Jahresthema 2019/20: „Exzess“

 

Mit seinem achten Jahresthema untersucht das cx centrum für interdisziplinäre studien den Exzess als unverkennbares Merkmal unseres neoliberalen Wirtschaftssystems, adressiert jedoch auch positive Aspekte entgrenzender Ausschweifungen, die als Verweigerung rationaler und ökonomischer Verwertungsstrategien verstanden werden können. Die internationale Vortragsreihe, die das neue Jahresthema eröffnet, vereint künstlerische, gestalterische und wissenschaftliche Ansätze, die sich mit exzessiven Prozessen und Verhaltensformen sowie deren Folgen beschäftigen. Sie diskutiert die Überforderung des Einzelnen durch ständige Vernetzung, Informationsüberflutung und Selbstoptimierung und setzt sich mit der kulturellen Verwaltungsproblematik unmäßig angesammelter Dinge auseinander. Sie analysiert darüber hinaus das komplexe Verhältnis von Überfluss und Knappheit, beleuchtet mögliche Auswege aus den Wachstumsexzessen sowie die Potentiale ekstatischer Überschreitungen.

 

Das Exzessive scheint dem Kapitalismus inhärent. Letzterer setzt bekannter Maßen auf Wachstum, das durch die Beförderung stets neuer Begehren und eine steigende Nachfrage garantiert werden soll, und tendiert zur chronischen Überproduktion. Die dekadente Wucherung der Dinge und Effizienzoptimierung von Körpern finden ihre Entsprechung in der gegenwärtigen exponentiell ansteigenden Zirkulation von Informationen, Daten und Affekten durch die digitalen Kommunikationstechnologien. In medialen Exzessen ringen Botschaften um Deutungshoheit und die Aufmerksamkeit ihrer Adressat*innen und setzen in diesem Kampf eine Eskalation weiterer subtiler Dynamiken der gegenseitigen Übertrumpfung in Gang. Als Folgen solcher Exzesse diagnostizieren Wissenschaftler*innen und Künstler*innen immer häufiger Zustände von Überforderung und Erschöpfung, die nicht mehr nur auf das Individuum und den Körper bezogen sind, sondern angesichts versiegender Energiequellen sowie der Zerstörung und Vermüllung der Erde mittlerweile als planetarische Phänomene verstanden werden können. In künstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen zeichnen sich jedoch auch erste Exit-Strategien ab. Dabei scheint nicht zuletzt überprüft zu werden, inwiefern dem Exzessiven selbst die Möglichkeit der Widerständigkeit innewohnt.


Alle Termine der interdisziplinären Vortragsreihe „Exzess“ finden Sie hier.

 

 

Lehrveranstaltungen Sommersemester 2020

Aufgrund der aktuellen Situation beginnen alle Lehrveranstaltungen des cx zunächst als Online-Formate. Über die entsprechende digitale Plattform informieren die Lehrenden rechtzeitig.

Bitte melden Sie sich in dem Studienportal https://mycampus.adbk.de/campus/ für die einzelnen Veranstaltungen an. Bitte prüfen Sie regelmäßig Ihre dort verwendete E-Mailadresse (xy@stud.mwn.de), da die Kommunikation bis auf weiteres darüber laufen wird.

 

Wie wachsen? Wachstum neu definieren im Spannungsfeld von Exzess, Exitstrategien und (nach)wachsenden Materialien
Szenarien-Workshop mit Publikation (theoretische Einführung, Entwurfsarbeit und Exkursion)
in Kooperation mit der Plattform MAKE. – Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (Prof. Aart van Bezooijen)
(FK-T2, KP B.06.09)
Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum zunächst online, für Präsenztermine wird Raum noch bekannt gegeben.
Zeit Vorbesprechung am 28.04., 12.00–13.45 Uhr; theoretische Vorbereitung am 12.05., 26.05., 09.06. jeweils 12.00–13.45 Uhr; einwöchiger Workshop (ganztägig) an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle am 21.09.-25.09.2020; Gegenbesuch der Studierenden aus Halle mit Endpräsentation und Nachbesprechung (Termin wird noch bekannt gegeben).
Kontakt fogelberg@adbk.mhn.de
Anmeldung bis 27.04.20 unter fogelberg@adbk.mhn.de (begrenzte Anzahl an Plätzen!)

