Internationale Vortragsreihe des cx centrum für interdisziplinäre studien   

Vortrag 1: Morehshin Allahyari | Künstlerin | New York: “Monströse Re-Figurationen”

Datum: DI  23.10.2018 | 19:00 Uhr

Ort: Historische Aula | Altbau der Akademie | Akademiestraße 2

 

Mit seinem siebten Jahresthema widmet sich das cx centrum für interdisziplinäre studien der Frage, wie das Menschliche in den Künsten und Wissenschaften aktuell neu bestimmt wird.

 

Human after Man

Termine der Vorträge

Beginn jeweils um 19 Uhr in der Historischen Aula im Altbau der Akademie 

 

Dienstag, 23. Oktober 2018

Monströse Re-Figurationen

Morehshin Allahyari, Künstlerin, New York

 

Die in New York lebende iranische Künstlerin Morehshin Allahyari bezieht sich in ihrem Vortrag „Monströse Re-Figurationen“ vor allem auf ihre 2017 begonnene Werkreihe „She Who Sees The Unknown“ zu digitalem Kolonialismus und Re-Figuration als feministische und aktivistische Praxis. Der in dieser Werkreihe stattfindende Rekonstruktionsprozess weiblicher Gottheiten, Monster und Djinns aus dem Nahen Osten dient Morehshin dazu, den weiblichen farbigen Körpern Macht zu verleihen, um den von ihnen erzählten Geschichten der Segregation und Kolonialisation entgegenzutreten und alternative Zukünfte zu imaginieren. Dabei steht für die Künstlerin, die hierin wiederum Rosi Braidotti folgt, das Monströse für eine Grenzfigur, „wel­che die Grenzen zwischen hierarchisch etablierten Unterscheidungen (zwischen Mensch/ Nichtmensch, Westlich/Nicht-Westlich) verschwimmen lässt.“ 

 

Angesichts der enormen Herausforderungen der Gegenwart und ihren ökologischen und gesellschaftlichen Krisen steht auch das Ideal des westlichen weißen Mannes als universaler Repräsentant des Menschlichen wiederholt in der Kritik. Nicht nur die transdisziplinären Diskurse des Posthumanismus und Post-Anthropozentrismus attackieren diese Normierung des Menschseins und dekonstruieren sie gemeinsam mit der Annahme, der Mensch würde eine herausragende Sonderstellung unter den vielfältigen Lebensformen der Erde einnehmen. Auch die Künste, für die das Menschenbild schon immer von genuinem Interesse war, arbeiten intensiv an der Aufhebung lang etablierter Festlegungen des Menschseins und entwerfen in radikaler und teils höchst spekulativer Art und Weise alternative Formen des Humanum.

 

Mit seinem siebten Jahresthema widmet sich das cx centrum für interdisziplinäre studien der Frage, wie das Menschliche in den Künsten und Wissenschaften aktuell neu bestimmt wird. Der Titel des Jahresthemas bezieht sich auf die Formulierung „Towards Human after Man“ von Sylvia Wynter. Die jamaikanische Autorin und Philosophin plädiert bereits seit mehreren Jahrzehnten für eine Perspektive, die in den Rand- und Schwellenbezirken der vorherrschenden westlich normierten und rassifizierten Konfiguration des Menschen angesiedelt ist, um das Menschsein anders zu denken. Sie schlägt damit parallel zu einer Reihe weiterer Theoretiker_innen der Black Studies eine dekoloniale Konzeption des Menschlichen vor, die in den gegenwärtigen posthumanistischen Diskursen häufig unterbelichtet bleibt. Human after Man versucht dezidiert diese dekoloniale Perspektive mit Ansätzen in Bezug zu setzen, die vorrangig im Klimawandel, gegenwärtigen Artensterben (Ursula K. Heise) oder einer immer engeren Verschmelzung von Lebendigem und Technischem und den damit verbundenen kapitalistischen Ausbeutungsmechanismen (Rosi Braidotti) den zwingenden Anlass für eine Neubestimmung des Menschlichen sehen. Die Vortragsreihe geht dabei in kritische Distanz zum Super- oder Transhumanismus und seiner Idee der technischen Verbesserung oder Erweiterung des Menschen. Der Mensch erscheint in ihr nicht nur als biologisches Wesen, sondern als ein vielgestaltiges Humanum, dessen Formen auch von diversen sozialen und mythologisch-fiktiven Narrativen geprägt sind. 

 

 

Termine der Vorträge

Beginn jeweils um 19 Uhr in der Historischen Aula im Altbau der Akademie 

 

Dienstag, 23. Oktober 2018

Monströse Re-Figurationen

 

Morehshin Allahyari, Künstlerin, New York 



Dienstag, 30. Oktober 2018

Menschsein dekolonialisieren

 

Jean-Pierre Bekolo, Filmregisseur, Yaoundé



Dienstag, 6. November 2018

Der Co/Sympoietische Mensch

 

Bracha L. Ettinger, Künstlerin, Theoretikerin, Psychoanalytikerin, Paris/Tel Aviv 

Kathrin Thiele, außerordentliche Professorin für Gender Studies und Kritische Theorie, Department of Media and Culture Studies, Utrecht University 



Dienstag, 20. November 2018

Jenseits der Heteronormativität

 

Maja Gunn, Modedesignerin, Designforscherin, Professorin für Handwerk (Textilkunst), HDK-Academy of Design and Crafts, Göteborg 

Zairong Xiang, Gender- und dekolonialer Theoretiker, Komparatist, Universität Potsdam



Dienstag, 18. Dezember 2018

Avatar-Werden

 

Louisa Gagliardi, Künstlerin, Zürich

Luciana Parisi, außerordentliche Professorin für Kulturtheorie, Goldsmith University London 

 


Dienstag, 8. Januar 2019

Animismus und die Idee des Menschlichen

 

Istvan Praet, außerordentlicher Professor für Anthropologie, University of Roehampton, London

 

 

Die Vorträge finden in deutscher oder englischer Sprache statt.

An die Vorträge schließt jeweils eine moderierte Diskussion an.

Eine Veröffentlichung mit den Beiträgen der Vortragsreihe ist in Planung.

 

 

Konzipiert und moderiert von

Susanne Witzgall, Leitung cx, Akademie der Bildenden Künste München

Marietta Kesting, Juniorprofessorin für Medientheorie, cx, Akademie der Bildenden Künste München

 

in Zusammenarbeit mit

Tanja Seiner, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Design- und Architekturtheorie im SS 2018 

Karianne Fogelberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Design- und Architekturtheorie am cx

 

 

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Das Programm des cx centrum für interdisziplinäre studien wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01PL16023 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor_innen.

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