspiriert sind und mit ihrem Fokus auf Sex, Gender, race oder Disablismus alternative nicht-normativen Perspektiven auf unsere (zerstörten) Ökosysteme eröffnen. Sie thematisieren, dass arme Menschen und People of Colour überdurchschnittlich stark unter den Belastungen der Ressourcenausbeutung und dem Klimawandel leiden oder betonen die besondere Verletzlichkeit von Körpern mit Beeinträchtigung in toxischen Umwelten. Sie heben die Bedeutung von Erotik für die Relationen von Menschlichem und Mehr-als-Menschlichem hervor oder stellen dualistische Kategorien wie natürlich/unnatürlich, normal/abnormal oder gesund/krank in Frage, auf welchen die Abwertung bestimmter Körper, Individuen und Umwelten beruht. Dahinter steht allem voran das (politische) Anliegen jenseits einer kritischen Adressierung destruktiver Machtverhältnisse alternative Zukünfte der Achtsamkeit und Fürsorge zu eröffnen.  

 

In der Lehrveranstaltung werden zentrale künstlerische und theoretische Positionen der Black, Crip und Queer Ökologien vorgestellt. In diesem Zusammenhang soll kritisch diskutiert werden, inwiefern diese Ansätze nicht nur als Identitätspolitik, sondern auch als analytische Strategien verstanden werden können, Verletzlichkeit und Prekarität als grundsätzliche Verfasstheit des Lebens im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts besser zu erfassen und einen weniger destruktiven Umgang mit unseren Ökosystemen aufzuzeigen. Zur Auswahl stehen im derzeitigen Programm der Lehrveranstaltung unter anderem künstlerische Arbeiten von Imani Jacquelin Brown, Jesse Darling, Anne Duke Hee Jordan, Annie Sprinkle und Beth Stephens sowie Texte von Stacy Alaimo, Judith Butler, Eli Clare, Greta Gaard, Audre Lorde oder Sunaura Taylor; es können jedoch auch gerne eigene Vorschläge zur Erarbeitung des Themenfeldes eingebracht werden. 

 

Parallel zu dieser Lehrveranstaltung findet im Wintersemester eine vierteilige Vortragsreihe mit dem Titel Strange Ecologies statt, die zusammen mit Nils Norman organisiert wird und ähnliche Themen und Fragestellungen aufgreift. Der Besuch der Vortragsreihe ist jedoch keine Voraussetzung für die Teilnahme dieser Veranstaltung und umgekehrt. 

 

Pflichtseminar für Examenskandidat*innen der Kunstpädagogik
(KP, D.07.09)
Magdalena Becker, Prof. Dr. Florian Matzner, Prof. Dr. Dietmar Rübel, Sarah Sigmund, Sabine Weingarten, Dr. Susanne Witzgall, Samira Yildirim

Zeit Mittwoch 26.10., 14.00–16.00 Uhr (Vorbesprechung in der historischen Aula), danach Termine nach individueller Vereinbarung mit der*m jeweiligen Prüfer*in
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Zur Vorbereitung auf die mündliche Examensprüfung in Kunstgeschichte wird um individuelle Terminvereinbarungen mit der*m ausgewählten Prüfer*in gebeten.

 

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Sommersemester 2022

 

Körper der Ko-Existenz

Relationale Vorstellungen des Menschen in Kunst und Theorie der Gegenwart

(FK-T3, KP D.04.09, D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall

Raum E.O1.23, Akademiestr. 2

Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 26.04. (Vorbesprechung), dann wöchentlich (03.04., 10.05., 17.05., 24.05., 31.05., 14.12., 07.06., 14.06, 21.06., 28.06., 5.07.)                       
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Die Vorstellung, dass der Mensch ein selbstbestimmtes, wissendes Subjekt ist, prägt den westlichen humanistischen Diskurs. „Transparentes Ich“ nennt die Philosophin Denis Ferreira da Silva diese Idee, die den (‚idealen‘) Menschen mit einer autarken Innerlichkeit assoziiert, mit der er über eine vermeintliche – ihn nicht wirklich affizierende – Außenwelt herrscht. In Opposition zu dieser Vorstellung des selbstbestimmten unabhängigen Menschen mit ihrem „Wahn der Undurchlässigkeit“ (Stacy Alaimo) entwarfen in den letzten Jahrzehnten Vertreter*innen posthumanistischer, feministisch-neomaterialistischer Ansätze und der Black Critical Theory sowie ein Reihe von internationalen Bildenden Künstler*innen ein dezidiert relationales Konzept des Subjekts. Dieses bestreitet die Trennung des Menschen von den vernetzten, sich gegenseitig konstituierenden Prozessen der Realität und betont seine verkörperte Ko-Existenz und sein Mit-Werden mit anderen lebenden und nichtlebenden Akteur*innen in den materiell-semiotischen Geflechten der Welt.