 

Nicht nur synthetisch erzeugten, auch natürlichen Materialien wohnen exzessive Eigenschaften inne, wie etwa ein äußerst schnelles oder extrem langsames Wachstum, Resistenz gegenüber extremen Temperaturen, eine äußerst hohe Wasserspeicherkapazität, etc. Wir wollen diese grenzüberschreitenden Potentiale im Hinblick auf die dringende Neudefinition des Wachstumsbegriffs und im Kontext der gegenwärtigen Exzesse unserer Produktionssysteme und Konsumgewohnheiten erforschen. Hierzu bringen wir ausgewählte Materialmuster und Artefakte aus nachwachsender Biomasse (u.a. pilzbasierte Werkstoffe, Makroalgen, Paludikulturpflanzen) mit aktuell diskutierten Exitstrategien, die aus den kapitalistischen Wachstumsexzessen herausführen wollen (u.a. Commoning, Grünes Wachstum, Degrowth), zusammen und entwickeln aus den verschiedenen Konstellationen mögliche Zukunftsszenarien. Dabei geht es nicht darum, konkrete machbare Lösungsansätze zu erarbeiten, sondern zu überprüfen, inwiefern die diskutierten Exitstrategien tatsächlich Auswege aus den vorherrschenden Paradigmen des fortgeschrittenen Kapitalismus sind und neue Handlungsräume eröffnen können. Ferner fragen wir, welche Potentiale die ausgewählten Materialien als Alternativen zu herkömmlichen Werkstoffen beinhalten, und inwiefern spekulative Szenarien alternative Realitäten eröffnen und über das Material hinausreichende Erkenntnisse generieren können?

 

Ziel ist, im Anschluss an den Workshop gemeinsam eine kleine Publikation mit den entwickelten Szenarien zu realisieren.  

 

Der Workshop verknüpft Fragestellungen und thematische Aspekte des gegenwärtigen cx-Jahresthemas „Exzess“ mit aktuellen Überlegungen aus den Materialwissenschaften, der Bioökonomie und der künstlerischen Erforschung „wachsender Materialien“ an der Plattform MAKE. – Burg Giebichenstein. Er ist klassen- und fachübergreifend und richtet sich an alle Studierenden der Akademie. Die einwöchige Exkursion an die Burg Giebichenstein beinhaltet eine theoretische Einführung und Aufgabenstellung, das Entwickeln und Ausarbeiten der Szenarien mit Studierenden aus Halle und die gemeinsame Realisierung einer Publikation.

 

Gearbeitet wird in interdisziplinären und hochschulübergreifenden Teams. Ein kleines Materialgeld steht zur Verfügung. An- und Abreise sind privat zu organisieren. Private Unterbringung in Halle bei den dort teilnehmenden Studierenden, im Gegenzug Verpflichtung, Studierende aus Halle bei dem geplanten Gegenbesuch zur Endpräsentation in München privat unterzubringen. 

 

Voraussetzungen Offenheit gegenüber einer Zusammenarbeit in hochschulübergreifenden Teams mit Studierenden der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle sowie die verbindliche Teilnahme an der gegenseitigen privaten Übernachtungsvereinbarung (couch-to-couch).

 


 

Ohne Maß? Exzess(e) in der zeitgenössischen Kunst
(FK-T3, KP D.02.09, KP D.03.09)
Dr. Susanne Witzgall, Dr. Ursula Ströbele, Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI)

 

Raum online
Zeit
14.05–16.00 Uhr
Termine Seminar: 28.04., 12.05., 26.05., 09.06., 23.06.2020
Symposium (Programm hier): 17.06. und 18.06.2020 (ganztägig)
Sprache Deutsch (Seminar) und Englisch (Symposium)
Kontakt susanne.witzgall@adbk.mhn.de

 

