Wintersemester 2017/2018

Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie

Prof. Dr. Maria Muhle, Dr. Jenny Nachtigall, Sebastian Althoff, M.A., Gürsoy Doğtaş, M.A. (Lehrauftrag)

 

 

1. Einführung in die Ästhetik: Räume, Orte, Milieus (Modul E.01.09/E.02.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

Raum: E.O1.23

Zeit Donnerstag, 11h00–13h00Beginn: 19.10.

Kontakt/Anmeldung bis zum 15. Oktober 2017muhle@adbk.mhn.de

 

Die lange Geschichte der ästhetischen Vernachlässigung des „Raumes“ und seiner Unterordnung unter die „Zeit“ reicht von der Aristotelischen Poetik, die Raum als ästhetische Kategorie nicht kennt, bis zu Lessings Unterscheidung zwischen den Raumkünsten, wie der Malerei und Bildhauerei (die Körper „nebeneinander“ abbilden), und den Zeitkünsten, vornehmlich der Poesie (die „aufeinanderfolgende“ Gegenstände behandelt) in seiner Abhandlung „Über die Grenzen der Malerei und Poesie“ (1766). Schelling faltet in seiner „Akademierede“ (1807) den Raumbezug der Künste weiter aus und unterscheidet die Plastik, die das „Räumliche in sich trage“ und nur einen Punkt im Raum besetzt, von der Malerei, die „in epischer Ausbreitung“ dichtet. Hegel ordnet in Weiterführung der Kantischen Ästhetik (Raum als Medium der äußeren Sinne vs. Zeit als Medium der inneren Sinne) die Raumkünste den Zeitkünsten unter: Auf der Stufenleiter der Künste steht die Architektur als Raumkunst par excellence ganz unten, es folgt die Skulptur, die Malerei und zuletzt, ganz oben, die „Innerlichkeitskünste“ der Musik und Poesie. Diese Abwertung der Raumkünste setzt sich bis in die Ästhetische und Politische Theorie Adornos fort, dem der Raum „absolute Entfremdung“ ist. Einer solchen Verwerfungsgeschichte setzt sich im Folgenden eine ästhetische und politische Aufwertung der Raumdimension entgegen, die sich spätestens mit dem Ende der 1990er Jahre ausgerufenen „spatial turn“ als neues Paradigma der Kunst-, Kultur- und Geisteswissenschaften etabliert hat. In der Vorlesung sollen diese Wechselfälle der Raumtheorie untersucht werden, um einerseits darin die Genealogie der sogenannten „Raumkunst“ zu finden, andererseits aber besonders auch die Konstitution „anderer Räume“ (Foucault) in den Blick zu nehmen, die durch ihre Nicht-Funktionalität, ihre periphere Situierung, ihren gestörte Zugänglichkeit einen ästhetischen Charakter gewinnen können, seien es urbane, soziale oder politische Orte, Räume oder Milieus. Anhand zentraler Texte der Raumtheorie (Foucault, Augé, Deleuze/Guattari, Situationistische Internationale, De Certeau, Lefebvre, Bachelard u.a.) soll in der Vorlesung nachvollzogen werden, wie der Raum (und: welche Räume?) zum zentralen Einsatz der Strategien zeitgenössischer Kunst wird: Nicht nur jener Strategien, die „Raum“ explizit problematisieren, wie die ortsspezifische Kunst oder die Kunst im öffentlichen Raum, sondern auch jene künstlerischen Strategien, die Räume und Orte als ästhetische Milieus, Bühnen oder Displays nutzen – von der Performance bis hin zur (post-)digitalen Kunst, deren environmentale Prägung den Unterschied zwischen analogem und digitalem Raum unterminiert.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung eines Reaktionspapiers (3–5 Seiten) für Modul E.01.09 oder einer Hausarbeit (mind. 10 Seiten) für Modul E.02.09

 

 

 

2. Technikphilosophie und Technikästhetik (Modul E.02.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

Raum: E.O1.23

Zeit: Freitags, 11h00–15h00, Beginn: 20.10

Weitere Termine: 3.11., 10.11., 1.12., 15.12., 19.1., 9./10.2. (gemeinsamer Workshop mit dem Seminar von Dr. Jenny Nachtigall)

Kontakt/Anmeldung bis 15.10.2017muhle@abdk.mhn.de

 

Das ästhetische Nachdenken über Technik weist weit in die griechische Antike zurück, in der Platon und Aristoteles unter dem Begriff der techné noch Herstellungsweisen verstanden wissen wollten, die sowohl die künstlerische als auch die genuin technische Produktion umfassten. Stehen Kunst und Technik hier noch nicht in hierarchischer Abfolge (die gute Kunst gegen die nackte Technik), wird diese fehlende normative Unterscheidung in der Neuzeit vehement eingeklagt – und so die rein instrumentelle, zielgerichtete Technik von einer schöpferischen und autonomen Kunst unterschieden. In den Mittelpunkt einer modernen Technikphilosophie, die Technik in diesem Sinne als instrumentelles Handeln und funktionales Hervorbringen versteht, rückt von nun an vielmehr die Ambivalenz im Umgang mit Technik (Hans Blumenberg, Walter Benjamin), die einerseits Naturbeherrschung verspricht, andererseits allerlei apokalyptische Folgen für die Menschheit bereitzuhalten scheint. Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts gehen von der Wissenschaftsgeschichte und v.a. der Lebensphilosophie erste Impulse aus, die dieses funktionale, mechanistische Verständnis von Technik in Frage stellen und Technik in Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensbegriffen denken: Dies geschieht entweder in tragischer (und faschistischer) Perspektive (Oswald Spengler, Ludwig Klages, Martin Heidegger; siehe auch Futurismus, Vortizismus) oder in der Perspektive eines produktiven („vitalen“, Georges Canguilhem) Technikbegriffs, der selbst derart „offen“ (Georges Simondon) ist, dass er auch eingeschliffene Ontologien, Hierarchien und Dualismen wie diejenigen zwischen Mensch und Maschine, Natur und Kultur untergräbt.

 

Ein derart reformulierter Begriff erweist sich als besonders interessant hinsichtlich der Frage nach der Position von und dem Zugriff auf Technik in der (zeitgenössischen) Kunst: Der Begriff der Assemblage/agencement (Gilles Deleuze / Félix Guattari) als Modus der Anordnung heterogener (technischer, natürlicher, menschlicher, sozialer etc.) Entitäten, die zeitweise zusammenwirken und eine eigene Handlungsmacht (agency) entwickeln, soll hier dazu dienen, dieses Zusammenspiel zu denken – künstlerische Praktiken wie Montage, Collage, Installationen und Environments bis hin zur digitalen und (post-)digitalen Kunst rücken dadurch genauso in den Blick wie neuere Technikphilosophien von Donna Haraway (Technofeminismus), Bruno Latour und zuletzt post-humane und akzelerationistische Positionen. Aber auch biopolitische Fragen wie diejenigen nach der Durchdringung von Macht- und Selbsttechniken im Rahmen einer Ästhetik der Existenz lassen sich im Anschluss hieran diskutieren.

 

Das Seminar endet mit einem gemeinsamen Workshop (9.–10.2.2018) mit dem Seminar Lebendige Formalismen“ von Dr. Jenny Nachtigall, in dem die Diskussionsergebnisse der beiden Seminare zusammengeführt und mit auswärtigen Gästen diskutiert werden sollen.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

 

3. „Lebendige Formalismen“: Kunst jenseits der Moderne (Modul E.02.09)

Dr. Jenny Nachtigall

Raum: E.O1.23

Zeit: Freitag, 11h00–15h00, Beginn: 27.10

Weitere Termine: 17.11., 24.11., 8.12., 12.1., 26.1., 9./10.2. (gemeinsamer Workshop mit dem Seminar von Prof. Dr. Maria Muhle)

Kontakt/Anmeldung bis zum 15. Oktober 2017nachtigall@adbk.mhn.de

 

Seit einigen Jahren lässt sich erneut eine Renaissance von Lebendigkeitsdiskursen verzeichnen: in der Gegenwartkunst wird nach „Viva Arte Viva“ gerufen (so der Titel der aktuellen Venedig Biennale), während die Philosophie sich dem Leben der Dinge zuwendet (z.B. Latour, Harman, Bennett). Für kritische Stimmen offenbart diese Tendenz einen exzessiven „Affirmationismus des Lebendigen“ (Noys), in dem Schlagworte wie Produktion, Prozess, Erfindung etc. zu Statthaltern einer gescheiterten oder fehlenden Politik werden: Der „Neo-Vitalismus“, so die These, wird zu einem schlechten Politik-Ersatz – und die Kunst, nicht selten, zu ihrem Medium. Vor dem Hintergrund solcher Diagnosen, widmet sich das Seminar „Lebendige Formalismen“ den Vitalismen (in) der Kunst und Ästhetik als einem Problem, aber auch unterschiedlichen Ansätzen der ästhetischen und politischen Mobilisierung dieses Problems innerhalb und außerhalb der Kunst.

 

Denn obwohl Lebensphilosophie und Vitalismus bereits zu Beginn der Moderne einen erdenklich schlechten Ruf hatten, waren sie – wie auch Okkultismen, Esoterik und Magie – für eine ganze Reihe von künstlerischen und theoretischen Praxisformen ästhetisch und politisch höchst virulent: als Entgrenzung einer modernen, institutionalisierenden Vernunft nämlich. Inmitten einer zunehmend technologisch vermittelter Sozialität und Medialität, entstanden somit diverse Versuche dem Medialen einen „lebendigen“ und gemeinschaftlichen Körper zu geben – einen „nicht-modernen“ Körper, der über Grenzlinien des Binären ausuferte und das häufig trotz oder vielmehr gerade durch Bezugnahme auf Formen der Technik.

In dem Seminar beschäftigen wir uns anhand historischer und aktueller Ansätze eines „lebendigen Formalismus“ mit den sich wandelnden Verhältnissen von Esoterik und Exoterik, Vitalismus und Technik, die solchen Tendenzen zu Grunde liegen. Neben der Lektüre ausgewählter Positionen (z.B. Nietzsche, Bergson, Simmel, Benjamin, Deleuze/ Guattari, Gorsen u.a.) fokussiert das Seminar auf den Dialog dieser theoretischen Ansätze mit künstlerischen, ästhetischen, „esoterischen“ Praxisformen. Fragen nach den okkulten und lebensphilosophischen Wurzeln der malerischer Abstraktion (Hilma af Klint, danach Kandinsky, Malewitsch u.a.), nach Bergsons Bedeutung für das Medium des Films, der Nietzsche-Rezeption innerhalb des devianten Surrealismus von Acéphale (Bataille, Leiris u.a.), Carl Einsteins Formbegriff zwischen Vitalismus und Funktion sowie nach gegenwärtigen Debatten um das Post-Humane und einen Neo-Vitalismus sollen die Möglichkeiten und Grenzen „lebendiger Formalismen“ heute ausloten.

Das Seminar endet mit einem gemeinsamen Workshop (9.–10.2.2018) mit dem Seminar “Technikphilosophie und Technikästhetik“ von Dr. Maria Muhle, in dem die Diskussionsergebnisse der beiden Seminare zusammengeführt und mit auswärtigen Gästen diskutiert werden sollen.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

 

4. Queer Magic (Modul E.02.09)

Sebastian Althoff, M.A.

Raum: E.ZG.04, Akademiestraße 4

Zeit: Dienstag, 13h00–15h00 (wöchentlich), Beginn: 24.10.

Kontakt/Anmeldung bis zum 15. Oktober 2017:

althoff@adbk.mhn.de

 

Das Seminar „Queer Magic“ unternimmt den Versuch, Texte der Queer Theory mit Untersuchungen zu Praktiken von Magie, Schamanismus, etc. zusammenlesen. Dem liegt die These zugrunde, dass in beiden Feldern ähnliche Strategien am Werk sind: Strategien der Nachahmung, Verkörperung, Inkorporierung und Besessenheit, mit denen der Nachahmende Anteil am Dargestellten nimmt, um sich derart die bedrohliche Macht einzuverleiben und zu transformieren. Das Seminar diskutiert so zentral den Umgang mit Machtstrukturen und dominanten Ideologien, die eine „Scham“ produzieren, die bei queren Praktiken zu verspüren einem anerzogen wurde. Daran anknüpfend wir ebenfalls die Frage diskutiert, wie Zukünftigkeit ohne (biologische) Reproduktion gedacht werden kann, d.h. wie Zukunft von ihrer Fixierung auf Kinder und Familienbildung gelöst werden kann. Ethnologische Filme wie Les Maître Fous von Jean Rouch sollen dafür genauso befragt werden wie die als terrorist drag bezeichneten Performances der Drag-Künstlerin Vaginal Davis oder die Queer Technologies und die Fag Face Mask des Künstlers Zach Blas. Neben weiteren künstlerischen Arbeiten etwa von Johannes Paul Raether stehen Texte von u.a. José Estaban Muñoz, Jack Halberstam oder Michael Taussig im Fokus des Seminars.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

 

5. Writing the gay self: Tagebücher, Autobiographien und Autofiktionen (Modul E.02.09)

Gürsoy Doğtaş, M.A. (Lehrauftrag)

Raum: E.ZG.04, Akademiestraße 4

Zeit: Mittwoch, 14h00–18h00 (zweiwöchentlich). Beginn: 25.10. (16h00-18h00)

Weitere Termine:, 15.11., 29.11., 13.12., 10.01., 17.01., 31.01.