 

Doch wie sehen diese menschlichen Körper der Ko-Existenz aus? Welche Eigenschaften haben sie? Sind sie stark oder verletzlich? In welche Machtrelationen sind sie eingebettet und was für ein alternatives Konzept zum „transparenten Ich“ legen sie genau nahe? Das Seminar geht diesen Fragen anhand von ausgewählten theoretischen Positionen und Beispielen aus der Kunst der Gegenwart nach und nimmt dabei sowohl die Ko-Existenz und das Mit-Werden des Menschen mit anderen Lebewesen und der Umwelt als auch mit der Technik in den Blick. Wir analysieren in diesem Zusammenhang unter anderem Arbeiten von Geumhyung Jeong, Candice Lin, Sandra Mujinga, Otobong Nkanga oder Alexandra Pirici (fast alle Teilnehmer*innen der diesjährigen Biennale in Venedig) und besprechen Texte von Stacy Alaimo, Rosi Braidotti, Andy Clark, Donna Haraway, Astrida Neimanis, Jakiyyah Iman Jackson und weiteren. Zudem sind inhaltliche Ausflüge in das Science-Fiction-Genre geplant (Octavia Butler) sowie ein Besuch der Ausstellung „Future Bodies from a Recent Past“ in der Sammlung Brandhorst (ab. 2. Juni).

 

Kollektive Komplizenschaften

Blockseminar zur Vorbereitung auf den Besuch der documenta 15

(FK-T2, FK-T3, KP D.04.09, KP D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall

Raum Alter Sitzungssaal (Altbau) und E.O1.23 (nur am 15.06.22)

Zeit Mittwoch 14.30–17.30 Uhr, Beginn: 04.05.22., dann 14tägig (18.05., 01.06., 15.06., 29.06.)                       
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Das Konzept derdocumenta 15 orientiert sich an dem Modell von „lumbung“ – ein Begriff, der auf Indonesisch eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune bezeichnet. Es stellt damit „Kollektivität, gemeinschaftlichen Ressourcenaufbau und gerechter Verteilung“in den Mittelpunkt dieses internationalen Kunstereignisses. Der Großteil der eingeladenen künstlerischen Positionen sind Kollektive, deren – häufig partizipativ angelegte – Praxen über die Milieugrenzen der Kunst hinweg breitere soziale Schichten erreichen wollen. Nicht die Produktion von Kunstobjekten steht hier im Vordergrund, sondern eine konkrete Formung von realen Bedingungen menschlicher (und nichtmenschlicher) Ko-Existenzen. So geht es beispielsweise um die Realisierung allgemeiner gesellschafts-politischer Anliegen wie mehr Demokratie oder Meinungsfreiheit, das Anstoßen sozio-ökologischer Transformationsprozesse an einem ganz bestimmten Ort oder um das gemeinsame Teilen und Produzieren von Wissen.

 

Das Blockseminar „Kollektive Komplizenschaften“ versteht sich als vorbereitende Veranstaltung für einen Besuch derdocumenta 15. Nach einem kurzen historischen Rückblick auf kollektive Kunstpraktiken in den 1970er Jahren widmet es sich ausgewählten künstlerischen Positionen der documenta wie Tanja Buguera‘s INSTAR (Instituto de Artivismo Hannah Ahrendt), INLAND – Campo Adentro: arts, agricultures and countryside, Black Quantum Futurism oder das ZK/U-Zentrum für Kunst und Urbanistik und anderen. Diese Beispiele sollen außerdem dazu dienen, grundsätzliche Anliegen und Strategien zeitgenössischer kollektiver Kunstpraxen zu analysieren sowie das Verhältnis von Kunst, Gesellschaft und Politik zu diskutieren.