Exzess kommt vom lateinischen Verb ‚excedere‘ und bedeutet ‚heraustreten, über etwas hinausgehen‘. Ob etwas als Exzess wahrgenommen wird, hängt von kulturell-sozialen und historischen Normgefügen ab. Doch impliziert Exzess nicht nur die Überschreitung von Werteordnungen, sondern auch von ökologischen, sozialen und menschlichen Belastungsgrenzen und meint Maßlosigkeit, Unersättlichkeit, Zügellosigkeit oder Aus- und Abschweifung. Unsere Wirklichkeit scheint heute von diversen Exzessen durchzogen: Die übertriebene Effizienzsteigerung, der hemmungslose Konsum und die Ressourcenverschwendung der modernen Wirtschaft, die Verbalexzesse der Politik, forschungsbasierte Exzesse für eine Produktion und Modularisierung künstlichen Lebens und die algorithmischen Exzesse einer zunehmend verschalteten, digitalisierten Welt sind nur wenige Beispiele für dieses oftmals negativ konnotierte Phänomen im 21. Jahrhundert. Zugleich lockt das Spiel mit und das Übertreten von Grenzen als anthropologische Grundkonstante mit den Verspechen von transzendenten Erfahrungen, der Befreiung von gesellschaftlichen Beschränkungen oder schöpferischen Höhenflügen. In der Bildenden Kunst sind Exzesse traditionellerweise seit jeher beheimatet, da diese oftmals jenseits gesellschaftlicher Etikette und sozialer Normen agieren, Euphorie- und Rauschzustände evozieren, aber auch ökonomische und gesellschaftlich-politische Zustände kritisch reflektieren.

 

Das Seminar erkundet, wie sich die Kunst des 21. Jahrhunderts mit dem Thema „Exzess“ auseinandersetzt und blickt dabei auch auf wegweisende künstlerische Positionen des 20. Jahrhunderts zurück. Der Fokus liegt jedoch auf dem aktuellen Diskurs und der Frage, wie sich zeitgenössische Künstler*innen in einer Zeit, in der scheinbar neue exzessive Verhaltensweisen und Prozesse zu verzeichnen sind oder verstärkt in den Blick rücken, mit diesem ambivalenten Phänomen auseinandersetzen. Die Veranstaltung widmet sich dem Exzess als vielschichtigem (Untersuchungs-)Gegenstand der Kunst, aber auch als künstlerische Strategie der kreativen Entgrenzung und widerständigen Praxis.

 

Genuiner Bestandteil des Seminars ist das gleichnamige Symposium, das am 17. und 18. Juni stattfindet und in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte organisiert wird. Die ersten vier Sitzungen des Seminars sind insofern als Vorbereitung und die letzte Sitzung als Nachbereitung für dieses Symposium geplant.

 

Das Programm des Symposiums finden Sie hier.

 


 

Im/material and virtual excesses
(FK-T4, KP C.01.09)
Prof. Dr. Marietta Kesting

 

Room E.O1.23 (new building, Akademiestr. 4)
Time Wednesday 14.30–18.30, bi-weekly
29.04.2020 (introduction), further dates 06.05., 20.05., 03.06, 17.06., 01.07. and 15.07.2020
Teaching language English and German
Contact kesting@adbk.mhn.de

 

Do virtual CGI* – diamonds glitter as brightly as their mined paragons?
In 1985 Jean-François Lyotard and design theorist Thierry Chaput curated the exhibition “Les Immatériaux” at the Centre Georges Pompidou in Paris. The title alluded to a certain ‘liberation’ from modernist discourse on the human side as well as on the material side – from the chains of the industrial revolution and men being the master of matter. It was also called a ‘non-exhibition’ or a ‘manifestation’ of both the computerization of society and the new ordering of knowledge in postmodernism, which Lyotard had already proposed in 1979. What is the status of the im/materials now – 35 years later and reconsidering its proposition through an artistic and queer techno-scientific lens?

 

This seminar explores the tension between media and artistic productions that explore artificial intelligence (AI’s) excessive calculation capabilities critically but also exploit their inherent trans-human possibilities to create other worlds that still often mirror ‘reality’. While AI models and simulation software need excessive amounts of data to try to predict the future based on probabilities and risk reduction and thus create to a certain extent ‘closed’ worlds, several artistic interventions attempt to push the boundaries of technologies to imagine otherwise. Some of those create overwhelming audiovisual environments liberated from the laws of physics and costs of building in the ‘real’ world that employ sensual excesses to ‘immerse’ and affect the viewer.

 

At the same time not disregarding the ‘old’ material side of media art the seminar looks at the connection between streaming platforms and cloud storage that use up more and more resources while promising immaterial, seemingly ubiquitous media access and new subjectivities. The artist Rindon Johnson, working in AR and VR asked: “What’s the point of having a body if I theoretically could make or step into so many?”

 

Required readings include Jean-Francois Lyotard, Bernhard Stiegler, Lucia Mendelova, Francesca Gallo, Jorinde Seijdel, Tom Holert, and Yuk Hui.

 

Artistic positions that will be discussed are, among others, Rindon Johnson, Heather Dewey-Hagborg, Moreshin Allahyari, Katharina Haverich, Susanne Kennedy, Emilija Škarnulytė.