Kontakt/ Anmeldung bis zum 15. Oktober 2017: gursoy.dogtas@gmail.com

 

Wie setzt sich das queere Subjekt in Bezug zur heteronormativen Gesellschaft? Zahlreiche Autor_innen sind dieser Frage in Form von Selbstreflexion, Bekenntnissen und Fiktionen nachgegangen. Das Seminar verschafft einen Überblick über die methodische Vielfalt der Selbsterzählung. Zu ihnen zählen die Aufzeichnungen von Erlebnissen in Tagebüchern: André Gide beispielsweise nutzt das Format um im Stirb und Werde (1889–1902) das homophobe Klima seiner Zeit zu politisieren. Über die Autobiographie lässt sich also zum einen das dominante, feindselige Geschlechternarrativ ausstellen, zum anderen wird sie zu einer Bühne, auf der die eigene radikale Selbststilisierung fortgeschrieben werden kann, wie in Quentin Crisps Crisperanto: Aus dem Leben eines englischen Exzentrikers (1968/1988). Die Autofiktion wiederum, als ein ungenau abgegrenztes und experimentelles Genre, eröffnet ein Feld der metaliterarischen Selbstreflexion. Dissoziiert von den eigenen Memoiren und assoziiert mit den Texten anderer Autor_innen wird eine Spurensuche in der Geschichte initiiert, wie in Philipp Guflers Indirekte Berührung / Indirect Contact (2017). Leitfrage des Seminars wird folglich sein, wie das schreibende Selbst versucht, aus dem Gefangensein in der Gesellschaft und dem Eingesperrtsein in Sprache auszubrechen. Das Seminar adressiert alle Student*innen, die das Format des Romans als eine künstlerische Produktionsweise erfassen und reflektieren wollen. Lektüregrundlage sind literarische Texte von Jean Genet, Yukio Mishima, James Baldwin, Rosa von Praunheim, Roland Barthes, Abdellah Taïa, Didier Eribon u.a.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Anfertigung einer Hausarbeit (min. 10 Seiten)

 

 

 

6. Kolloquium Philosophie

Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall

Raum: E.O2.29

Zeit: Donnerstag, 17.00 – 20.00 Uhr, Beginn: 26.10.

Weitere Termine:, 16.11., 7.12., 11.1., 25.1., 8.2.

Kontaktmuhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so als ein experimenteller Ort der Präsentation und Diskussion als fester Bestandteil des Lehrstuhls Philosophie fortbesteht.

 

 

 

7. AKADEMIETEXTE

Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck)

Teilnehmerzahl: max. 15

Raum: E.ZG.04, Akademiestraße 4

Zeit: Beginn: 25.10., 11 Uhr (Auftakt- und Planungssitzung)

Kontakt/Anmeldung (verbindlich) bis 15.10.2017muhle@adbk.mhn.de

 

Die Publikationsreihe AKADEMIETEXTE, herausgegeben von Maria Muhle und Martin Schmidl, wird als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Arbeit an der Akademie fortgesetzt. Nachdem zur Jahresausstellung 2017 die ersten drei Bände der Akademietexte erschienen sind, sollen nun jeweils 2 bis 3 Bände im Mai/Juni des laufenden Jahres erscheinen, die gemeinsam mit den Studierenden erarbeitet werden. Die Studierenden sollen den Herstellungsprozess eines Buches von der thematischen und grafischen Konzeption, über die formale Textbearbeitung und grafische Umsetzung (Layout, Bildbearbeitung...) bis zur Drucklegung begleiten. Der Druck erfolgt gemeinsam in der Studienwerkstatt Typographie als Risodruck. Im Mittelpunkt steht außerdem der Vertrieb der drei bereits erschienen Publikationen sowie der Folgepublikationen.

 

Verbindliche Anmeldung per Mail (muhle@adbk.mhn.de) bis zum 15.10., Auftakt- und Planungssitzung am 25.10., 11h00, Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12). Bei dieser Sitzung sollen erste Vorschläge für die inhaltliche Gestaltung und Umsetzung der Bände diskutiert werden. Weitere Termine folgen im Wintersemester 2017/2018 sowie im Sommersemester 2018. Eine Booklaunch ist beim Rundgang 2018 vorgesehen. 

 

 

 

8. Ways of Hearing – Workshop mit Moritz Fehr

Prof. Dr. Maria Muhle und Volker Möllenhoff (Studienwerkstatt Neue Medien)

Teilnehmerzahl: begrenzt

Termine: November 2017, die genauen Termine werden per Mail bekannt gegeben.

Kontakt/Anmeldung (vorheriger und verbindlich): muhle@adbk.mhn.de

 

Der Kunsthistoriker, Kritiker und Erzähler John Berger produzierte im Jahr 1972 Ways of Seeing, ein vierteiliges Fernsehprogramm, in dem er analysiert und kritisiert, wie wir Bilder betrachten und wahrnehmen. In dieser Serie beschreibt Berger den Wahrnehmungs- und Deutungsprozess von Bildern als kontextabhängigen Vorgang und war in diesem Zusammenhang damit befasst, die Wahrnehmung von Kunst zu demystifizieren. Um seine Theorien zu illustrieren, präsentiert Berger im ersten Teil seiner Serie verschiedene Methoden der kontextuellen Manipulation von Bildern und Gemälden. Unter anderem führt er Experimente zur Manipulation von Bildern mit Musik vor, durch die er eine Verzerrung der ursprünglichen Aussage der Bilder erreicht. Gleichzeitig aber erzeugt die Konfrontation von Bild und Ton eine Transformation des Subjekts, die künstlerisches Potential birgt. Auf Basis der Experimente John Bergers wird im Workshop Ways of Hearing das synchrone und asynchrone Zusammenspiel von Bild und Ton analysiert und mit eben dieser Konfrontation von visuellen und auditiven Medien experimentiert. Vor dem Hintergrund, dass Sound nicht nur bestehenden Bildern, Strukturen oder Architektur hinzugefügt, sondern auch genutzt werden kann, um hörbare Räume virtuell zu erzeugen und neu zu erschaffen, betrachten wir Strategien und Techniken der künstlerischen Arbeit mit Sound im Bezug auf elektroakustische Komposition und zeitgenössische Kunst. Besondere Aufmerksamkeit richten wir auf den (experimentellen) Film und die Arbeit des französischen Komponisten und Theoretikers Michel Chion, der das Hinzufügen von Sound zum bewegten Bild als „adding value“ bezeichnet.

 

Jeder Teilnehmer erstellt eine eigene kurze Komposition, die ein bestehendes Bild in einen Klangraum extrapoliert. Dieses Bild ist vor dem Workshop auszuwählen und soll als Print sowie Datei mitgebracht werden. Anhand der Bilder werden die einzelnen Projekte diskutiert und die Teilnehmer werden angeleitet, Klangmaterial zu erzeugen, Geräusche und Klänge aufzuzeichnen, zu bearbeiten und zu mischen. Je nach Kenntnisstand können auch verschiedene Methoden der Raumklangerzeugung genutzt werden (zum Beispiel Ambisonics). Die Teilnehmer sollten Grundkenntnisse in den Bereichen Tonschnitt und Tonaufnahme haben. Bei einer Abschlusspräsentation werden die Kompositionen vorgeführt.

 

Moritz Fehr arbeitet in den Bereichen der Klangkunst und des Experimentalfilms. Er hat Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar und an der Tokyo National University of the Arts studiert. Seine Projekte werden international ausgestellt, seine Sound- und Radioarbeiten wurden auf WDR3 und Deutschlandradio Kultur (Klangkunst) ausgestrahlt. Für das Jerusalem Panorama (Altötting), Velaslavasay Panorama (Los Angeles) und Continuous Drift (Dublin) entwickelte er Raumklangarbeiten, die dauerhaft installiert sind; ein stereoskopischer 3D-Film wird in der Desert Research Station des Center for Land Use Interpretation (Hinkley) permanent gezeigt. Weitere Informationen: www.moritzfehr.de

 

 

 

9. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)

Prof. Dr. Maria Muhle

Raum: E.02.08

Zeit: Mittwoch, 10.00 – 14.00 Uhr

Termine: 15.11.2017, 7.2.2018

Kontakt/Anmeldungmuhle@abdk.mhn.de

 

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter: muhle@adbk.mhn.de

 

 

 

1. Einführung in die Ästhetik: Reproduktion, Wiederholung, Aneignung
Prof. Dr. Maria Muhle
E.01.09/E.02.09
Donnerstag, 11.00 – 13.00 Uhr
Beginn: 27. April
Raum: E.O1.23

Die Veranstaltung untersucht grundlegende Texte der Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts aus der Perspektive reproduzierender, wiederholender und aneignender Techniken, die sich einem tradierten Verständnis von Kunst als Produktion, Schöpfung und Erschaffung von Neuem entgegensetzt. Kunst soll hier im Zeichen ihrer technischen Reproduzierbarkeit (Benjamin) untersucht werden, um so einen anderen, nicht- oder nach-modernistischen Blick auf die künstlerischen Praktiken des 20. Jahrhunderts zu eröffnen. Zugleich soll in dieser Diskussion um Kunst als Reproduktion die Matrix jener aneignenden Techniken gesucht werden, die sowohl für Pop als auch Appropriation Art und Pictures Generation eine zentrale Rolle spielen und heute unter digitalen bzw. post-digitalen Bedingungen in Begriffen wie Distribution und Zirkulation reformuliert werden.  

Zur Vorbereitung ist die Lektüre von Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, in: ders., Gesammelte Schriften I.2. Frankfurt/Main 1980, S. 471–508 empfohlen.  

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

Achtung! Die erste Sitzung am 27.4. findet in Museum Brandhorst statt: Gespräch mit Tonio Kröner über die Ausstellung Wade Guyton. Das New Yorker Atelier. Treffpunkt: Foyer im Museum Brandhorst (Theresienstr. 35a) um 11h00

 

 

2. Theorien und Praktiken des Mimetischen
Prof. Dr. Maria Muhle und Prof. Dr. Tobias Döring (LMU)
E.02.09 zugleich Grundlagenseminar für das IDK Mimesis der LMU
Freitag, 11.00 – 14.00 Uhr, zweiwöchentlich
Termine: 28.4., 12.5., 26.5., 9.6., 23.6., 7.7., 21.7.
Raum: E.O1.23

Mimesis ist ein Schlüsselbegriff aller kulturellen Praxis – und zwar auch dann, wenn er, wie es in der Moderne immer wieder vorkommt, ausdrücklich verworfen, verachtet und verlacht wird. Mimesis bezeichnet das Grundlagenkonzept, das überhaupt in Rede steht, seit Literatur- und Kunstproduktion in den Horizont diskursiver Auseinandersetzung gerückt sind, und das noch in der jüngsten Medien- und Kulturtheorie gleichermaßen unverzichtbar ist. Mimesis umfasst ein ganzes Bedeutungsspektrum, das von „Nachahmung“, „Imitation“, „Darstellung“, „Repräsentation“, „Simulation“, „Reproduktion“, „Wiederholung“, „Spiegelung“, „Modellierung“, „Verkörperung“, „Travestie“, „Parodie“, „Kopie“ bis hin zu abstrakten Begriffen wie „Realismus“ oder „Identifikation“ reichen und damit fundamentale Fragen aufwerfen, denen sich jede Arbeit in den Literatur- und Kunstwissenschaften, aber auch die künstlerische Praxis selbst notwendig stellen muss. Diese folgen aus einer unhintergehbaren Doppelheit: sowohl Prozess wie Produkt, sowohl menschliches Vermögen wie gleichermaßen kulturelle Handlung, ist Mimesis immer ein Relationsbegriff, der etwas – zumeist ein Werkstück kultureller Arbeit – ins Verhältnis zu etwas anderem setzt – entweder zu einem anderen Werkstück oder einer Vorstellung von „Welt“, „Wirklichkeit“, „Handlung“ oder „Natur“. Das mimetisch Hervorgebrachte gilt daher als ein Zweites, d.h. oft ein Zweitrangiges und wird traditionell mit Skepsis betrachtet, wenn nicht ausdrücklich verworfen oder gar als gefährlich unzulänglich gleich verbannt. Eine dieser Gefahren betrifft dabei direkt das künstlerische Produzieren, insofern die nachahmenden Techniken das künstlerische Subjekt aus dem tradierten Genie-Paradigma hinausdrängen und dazu zwingen, die Frage seiner Autorschaft immer wieder aufs Neue zu verhandeln. Doch selbst eine Kritik am Mimetischen kann sich ihrerseits nur auf mimetische Techniken wie das Vergleichen stützen und muss sich durch mimetische Verfahren wie Illustration mitteilen. Ob also bewundert oder gescholten, ob gefeiert oder verdammt – Mimesis ist für alle Modi, Medien und Möglichkeiten sämtlicher Künste und Kulturprodukte schlechterdings konstitutiv. Macht und Faszination des Konzepts rühren in erheblichem Maße daher, dass es die Begriffssphäre, die es erschließt, mit jedem neuen Gebrauch neu entwirft und also ständig zur Begriffsverschiebung und -erweiterung beiträgt.