 

Vom 7. bis 10. Juli findet zusammen mit den Lehrstühlen für Kunstgeschichte eine klassenübergreifende Exkursion zur documenta 15 statt, die mit studienübergreifenden Zuschüssen unterstützt wird. Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Exkursion ist der Besuch dieses Blockseminars oder alternativ dazu der Besuch des Seminar zur Geschichte der documenta von Dietmar Rübel. Der Anmeldeschluss für die Exkursion ist der 2. Mai 2022. Das Blockseminar "Kollektive Komplizenschaften" steht jedoch auch allen anderen Interessierten offen unabhängig von der geplanten Exkursion. 

 

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Wintersemester 2021/22

 

Co-Existence. Die Kunst des mehr-als-menschlichen Zusammenlebens 

Seminar (FK-T3, D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 2

Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 26.10. (Vorbesprechung), weitere Termine: 02.11., 09.11., 16.11., 30.11., 07.12., 14.12.2021, 11.01., 18.01.2022                                        
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In jüngerer Zeit häufen sich im Kunstbereich Projekte, Ausstellungen und diskursive Programme, die sich dem Thema der Co-Habitation bzw. der Co-Existenz von Menschen und Nicht-Menschen widmen. Die Ausstellung Cohabitation – Ein Manifest für Solidarität von Tieren und Menschen im Stadtraum (silent green, Berlin) mit einem umfangreichen Diskursprogramm oder das ProjektCritical Zones (ZKM, Karlsruhe) sind nur zwei Beispiele für das wachsende künstlerische sowie transdisziplinäre Interesse an Fragen des mehr-als-menschlichen Zusammenlebens vor dem Hintergrund eines rasanten Artenschwunds, eines sich potenzierenden Verlusts an fruchtbaren Böden sowie steigenden Mensch-Wildtier-Konflikten.

 

Das Seminar nähert sich dem Thema der „Co-Existenz“ unter anderem entlang zentraler Begriffe des gegenwärtigen, stark feministisch-posthumanistisch geprägten Diskurses wie „care“, „kinship“ (Verwandtschaft), Responsabilität, Solidarität oder Symbiose. Wir diskutieren aktuelle künstlerische und gestalterische Positionen von Alexandra Daisy Ginsberg, Forensic Architecture, Antje Majewski, Maria Michails, Susanne M. Winterling, Tomas Saraceno, Thao Nguyen Phan und vielen mehr und blicken dabei immer wieder auch auf inhaltlich korrespondierende künstlerische Arbeiten aus den 1970er, 1980er und 1990er Jahren zurück – darunter Projekte von Ant-Farm, Helen Mayer Harrison und Newton Harrison, Betty Baumont oder Mark Dion und Alexis Rockman. Als begleitende Lektüre, die mit den künstlerischen Positionen in einen kritischen Dialog gebracht wird, dienen Texte von Fahim Amir, Maria Puig de La Bellacasa, Donna Haraway, Natasha Mayers, Merlin Sheldrake und anderen.

 

Cross Challenge I: Caring Co-Existence 

Kooperationsprojekt mit der Technischen Universität München (Junge Akademie), der Hochschule für Film und Fernsehen und der Hochschule für Musik und Theater

Zeit Beginn: 21.10. (Vorstellung), weitere Termine (siehe auch unten): 22.10., 23.10., 04.11., 05.11., 06.11., 01.12., 08.12.2021, 12.01., 25.02.2022                                        
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Unser westlicher Lebensstil – geleitet von einem unersättlichen Konsumverhalten, der Ideologie eines kontinuierlichen Wachstums, zunehmender Ungleichheit, der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und einer Vermüllung der Erde – scheint vor dem Bankrott zu stehen. Es gilt mittlerweile als unumstritten, dass wir uns auf neue Art und Weise zur Mehr-als-menschlichen-Welt in Bezug setzen sowie neue Formen des Zusammenlebens denken und implementieren müssen. Aber wie und wo können wir hierbei in einem System ansetzen, das jeden von uns fest im Griff hat und alternative Ideen beständig diskreditiert? Wie können wir Möglichkeiten für einen Wandel und ein symbiotischeres Werden aufspüren, das in der Ungewissheit und Dunkelheit der Zukunft schlummert ohne von apokalyptischen Visionen übermannt zu werden? Wie können wir uns angesichts „kapitalistischer Ruinen“ (A. Tsing) und eines „zerstörten Planeten“ (D. Haraway) ein Zusammenleben mit einer Vielfalt von Spezies vorstellen und fördern?

