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Vortrag von Veit Loers

DI 13.05.14 | 19:00 Uhr

Vortragssaal im Neubau | 2. Obergeschoss | Akademiestr. 4

 

Was ist die „Aura“ eines Kunstwerks? Und aus welchen geistigen Quellen schöpft die Kunst? Veit Loers beginnt seine Spurensuche bei Hans Prinzhorns 1922 veröffentlichtem Buch „Die Bildnerei der Geisteskranken“, das mit seinen zahlreichen Illustrationen von psychisch Kranken auf viele surrealistische Künstler – wie Max Ernst, André Masson oder Salvador  Dalí – enormen Einfluss ausübte. Doch woher bezogen die Patienten ihre Motive? Prinzhorn, der sich auf die Forschungen von C. G. Jung, Edmund Husserl und Ludwig Klages stützte, vermutete eine Art kollektiver Erinnerung hinter den Bildern. Zuvor hatte er den großen Kunstgelehrten Aby Warburg im Nervensanatorium Kreuzlingen besucht, wo dieser an seinem Mnemosyne-Bildatlas arbeitete: einer großangelegten Materialsammlung, die das Fortleben antiker und vorantiker Motive in der Kunst des Mittelalters und der Renaissance aufdecken sollte. Der Rückgriff auf künstlerische Bilderfindungen einer Vor- oder Urzeit hat aber noch einen anderen Ahnherrn, den Münchner Altphilologen und Antisemiten Alfred Schuler, der zeitweise zum Kreis um den Dichter Stefan George gehörte. Mit „Telesma“ umschrieb er eine leuchtende Substanz, die – im Blut vererbbar – die großen geistigen Intuitionen der Menschheitsgeschichte, auch in der Kunst,  hervorrufe. Den ebenfalls von Schuler geprägten Begriff der Aura übernahm Walter Benjamin später in seinem berühmten Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Von hier spannt Veit Loers den Bogen nach München zurück und zeigt, wie Günther Förg an diese kunsthistorischen Wurzeln anschließt. Veit Loers (*1942) gehört mit wichtigen Ausstellungen etwa zu Franz West, Martin Kippenberger oder Günther Förg zu den renommiertesten deutschen Kuratoren.

Seit 1987 war er künstlerischer Direktor des Fridericianums Kassel, 1995–2003 Direktor des Abteibergmuseums Mönchengladbach, 2000–2002 Kurator der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, zuletzt Leiter des Kunstraums Innsbruck.
In der Frankfurter Schirn zeigte er 1995 die Ausstellung „Okkultismus und Avantgarde“, deren Thema er für seinen Vortrag wiederaufnimmt. Veit Loers lebt im Veneto.

 

Auf Einladung der Klasse Gregor Schneider