Dies wollen wir in diesem Seminar durch einschlägige Textlektüren, die von Platon und
Aristoteles über Walter Benjamin, Theodor W. Adorno und Erich Auerbach bis zu Michael Taussig, Judith Butler, Homi K. Bhabha sowie Roger Caillois, Jacques Derrida und Gabriel Tarde reichen, eingehend erkunden und mit ausgewählten Beispiele aus der ästhetischen Praxis – vornehmlich Literatur und Bildender Kunst – kritisch konfrontieren. Für alle Teilnehmenden ist daher nicht nur erhebliche Lesearbeit unerlässlich, sondern für die Teilnehmenden des IDK Mimesis auch ein eigener Diskussionsbeitrag – im Sinne einer Fallstudie – Voraussetzung. Die Texte werden in einem Reader bereitgestellt sowie digital zugänglich gemacht.

Zur vorbereitenden Orientierung ist folgendes Buch nützlich: Gebauer/Wulf, Mimesis:
Kultur-Kunst-Gesellschaft (Rowohlt 1992).

Anmeldung bis zum 20. April 2017: muhle@adbk.mhn.de

 

3. Infofiction
Dr. Jenny Nachtigall
Modul E.02.09
Freitag, 11.00 – 13.00 Uhr bzw. 14.00 – 17.00 Uhr (zweiwöchentlich)
Termine: 28.4. (14-17.00), 12.5. (14-17.00), 19.5., 2.6. (Workshop), 23.6. (14-17.00), 30.6., 14.7.
Raum: E.O1.23

Das Seminar „Infofiction“ möchte ausgehend von der aktuellen Diskussion um „alternative Fakten“ und eine „post-faktische“ Politik die Potentiale ästhetischer und künstlerischer Wissensproduktion in den Blick nehmen. Ursprünglich der Titel einer Ausstellung von Lee Lozano (1971), die sich u.a. dem Protokollieren ihres Lebens als künstlerischer und politischer Form widmete, erhält „Infofiction“ heute eine neue Lesbarkeit und Aktualität, denen dieses Seminar nachgehen möchte. Im Fokus steht dabei die These, dass in Zeiten politischer Repression ästhetische Formen der „Informationsverarbeitung“ immer schon Konjunktur hatten. Als alternative Orte der Wissensproduktion und -zirkulation, in denen ästhetischer Praxis eine politische Funktion zukam, fungierte insbesondere das Magazinformat häufig als zentrales Medium der politischen Artikulation und Positionierung von Künstler_innen selbst: von den Dadaisten, die um der Zensur zu entgehen unter dem Deckmantel eines Jugendmagazins (Neue Jugend) anti-nationalistische Satire verbreiteten, über Tropiques, offiziell ein Journal für Westindische Folklore, das eine surrealistischen Kritik am Kolonialismus praktizierte, bis zu aktuellen Formaten an den Rändern des westlichen Kunstdiskurses (z.B. die englische/arabische Zeitschrift makhzin). Durch die Diskussion historischer wie auch aktueller Praxisbeispiele, untersucht das Seminar künstlerischen Formen von „Infofiction“, ihre theoretischen Grundlagen und Implikationen sowie die Frage nach den ästhetischen und politischen Perspektiven, die sie im Zeitalter „alternativer Fakten“ eröffnen können.

„Infofiction“ bietet Studierenden außerdem die Möglichkeit einer Beteiligung an der internationalen Gruppenausstellung „Klassensprachen“, die sich der künstlerischen Entfremdung, Enteignung und Aneignung von Sprache in der Gegenwartskunst widmet. Die vom Hauptstadtkulturfonds Berlin geförderte Ausstellung ist von Manuela Ammer, Eva Birkenstock, Jenny Nachtigall, Kerstin Stakemeier und Stephanie Weber initiiert und eröffnet im Juli 2017 in Berlin. Im Rahmen des Seminars soll in Kooperation mit Studierenden der AdBK Nürnberg ein gemeinsamer Beitrag zur Ausstellung erarbeitet werden. Weitere Informationen werden bei der Einführungsveranstaltung besprochen.

Anmeldung bis zum 20. April 2017: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

4. Kunst und Gesellschaftskritik ‚nach‘ Hegel
Dr. Svenja Bromberg
E.02.09
Blockseminar, Termine: Fr. 05.05., 14.00 – 18.00 Uhr, Sa. 06.05., 10.00 – 17.00 Uhr und Fr. 9.06., 14.00–18 Uhr und Sa. 10.06., 10.00 – 17.00 Uhr
Raum: Wird noch bekannt gegeben

Das Blockseminar nimmt seinen Ausgangspunkt in einer Problematik, die sich mit dem Fortschreiten des 20. Jahrhunderts und einer damit einhergehenden Einschreibung der kapitalistischen Logik in alle, auch die künstlerischen, (Lebens)Bereiche, immer deutlicher stellt: nämlich die Frage, inwieweit (und ob) Kunst unter diesen Umständen als Instrument von Gesellschaftskritik dienen kann und welcher Modus von Kritik in diesem Kontext möglich und wünschenswert ist. Um uns dieser Fragen auf grundsätzliche Weise zu nähern, wollen wir in diesem Seminar zunächst die Engführung von Kritik und Kunst, wie sie prominente Ästhetische Theorien, wie diejenige von Theodor W. Adorno, kennzeichnen, auf ihre Wurzeln in der Hegelschen Dialektik zurückführen. Wir widmen uns Hegel somit als einer häufig übersehenen Grundlage derjenigen ästhetischen Theorie des 20. Jahrhunderts, die einen gesellschaftskritischen oder explizit gesellschaftsverändernden Anspruch formuliert. Dazu gehört, dass wir uns Weiterentwicklungen und Kritiken der Hegelschen Dialektik widmen und dabei vor allem auf die Rolle der Negativität, der Differenz und des Werdens fokussieren, wie sie nicht nur in der Kritischen Theorie, sondern auch von den französischen Interpreten Hegels, wie Alexandre Kojève, Gilles Deleuze und Jean-Luc Nancy, hervorgehoben wurden. Dabei stellt sich die doppelte Frage, inwieweit mit diesen Hervorhebungen die geschichtsphilosophischen Tendenzen in Hegels eigener Philosophie produktiv überwunden werden und inwiefern eine solche Öffnung des Absoluten zum Singulären und zur Differenz einen neuen Begriff von (künstlerischer) Kritik an Gesellschaft ermöglicht. In einem letzten Teil wollen wir die Potentiale und Begrenzungen eines Hegelschen Kritikbegriffs für die künstlerische Kritik an unserer zeitgenössischen Gesellschaft ausloten und dessen Rolle innerhalb des Gesamtverhältnisses von Kunst, Gesellschaft und Philosophie untersuchen.

Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 20. April 2017 per Email unter svenja.bromberg@gmail.com anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

5. Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Jenny Nachtigall
Donnerstag, 17.00 – 20.00 Uhr
Termine: 27.4., 11.5., 18.5., 1.6., 22.6., 29.6., 13.7.
Raum: E.O1.23

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine enge Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

6. Entwicklung einer Publikationsreihe
Konzept, Theorie, Inhalt, Gestaltung, Lektorat, Ökonomie, Produktion
Prof. Dr. Maria Muhle und Dr. Martin Schmidl (Studienwerkstatt Typographie / Hochdruck)
1. Termin: 9. Februar; weitere Termine werden per Mail bekannt gegeben
Raum: Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12)

Entwicklung einer kleinformatigen Publikationsreihe als theorie-praxisübergreifende Plattform für die Veröffentlichung ausgewählter Vorträge, Diskussionen, Veranstaltungen etc. der Akademie funktionieren. Die Inhalte der einzelnen Publikationen werden gemeinsam ausgewählt bzw. generiert und die grafische Gestaltung in Auseinandersetzung mit dem inhaltlichen Konzept in einem Workshop (Philosophie / Typografie) mit den Studierenden erarbeitet. Die Studierenden sollen den Herstellungsprozess eines Buches von der thematischen und grafischen Konzeption, über die formale Textbearbeitung und grafische Umsetzung bis zur Drucklegung begleiten. Es sind vorerst drei Ausgaben geplant, die in anliegenden Galerien und Buchläden vertrieben werden. Neben der praktischen Arbeit an Grafik und Texten ist ebenfalls die Diskussion unterschiedlicher Buchformen (Katalog, Künstlerbuch, Catalogue raisonné, Theoriebuch...) und ihrer Rolle für die künstlerischere Arbeit geplant sowie die gemeinsame Lektüre einzelner Texte, die sich mit Fragen des Verlegens als spezifische Wissensform auseinandersetzen.

Verbindliche Anmeldung per Mail (muhle@adbk.mhn.de und schmidl@adbk.mhn.de) bis zum 6.2., Auftakt- und Planungssitzung am 9.2., 11h00, Studienwerkstatt für Typografie / Hochdruck (Neubau ZG 12). Bei dieser Sitzung sollen bereits erste Vorschläge für Texte und grafische Konzepte diskutiert werden. Weitere Termine folgen im Sommersemester 2017. Eine Booklaunch ist beim Rundgang 2017 vorgesehen. Max. Teilnehmerzahl: 15

 

7. Forschungskolloquium (für Masterabsolventen, Doktoranden und Post-Doktoranden)
Prof. Dr. Maria Muhle
Mittwoch, 11.00 – 15.00 Uhr
Termine: 24.5., 28.6., 12.7.
Raum: E.02.08

Das Forschungskolloquium bietet die Möglichkeit, laufende philosophische und/oder kunsttheoretische Qualifikationsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren.
 
Ausschließlich nach vorheriger Anmeldung unter muhle@adbk.mhn.de

Interdisziplinäre Vortragsreihe „Hybride Ökologien“
Ein Kooperationsprojekt des cx centrum für interdisziplinäre studien und dem Lehrstuhl für Philosophie | Ästhetische Theorie
Weitere Informationen sowie alle Termine der Vortragsreihe finden Sie hier.

 

Seminar Einführung in Ästhetik und Massenkultur von 1900 bis heute (Modul E.01.09)
Jenny Nachtigall, M.A.
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 20.10.2016
Kontakt: nachtigall@adbk.mhn.de

In aktuellen kunsttheoretischen Debatten herrscht Uneinigkeit darüber, ob man heute noch von einer ‚Avantgarde’ in der Kunst sprechen kann oder ob die digitale Entgrenzung von Kunst und Massenkultur dieses modernistische Konzept obsolet macht (Foster, Joselit). Während der modernistischen Ästhetik und Kunsttheorie ein größtenteils antagonistisches Verhältnis von Kunst und Massenkultur zu Grunde liegt, auf dem zentrale Konzepte wie Avantgarde, Autonomie, Kritik oder Medienspezifik u.a. fußen, haben sich die Grenzziehungen zwischen Kunst und ihrem Außen heute stark verschoben. Welche Konsequenzen hat dies für unser Verständnis von Kunst sowie für die Rolle von Ästhetik und Kunsttheorie? In der „Einführung in Ästhetik und Massenkultur seit 1900 bis heute“ werden zentrale Begriffe der Ästhetik und Kunsttheorie des 20. und 21. Jahrhunderts sowie die unterschiedlichen Denkschulen, von denen sie mobilisiert werden anhand von einschlägigen theoretischen und künstlerischen Positionen vorgestellt und auf ihre Relevanz für das Verständnis von Kunst heute befragt. Neben der Einführung in klassische Positionen zu Kunst und Massenkultur im Umkreis der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (z.B. Benjamin, Bürger) wird deren einflussreiche Revision in der poststrukturalistisch geprägten Ästhetik und Kunsttheorie der 1980er und 90er Jahre (z.B. Foster, Krauss) diskutiert. Das Seminar wird darüber hinaus in alternative Zugänge zu Kunst und Massenkultur in einer sozial erweiterten Ästhetik in Deutschland (z.B. Gorsen, Draxler), einer an den Cultural Studies geschulten amerikanischen Kunsttheorie (z.B. Crimp, Owens) sowie in feministische (z.B. Bovenschen, Lippard) und postkoloniale Perspektiven (Mercer) einführen. Ziel der Lehrveranstaltung ist es, Grundlagen für das Verständnis aktueller ästhetischer und kunsttheoretischer Debatten sowie ein Basiswissen zu Ästhetik und Massenkultur seit 1900 bis heute zu vermitteln.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); Referat oder Essay zu einem im Seminar behandelten Thema (3-5 Seiten).