 

In transdisziplinären und kollaborativen Projekten sollen Ansatzpunkte, erste Konzepte, Praktiken oder sogar Teillösungen auf diese drängenden Fragen unserer Zeit untersucht werden. Es gilt Gegenwart und Zukunft einer „Caring Co-Existence“ zu erforschen – ökologischer Formen der Existenz, die es wert sind verfolgt zu werden. Die Projekte können eine Veränderung der Wahrnehmung und affektiven Gestimmtheit provozieren, alternative Formen der Kommunikation mit der lebenden und nicht-lebenden Welt erforschen, sozio-ökologische Gewalt und Ungerechtigkeit adressieren, eine ethischere Verflechtung von Technologie und ‚Natur‘ befördern oder mit fruchtbareren Modi des Zusammenlebens experimentieren. Sie können kühne Visionen entwerfen oder relative kleine Interventionen und Interaktionen realisieren, die nichts destotrotz komplexe Mustern und Systeme des Wandels (A. M. Brown) nach sich ziehen.  

 

1. Block:       

21.10.2021 / 18:00 bis 19:30 Uhr / AdbK, Historische Aula

Begrüßung, Vorstellung des Projekts, Vorstellungsrunde der Teilnehmer*innen 

22.10.2021 / 17:30 bis 20:00 Uhr / TUM, Turm

Einführung "Caring Co-Existence"

Präsentationen von Alexandra Daisy Ginsberg und Paulo Tavares (online)

anschließend Panel Diskussion und Q&A 

23.10.2021 / 10:00 bis 15:30 Uhr / HFF, Seminarraum 1 (2.01)

Workshop und Teambuilding 

 

2. Block: 

04.11.2021 / 17:00 bis 18:30 Uhr HFF, Audimax

Merlin Sheldrake im Gespräch mit Susanne Witzgall und Daniel Lang (online)

anschließend Q&A 

05.11.2021 / 14:00 bis 18:00 Uhr / AdBK, Historische Aula

Workshop

06.11.2021 / 12:00 bis 17:00 Uhr / Seminarraum 4, HFF

Arbeit im Team und Feedback-Runde

 

Weitere Termine: 

01.12.2021 / 18:00–20:00 Uhr

Feedbackrunde für Team 1 und 2

08.12.2021 /18:00–20:00 Uhr

Feedbackrunde für Team 3

12.01.2022 / 17:00–21:00 Uhr / TUM Dieter Thoma Labor

Input und Feedbackrunde für alle Teams

25.02.2022:  Closing/Abschlusspräsentation

 

Das Format Cross Challenge

Die komplexen Problemstellungen der Gegenwart können nur im Verbund verschiedener Er­kenntnis- und Praxisformen adäquat erfasst und verhandelt werden. Es gilt unkonventionelle Analysewerkzeuge sowie alternative Denk- und Handlungsstrategien zu entwickeln, die den aktuellen sozio-ökologischen Herausforderungen gerecht werden können und die notwen­dige Transformation der Gesellschaft vorantreiben. Hier setzt Cross-Challenge an. Dieses gemeinsame transdisziplinäre Projektformat der Jungen Akademie der Technischen Universität München (TUMJA), der Akademie der Bildenden Künste (AdbK), der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) sowie der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist be­wusst experimentell ausgerichtet.

 

Fortgeschrittene Studierende der vier Hochschulen werden dazu eingeladen, zu einer vorab definierten aktuellen Fragestellung ein kollaboratives Projekt zu initiieren und umzusetzen. Über einen Zeitraum von vier Monaten (16 Wochen) entwickeln ausgewählte Studierende aus verschiedenen künstleri­schen Disziplinen sowie unterschiedlichen technischen, geistes-, gesellschafts- oder natur­wissenschaftlichen Fächern in kleinen Gruppen von vier bis sechs Personen ein gemeinsa­mes Projekt. Sie erhalten hierfür ein kleines Produktionsbudget, fachlichen Input von internationalen Expert*innen im Rahmen von Workshops und Vorträgen und werden von Do­zent*innen der Partnerhochschulen begleitet und unterstützt. 