 

*CGI: Computer Generated Imagery

 


 

CLIMAVORE: Losing Cultures
Project class with Cooking Sections (Daniel Fernández Pascual & Alon Schwabe)

 


Room A.UG_24 and Kolosssaal, Akademiestr. 2
Time phase 1: 31.08-04.09., phase 2: online tutorials in September/October, phase 3: 02.–06.11.2020 (all dates tbc)

Teaching language English

Registration until 1 July 2020 by indicating your focus of work, number of semesters and your course of study or class: info_cx@adbk.mhn.de. The number of places is limited. A notification about participation will follow in due course.

 

What do you eat in a period of drought? How do you water without water? How did fish turn from a valuable food source into a source of pollution? How could coastal communities adapt to rising sea levels? These and other questions will be addressed in Cooking Sections’ workshop structured around the cross-disciplinary framework of CLIMAVORE. Different from omnivore, carnivore, vegetarian or vegan, CLIMAVORE uses diets as forms of infrastructure to explore how to eat as humans change climate. This implies finding new ways to adapt our food production and consumption patterns, as well as our cultural imaginaries to increasingly evident human-induced environmental transformations.

 

As the global environmental crisis is challenging the fortification of European borders, the workshop will revolve around how climatic changes are contesting food territories worldwide. The correlation between “origin” and “quality” is a modern invention materialised through the complex system of PDO (protected designation of origin) labels and certifications. It dates back to the beginning of the 20th century, when a series of ecological crises and parasite outbreaks in French vineyards accelerated the colonial project in Algeria. These entanglements around disease containment, eco-territorial control and political power struggles are once again at the forefront today, as changing temperatures and eroding ecosystems are reshaping borders anew, modifying ecological associations, flavours, seasons and vocabulary used to describe products coming from shifting landscapes. Throughout different exercises, readings, talks and lectures the studio will investigate how to work on site-responsive projects while advancing skills in alternative methodologies for mapping, sensing and supporting human and more-than-human interactions.

 

It is intended that the project class contributes to this year’s edition of the Münchner Klimaherbst on the subject of system change (working title) (06.10.–06.11.2020) in the first week of November, provided that the event may take place in its currently planned form.

 

Cooking Sections (Daniel Fernández Pascual & Alon Schwabe) is a duo of spatial practitioners based out of London. It was born to explore the systems that organise the world through food. Using installation, performance, mapping and video, their research-based practice explores the overlapping boundaries between visual arts, architecture and geopolitics. Since 2015 they are working on multiple iterations of the long-term site-specific Climavore project exploring how to eat as humans change climates. In 2016 they opened The Empire Remains Shop, a platform to critically speculate on implications of selling the remains of Empire today. Their first book was published by Columbia Books on Architecture and the City about this project (2018). Their work has been exhibited at Manifesta12, Palermo; Lafayette Anticipations, Paris; 13th Sharjah Biennial; Serpentine Galleries, London; Atlas Arts, Skye; Neue Nationalgalerie, Berlin; Storefront for Art & Architecture, New York; HKW Berlin; Akademie der Künste, Berlin; 2016 Oslo Architecture Triennale; US Pavilion, 2014 Venice Architecture Biennale; and they have been residents in The Politics of Food programme at Delfina Foundation, London. They currently lead a studio unit at the Royal College of Art, London. They have recently been awarded the Special Prize at the 2019 Future Generation Art Prize and are nominated for the Visible Award.

 



Lehrveranstaltungen Wintersemester 2019/20 


Weniger ist mehr ist exzessiv ist genug
Kritik und Neuverhandlung von Exzess in Design und Architektur
(auch Freie Kunst FK-T2, Kunstpädagogik Modul B.06.09)
Karianne Fogelberg, M. A.

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 12.00–14.00 Uhr, Beginn: 22.10.2019,
weitere Termine (wöchentlich) 29.10., 05.11., 12.11., 19.11., 26.11., 03.12., 10.12., 17.12.2019, 07.01.2020, 14.01., 21.01.
Kontakt fogelberg@adbk.mhn.de

 