 

 

 

Seminar Krise und Form in der Gegenwartskunst: erweiterte Perspektiven (Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M.A.
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11-15.00 Uhr, Beginn: 21.10.2016
Weitere Termine: 28.10.,  11.11., 25.11., 9.12., 16.12., 13.01., 27.01.
(+ Workshop Termin wird bekannt gegeben)
Kontakt: nachtigall@adbk.mhn.de

Das Lektüreseminar wird gegenwärtige künstlerische Tendenzen vor dem Hintergrund einer Kritik an Universalismus und Homogenität dominanter westlicher (Kunst)Theorien und Philosophien diskutieren. Während aktuell eine kritische Revision verengter modernistischer Vorstellungen künstlerischer Formen und Subjekte im Zeichen des Digitalen steht, werden wir uns dieser Problematik aus der Perspektive einer sozial erweiterten Ästhetik, Philosophie und Kulturtheorie nähern: Bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert haben Theoretikerinnen und Künstlerinnen darauf verwiesen, dass es nicht nur eine (westliche) Moderne gibt, und dass die Formen und Subjekte von Kunst dementsprechend weder homogen noch puristisch, sondern von Antagonismen und Widersprüchen durchzogen sind. Diese Perspektive scheint vor dem Hintergrund der heutigen politischen und sozialen Krisen und des Wiedererstarkens von Rassismen in Europa und den USA aktueller denn je und wird im Zentrum des Seminars stehen. Inwiefern ist die (post-digitale) Gegenwartskunst dominanten und damit auch imperial geprägten Modernismen verhaftet? Ist unser eigenes Verständnis von Kunst ein genuin westliches?
In dem Seminar werden wir uns sowohl mit der philosophischen Kritik an Universalismen befassen, wie z.B. der Theorie einer Widerständigkeit von „kleinen Formen“ (Deleuze & Guattari), sowie mit frühen kunsttheoretischen und -kritischen Ansätzen einer Politik der Form jenseits von dominanten Vorstellungen moderner Kunst, die sich verstärkt auf ethnographische und anthropologischeForschung beziehen (z.B. Märten, Einstein, das surrealistische Magazin Documents). Im Fokus des Seminars wird insbesondere die umfassende Erweiterung solcher frühen Kritik an Universalismus und Homogenität in unterschiedlicher postkolonialen Theorien stehen (z.B. Fanon, Spivak). Neben klassischen Ansätzen postkolonialer Theorie werden wir aktuellere Tendenzen wie u.a. Afro-pessimismus und -optimismus (z.B. Moten, Sexton) diskutieren und sie mit dem Zukunftshype, den Subjektivitätsbildern und dem Formverständnis post-digitaler Gegenwartskunst konfrontieren. Ein Teil des Seminars wird in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunsttheorie und -vermittlung der ADBK Nürnberg stattfinden (Kerstin Stakemeier), im Rahmen dessen ein gemeinsamer Workshop (München) mit Studierenden aus München und Nürnberg sowie ein Vortrag (München) zu Krise und Form in der Gegenwartskunst aus postkolonialen Perspektiven stattfinden wird.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion künstlerischer Praktiken. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (ca. 10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.

Für die Planung des Workshops wird um Anmeldung bis zum 28.10.2016 gebeten: nachtigall@adbk.mhn.de

 

 

 

Seminar Museumstanz (Modul E.02.09)
Dr. Stefan Apostolou-Hölscher
Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 16.00–19.00 Uhr, Ausnahme: Mittwoch, 2.11. (dann 13.00-16.00 Uhr)
Einführung: 19.10.2016, weitere Termine: 2.11., 16.11, 23.11., 7.12., 18.1, 1.2.
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

In den letzten Jahren zeichnet sich die Tendenz ab, dass die internationale Museumsprogrammierung zunehmend bestrebt ist, Tanz aus dem Theaterdispositiv herauszulocken und in Ausstellungsräumen zu präsentieren. Das Interesse des Kunstbetriebs am vermeintlich ‚konkreten‘ Körper und seinen Tätigkeitsformen korrespondiert dabei mit dem Drang mancher zeitgenössischer Tanzschaffender, erweiterte und eher abstrakte Konzepte von Choreographie zu entwickeln, die weit über modernistische Verständnisse im Sinne einer reinen Komposition von Bewegung hinausgehen (expanded choreography). Ebenso hängt es mit einer Reihe von Problematiken zusammen, als deren Symptom es im Verlauf des Seminars skizziert werden soll: So lässt sich z.B. hinsichtlich der Arbeiten von Boris Charmatz oder La Ribot fragen, inwiefern Tanz im Museum das tradierte Medium der Skulptur ‚verlebendigt‘ und welche ideologischen Vorannahmen damit einhergehen, wie die musealen Interventionen Tino Sehgals mit postfordistischen Produktionsweisen zusammenhängen, warum William Forsythe ungewöhnliche Perspektiven auf die Sammlung des Frankfurter MMK wirft, um ebenso sein eigenes Œuvre wie jene dort umzuschreiben oder ob, wenn das New Yorker MoMA PS1 und der Pariser Palais de Tokyo Veranstaltungen organisieren, in denen die jüngsten Choreographien von Mårten Spångberg und Anne Imhof miteinander konstelliert werden, nicht eine im Bereich des Tanzes schon länger ad acta gelegte Idee von ‚Liveness‘ wiederbelebt wird, obwohl sie auch ein neues Arrangement sowohl von Choreographie als auch des Ausstellungsdispositivs vornehmen, indem sie gleichzeitig Tanz zum Objekt machen und den Ausstellungsraum mobilisieren, oder warum die Londoner Tate mehr an experimenteller Forschung zur Choreographie interessiert ist als die meisten der freien europäischen Theaterhäuser, wo diese noch in den späten 1990ern und 2000ern vornehmlich stattfand.
Neben solchen Fragen wird es um die Ausstellung Danse-Guerre gehen, die 2013 von Bojana Cvejić und Cosmin Costinas im Musée de la Danse in Rennes kuratiert wurde und sich mit den eng miteinander verflochtenen Genealogien kriegerischer und tänzerischer Praktiken befasste. Insgesamt besteht die Veranstaltung aus einer Kombination von Videosichtungen einerseits und damit verbundenen Textlektüren (u.a. Buren, Cvejić, Groys, Kunst, Lepecki, O´Doherty, Spångberg) sowie gemeinsamen Diskussionen andererseits.

 

 

 

Blockseminar Kants Ästhetik: Das Schöne, das Erhabene und die Kunst in der Kritik der Urteilskraft (Modul E 02.09)
Dr. Dirk Setton
Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Termine: 02.12, 10-18 Uhr; 03.12, 10-15 Uhr; 13.1., 15-19 Uhr, 14.1., 10-15.30 Uhr
Kontakt/Anmeldung setton@em.uni-frankfurt.de

Im ersten Teil der „Kritik der Urteilskraft“ widmet sich Kant einer kritischen Analyse der sogenannten Geschmacksurteile. Diese Urteile haben einen merkwürdigen Charakter – denn sie tragen nichts zum Erkennen von Gegenständen oder zum Handeln bei, sondern betreffen nur die Weise, wie sich urteilende Subjekte im Angesicht von besonderen Gegenständen und in je spezifischen Situationen selbst „fühlen“. Dass diese Urteile dennoch nicht bloß subjektiv und mithin beliebig sind, dass sie im Gegenteil sogar eine eigene Form allgemeiner Gültigkeit in Anspruch nehmen, macht sie zu einer besondere Art von Urteilen – nämlich: „ästhetischen“ Urteilen.
Im Seminar soll es darum gehen, die zentralen Passagen von Kants Theorie ästhetischer Urteile zu verstehen und produktiv zu diskutieren. Das bedeutet nicht nur, dass wir uns gemeinsam um eine Rekonstruktion und Deutung der „Analytik des Schönen“, der „Analytik des Erhabenen“ und der Theorie der „schönen Kunst“ bemühen werden; es bedeutet auch, Kants Begriffe des Schönen, des Erhabenen und der Kunst auf „Beispiele“ aus dem Bereichen des Films (Dogville, Mad Men, Safe) und der bildenden Kunst (Abstract expressionism, Minimal art) zu beziehen – und dabei zu versuchen, uns eine interessante und instruktive Perspektive sowohl auf diese „Beispiele“ als auch auf Kants eigene Theorie zu erarbeiten.

Das Seminar wird in zwei Blockveranstaltungen durchgeführt, die an jeweils 2 Tagen im Dezember 2016 und Januar 2017 stattfinden werden. Teilnahmevoraussetzung ist nicht nur die vorbereitende Lektüre der gemeinsam zu diskutierenden Textpassagen aus der Kritik der Urteilskraft, sondern auch die Bereitschaft zur Übernahme einer Diskussionseinleitung (kein Referat!) für eine Sitzung. Alle Interessierten werden gebeten, sich bis spätestens 17. Oktober 2016 beim Seminarleiter per Email unter setton@em.uni-frankfurt.de anzumelden. Der Seminarplan sowie weitere Materialen werden danach verschickt.

 

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr. Stefan Apostolou-Hölscher
Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 20.10., weitere Termine: 02.11., 17.11., 24.11.,8.12., 19.01., 2.2.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de


Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung
darstellt.
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

Seminar Einführung in die Ästhetik: Digitale Ästhetik

(Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

Die sogenannte „Digitale Revolution“ hat nicht nur die Produktionsweise von Kunst bzw. die Arbeitsweise der Künstler stark verändert, sondern ebenso die Zirkulation und Rezeption der künstlerischen Arbeiten verändert: „Bilder“ sind generell nicht nur schneller zu produzieren, sondern zirkulieren in feiner verzweigten Netzwerken und sind, so die Unterstellung, dadurch auch ein­facher zu konsumieren. Anhand zentraler theoretischer Positionen des 21. Jahrhunderts soll dieser „digitalen Revolution“ nachgedacht und ihre Bedeutung für den Begriff der „Ästhetik“ ausgelotet werden. Dabei sollen zunächst die Unterschiede zwischen einer prä-digitalen, einer digitalen und der sogenannten „post-digitalen“ Ästhetik untersucht werden, sowie zentrale Begrifflichkeiten der digitalen oder post-digitalen Ästhetik (Netzwerk-Kunst, Aggregation, Zirkulation, Auflösung, HD, Remediation, Post-Media, …) geklärt werden; hieran anschließend sollen theoretische und künstlerische Positionen untersucht werden, die sich spezifisch in einem digitalen Milieu verorten lassen und derart Virtualität, digitale Reproduzierbarkeit, erhöhte Sichtbarkeit qua sozialer Netzwerke etc. in ihren Produktionen explizit adressieren und, auf unterschiedliche Art, kritisieren oder subversiv unterlaufen – oder aber diese gerade affirmieren. Damit wird in dieser Debatte ein grundlegendes Problem zeitgenössischer philosophisch-ästhetischer Reflexion in Gestalt der Kritik an tradierten Dualismen (Virtualität vs. Körperlichkeit; Originalität vs. Reproduzierbarkeit; Autonomie vs. Heteronomie; Freiheit der Kunst vs. ihre Marktförmigkeit) aktualisiert.

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit); je nach Größe des Seminars entweder Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3 Seiten) eines Referats oder Anfertigung eines Essays zu einem im Seminar behandelten Thema (5 Seiten).


Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A. / Dr.-Stefan Apostolou-Hölscher

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 14.04.2016, weitere Termine: 28.04., 12.05., 25.5., 02.06., 16.06., 30.06.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.
 
Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.



Seminar Fremde Bilder (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 15.04.2016, weitere Termine: 29.04., 13.05., 03.06., 17.06., 01.07.

Im Lektüreseminar „Fremde Bilder“ steht die Frage nach der Darstellung des Fremden sowie die damit verbundene Infragestellung des Eigenen oder Alltäglichen im Mittelpunkt. Theoretische Problematisierungen der Figur des Fremden und damit verbunden der Bilder des Fremden treten zunächst im kolonialen Kontext auf, in dem das Fremde in der Fremde von einem eurozentristischen Blick konstituiert wird. Die spezifische Asymmetrie, die hier zwischen dem Zivilisierten und dem Fremden, Wilden, Barbaren, entsteht, führt dabei einerseits zu einer erhöhten Identitätsbildung des zivilisierten, aufgeklärten Europäers; sowie abhängig davon andererseits zu einer spezifischen, clicheehaften, hochgradig rassistischen Bildproduktion: der/das Fremde wird im ethnographischen Bild festgehalten, kategorisiert, diszipliniert. In einem zweiten Schritt soll dieser post-koloniale Komplex aus eigenem und fremden Bild bzw. aus Bildern vom Eigenen und Fremden vor dem Hintergrund der aktuellen Situation reflektiert werden. Ein wesentlicher Unterschied ist dabei die Verortung des Fremden, der nicht mehr woanders, sondern, in Gestalt von Migranten/innen und Flüchtenden, nun „bei uns“, in „Europa“ begegnet: Was geschieht, wenn das Fremde zu uns kommt? Welche (mythologischen) Bilder werden herangezogen, um fremdenfeindliche Übergriffe zu rechtfertigen? Wie ist der Wandel bzw. Umschlag der Bilder der Fremden seit dem letzten Sommer (2015) zu deuten: Von den vielzähligen Bildern überbordender Solidarität und sogenannter „Willkommenskultur“ (Stichwort Münchener Hauptbahnhof) hin zu der Dämonisierung des jungen männlichen Asylbewerbers (Stichwort Kölner Hauptbahnhof) und den rassistischen Übergriffen des letzten Jahres und speziell in Sachsen im Februar 2016.