 

Projektergebnisse können künstlerische oder dokumentarische Arbeiten, wissenschaftliche Abhandlun­gen oder gesellschaftliche Interventionen sein. Sie können eine poetisch-beschreibende, analytische, kritisch-reflektierende oder politisch-akti­vistische Ausrichtung haben und hybride Formen annehmen, die konventionelle Gattungen sprengen. Ziel des gemeinsamen projektbezogenen und kollaborativen Formats ist es durch inter- und transdiszipli­näre Zusammenarbeit andere Perspektiven auf zentrale Fragestellungen unserer Zeit zu er­öffnen sowie neue Herangehensweisen und Praxisformen zu erproben. Als hochschulüber­greifende Initiative möchte Cross-Challenge bereits im Studium eine transdisziplinäre For­schung und insbesondere die Zusammenarbeit zwischen angehenden Wissenschaftler*innen und Künst­ler*innen fördern, der ein wegweisendes Innovations- und Transformationspotential zugeschrieben wird. 

 


 

Sommersemester 2021: Wissen = Macht?

 

Anderes Wissen

(FK-T3, D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 2

Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 20.04. (Vorbesprechung), weitere Termine: 27.04., 04.05., 11.05., 18.05., 25.05., 01.06., 08.06., 15.06., 29.06., 06.07., 13.07.2021.                                          
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Für Joseph Beuys, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, stellte die fast ausschließliche Fokussierung der westlichen Gesellschaften auf das wissenschaftliche Wissen die eigentlich zu heilende Wunde des Menschen dar. Dabei ging es ihm jedoch nicht um eine totale Zurückweisung des wissenschaftlichen Denkens, sondern um dessen Ergänzung durch andere Erkenntnisformen. In der Zwischenzeit wurde nicht nur der alleinige Wahrheitsanspruch des wissenschaftlichen Wissens einer Kritik unterzogen (sowie diese Kritik im „postfaktischen Zeitalter“ verdreht und missbraucht), sondern auch die Forderung lauter andere marginalisierte Wissensformen stärker zu berücksichtigen. Denn durch traditionelle Festlegungen, wer Wissen produzieren und was als Wissen gelten darf, werden koloniale Machtverhältnisse reproduziert und andere Perspektiven und Erkenntnisse negiert, die für die Bewältigung der gegenwärtigen Krisen von hoher Relevanz sind.

 

Das Seminar ist der Dekolonialisierung des Wissens bzw. dem anderen Wissen gewidmet: dem magischen und indigenen Wissen, dem verschwiegenen Körperwissen oder praktisch-handwerklichen Wissen. Diese Wissensformen oder ihre hybride Mixtur mit wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gerade auch für die Künste von hoher Relevanz, denen selbst seit einigen Jahrzehnten im zeitgenössischen Kunstdiskurs eine besondere Form der Wissensgenerierung zugeschrieben wird. Wir analysieren zeitgenössische Künstler*innenpositionen von Minia Biabiany, Grada KilombaDesert ArtLAB, Mariechen Danz, Khvay Samnang, Zadie Xa und vielen mehr, die anderes Wissens evozieren oder sich bewusst auf andere marginalisierte Wissensformen beziehen und setzen sie in Bezug zu zentralen theoretischen Texten unter anderem von Karen Barad, Gilles Deleuze, Donna Haraway, Michael Polanyi oder Boaventura de Sousa Santos. Wir sprechen über Kunstausstellungen als mögliche Orte der Wissenserzeugung und diskutieren über die Rolle der Kunst in einer neoliberalen Ökonomie des Wissens, in der Erkenntnis und Bildung zunehmend Vermarktungsinteressen unterworfen werden. Wenn möglich, sollen die Seminarsitzungen durch Gespräche mit „Hüter*innen anderen Wissens“ und gemeinsame Besuche von Ausstellungen (z.B. Haus der Kunst / Lothringer 13) ergänzt werden.