Die Exzesse der Gegenwart in Form von Überproduktion, der Erschöpfung von Ressourcen und Existenzweisen, aber auch der Überforderung des Einzelnen und der Gemeinschaft widerlegen die Rhetorik vom rechten Maß als Synonym „guter Gestaltung“ auf nicht zu leugnende Weise. Exzess ist das Schreckgespenst einer Moderne, die jede Ausschweifung als Verlust gestalterischer Kontrolle und Ausverkauf gegenüber niederen Mächten und widrigen Umständen wie dem schlechten Geschmack oder unvorhergesehener Nutzung fürchtet, und die gerade deswegen stets Gegenbewegungen inspiriert hat. Gleichzeitig sind Design und Architektur in dem auf Wachstum angelegten Kapitalismus und seinen Mechanismen wie der Erzeugung stets neuer Begehren tief verstrickt. Als gestaltende Disziplinen tragen sie dazu bei, massenweise Dinge, Daten und Optionen hervorzubringen und selbst so wesentliche Entitäten wie Wasser und Luft, Affekte und Gesten zu kommodifizieren.

Es scheint, als begleite die gegenwärtigen Exzesse ein Mangel an Vorstellungskraft. Inwieweit können Design und Architektur diese „Krise der Imagination“ (Naomi Klein) aufbrechen und Alternativen aufzeigen, von konkreten Lösungsansätzen bis hin zu spekulativen Narrativen? Ist es nicht die Essenz von Gestaltung, mit dem Vorhandenen zu arbeiten und Mangel nicht als Einschränkung zu begreifen, sondern als „Inspiration und Kontext für konstruktives und transformierendes Handeln“ (Jeremy Till)?

Wir analysieren im Seminar das ambivalente Verhältnis zwischen Gestaltung und Exzess und untersuchen, welche möglichen Strategien zeitgenössische Positionen aus den Wissenschaften, aus Design und Architektur gegenüber verschiedenen Manifestationen von Exzess vorschlagen und anwenden. Hierzu zählen Ansätze, die den Überfluss als gestalterische Herausforderung adressieren, spekulative Projekte, die im Exzessiven Potentiale für eine Verweigerung gegenüber den dominanten Verwertungsstrategien sehen, oder Positionen, die mögliche Auswege aus den Wachstumsexzessen suchen und nach deren Grenzen fragen, wie De-Growth-Ansätze, einer auf Suffizienz basierenden Ökonomie des Genug, oder einer Rückkehr zur Allmende.

Gelesen und diskutiert werden Arbeiten von u.a. Zygmunt Bauman, Heather M. Davis, Arturo Escobar, Silvia Federici, Amy Franceschini, Julia Lohmann, Sharon Macdonald, Ezio Manzini, Jason W. Moore, Daniel Fernández Pascual & Alon Schwabe (Cooking Sections), Gerda Reith, Jeremy Till, De Urbanisten, Sarah Wigglesworth Architects.

Das Seminar steht allen Studierenden der Akademie offen. Parallel dazu finden gesonderte Termine für Studierende der Innenarchitektur in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Entwurf und Darstellung (Prof. Katja Knaus, Georg Brennecke) statt. Diese Termine werden rechtzeitig angekündigt.



May You Live in Interesting Times

Exkursion zur 58ten La Biennale di Venezia 2019
(auch Kunstpädagogik Modul D.06.09)
Dr. Susanne Witzgall

 

Raum E.O2.29 (für die Vorbesprechung), Akademiestr. 4
Zeit 11.11.2019 bis 15.11.2019 (Exkursion),
weitere Termine: 05.11.2019 14.00–16.00 Uhr (Vorbesprechung), ein Termin für die Nachbesprechung wird noch vereinbart
Kontakt susanne.witzgall@adbk.mhn.de

 

„May you Live in Interesting Times wird zweifellos Kunstwerke miteinschließen, die prekäre Aspekte der heutigen Existenz reflektieren, inklusive unterschiedlicher Stränge zentraler Traditionen, Institutionen und Verhältnisse der ‚Nachkriegsordnung‘,“ konstatiert der Kurator der 58. Biennale von Venedig Ralph Rugoff. Die Kunst habe Rugoff zu Folge zwar keinen Einfluss auf die Politik, aber sie könne in indirekter Art und Weise eine Art Leitfaden sein, wie man in ‚interessanten Zeiten‘ leben mag. Die Exkursion konzentriert sich auf den Besuch und die Analyse der Venedig-Biennale und legt dabei einen besonderen Fokus auf die kritische Diskussion von Rugoffs Ausstellungskonzept, sowie auf Fragestellungen und thematische Aspekte des gegenwärtigen cx-Jahresthemas „Exzess“. Neben der Biennale besuchen wir ausgewählte kollaterale Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und nehmen einige kunsthistorische Highlights mit.