Vor dem Hintergrund der Lektüre einschlägiger Texte zu Flucht, Rassismus, Fremdheit, Gastfreundschaft u.a. aus Philosophie, Ethnologie und Politikwissenschaft (Hanna Arendt, Michel Foucault, Jacques Derrida, Edward Said, Julia Kristeva, Bernhard Waldenfels u.a.) sollen Arbeiten der zeitgenössischen Kunst, aber auch aus Film, Fernsehen und den Medien diskutiert werden, die kritisch auf die gegenwärtige Situation reagieren; zugleich soll auch die Frage der Darstellung von Fremdheit im Allgemeinen diskutiert werden, die sich genealogisch sowohl zu exotistischen Repräsentationen (Segalen, Gauguin) und Reiseliteratur (Loti) als auch zu Völkerschauen und Dioramen sowie kolonialen Fotoarchiven zurück verfolgen lässt. „Fremde Bilder“ sind dabei sowohl Bilder vom Fremden als auch Bilder, die nicht vom Künstler stammen, die also fremd weil appropriiert, gefunden und kopiert sind – von Merkels Flüchtlings-Selfies bis zu den auf den sozialen Netzwerken zirkulierenden Handyvideos rassistischer Übergriffe. Sie werfen u.a. die Fragen auf, ob das Dokumentieren und Darstellen hier eher einem Aufklären, einem Ausstellen oder einer Festschreibung gleichkommt bzw. was „eigene“ Bilder diesen fremden Bildern hinzufügen. Diese Fragen stehen im Zentrum zeitgenössischer künstlerischer Auseinandersetzungen mit der Flüchtlingsfrage, wie bspw. in Philip Scheffners Film „Havarie“ (2016) oder Tobias Zielonys Arbeit „The Citizen“ (2015), aber auch in Dokumentation (Rosi, „Fuoccoamare“, 2016) und reportageartigen Bearbeitungen (z.B. Navid Kermani). Neben diesen und anderen Arbeiten sollen auch eigene Arbeiten der Studierenden, die im direkten Zusammenhang mit dem Seminar stehen, vor dem Hintergrund der Textlektüren diskutiert werden.

Die Doppelsitzungen umfassen jeweils Textlektüre und die Diskussion praktischer studentischer oder anderer Arbeiten. Eine kontinuierliche Teilnahme ist absolut gewünscht. Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit) und Anfertigung einer Hausarbeit (10 Seiten) zu einem Thema des Seminars.


After critique? Aesthetics of the low in contemporary art

Jenny Nachtigall, M. A.
(+ trip to 9th Berlin Biennale) (Modul E.02.09)
(Seminar in English and German)

Room E.ZG.04, E.O1.23, Akademiestr. 4
Dates Reading seminar: Thursday, 09.06., 14.00–20.00, Friday, 10.06., 11.00–19.00, Saturday, 11.06., 12.00–20.00
Trip to 9th Berlin Biennale: Friday, 17.06. – Sunday, 19.06.
Contact nachtigall@adbk.mhn.de

In the last couple of years the paradigm of ‘critique’ (and the notion of the ‘avant-garde’) have been waning as reference points within the contemporary art discourse. Whereas a strand of art theory and criticism denounced this development as “post-critical” (Hal Foster), seeking in turn to re-establish a rigorous understanding of critique, a younger generation of artists and writers calls it into question altogether. Artist collectives like DIS, for instance, locate their practices within the mainstream, in corporate culture and in fashion, with digitality as the matrix of their activities. In this seminar we want to discuss the premises and the consequences of what could be called an aesthetics of the low in contemporary art as well as how it differed from previous iterations. If the paradigm of critique were in fact obsolete, what replaces it?

In order to develop possible responses to this question the first section of the seminar will introduce key theories of mass culture, commodification and the low (e.g. Adorno, Greenberg, Foster, Crimp, Deleuze). We will look into how the premises of these earlier (post)modernist debates shifted in the present, and how current aesthetics, art theory and practice react towards this shift. Is it sufficient to understand “the zany, the interesting, and the cute “(Ngai) as the new aesthetic categories of the present or do we rather have to rethink the functions of aesthetics and of art in the face of digitality (e.g. Wark, Joselit)? How does contemporary art operate within a field – and how is it operated – in which the boundaries between artistic and social production became porous? The second part of the seminar will consist of a field trip to the 9th Berlin Biennale (curated by DIS) in which we will approach the problems and questions raised in our readings through the concrete framework of the Biennale and the practices that it chose to showcase.

Places are limited. In order to sign up for the seminar + trip to the Berlin Biennale, and for further information, please email nachtigall@adbk.mhn.de


Blockseminar Repräsentationskritik und Unsichtbarkeit (Modul E.02.09)
Marina Martinez Mateo

Raum E.EG.28 und E.O1.23 (nur 01.06.), Akademiestr. 4
Termine 30.05. und 31.05. jeweils 10.00–18.00 Uhr, 01.06. 9.00–14.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung marina.martinezmateo@normativeorders.net

Wird über Repräsentation gesprochen, denken wir schnell – und offenbar aus guten Grün­den −, dass darin etwas sichtbar würde. Als Darstellungen leisten Repräsentationen eine Materialisierung oder Veräußerung eines inneren Ausdrucks; oder aber sie bilden eine Realität ab und führen sie uns dadurch noch einmal neu, vielleicht klarer, vielleicht verschoben vor Augen. Sichtbarmachung bildet den unveräußerlichen Kern von Repräsentation.
Darin liegt nicht nur eine Beschreibung ihrer Funktionsweise, sondern auch ihr normatives Fundament: Das Versprechen der Sichtbarkeit liegt ihr legitimierend zugrunde – Repräsentation soll sichtbar machen. Impliziert wird damit die Annahme, dass Sichtbarkeit anzustreben sei, dass Unsichtbarkeit einen Mangel bedeutet, eine Passivität oder gar Handlungsunfähigkeit. Dies ist insbesondere dann das Narrativ, wenn Repräsentation in einem stärker politischen Sinne verstanden wird: Nur wer repräsentiert ist, gilt als Teil der Gemeinschaft und politische/r Akteur/in.

Dies wird immer wieder aus verschiedenen Perspektiven in Frage gestellt: Was machen Darstellungen tatsächlich sichtbar – und was belassen sie dabei notwendig im Verborgenen? Gibt es möglicherweise Gegenstände oder Themen, die nicht repräsentierbar sind, die man verfälschen oder gar zerstören würde, wollte man sie abbilden? Und was für (politische wie ästhetische) Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten gibt es im Verborgenen oder im Spiel mit der Verbergung, die in der Dominanz der Sichtbarkeit verloren gehen? In diesen Kritiken wird Unsichtbarkeit entweder zum Außen der Darstellung (das Ausgeschlossene, der Rest), das sie stark machen, um Möglichkeitsräume jenseits der Repräsentation aufzuzeigen; oder aber Unsichtbarkeit wird als notwendiger Bestandteil von Repräsentation hervorgehoben. Dadurch wird das Versprechen der Sichtbarkeit insofern in Frage gestellt, als es scheinbar nie erfüllt werden kann.

Diesen verschiedenen Positionen und Argumentationsweisen sowie ihrem Verhältnis zueinander soll im Seminar anhand genauer Textlektüren nachgegangen werden, um die komplexe Interaktion von Repräsentation und Unsichtbarkeit richtig zu fassen. Dabei wird es auch immer wieder um die politischen Implikationen dieser Fragen gehen. Im Zentrum sollen u.a. Texte von Jacques Rancière, Michel Foucault, Hannah Arendt und Axel Honneth stehen.

Wichtig ist: Die Veranstaltung wird als Blockseminar stattfinden. Der Seminarplan und die behandelten Texte werden im Vorhinein per Mail zugänglich gemacht. Daher wird um vorherige Anmeldung (an: marina.martinezmateo@normativeorders.net) unbedingt gebeten.


Seminar Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts: „October“

(Modul E.01.09 und E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 22.10.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das Lektüreseminar behandelt zentrale Positionen der philosophischen Ästhetik des 20. und 21. Jahrhunderts, ausgehend von der Konstellation um die 1976 in New York von Rosalind Krauss und Annette Michelson gegründete Zeitschrift „October“. Die in „October“ veröffentlichten kunstkritischen Texte befassen sich mit explizit zeitgenössischen Fragestellungen und verfolgen dabei einen genre- und medienüberschreitenden Ansatz, der sich v.a. darin zeigt, dass nicht nur Texte zur zeitgenössischen (bildenden) Kunst, sondern ebenfalls zu Film, Theater und Literatur veröffentlicht wurden und werden. Darüber hinaus wurde „October“ in den 1970er, 80er bis in die 90er Jahre zu einem der wichtigsten Rezeptionsinstrumente der Texte des so genannten französischen Post-Strukturalismus, die hier größtenteils zum ersten Mal auf Englisch veröffentlicht wurden (so bspw. in der ersten Ausgabe vom Frühjahr 1976 Foucaults berühmter Text zu Magritte, „Ceci n’est pas une pipe“ oder Deleuze einflussreiches Postskriptum über die Kontrollgesellschaft von 1990, im Winter 1992; aber auch Bataille). Erst über diesen amerikanischen Umweg fanden die Texte der französischen Autoren wiederum den Weg in die deutsche Diskussion. Anhand zentraler Texte der „October“-Herausgeber und -Autoren – neben Rosalind Krauss und Annette Michelson auch Douglas Crimp, Yve-Alain Bois, Hal Foster, Benjamin H.D. Buchloh, Craig Owens, David Joselit u.a. – soll diese Konstellation und ihre zentralen Begriffe – die emblematische Rolle von Fotografie und der Begriff des Index, der Komplex von Readymade, Museum und Institutionskritik, „Schicksal“ des Begriffs der Postmoderne, Appropriation Art, „postmedium condition“, das Informe bis hin zum Digitalen –, rekonstruiert werden sowie diskutiert werden, inwiefern die französische Theoriebildung des 20. Jahrhunderts, die sich zunächst selbst nicht als genuin ästhetisch verstanden hat, für ein spezifisches Verständnis von Ästhetik zentral geworden ist.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Referat, Ausarbeitung des Referats (3–5 Seiten) für Schein E.01.09 (Einführung), Hausarbeit (ca. 10 Seiten) für Schein E.02.09 (Vertiefung)

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O2.29 und E.O1.23 (nur Termin 15.10.2015), Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 17.00–21.00 Uhr, Beginn: 15.10.2015, weitere Termine: 29.10., 12.11., 19.11.2015, 21.01.2016 und 04.02.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten und der gemeinsamen Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur Arbeit der Studierenden haben, spielt das Schreiben (über die eigene Praxis) eine zentrale Rolle. Das „Kolloquium Philosophie“ bietet konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis; ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

Kunst und Historiographie - eine mimetische Konstellation (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle / Jenny Nachtigall, M. A.

 

Seminar (S) + Ringvorlesung und Workshop (R+W)
Raum (S) E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit (S) Freitag 11.00–13.00 Uhr, Termine: 16.10., 30.10., 13.11., 20.11., 22.01., 05.02.
Zeit (R+W) Donnerstag 19.00 Uhr/Freitag 10.00–13.00 Uhr, Termine: 22.10./23.10., 26.11./27.11., 10.12./11.12., 14.01./15.01., 28.01./29.01.
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de

 

Von der Auseinandersetzung mit der Geschichtlichkeit von Kunst und ihrer Historiographie bis zu Kunst als Historiographie: wie sich an den unterschiedlichen Ausstellungs- und Publikationsprojekten der letzten Jahre erweist, ist die Aktualität der Gegenwartskunst immer auch die Gegenwärtigkeit von (ihrer) Geschichte. Ausgehend von dem aktuellen Interesse an Kunst und Historiographie möchte dieses Lektüreseminar ihr Verhältnis als eine mimetische Konstellation neu in den Blick nehmen. In der Diskussion klassischer und zeitgenössischer Mimesis-Konzepte soll eine Genealogie der Mimesis erarbeitet werden, die nicht nur die Historisierung und Konzeptualisierung der (Gegenwarts)Kunst re-fokussiert, sondern auch umgekehrt die klassischen Kategorien von Mimesis und Historiographie selbst einer Aktualisierung unterzieht. Entgegen ihrer Reduktion auf eine möglichst exakte Nachahmung bzw. Nacherzählung werden Mimesis und Historiographie als operative Kategorien begriffen, die es zum einen erlauben, das duale Verhältnis von (geschichtlicher) Wirklichkeit und (künstlerischer) Darstellung zu hinterfragen; und zum anderen, die Form des künstlerischen Wirklichkeitsbezugs zu problematisieren. Neben der Lektüre einschlägiger Theorien (Platon, Benjamin, Adorno, Caillois, Owens, Joselit) wird sich das Seminar dementsprechend den mimetischen Produktions- und Repräsentationsformen künstlerischer Zugänge zu Geschichte und Gegenwart (Dokumentation, Appropriation, Reenactment, Aggregation etc.) und ihren ästhetisch-politischen Potentialen widmen.