 


 

How to imagine the Academy of the Future? Kunst, Bildung, Wissen und ihre Transfers im Digitalen 

(FK-T4, KP C.01.09)

Prof. Dr. Marietta Kesting

Raum A.EG.01 (Alter Sitzungssaal)

Zeit Mittwoch 14.30-18.30, zweiwöchentlich, Beginn: 21.4.2021 (Einführung), weitere Termine: 5.5., 19.5., 2.6., 16.6.(Achtung: Raum Kollosssaal), 30. 6. 2021 

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Wem gehört das Wissen und die Kunst? Gibt es legitime Eigentümer*innen von Archivmaterialien, Songs, Videos, Gebrauchsfotografien? Wie kann digitale Teilhabe und Demokratie aussehen? Ist das Internet Property (Eigentum) oder Commons? Wer kümmert sich um die Instandhaltung oder Einrichtung der digitalen Infrastruktur? Warum ist in Deutschland das Internet langsamer und teurer als beispielsweise in Rumänien oder Estland? 

 

Nach einem Jahr, in dem wahrscheinlich viele mehr Zeit online als offline verbrachten, stellen sich diese Fragen mit neuer Intensität. Während das eflux Journal schon 2015 proklamierte „The Internet does not exist“, so hält es sich doch hartnäckig, als „a blur, a cloud, a friend, a deadline, a redirect, or a 404.“ Die Nutzung digitaler Inhalte ist mehr und mehr durch verschiedene Systeme wie Paywalls, Blockchain, NFTs (Non-fungible Tokens), Open Access und Fair Use organisiert, diese basieren auf grundlegend unterschiedlichen Vorstellungen von Wissenszirkulation, kreativem Eigentum und den digitalen Commons. Sie definieren Transparenz, Il/Legalisierung, Kommerz, Kontrolle, Aneignung und Zitate, Accountability und De/Zentralisierung jeweils unterschiedlich. Diese Diskussion ist besonders dringlich, da gegenwärtige Reformen der Universität und der Kunstakademie entworfen werden in Erwartung neuer Formen des Arbeitens, der Wertschöpfung und der Technologie. Sie schaffen damit einhergehend auch neue Formen von Subjektivität und Sozialität und definieren geistige und künstlerische Produktion und Autorschaft, sowie Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation.

 

Wie lassen sich andere Modelle der künstlerischen Arbeit und Nutzung in Bildung wie auch im Privaten, sowie der Zusammenarbeit und der Speicherung digitaler kultureller Inhalte für die Gegenwart und Zukunft entwerfen und propagieren, die sowohl fair den Urheber*innen gegenüber sind, aber auch sozio-ökonomisch Benachteiligten Teilhabe ermöglichen? Wie lassen sich die Machtgefälle als Teil des kolonialen Erbes auch im Digitalen nachverfolgen und adressieren? Wem gehören kulturelle und künstlerische Artefakte und warum wird Appropriation so unterschiedlich bewertet?

 

Falls unter Corona-Bedingungen möglich, wird eine Exkursion zu der Ausstellung „Bildungsschock“ kuratiert von Tom Holert, HKW Berlin, am Ende des Semesters stattfinden.

 

Künstlerische und aktivistische Positionen: Kollektiv Metahaven, Cheap Collective, Chaos Computer Club, Peng! Kollektiv, Raqs Media Collective, Filipa César, Ola Uduku, Street College, u.v.a.

 

Bitte beachten: Je nach Corona-Situation findet das Seminar bevorzugt in Präsenz oder online statt. Im Falle einer Online-Veranstaltung werden kürzere Sitzungen im wöchentlichen Rhythmus angeboten.

 


 

Ökologisches Denken/ökologische Praxis – Lektüreseminar und Kolloquium

(FK-T3, D.05.09)

Dr. Susanne Witzgall 

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 2

Zeit Freitag 16.00–17.30 Uhr, Beginn: 23.04. (Vorbesprechung), weitere Termine: 30.04., 14.05., 21.05., 28.05., 04.06., 11.06., 18.06., 25.06., 02.07., 09.07.2021.                                          
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Wir lesen und diskutieren gemeinsam aktuelle Texte der relativ jungen „Interdisziplinen“ des Material Ecocriticism, Ecomaterialism oder der Environmental Humanities – darunter Texte von David Abram, Stacy Alaimo, Rosi Braidotti, Timothy Ingold, Rob Nixon, Timothy Morton und anderen. Darüber hinaus sind Studierende herzlichen dazu eingeladen eigene künstlerische Arbeiten zu ökologischen bzw. ökosozialen Fragestellungen vorzustellen. Ziel ist es in den nächsten Semestern diese Veranstaltung mit ihrem spezifischen inhaltlichen Fokus zu einem flexiblen Format auszubauen, das auch Gespräche mit Expert*innen aus unterschiedlichen Umweltdisziplinen sowie Ortbegehungen miteinschließt.