Kolloquium zur cx-Vortragsreihe „Exzess“
(in Kombination mit dem Besuch der Vortragsreihe) (auch Freie Kunst FK-T3 und Kunstpädagogik Modul D.02.09 und D.03.09)
Dr. Susanne Witzgall


Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 22.10.2019, 
weitere Termine: 24.10. (Raum und Uhrzeit werden noch bekannt gegeben), 29.10., 19.11., 26.11., 03.12., 10.12., 17.12.2019, 07.01.2020, 21.01.
Kontakt susanne.witzgall@adbk.mhn.de


Das Kolloquium dient zur Vor- und Nachbereitung der Vortragsreihe „Exzess“. Wir lesen im Vorfeld einschlägige Texte der Vortragenden und diskutieren Arbeiten der eingeladenen Künstler*innen und Designer*innen. Darüber hinaus werden die Präsentationen der Vortragsreihe im Nachgang gemeinsam kontextualisiert und analysiert sowie Verständnisfragen geklärt. Am Donnerstag, den 24.10. steht Jason W. Moore für ausführliche Nachfragen zu seiner Keynote am 23.10. zur Verfügung.



Transformationen von Liebe, Schmerz, Exzess
(auch Freie Kunst FK-T4, Kunstpädagogik Modul C.01.09)
Prof. Dr. Marietta Kesting

 

Raum A.EG.01, E.ZG.04 (04.12., 29.01.), Akademiestr. 2–4
Zeit Mittwoch 14.30–18.30 Uhr, 14-tägig, Beginn: 23.10.2019 (Einführung),
weitere Termine 06.11., 20.11., 04.12., 18.12.2019, 15.01.2020, 29.01., Exkursion nach Berlin 12.–13.12.2019
Kontakt kesting@adbk.mhn.de

 

Eros und Liebe als Verlangen nach Schönheit und Wissen einerseits und andererseits Ästhetik (als Aisthesis) utopischer Sehnsucht, sinnlicher Lust, Schönheitssuche und Kreativität stehen in einem Spannungsverhältnis und sollen in diesem Seminar anhand (kultur-)theoretischer Annahmen und literarischer wie künstlerischer Praktiken ausgelotet werden. In Medialisierungen wird les- und sichtbar, wie wir uns Liebe, Schmerz und Exzess vorstellen. Brauchen wir diese Aufzeichnungen, um zu wissen, wie sich Liebe, Schmerz und Exzess anfühlt? Welchen Einfluss hat diese Medialisierung auf das Sicht-, Sag- und Denkbare? Wie hängen die schriftliche und audiovisuelle Zeugenschaft mit den potentiell grenzüberschreitenden körperlichen Erfahrungen von Liebe, Schmerz und Exzess zusammen? Wie werden diese verarbeitet und interpretiert in literarischen, theoretischen und künstlerischen Auseinandersetzungen – kurzum: wie werden Liebesschmerz, Sehnsucht und Exzess zu Text- oder Bildlust?

Das Seminar beschäftigt sich mit theoretischen und literarischen Texten. Es startet mit Ausschnitten aus dem klassischen Dialog von Platon (Symposion) und setzt diesen in Bezug zu den Schriften von Hubert Fichte, Roland Barthes, Samuel R. Delaney und gegenwärtiger Autor*innen wie Lydia Lunch, Maggie Nelson, und Amber Jamilla Musser, sowie zu fotografischen, filmischen und künstlerischen Arbeiten von u.a. Leonore Mau, Maya Deren, Pier Paolo Pasolini, Carolee Schneemann und Lili Reynaud Dewar.

Teil des Seminars ist der gemeinsame Besuch mit Kuratorenführung der Ausstellung „Liebe und Ethnologie: Die koloniale Dialektik der Empfindlichkeit (nach Hubert Fichte)“ im Haus der Kulturen der Welt in Berlin (Termin 12.–13. Dez. 2019, beschränkte Teilnehmer*innenzahl). Diese Ausstellung nimmt Hubert Fichtes und Leonore Maus vielfältige Werke zum Ausgangspunkt und befragt sie mit post-kolonialen Theorie- und Kunstpositionen. Hubert Fichtes Schriften stellen auch einen Entwurf der Queer Theorie avant la lettre dar. (https://www.hkw.de/de/programm/projekte/2017/hubert_fichte/hubert_fichte_start.php)



Das Programm des cx centrum für interdisziplinäre studien wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL16023 gefördert.

Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren*innen.