 

Das Seminar findet begleitend zu der internationalen Vortrags- und Seminarreihe „Kunst und Historiographie – eine mimetische Konstellation“ statt (eine Kooperation mit dem Haus der Kunst).
Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten)

 

 

Seminar Die Aktualität des Schönen (Modul E.01.09 und E.02.09)
Dr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 16.00–19.00 Uhr, Beginn/Einführung: 14.10.2015, weitere Termine: 28.10., 25.11., 02.12., 16.12.2015, 13.01.2016, 27.01.
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Innerhalb der Ästhetik Immanuel Kants und deren weit verzweigtem Erbe gibt es von Anfang an eine unaufgelöste Spannung zwischen der ‚bloßen Form‘ des Schönen und der ‚Formlosigkeit‘ des Erhabenen sowie letztlich einen Konflikt zwischen Vernunft, Verstand und Einbildungskraft. Während die Problematik des Schönen in vielerlei Hinsicht die unterschiedlichen ‚Realismen‘ der Kunst des 19. Jahrhunderts mitgeprägt hat und auf eine allgemeine Darstellbarkeit abzielt, rückt mit den historischen Avantgarden zu Beginn des 20. Jahrhunderts schließlich das Erhabene in den Vordergrund, während das Schöne dann abgewertet wird (Steven Shaviro). Obwohl es danach zu seiner Rehabilitierung durch so unterschiedliche Denker wie bsp. Herbert Marcuse, Hanna Arendt, Jürgen Habermas, Gilles Deleuze, Terry Eagleton, James Kirwan, Rodolphe Gasché oder Jeremy Gilbert-Rolfe kommt, wurden und werden das Schöne und seine Figurationen bisweilen heute noch mit einer entpolitisierten Harmonie der Vermögen in Zusammenhang gebracht. Demgegenüber lässt sich allerdings das genaue Gegenteil behaupten, nämlich dass in ihm Verstand und Einbildungskraft in einen produktiven Dissens treten, der auch politische Konsequenzen hat (Jacques Rancière).
Vor diesem Hintergrund sollen im Verlauf des Seminars – nach einer eingehenden Lektüre der ‚Analytik des Schönen‘ aus Kants „Kritik der Urteilskraft“ von 1790 – unterschiedliche Autoren gelesen werden, die sich im 20. und 21. Jahrhundert mit diesem so folgenreichen Text befasst haben. Stellvertretend für das Erhabene und als Gegenpositionen zur allgemeinen Darstellbarkeit, die im Schönen auf dem Spiel steht, werden v.a. die Positionen Theodor W. Adornos und Jean-François Lyotards dienen. Anhand aktueller Beispiele aus dem Bereich der Bildenden Kunst wird begleitend zur Textlektüre außerdem untersucht, wie im Feld der Praxis das Verhältnis zwischen einem (ästhetischen) Realismus und einer (erhabenen) Undarstellbarkeit skizzierbar sein könnte.

 

 

Blockseminar Das ästhetische Unbewusste, Psychoanalyse und Kunsttheorie

(Modul E.02.09)
Dr. Samo Tomšič

 

Raum E.EG.28 (erste Sitzung) und E.O1.23, Akademiestr. 4
Termine 13./14.11.2015 jeweils 12.00–15.00 Uhr, 11./12.12.2015 jeweils 15.00–18.00 Uhr,
08./09.01.2016 jeweils 12.00–15.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung tomsic.samo@gmail.com

 

Dass die Psychoanalyse Freuds einen unmittelbaren und wesentlichen Beitrag zum (Selbst-)Verständnis der Kunstpraktiken beisteuerte, wurde in Kunstkreisen früh wahrgenommen. Freuds Zeitgenossen aus verschiedenen modernistischen Bewegungen nahmen Bezug – ob befürwortend oder kritisch – auf einzelne Aspekte der psychoanalytischen Theorie des psychischen Apparats, der menschlichen Sexualität und der gesellschaftlichen Mechanismen. Die philosophischen Thematisierungen der psychoanalytischen Beiträge zur Kunsttheorie und Ästhetik folgten jedoch erst mit Verspätung. Jacques Lacans Lehre, in der er diverse Anbindungen der Psychoanalyse an andere Disziplinen und Bereiche der menschlichen Produktion entwickelte, hat zu diesen theoretischen Anwendungen am stärksten beigetragen.
Unter dem Titel „Das ästhetische Unbewusste. Psychoanalyse und Kunsttheorie“ wird das Seminar den Wert der Psychoanalyse für die daran anknüpfenden Diskussionen in der Ästhetik und der Kunsttheorie erforschen. Dies wird in zwei Schritten durchgeführt: Zuerst werden die Grundzüge der Freud’schen Theorie des Unbewussten diskutiert und im nächsten Schritt an die Lacan’sche Bild- und Sprachtheorie angebunden. Somit werden die Konturen einer psychoanalytischen Ästhetik sichtbar gemacht. Schließlich wird durch die Betrachtung einiger der wichtigsten theoretischen Konstellationen in der zeitgenössischen Ästhetik (Badiou, Rancière, Žižek) die Weiterentwicklung der psychoanalytischen Einflüsse auf die Kunsttheorie erforscht und zur Debatte gestellt.
Das Seminar wird in drei Blocksitzungen stattfinden. Die erste Sitzung (13. und 14. November 2015, 12.00–15.00 Uhr) wird den Grundlagen Freuds Theorie des Unbewussten gewidmet und wird durch die Lektüre seines „Witz“-Buches die Verbindung zwischen der psychoanalytischen Theorie der Produktion und der Theoretisierung der künstlerischen Praxis behandeln. Die zweite Sitzung (11. und 12. Dezember 2015, 15.00–18.00 Uhr) wird die Weiterentwicklungen der Freud’schen Grundbegriffe in der Psychoanalyse Jacques Lacans in den Fokus nehmen und insbesondere seine Objekt- und Bildtheorie ausführlicher behandeln. Schließlich wird eine dritte Sitzung (08. und 09. Januar 2016, 12.00–15.00 Uhr) einige der einflussreichsten ästhetisch-philosophischen Lektüren der Psychoanalyse behandeln und dadurch den anhaltenden Einfluss von Freud und Lacan in gegenwärtigen Diskussionen beleuchten.

 

Seminar Einführung in die Ästhetik (Modul E.01.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 11.00–13.00 Uhr, Beginn: 23.04.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das Seminar vermittelt Grundlagen der philosophischen Ästhetik. Ausgehend von der Entstehung dieser philosophischen Disziplin um 1800 (Baumgarten) werden klassische (Schiller, Kant, Hegel, Nietzsche, Heidegger) Positionen der Ästhetik in der Lektüre erarbeitet. Diese klassischen Positionen werden jeweils mit neueren und zeitgenössischen Ästhetiklektüren konfrontiert (Valéry, Adorno, Lyotard, Greenberg, Rancière, Joselit, u.a.), um so die Aktualität des Ästhetischen zu konstatieren oder zu hinterfragen. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, inwiefern eine Eigengesetzlichkeit des Ästhetischen besteht bzw. inwiefern diese in einer spezifischen Unbestimmtheit (und Unabschließbarkeit) liegt, die dem klassischerweise als rational-bestimmend beschriebenen philosophischen Diskurs Widerstand zu leisten vermag; daran anschließend bleibt zu diskutieren, inwiefern gerade diese spezifische Unbestimmtheit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das kontinental-philosophische Denken überhaupt kennzeichnet.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Übernahme und schriftliche Ausarbeitung (3–5 Seiten) eines Referats.

 

 

Seminar Historische Einbildungskraft. Von der Fiktion des Faktischen (Modul E.02.09)
Prof. Dr. Maria Muhle

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Freitag 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 24.04.2015, weitere Termine: 15.05., 29.05., 05.06., 12.06., 26.06.2015

 

In der Gegenwartskunst treten vermehrt jene Arbeiten in den Vordergrund, die sich auf spezifische Weise auf Ereignisse der Vergangenheit bzw. auf historische Zusammenhänge beziehen und diese in visuellen Rekonstruktionen erneut zugänglich machen – gegenwärtige Formen des Reenactments tragen sich damit in eine klassische kunstgeschichtliche Tradition ein, die mit der Historienmalerei und klassischen Geschichtsmedien wie den Panoramen ihren Ausgang nimmt. Neben der Bildenden Kunst verzeichnen jedoch auch der Film, mit den sogenannten „Docu-Dramen", die Literatur und die kunstgeschichtlichen Institutionen und Museen, mit groß angelegten archivalischen Ausstellungen, ein besonderes Interesse für historische Zusammenhänge. Dabei stellt sich jedoch immer wieder die Frage nach dem Zugang, der Kontextualisierung und Wiederaufbereitung der vergangenen Wirklichkeit in der Gegenwart. Das Lektüreseminar nimmt diese künstlerischen Phänomene zum Anlass, um dem Begriff der „historischen Einbildungskraft" nachzuforschen. Einbildungskraft bezeichnet hier jenes „Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen Gegenwart in der Anschauung vorzustellen" und bezieht sich damit in spezifischer Weise auf die Frage der Darstellung von Geschichte, in der das Dargestellte – das historische Ereignis – sich notwendigerweise durch seine Abwesenheit und Vergangenheit auszeichnet. Daraus folgt, dass eine mediale Historiographie, also die Geschichtsschreibung in den Medien der Darstellung – sei es Bild, Text, Performance u.a. –, sich immer an der Grenze zwischen wissenschaftlicher Aufarbeitung und narrativer oder poetischer Erzählung befindet. Eine mediale Historiographie stellt notwendigerweise die Frage nach der Fiktion des Faktischen, also danach, inwieweit historische Fakten in ihrer Darstellung erst verfasst und produziert werden. Diesen Fragen will sich das Seminar durch die Lektüre von klassischen und zeitgenössischen Texten der Geschichtswissenschaft, Philosophie und Ästhetik (Aristoteles, Immanuel Kant, Hayden White, Carlo Ginzburg, Jacques Rancière, Georges Didi-Huberman u.a.) sowie durch die Diskussion künstlerischer Arbeiten (u.a. von Omer Fast, Gerard Byrne, Pierre Huyghe, Joshua Oppenheimer, Jeremy Deller, Milo Rau) nähern.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten).

 

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle, Jenny Nachtigall, M. A., Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Donnerstag 18.00–21.00 Uhr, Beginn: 23.04.2015, weitere Termine: 30.04., 13.05., 28.05., 11.06., 25.06., 09.07.2015
Kontakt muhle@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie" eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten, die das Herzstück des Kolloquiums darstellen, spielt die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur künstlerischen Arbeit der Studierenden haben, eine zentrale Rolle. Die Texte werden von den Studierenden und Lehrenden gemeinsam ausgewählt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie" strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z.B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Zuletzt bietet das „Kolloquium Philosophie" konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden.

 

Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis, ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt.

 

Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie" ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

Seminar REALISMUS. Zum Problem der Wirklichkeit (in) der Kunst (Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 11.00–15.00 Uhr, Beginn: 22.04.2015, weitere Termine: 29.04., 13.05., 27.05., 10.06., 24.06., 08.07.2015
Kontakt nachtigall@adbk.mhn.de

 

Die Diskussion um den Realismus in der Gegenwartskunst hat in den letzten Jahren eine neue Richtung eingeschlagen und das nicht zuletzt aufgrund der kuratorischen und kunstkritischen Rezeption (vgl. z. B. „Spike" 2013-, „Texte zur Kunst" 2014) einer Reihe heterogener philosophischer Positionen, die unter dem Label „Spekulativer Realismus" subsumiert wurden.

 

Wenn der gemeinsame Nenner dieser spekulativen Variante des Realismus in der Kritik einer „anti-realistischen" Orientierung der kontinentalen Philosophie und ihrem „Korrelationismus" besteht – also dem Kantschen Verdikt, dass Erkenntnis durch das Verhältnis des Subjekts auf das Objekt konstituiert wird –, was für Konsequenzen hat dies für das Verständnis von Realismus und Realität, für Kunst und Ästhetik sowie für ihr Verhältnis zueinander? Ist es tatsächlich notwendig im Zuge des Postulats einer nicht-korrelationistischen Perspektive das Ende der Ästhetik oder Gegenwartskunst auszurufen (Avanessian, Malik) und was passiert mit dem Anspruch des Realismus als einem kritischen Projekt der Transformation von Wirklichkeit?