 


 

Lehrveranstaltungen Sommersemester 2020

 

Without Measure? Excess(es) in Contemporary Art

Virtual conference, June 17 and 18, 2020


Hosts: Ursula Ströbele (Study Center for Modern and Contemporary Art at Zentralinstitut für Kunstgeschichte, Munich) / Susanne Witzgall (cx centre for interdisciplinary studies, Academy of Fine Arts Munich)
 
To participate, please register via e-mail by June 15th at Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (subject: “Without Measure”) and we will send you an access link and further information.
 
The word ‘excess’ comes from the Latin verb ‘excedere,’ meaning ‘to step outside, to go beyond something.’ Whether something is perceived as excess depends on cultural-social and historical normative frameworks. Yet excess implies not only the transgression of orders of values, but also of ecological, social, and human capacities, and suggests immoderateness, insatiability, lack of restraint, debauchery, or deviation. Today our reality seems to be saturated by various excesses: exaggerated increases in efficiency, the unrestrained consumption and squandering of resources in the modern economy, the verbal excesses of politics, the research-based excesses of the production and modularization of artificial life, and the algorithmic excesses of an increasingly wired and digitalized world are just a few 21st century examples of this phenomenon, which often has a negative connotation. At the same time, play with and the transgression of limits as anthropological constants entices us with its promise of transcendent experience, the liberation from social constraints, and creative flights of fancy. The term ‘excessive’ can be used to describe a dimension of experience or perception, a stylistic criterion, or a practice that crosses borders. Excesses have traditionally always been at home in visual art, given that they often operate beyond social etiquette and norms, evoking states of euphoria and intoxication, but also critically reflecting on economic and sociopolitical conditions.
 
The symposium “Ohne Maß? Exzess(e) in der zeitgenössischen Kunst” (Without Measure? Excess[es] in Contemporary Art) aims to explore how the art of the 21st century has confronted the theme of “excess.” How do current art practices approach this ambivalent phenomenon at a time when new excessive modes of behavior and processes are emerging, or at any rate seem to be increasingly coming to the fore? This symposium is dedicated to excess as a multilayered object of artistic investigation, but also as an artistic strategy for the creative transgression of boundaries and resistant practice. In connection with the 2019/20 theme of “excess” at the cx center for interdisciplinary studies, the symposium is a cooperation between the cx center for interdisciplinary studies at the Academy of Fine Arts, Munich, and the Study Center for Modern and Contemporary Art at the Central Institute for Art History, Munich. Lectures and Discussions will be in English.
 
Wednesday, June 17, 2020
 
1:30 pm


Welcome and Introduction


Ursula Ströbele and Susanne Witzgall
 
2:00–4:00 pm


Panel 1: Excessive Art?
 
Wouter Davidts (Gent)


Out of Scale. Excessive Size in Contemporary Sculpture
 
Dominik Brabant (Eichstätt-Ingolstadt)


Excesses of the real? Christoph Büchel’s Barca Nostra and art criticism
 
4:00–4:30 pm


Coffee Break
 
4:30–6:30 pm


Panel 2: Excessive Esthetic and (Queer) Identities
 
Julia Skelly (Montreal)


Interrogating Art History’s Excesses: Mickalene Thomas and Queer Black Decadence
 
Daniel Berndt (Berlin/Zürich)


More than Extra – Drag and Queer Identities in Ryan Trecartin’s and Lizzy Fitch’s Video Works
 
Thursday, June 18, 2020
 
10.30 am–12.30 pm


Panel 3: Art and the Excess of Objects
 
Rahma Khazam (London/Paris)


On Objects and their Excesses
 
André Rottmann (Berlin)


Another Vision of Excess: The Case of Cameron Rowland
 
12.30 pm–1:30 pm 


Break
 
1:30 pm–3:30 pm


Panel 4: Accumulation and Excesses of Information in the Arts
 
Elisa Linseisen (Paderborn)


Digital | Monumental. Excessive Data Processing in the Work of Ryoji Ikeda
 
Serena De Dominicis (Rome)


Excess. Art Faced to the Productivist Economic Model
 
3:30 pm–4:00 pm 


Final Discussion