 

Nachdem die Begeisterung um die neuste Spielart des Realismus sich etwas gelegt hat, möchte dieses Seminar die aktuelle Diskussion in Konfrontationen mit anderen zeitgenössischen und historischen Positionen in Bezug auf das Problem der Wirklichkeit (in) der Kunst neu in den Blick nehmen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Fragen der Kontingenz, der Materialität und Medialität realistischer Darstellung bzw. der Realität der Darstellung sowie den sich wandelnden Subjekt-Objekt Positionen, die mit unterschiedlichen Realismen und ihren divergierenden Wirklichkeitsbegriffen verbunden sind.

 

Ausgehend von der Lektüre aktueller philosophischer Positionen (Meillassoux, Laruelle) und ihrer Manifestationen in der Kunst (z. B. die Ausstellungen „Speculations on Anonymous Materials", Kassel, 2013 oder „Geographies of Contamination", London, 2014), wird die Frage des Realismus anhand einer Auswahl künstlerischer Positionen und Texten der politischen Ästhetik und psychoanalytischen Theorie (Rancière; Lacan) sowie der materialistischen Ästhetik (Bataille; Brecht) diskutiert.

 

Leistungsnachweis: regelmäßige Teilnahme (mind. 80 % Anwesenheit), Hausarbeit (ca. 10 Seiten).

 

 

Blockseminar Freiwillige Knechtschaft – Politik und Ästhetik der Faszination (Modul E.02.09)
Felix Trautmann

 

Raum E.ZG.04, Akademiestr. 4
Termine 02.07.2015 14.00–18.00 Uhr, 03.07./04.07.2015 jeweils 10.00–16.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung felix.trautmann@gmx.de

 

Wie kann es sein, dass wir von einer Sache so fasziniert sind, dass wir uns ihr regelrecht hingeben wollen und bereit sind, die eigene Freiheit dafür bisweilen aufzugeben? Welchen Anteil haben unsere eigenen Handlungsmotive und welchen Anteil hat die Beschaffenheit des Objekts unseres Begehrens in Momenten der Faszination? Dieser nicht nur politischen sondern auch ästhetischen Frage geht Étienne de La Boétie bereits Mitte des 16. Jahrhunderts in seinem „Discours de la servitude volontaire" nach. Seine These lautet dabei so einfach wie irritierend, dass die Menschen weniger durch Gewalt beherrscht werden als sich aufgrund ihrer Attraktion für den Herrscher freiwillig unterworfen haben. Anders sei es, so La Boétie, nicht zu erklären, dass eine so große Anzahl von Menschen die Knechtschaft hinnehme als wäre es die Verwirklichung ihrer eigenen Freiheit.

 

In der These von der freiwilligen Knechtschaft kann eine Formel erkannt werden, die sich im weiteren Verlauf des herrschaftskritischen Denkens in immer neuen Varianten artikuliert hat. Sie stellt dabei aber auch eine kritische Matrix für das Verständnis von Formen der Hingabe, der Verblendung oder Selbsttäuschung in gegenwärtigen Gesellschaften dar. Die These La Boéties hat nicht zuletzt Eingang in die Theorien charismatischer Herrschaft, ideologischer Subjektivierungen sowie in die psychoanalytische Kulturtheorie gefunden.

 

Mit der zunächst politischen Kritik verbindet sich dabei immer auch eine ästhetische Theorie der Faszination und Anziehungskraft einer Herrscherperson oder eines Herrschaftsverhältnisses. In der freiwilligen Knechtschaft wird eine Sache oder eine Person zum begehrten Objekt und der Grund des Begehrens zum „faszinosum". Die Frage für das Seminar lautet daher: was ist es und vor allem wie ist die Sache beschaffen, von der die eigentümlich verführerische Kraft ausgeht, die uns verzückt und anzieht? Welche ästhetische Beschaffenheit besitzt eine Sache, die sie derart unwiderstehlich erscheinen lässt, dass wir willens sind, uns ihr voll und ganz hinzugeben?

 

Das Seminar wird neben der Lektüre des „Discours" von La Boétie und einigen zentralen Kommentaren zu diesem Text, auch eine Auswahl von verwandten Problematisierungen aus dem Feld der Kulturtheorie, Soziologie und Psychoanalyse diskutieren. Ein Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.

 

Kolloquium Philosophie
Prof. Dr. Maria Muhle, Jenny Nachtigall, M. A., Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 18.00–21.00 Uhr, 14-tägig, Beginn: 14.10.2014, weitere Termine: 28.10., 11.11., 18.11., 09.12., 16.12.2014 und 21.01.2015 (einmalig Mittwoch)
Kontakt muhle@adbk.mhn.de / nachtigall@adbk.mhn.de / apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Das „Kolloquium Philosophie“ eröffnet den Studierenden aller Klassen die Möglichkeit, thematisch ungebunden ihre Arbeiten zu präsentieren und im Plenum mit den anderen Studierenden sowie den Lehrenden der Philosophie aus einer philosophischen, ästhetischen und kunsttheoretischen Perspektive zu diskutieren. Neben den Präsentationen der künstlerischen Arbeiten, die das Herzstück des Kolloquiums darstellen, spielt die gemeinsame Lektüre und Diskussion von Texten, die einen direkten Bezug zur künstlerischen Arbeit der Studierenden haben, eine zentrale Rolle. Die Texte werden von den Studierenden und Lehrenden gemeinsam ausgewählt. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf Wunsch der Studierenden ein bis zwei Mal im Semester externe Theoretiker oder Künstler einzuladen, um entweder einzelne Projekte und Positionen, aber v.a. auch weiterführende Fragen hinsichtlich der Rolle theoretischer Textarbeit für die künstlerische und gestalterische Arbeit zu diskutieren. Das „Kolloquium Philosophie“ strebt ebenfalls eine engere Zusammenarbeit mit den künstlerischen Klassen an, so z. B. durch gemeinsame Veranstaltungen oder Exkursionen sowie durch gemeinsame Arbeitsbesprechungen. Zuletzt bietet das „Kolloquium Philosophie“ konkret die Möglichkeit, die Schreibarbeit der Studierenden zu intensivieren und einen stärkeren Fokus auf das Verfassen von Essays sowie von Texten über die eigenen Arbeiten zu legen. Schreiben soll derart nicht als Mittel zum Leistungsnachweis verstanden werden, vielmehr soll die Funktion des Schreibens (und Lesens) in der eigenen künstlerischen Praxis reflektiert werden.

 

Das freie Format des Kolloquiums erlaubt es, die einzelnen Ansätze nicht in einen übergreifenden thematischen Rahmen einzuschließen, sondern die inhaltliche Ausrichtung ausgehend von der konkreten Arbeit der Studierenden vorzunehmen. Zugleich steht im Hintergrund der im Kolloquium geführten Diskussionen, der Text- und Schreibart immer auch der Versuch einer Bestimmung des Verhältnisses zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis, ein Versuch, der für die Studierenden und Lehrenden einer Kunsthochschule gleichermaßen eine besondere Herausforderung darstellt. Eine regelmäßige Teilnahme am „Kolloquium Philosophie“ ist erforderlich, damit ein möglichst kontinuierlicher Austausch in der Gruppe gewährleistet wird und das Kolloquium so zu einem experimentellen Ort der Präsentation und Diskussion und zum festen Bestandteil des Lehrstuhls für Philosophie werden kann.

 

 

 

Seminar Ästhetische Positionen der Gegenwartskunst (auch Modul E.02.09)
Jenny Nachtigall, M. A.

 

Raum E.O1.23, Akademiestr. 4
Zeit Dienstag 14.00–16.00 Uhr, Beginn: 14.10.2014
Kontakt nachtigall@adbk.mhn.de

 

Was die Kunst der Gegenwart und die Gegenwart der Kunst ausmacht, sind Fragen, die seit einigen Jahren im Zentrum ästhetisch-politischer Diskussionen stehen. Geht mit dem Anspruch auf Zeitgenossenschaft auch eine verstärkte politische Relevanz der Gegenwartskunst einher oder korreliert die Fokussierung auf die Gegenwart mit einer der Immanenz verschriebenen, geschichtsvergessenen Zeit? Ausgehend von diesen und anderen Fragen aktueller Diskussionen (e-flux journal 2009/10, October 2009, Texte zur Kunst 2009), widmet sich dieses Seminar ästhetischen Positionen der Gegenwartskunst. Ziel ist es, einerseits einen Überblick über verschiedene Theorien zeitgenössischer Kunst (Rancière, Osborne, Rebentisch u.a.) sowie einen Einblick in deren philosophische Fundamente zu vermitteln (Kant, Adorno, Deleuze u.a.). Zum anderen sollen die im Seminar behandelten Theorien anhand von künstlerischen Praktiken diskutiert und gegebenenfalls auch kritisiert werden. Zentrale Fragestellungen betreffen dabei das Verhältnis von Geschichte, Gegenwart und Aktualisierung, Möglichkeiten und Grenzen einer Politik der Kunst, sowie die Funktion und Rolle von alten und neuen Medien in künstlerischen Praktiken.
Zur Vorbereitung: Juliane Rebentisch, „Theorien der Gegenwartskunst. Zur Einführung“, Hamburg: Junius, 2014.

 

 

 

 

Seminar Philosophie der Choreographie (auch Modul E.02.09)
Dipl.-Theatr. Stefan Apostolou-Hölscher

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Zeit Mittwoch 10.00–14.00 Uhr, 14-tägig, Beginn: 15.10.2014, weitere Termine: 29.10., 12.11., 19.11., 10.12., 17.12.2014 und 21.01.2015
Kontakt apostolou-hoelscher@adbk.mhn.de

 

Tanz als „reine“ Bewegung und Metapher für das Denken war lange die wohl theorieresistenteste Kunstform überhaupt, obwohl bereits in den 1960ern Yvonne Rainer und andere Mitglieder des legendären Judson Church Theatre mit dem bis heute dominierenden, kinästhetischen Paradigma brachen und sich an anderen Künsten, in erster Linie der Bildenden Kunst, orientierten, um alternative Ästhetiken zu entwickeln. Hiervon sicherlich geprägt, zeichnet sich innerhalb der Choreographie seit Mitte der 1990er und vehementer sogar in den 2000ern eine noch weitreichendere Hinterfragung des modernistischen Erbes ab: Während Tanz demnach allein die Tätigkeit rhythmisch bewegter Körper in Raum und Zeit bezeichnet, öffnen ihn dagegen so verschiedene Akteure wie bsp. Jérôme Bel, Jonathan Burrows, Boris Charmatz, Alice Chauchat, Bojana Cvejić, Mette Ingvartsen, Thomas Plischke, Mårten Spångberg, Petra Sabisch, Tino Sehgal oder Xavier le Roy gegenüber heterogenen Problematiken, Verfahrensweisen und Tätigkeitsformen.
Ihnen gemeinsam war von Anfang an und ist nach wie vor die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Philosophie als festem Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Zunächst kamen neue Konzepte von Choreographie und Tanz in Auseinandersetzung u.a. mit Roland Barthes Überlegungen zum „Tod des Autors“, dekonstruktivistischen Ansätzen und dem sogenannten „performative turn“ auf, während für andere eher das Denken von Gilles Deleuze und Félix Guattari von zentraler Provenienz war. In den 00ern erhalten dann Affektheoretiker wie Brian Massumi und zuletzt, in den 10ern, eine unter dem geschickt platzierten Label des Spekulativen Realismus versammelte Strömung Einzug, um die Praktiken von Performance und Choreographie ebenso zu modifizieren wie in verschiedene Richtungen zu erweitern.
Das zweiwöchige und in je vierstündigen Blöcken organisierte Seminar adressiert alle an Performance und Choreographie interessierten Studierenden. Es startet mit einem Panorama über die Praktiken des Judson Church Theatre in den 60ern und dessen Beziehung zur Bildenden Kunst (Yvonne Rainer, Robert Morris etc.), um sich dann – darauf aufbauend – dem Verhältnis zwischen Performance, Philosophie und Choreographie seit den 90ern und bis heute zu widmen. Jede Sitzung beginnt mit einer gemeinsamen Videosichtung und -besprechung, an welche sich die gemeinsame Lektüre philosophischer Texte anschließt, die konstituierend für die Genealogie der jeweiligen Strategien und Stücke sind.

 

Für die Bereitstellung der Materialien in einer entsprechenden Dropbox schon für die erste Sitzung am 15.10.2014 wird um eine kurze Kontaktaufnahme per E-Mail gebeten.

 

 

 

 

Blockseminar Gilles Deleuze und die Theorie des Diagramms (auch Modul E.02.09)
Dr. Daniela Voss

 

Raum E.O2.29, Akademiestr. 4
Termine Donnerstag, 15.01.2015, Freitag, 16.01.2015, Samstag, 17.01.2015 jeweils 10.00–16.00 Uhr
Kontakt/Anmeldung vossdani@gmail.com

 

Was ist unter dem Begriff des Diagramms zu verstehen? In welchem Verhältnis steht es zu architektonischen Plänen, zu Karten und zu Graphen? In „Überwachen und Strafen“ gebraucht Michel Foucault den Begriff des Diagramms in seiner Analyse der Disziplinargesellschaft. Es bezeichnet dort ein architektonisches und optisches System, das ‚Panoptikum‘, das sich definiert durch eine Verteilung der Sichtbarkeiten (im Gefängnis: Sichtbarkeit der Gefangenen, Unsichtbarkeit der Wärter). In einem weiten Sinne jedoch stellt es für ihn eine politische Technologie dar, die man von ihrer spezifischen Verwendung lösen kann.
Deleuze entwickelt den Foucault’schen Begriff des Diagramms weiter. Das Diagramm ist für ihn eine abstrakte Maschine, die dem gesellschaftlichen Feld immanent ist und reine Kräfteverhältnisse ausdrückt. Diagramme treten im Plural auf: Sie können einander überlappen, einzelne Elemente weiterführen und verstärken, oder auch sich zuwiderlaufen. Das revolutionäre Diagramm ist ein Kontinuum oder ein Zusammentreffen von allem, was flieht, und das dem Disziplinardiagramm zu entrinnen sucht.
Welche Rolle spielt dieser philosophisch-technische Begriff in der Kunst? Wieso taucht er in Deleuzes Buch über Francis Bacon auf? Können wir mit dem Begriff anknüpfen an andere Beispiele in der Kunst?
Im Mittelpunkt des Seminars stehen die Auseinandersetzung mit Deleuzes philosophischen Texten und die Diskussion seiner Theorie des Diagramms. Vor diesem Hintergrund suchen wir nach weiteren Anwendungsmöglichkeiten dieses notorisch schwierigen Begriffs in den Künsten, v. a. in Architektur und Malerei.
Eine vorherige Anmeldung sowie die Übernahme eines Referats sind erforderlich.

 

 

 

 

 

Szenen der politischen Ästhetik I (Lektüreseminar) (auch Modul E.01.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Dienstag 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 08.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Der Bezug von Kunst und Politik wird zuletzt vermehrt innerhalb einer eigenen Disziplin, der „politischen Ästhetik", untersucht: politisch ist die Ästhetik insofern, als sie die politischen Verfasstheiten, Intentionen und Effekte künstlerischer Praktiken untersucht. Dies geschieht auf sehr unterschiedliche Weise, denn Kunst kann entweder indirekt, in ihrer Darstellung oder Nicht-Darstellung, als politisch gelten, sie kann aber auch direkt in die politische Wirklichkeit eingreifen, um diese zu verändern.

 

Im Seminar sollen diese verschiedenen Positionen politischer Ästhetik untersucht werden. Ausgehend von Positionen des frühen 20. Jahrhunderts (Benjamin, Brecht) über die Untersuchung militanter Bildpolitiken der 1960er und 1970er Jahre (Debord, Godard) soll eine Genealogie zeitgenössischer Positionen (Rancière, Badiou, Bourriaud) erarbeitet werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den soeben übersetzten Szenen des ästhetischen Regimes von Jacques Rancières, in denen Rancière selbst eine transmediale Geschichte der Anfänge der politischen Ästhetik entwirft.

 

Zur Vorbereitung: Jacques Rancière, Aisthesis. Vierzehn Szenen, Wien: Passagen Verlag 2013. Der Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Anfang des Semesters verteilt.

 

 

 

Szenen der politischen Ästhetik II (Interventionen) (auch Modul E.01.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Dienstag 14.00 - 16.00 Uhr | Beginn: 08.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Neben der Lektüre der Texte werden im zweiten Teil des Seminars klassische und zeitgenössische künstlerische und filmische Arbeiten präsentiert und besprochen. Die Auswahl dieser Arbeiten wird in Absprache mit den Studierenden vorgenommen. Außerdem sind die Studierenden aufgefordert, ihre eigenen bereits existierenden oder gerade entstehenden Arbeiten zu präsentieren, um sie hinsichtlich ihrer politisch-ästhetischen Potentiale hin zu diskutieren. Dabei sollen nach Möglichkeit alle künstlerischen Medien – malerische, skulpturale, fotografische, performative, filmische etc. Arbeitsformen – gleichermaßen präsent sein. So ließe sich ebenfalls zeigen, dass das „Politische" der Kunst nicht an ein spezifisches Medium gebunden ist, bzw. ließe sich fragen, ob es sich in unterschiedlichen künstlerischen Medien je anders entfaltet. Diese Verbindung von theoretischem und künstlerischem Arbeiten soll die im Lektüreseminar erarbeiteten philosophischen Texte zugleich für die Konzeption und Ausarbeitung der künstlerischen Arbeiten fruchtbar machen.

 

Eine Teilnahme an diesem Seminar setzt die Teilnahme am Lektüreseminar „Szenen der politischen Ästhetik I" voraus.

 

 

 

studienwerkstatt PHILOSOPHIE

Dr. Karin Hutflötz

 

Seminar | Dienstag 16.00 - 19.00 Uhr | Beginn: 8.4.2014

Raum: A.EG.01

Kontakt: hutfloetz@adbk.mhn.de

 

Die „studienwerkstatt PHILOSOPHIE“ bietet inhaltliche und methodische Anregungen, um aktuelle Diskurse und theoretische Zusammenhänge komplexer verstehen und kompetenter mitgestalten zu können.


Analog zu den anderen Studienwerkstätten im Haus handelt es sich um ein freies Angebot für Studierende, die sich in Bezug auf ihre eigene Arbeit mit philosophischen Fragen ihrer Wahl, aber auch mit Texten, Denkweisen und Diskursen der Philosophie und Ästhetischen Theorie auseinandersetzen wollen. Im gemeinsamen Textstudium und sokratischen Gespräch wird Theorie als Praxis des Denkens und Philosophieren als Einüben in selbstreflexives Denken erfahren und kann sich stärker in der künstlerischen Praxis der Studierenden verankern.


Dies bietet auch Raum zum performativen Arbeiten mit Philosophie und Literatur im Medium von Bild/Klang/Szene und Bewegung. Selbst schwierige Texte und abstrakte Denkfiguren erschließen sich dem Verständnis vielschichtiger und je neu, wenn sie leibhaftig zur Präsenz und verkörpert im Raum in ihrer impliziten Bildhaftigkeit und Narrativität sichtbar werden.

 

 

 

Biopolitik und Kunst (auch Modul E.02.09)

Prof. Dr. Maria Muhle

 

Seminar | Mittwoch 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 09.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: muhle@adbk.mhn.de

 

Laut Michel Foucault bezeichnet Biopolitik jene moderne Machtform, „deren Organisation eher auf der Verwaltung des Lebens als auf der Drohung mit dem Tod beruht" und deren zentrale Zielscheibe „der Sex am Kreuzungspunkt von ‚Körper' und ‚Bevölkerung'" ist. Sie ist eine Form der Macht, die das Leben vollständig durchsetzt, um es zu steigern und zu vervielfältigen, anstatt es zu unterdrücken und zu bedrohen. Biopolitik ist in der Folge Foucaults zur paradigmatischen Beschreibung zeitgenössischer politischer Bedingungen avanciert, sei es hinsichtlich der immer stärker in den Vordergrund rückenden biologisch-medizinischen Verbesserung des menschlichen Lebens, die eine möglichst fehlerfreie Vermehrung der Gattung gewährleisten soll, sei es hinsichtlich der Selbstverbesserung jenes „unternehmerischen Selbst", das die Ansprüche des post-fordistischen Kapitalismus vollkommen verinnerlicht hat, sodass jede Äußerung individueller Kreativität zu einem Moment biopolitischer Lebenssteigerung wird. Dabei ist es ein wesentlicher Zug der biopolitischen Machttechniken, dass sie sich indirekt, also vermittelt oder medialisiert auf die Bevölkerung beziehen – u.a. durch die Produktion von Dingen, Milieus oder Bildern des Lebens, die zu biopolitischen Machtdispositiven werden.


In einem ersten Teil untersucht das Seminar den Begriff der Biopolitik in der Machtanalytik Foucaults anhand seiner Unterscheidung vom souveränen und disziplinären Machtregime. Neben der Position Foucaults sollen weitere zentrale Positionen der biopolitischen Debatte (Deleuze, Agamben, Negri) erörtert werden. In einem zweiten Teil soll anhand von Beispielen aus der Bildenden Kunst, den performativen Künsten sowie aus Film und Video gefragt werden, wie sich diese biopolitische Verfasstheit der Macht auf die zeitgenössischen künstlerischen Praktiken sowie auf ihre Kreativitätsbegriffe auswirkt.


Zur Vorbereitung: Thomas Lemke, Biopolitik zur Einführung, Hamburg: Junius 2007.


Der Seminarplan und die Lektüreliste werden zu Anfang des Semesters verteilt

 

 

 

Zur Philosophie der Verführung (auch Modul E.02.09)

Dr. Thomas Steinforth (Lehrbeauftragter)

 

Blockseminar | Mittwoch 16.00 - 19.00 Uhr | Beginn 30.04.2014

Raum E.O2.29

Kontakt: Thomas.Steinforth@t-online.de

 

Verführen und Verführt-Werden scheinen Grundvollzüge menschlichen Lebens und Zusammen-Lebens zu sein. Was genau aber tun und erleben wir, wenn wir jemanden verführen oder wenn wir verführt werden? Werden wir im Verführt-Werden eher manipulativ und entfremdend von dem weg-geführt, was wir „eigentlich" wollen, oder werden wir durch den Verführer erst zu unserem „wahren" Wollen und Begehren hin-geführt? Ist also das Verführen eher ein diabolisches Verleiten zum Bösen, vielleicht auch eine Strategie nicht-repressiver Machtausübung oder aber eher ein subversiv-befreiender Akt, der uns hilft, dem eigenen Begehren und damit vielleicht sogar der eigenen „Identität" erst auf die Spur zu kommen? Und wie „funktioniert" das Verführen – worin gründet und besteht Verführungskraft?
Die Frage, was das Verführen eigentlich sei und für den Menschen als freies, vernunftbegabtes Wesen bedeute, wird ebenso im Mittelpunkt der philosophischen Diskussion stehen wie die Frage nach Typen, Techniken, Medien und Settings der Verführung. Da in der neueren Philosophie insbesondere Zeichen und Bildern eine spezifische Verführungsmacht zugeschrieben wird, stellt sich auch die Frage nach der Verführung im Kontext der Kunst und der ästhetischen Erfahrung. Und nicht zuletzt wird gefragt, ob nicht auch die Philosophie selbst – wie es einst Sokrates vorgeworfen wurde – eine eigene Verführungskraft besitzt.
Im Mittelpunkt stehen der Austausch zu philosophischen und psychoanalytischen Theorien des Verführens (z. B. Kierkegaard, Freud, Baudrillard) und die Auseinandersetzung mit der Inszenierung des Verführens in literarischen Texten, in der bildenden Kunst und im Film.

 

 

 

DAS ICH IM WIR? Soziale und kulturelle Identitäten im Umbruch

(auch Modul E.01.09)

Dr. Karin Hutflötz

 

Seminar | Donnerstag 11.00 - 13.00 Uhr | Beginn: 10.04.2014

Raum: E.O1.23

Kontakt: hutfloetz@adbk.mhn.de

 

Im Hinblick auf die aktuelle Problematik fragiler Identitäten geht es in diesem Seminar um die Rolle des sozialen Umfelds, der politischen Voraussetzungen und der kulturellen Deutungsmuster für Bildung und Transformation von Identität(en).


Im Mittelpunkt der Diskussion und Textlektüren werden vor allem Begriff und Bedeutung von Zugehörigkeit und Anerkennung für Identitätskonzepte und deren Dynamik stehen. Zu fragen ist, wie sich personale und kollektive Identitäten erst in sozialer Interaktion bilden, wie das Korrespondenz-Verhältnis zur Umwelt und einem Du als Gegenüber dem Ich erst Selbststand und Handlungsspielraum verleihen, und weshalb aus heutiger Sicht das intersubjektive „Spiegeln" (und nicht das monologische Reflektieren) die grundlegende Matrix der Subjektivität sein soll.


Damit treten auch die politischen und soziologischen Dimensionen des Themas in den Blick: die Rolle von Migration, Sprache und Politik für Zugehörigkeitsdiskurse und Identitätskonstruktionen; die Fragwürdigkeit von kultureller Identität in einer (markt-) globalisierten Welt; aber auch die dem Kapitalismus inhärente Tendenz zu organisierter Selbstverwirklichung und die daraus resultierenden Paradoxien der Individualisierung in der digitalen Massengesellschaft werden auf ihre philosophischen Bedingungen und denkbaren Alternativen hin diskutiert.


Alle Texte und ergänzende Literatur werden im Seminar zur Verfügung gestellt.